1

„Wir wissen noch, wie es ist, Hunger zu haben und zu frieren“

„Wir wissen noch, wie es ist, Hunger zu haben und zu frieren“, erinnert sich ein 85-Jähriger aus dem Hohenlohekreis an den 2. Weltkrieg zurück. Damals war er ein kleiner Junge, als Deutschland nicht nur Kriegspartei war, sondern kriegsführend.

Trauma in der Kriegsgeneration steigt wieder hoch

Ein Trauma steigt in diesen Wochen in vielen Köpfen derer hoch, die in einem ähnlichen Alter sind wie der 85-Jährige. Ein Kriegstrauma, das man nie vergisst. Wie es ist Hunger zu leiden, zu frieren, wie es ist, wochenlang im Bunker zu sitzen, wie es ist, wenn Bomben fallen, das wissen hierzulande nur noch die wenigsten. Zum Glück. Aber eben diese Wenigen haben deutlich mehr Angst vor dem Krieg in der Ukraine nun, weil sie wissen, was es heißt, im Krieg zu sein. Und Deutschland, Arm in Arm mit den anderen europäischen Staaten, ist auf dem besten Wege dorthin.

Deutschland im Krieg

Wer Waffen liefert, Panzer, Munition und Geld, nimmt nicht nur Anteil am Schicksal der leidenden ukrainischen Bevölkerung und hilft mit humanitärem Engagement, sondern ist aktiver Kriegsteilnehmer. Nur will das derzeit anscheinend noch keiner wahrnehmen.

„Wir sollten das Risiko, das wir eingehen, nicht unterschätzen“, sagte Adam Tooze gegenüber dem Spiegel unlängst in einem Interview. Der britische Wirtschaftshistoriker erklärt: „Mich erinnert das Vorgehen des Westens ein wenig an Anfang 1941. Damals haben die USA noch nicht am Weltkrieg teilgenommen, aber Großbritannien und anderen Gegnern der Achsenmächte kriegswichtiges Material geliefert. Hitler hat das nicht akzeptiert und den USA den Krieg erklärt.“

Hitler hat das nicht akzeptiert

So sehr die europäischen Staaten und die NATO immer wieder nach aussen beteuern, die Ukraine lediglich im Krieg zu unterstützen, aber selbst nicht aktiv teilzunehmen, desto lächerlicher wirkt es angesichts der rollenden Panzer auf Deutschlands Autobahnen. Ursula von der Leyens Zeichen nun, der Ukraine schnellstmögliche EU-Beitrittshandlungen zu gewähren, löscht vermutlich auch nicht den Flächenbrand, sondern gießt noch zusätzlich Öl ins Feuer. Wladimir Putin wird es als eine weitere Provokation auffassen. Bleibt zu hoffen, dass er nicht schon bald als Antwort anderen Staaten den Krieg erklärt – und wenn es „nur“ in Form eines Energiestopps wäre.

Es würde verdammt kalt werden. Sind wir dazu wirklich bereit?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann