Der Trainingsalltag eines Kunstturners – „Man muss sich quälen können“
Seit elf Jahren gibt es den Kochertalturnstützpunkt, der aufgrund von Spenden der Albert Berner Stiftung verwirklicht werden konnte und seine qualitativ hochwertige Arbeit im Bereich des Kunstturnens durch Mitgliedsbeiträge der Turner und den finanziellen Beitrag der Mitgliedsvereine sichert. Eine große Aufgabe, die er mit Bravour meistert, lastet aktuell auf den Schultern von Trainer Dirk Gläser, der seit 2017 die Abteilung leitet.
über 60 Kinder trainieren an den Geräten
Über 30 Jahre Erfahrung als Trainer im Nachwuchsleistungssport und Spitzensport bringt Gläser mit. Als Nachfolger von Erfolgstrainer Andras Iszlai bringt er neuen Schwung in das Kochertal. Wie auch Iszlai aus rohen Diamanten wertvolle Edelsteine formte, so sichtet der Neue, Dirk Glaser, ebenso mit Weitblick Turntalente. Die ruhige Art haben beide Trainer gemeinsam. Mit viel Gespür holen sie talentierte Nachwuchsturner auf die Matte. So gehen allein bei den Jungen aktuell zirka 40 Turner bei regionalen Wettkämpfen an den Start.

Beine hoch und durchatmen. Foto: GSCHWÄTZ
Im Training üben sogar an die 60 Kinder und Jugendliche eifrig an den anspruchsvollen Geräten. Sie wissen die charmante, ehrgeizige und selbstbewusste Art von Gläser zu schätzen. Es braucht nicht viele Worte. Er, der zuvor bereits für acht Jahre in Norwegen als Trainer gearbeitet hat, versteht sein Handwerk, hat die Kids im Griff, die Trainingseinheiten laufen reibungslos ab.
Der Nachwuchs trainiert eisern für große Erfolge, wenn auch die ganz großen Ziele wie die Teilnahme bei Weltmeisterschaften oder bei Olympischen Spielen ausbleiben. Dies tut der guten Stimmung im Team jedoch keinen Abbruch, denn bei den Kunstturnern kann man von einer großen Turnfamilie sprechen. Ganz neu im Angebot ist die „Offene Halle“, die jeden Samstagvormittag Kunstturnkinder und deren Eltern nach Ingelfingen in die Sporthalle lockt. Dieses Angebot kommt super an. Der Nachwuchs kann den Eltern und Geschwistern neu erlernte Elemente zeigen. Danach können sich Mutter und Vater am Reck oder auf dem Balken ausprobieren.
Es benötigt ungefähr 300 bis 500 Versuche, bis ein Element beherrscht wird.
Doch nicht nur Turnen ist an diesen Vormittagen angesagt. Die Turner spielen auch mal Ball oder klettern. „Ein Turner kann alles“, so beschreibt Gläser den Fitnesszustand seiner Jungs. Bis es so weit ist, ist hartes Training erforderlich. Anfänger trainieren zwei Mal pro Woche. Die Aufbaugruppe muss drei bis vier Mal in der Woche ran, während Leistungskinder sogar fünf Mal pro Woche trainieren. Zur Leistungsgruppe hinzu kommen sogenannte Spaßkinder, die den Sport als eine Art Freizeitbeschäftigung sehen und nicht gezielt auf Wettkämpfe hinarbeiten. Diese Jungen kommen dann nur ein oder zwei Mal in der Woche, sind aber genauso willkommen wie alle anderen.

Adler im Landeanflug. Eine gute Körperbeherrschung ist das A und O. Foto: GSCHWÄTZ
Wer Erfolge einfahren will, muss schwitzen. Das weiß auch Gläser: „Man muss bereit sein, zu arbeiten.“ Und er fügt hinzu: „Man muss sich quälen können.“ Geduld ist angesagt, denn es benötigt ungefähr 300 bis 500 Versuche, bis ein Element beherrscht wird. Ungefähr 3.000 Turnelemente gibt es. „Wenn wir gut sind, lernen wir 600“, schätzt Gläser.
Nicht gut, sondern sehr gut waren 2017/18 Marlon Mix, Michael Bogdahn, Robin Rabb, Tim Neidhöfer sowie Benni und Basti Hofmann. Marlon Mix vom TSV Künzelsau errang im Landesfinale des Schwäbischen Turnerbundes bei den Achtjährigen den ersten Platz. Michael Bogdahn, ebenfalls vom TSV Künzelsau, stand beim Landesfinale des STB in Leonberg in der Altersklasse der 13-Jährigen ebenfalls am Ende auf dem höchsten Podest.
Mit den Hofmann-Zwillingen vom TSV Niedernhall waren zwei Vertreter bei der Deutschen Jugendmehrkampfmeisterschaft dabei: Basti freute sich über einen souveränen 2. Platz. Mittlerweile sind einige Jugendliche in der dritten Herrenmannschaft der KTV Hohenlohe integriert. Dieses Ziel, die Herrenmannschaften zu unterstützen, haben wohl die meisten Nachwuchsturner. Die erste Mannschaft turnt nämlich erfolgreich in der Dritten Bundesliga: gegen Vereine aus Bochum, Karlsruhe und Fulda.

Schwebebalken, Barren, Reck: Vor diesen Geräten sollte man sich nicht fürchten. Foto: GSCHWÄTZ
Kunstturnvereinigung Hohenlohe:
Die KTV Hohenlohe (Kunstturnvereinigung Hohenlohe) wurde 1972 ins Leben gerufen. Das Ziel der teilnehmenden Vereine war es, durch die Zusammenarbeit in der Schwäbischen Turnliga mit großen Vereinen mithalten zu können. Gesagt, getan: Heute stellt die Vereinigung drei Herrenmannschaften, dazu drei Damen-Teams. Im Jahr 2009 wurde die Sparte Leichtathletik mit an Bord genommen – ebenfalls sehr erfolgreich. Aktiv mitwirkende Vereine sind der TSV Künzelsau, der TSV Ingelfingen, der TSV Niedernhall, die TSG Öhringen, der TSV Markelsheim und die TSG Waldenburg.