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„Ökologische Katastrophe“

GSCHWÄTZ: Ich stehe hier in Oberregenbach mit Markus Hannemann, dem Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst. Es hat seit Wochen und Monaten fast gar nicht mehr geregelt. Wir erleben hier eine einzigartige Dürreperiode. Herr Hannemann, welche Auswirkungen hat diese Dürreperiode jetzt auf die Jagst?

„Das tut den Lebewesen in der Jagst nicht gut“

Markus Hannemann: Die Fische und die anderen Lebewesen in der Jagst, dazu gehören auch Wirbellose oder Muscheln, stehen ständig unter Stress durch die hohen Wassertemperaturen von teilweise bis zu 27 Grad in der Nacht. Es ist einfach sehr extrem und das tut natürlich den Lebewesen in der Jagst nicht besonders gut.

GSCHWÄTZ: Wir haben uns für das Interview am Wasserkraftwerk in Oberregenbach getroffen – und das nicht ohne Grund. Die Kraftwerksbetreiber sind von den jeweiligen Landratsämtern von Schwäbisch Hall und Künzelsau angehalten worden, dass sie kein Wasser mehr anstauen sollen. Warum ist das so wichtig?

„Todesfalle“

Markus Hannemann: Ich möchte nicht alle Kraftwerksbetreiber über einen Kamm scheren, aber es gibt einzelne, die den so genannten Schallbetrieb durch Anstauen des Wassers verursachen, so dass dann über dieses Wehr, an dem wir hier stehen, beispielsweise kein Wasser mehr drüberfließt. Und da kann man sich vorstellen, was unterhalb dieses Bereiches passiert mit dem Wasser. Das heißt, wenn kein Wasser mehr von oben kommt, werden die ganzen Kiesbänke von jetzt auf nachher trockengelegt. Das wird dann quasi zur Todesfalle für die darin lebenden Lebewesen.

GSCHWÄTZ: Was fordern Sie denn von Kraftwerksbetreibern oder was wäre denn wichtig?

Überlebenschancen für die kleinsten Lebewesen

Markus Hannemann: Diesen Schwallbetrieb einzustellen, da er einen immensen ökologischen Schaden an der Jagst verursacht. Man sollte sich einfach an die Regeln halten, an den Mindestpegelstand, die Mindestabgabemenge des Wassers für die Wasserstrecken unterhalb des Wehres. Diese müssen genügend versorgt werden, dass die Lebewesen auch eine Überlebenschance haben.

GSCHWÄTZ: Was passiert, wenn etwa ein Kiesbett durch das Anstauen des Wassers für eine halbe Stunde trockengelegt wird?

Markus Hannemann: Ganz einfach. Dann ist vermutlich alles verendet. Es sind ja nicht nur Fische, sondern zum Beispiel auch Muscheln. Hier in diesem Bereich gibt es etwa die , da gibt es ganz geschützte Muscheln, die Union des Crassus, die kommt hier ganz besonders oft vor hier. Und es ist eine ganz seltene Muscheln Art, die leiden darunter. Oder auch natürlich die Fischen Bärtierchen, die sogenannten Macro Zero Ventus, die Insekten Larven. Auf gut Deutsch gesagt, für die ist es genauso eine Todesfalle.

Ein ganzer Mikrokosmos kann sterben

GSCHWÄTZ: Das heißt, wenn es dann dumm läuft, kann da ein ganzer Mikrokosmos aussterben in kürzester Zeit.

Markus Hannemann: Genau. Das ist eine ökologische Katastrophe. Und daher bitten wir einfach als Naturschützer, dass sich auch die Kraftwerksbetreiber an die Regeln zu halten. Die meisten halten sich ja dran, aber einzelne nicht. Daher sollte man eigentlich von Gesetzes wegen verfügen, dass alle Anlagen auf den neuesten technischen Stand gebracht werden müssten, dass die Pegelstände automatisch und digital übermittelt und veröffentlicht werden und man dadurch auch den tatsächlichen einzelnen Verursacher feststellen kann.

GSCHWÄTZ: Wir haben vorhin davon gesprochen, dass teilweise die Pegelstände zehn Zentimeter unterschritten werden. Da gibt es laut Ihren Aussagen auch Fotos und Videos davon. Was droht denn den Verursachern, die sich nicht daran halten?

„Exempel statuieren“

Markus Hannemann: Das ist eine Ordnungswidrigkeit und wird theoretisch mit einem Bußgeld geahndet. Nur muss es dann halt auch verhängt werden von den Landratsämtern und das muss auch als Exempel statuiert werden.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Keine Künzelsauer Apfelschorle in diesem Jahr

Aufgrund der wochenlangen Hitze und Trockenheit sind viele Äpfel nicht mehr verwertbar oder hängen schon nicht mehr auf den Bäumen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Die Stadtverwaltung Künzelsau muss daher leider die Apfel-Sammelaktion, die am 16. und 17. September 2022 im zukünftigen Baugebiet „In den Hälden“ in Belsenberg stattfinden sollte, absagen.

 

 




„Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden“

Unlängst haben wir von einem Landwirt aus dem Kochertal berichtet, der aufgrund der voraussichtlich schlechten Ernte aufgrund der Dürre einen Teil seiner Rinder im Herbst schlachten muss, weil er seine Tiere vermutlich nicht alle satt bekommt. Wir haben daraufhin bei Helmut Bleher, dem Kreisgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, nachgefragt, ob es sich hier um einen Einzelfall handelt oder ob noch weitere Betriebe drohen, in diese Notlage zu rutschen.

Kein Futter für die Tiere

GSCHWÄTZ: Sieht es bei den anderen landwirtschaftlichen Betrieben ähnlich aus, wie bei dem Landwirt im Kochertal?

Bleher: Die Trockenheit bereitet derzeit große Sorge. Vor allem die Futtergrundlage für die Tiere ist stark gefährdet, weil die Sommerschnitte ausfallen und der Mais verdorrt und keine guten Kolben ausbildet. Landwirte, die nicht noch Reserven aus Vorjahren haben, werden den Viehbestand abstocken müssen. Denn Grobfutter wie Heu oder Silage kann nicht einfach so zugekauft werden.

Mittelfristig werde Milch und Rindfleisch knapper

GSCHWÄTZ:  Wenn Rinder geschlachtet werden müssen, müsste doch eigentlich der Rindpreis fallen?

Ob der Rindfleischpreis unter Druck gerät, wenn in Teilen Deutschlands Herden abgestockt werden müssen, ist so nicht einfach zu beantworten. Der Rindfleischpreis hängt von weltweiten Einflüssen ab. Nach einer Schwäche in den letzten Monaten stabilisiert er sich aktuell wieder. Eher ist durch die jetzt befürchteten Herdenverkleinerungen damit zu rechnen, dass mittelfristig, Rindfleisch – übrigens wie auch Milch – knapper wird. Inwiefern dies sich in steigenden Preisen niederschlägt, hängt aber vor allem vom Verbrauch ab: Denn die Menschen reagieren auf steigende Milch- und Fleischpreise recht schnell mit Änderung des Konsumverhaltens und Einsatz von pflanzlichen Ersatzprodukten (zB Margarine statt Butter). Die sind aber aufgrund des Ukrainekriegs auch knapp. Die Märkte sind in Bewegung und sehr volatil. In welche Richtung es geht, ist nicht absehbar. Vermutlich können wir mit weiter steigenden Preisen rechnen, weil alles knapp ist.

Ukrainekonflikt treibt die Preise für landwirtschaftliche Bedarfsmittel in schwindelerregende Höhen

GSCHWÄTZ: Müssen Verbraucher künftig mit steigenden oder fallenden Preisen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in den kommenden Monaten rechnen?

Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden. Dies hängt zum einen mit der erzeugten Mindermenge infolge des Ukrainekonflikts zusammen. Vor allem aber sind die landwirtschaftlichen Bedarfsstoffe wie Düngemittel und Treibstoff, zum Teil um das sechsfache teurer geworden. Landwirte werden nur dann arbeiten, wenn sie ihre Kosten gegenfinanzieren können. Sonst ist es günstiger, nichts zu erzeugen. Dies findet z.B. gerade in der Schweinehaltung in Deutschland statt. Die Versorgung wird dann über andere Wege, entweder über das Ausland oder über Austauschprodukte erfolgen. Insgesamt steigen dadurch die Preise zwangsläufig in allen Bereichen.

Verbraucher verzichten auf hochwertige Bio-Lebensmittel

Interessant ist momentan das Phänomen, dass die Verbraucher auf hochwertige Lebensmittel verzichten, also sparen, und dadurch ausgerechnet die politisch gewollte Umstrukturierung zu mehr „Bio“ ins Straucheln gerät. Auch Biolandwirte müssen Geld verdienen und haben ähnliche Kostensteigerungen wie konventionelle Landwirte. Trotzdem stagnieren dort die Preise, weil die teureren Produkte nicht mehr nachgefragt werden. Biomilchprodukte sind zwischenzeitlich in einigen Läden billiger als konventionelle. Den Mechanismen des Marktes kann sich keiner entziehen. Unsere stets geäußerte Auffassung, dass mehr auf den Markt und weniger auf Ideologie geachtet werden sollte, bewahrheitet sich aktuell schneller als wir gedacht hatten.

Häufung von Extremwettersituationen

GSCHWÄTZ: Sind das Ausnahme-Trocken-Sommer oder müssen sich Landwirte auf veränderte klimatische Bedingungen hierzulande einstellen?

Trockene Sommer hat es immer gegeben und das wird so bleiben. Trotzdem sehen wir eine gewisse Häufung von Extremwettersituationen, die vermutlich dem Klimawandel geschuldet sind. Die Landwirte stellen sich laufend auf veränderte Situationen ein. Man züchtet hitze- und trockenresistente Sorten und setzt die auch ein. Man ändert die Bodenbearbeitung, achtet noch mehr auf wassersparende Bewirtschaftung. Wir brauchen aber als Landwirte jetzt die Unterstützung und vor allem die Einsicht der Politik, dass wir vernünftig arbeiten können und nicht durch künstliche Vorgaben wie zum Beispiel Düngeverbote oder Verbot von Pflanzenschutzmitteln zusätzlich beeinträchtigt werden. Vieles was aus ackerbaulicher Sicht zur Ernährungssicherung dringend notwendig ist, steht im Widerspruch zu den am Grünen Tisch verfügten, oft ideologisch begründeten falsch verstandenen Maßnahmen zum Arten- Umwelt und Klimaschutz. Landwirte tragen mit ihrer sich stets an die Bedingungen anpassenden Arbeit am allerbesten aus Eigeninteresse zu einem effektiven Schutz unserer Ressourcen und zur nachhaltigen Erhaltung unserer Böden bei.

„Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist“

GSCHWÄTZ: Wie könnten Maßnahmen ausschauen, um sich an den Klimawandel auch in der Landwirtschaft optimal anzupassen?

Zu allererst müssen Landwirte in die Lage versetzt werden, selbstständig und angepasst arbeiten zu dürfen. Denn der beste Klimaschutz entsteht dadurch, dass je produzierter Lebensmitteleinheit (kg Getreide, Liter Milch, kg Obst oder Gemüse oder Fleisch) möglichst wenig klimaschädliche Ressourcen verbraucht werden und man in regenerativen Kreisläufen denkt. Dies ist aber bei der Politik und der Gesellschaft noch nicht angekommen. Viele glauben, dass durch Extensivierung der Böden und der Produktion das Klima umso mehr geschützt wird. Dies ist aber nicht der Fall. Denn die rund 8 Mrd Menschen auf der Welt müssen ernährt werden. Das was wir auf unseren hoch ertragreichen Böden nicht erzeugen, wird irgendwo auf der Welt, zum Teil mit katastrophalen Folgen erzeugt werden. Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist.  Wenn in Deutschland CO2 eingespart wird, ist das schön. Es  hilft aber nichts, wenn dafür in den entlegensten Steppen großflächig mit immensem Einsatz von Treibstoff und Düngung viel mehr CO2 verbraucht wird. Man muss daneben auch erkennen, dass zur Landwirtschaft eine ausgewogene Tierhaltung gehört. Denn Grünland, Wiesen und Weiden können eben nur über Rindvieh genutzt werden. Andernfalls würden diese verwalden und stünden nicht mehr der menschlichen Existenzsicherung zur Verfügung.

Kurz: wir brauchen eine faktenorientierte Klimapolitik, die den Landwirten zutraut, Lösung und nicht das Problem zu sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wenn das Futter nicht mehr reicht, müssen Rinder geschlachtet werden“

Trockenheit und Dürre so weit das Auge derzeit reicht. Landwirte schauen derzeit mit Sorge auf ihre Felder. Der Mais lässt seine Kolben hängen. Im Ackerboden tun sich tiefe Risse der Trockenheit auf, Abgeerntet werden teilweise halb vertrocknete Pflanzen. Wenn das Futter nicht reicht für die Tiere, müssen die ersten Rinder geschlachtet werden, so ein Landwirt aus dem Hohenlohekreis, der nicht namentlich genannt werden will.

Unter anderem Mais dient als Futter für die Tiere. Wenn aber dieser Mais nun halb vertrocknet abgeerntet wird, reicht das Futter möglicherweise nicht, um alle Tiere im Stall sattzukriegen. Im Herbst / Winter kann es dadurch zu ersten Notschlachtungen kommen, wie sich ein Landwirt aus dem Hohenlohekreis nun gegenüber GSCHWÄTZ geäussert hat.

Was für die Tiere bitter wäre und auch für die Landwirte, könnte auf dem derzeit sehr hochpreisigen Lebensmittelmarkt die Preise für Rindfleisch fallen lassen – was den Verbraucher sicher zunächst freuen wird, wenn er die Hintergründe hierfür nicht kennt.

Eine Lösung könnten staatliche Hilfen für die Landwirte sein, die mit dem Klimawandel auch im Hohenlohekreis zu kämpfen haben. Es regnet zu wenig, die Trockenheit breitet sich auch hierzulande immer weiter aus.

Nach dem Trockensommer 2018 beschloss die Bundesregierung diverse Maßnahmenpakete, um Landwirte zu unterstützen, die on größeren Ernteausfällen betroffen sind. So heißt es seit Mai 2022: „Bund und Länder können auf Grundlage einer Nationalen Rahmenrichtlinie zur Gewährung staatlicher Zuwendungen zur Bewältigung von Schäden in der Land- und Forstwirtschaft verursacht durch Naturkatastrophen oder widrige Witterungsverhältnisse (NRR) Hilfe in Form von Zuschüssen leisten.“

Dennoch werden anhaltende Dürreperioden für die Weltgemeinschaft insgesamt immer mehr zum Problem, da international betrachtet die Menschheit bei gleichbleibenden Abläufen bei anderen Witterungsbedingungen zu wenig Nahrung produzieren wird, um alle Menschen gleichermaßen zu versorgen. Es müssen daher Lösungen gefunden werden, wie die Landwirtschaft sich optimal auf die veränderten klimatischen Bedingungen einstellt, um wieder ertragreicher zu werden.

Zusätzlich steigt durch die häufiger autretenden Hitzeperioden in den vergangenen Jahren die Gefahr von Wald- und Flächenbränden auch im Hohenlohekreis, wie Künzelsaus Stadtbrandmeister Thomas Böhret unlängst in einem GSCHWÄTZ-Interview betont hat. Auch das bereitet den Landwirten Sorge.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Optimal ists nicht, aber ein Fischsterben ist nicht zu befürchten“

Welche Dimensionen die Dürre in Westeuropa hat, sieht man an den Bildern, die von der Loire, dem längsten französischen Fluß durch die Presse gehen. Der sonst breite Strom ist zu einem Rinnsal geworden, selbst der Kocher führt streckenweise mehr Wasser als die Loire. Nicht nur die Landwirte beklagen die aktuelle Trockenheit, betroffen sind vom Wassermangel alle, die Wasser in irgendeiner Form benötigen. Unsere Wirtschaft ist nicht nur auf Gas, sondern auch auf Wasser angewiesen. Das fängt bei den Kraftwerksbetreibern an, geht bei den Betreibern von Frachtschiffen und den betroffenen Industriebetrieben weiter und hört beim örtlichen Fischereiverein noch nicht auf.

Schwallbetrieb gefährdet Fische

Wasserkraftwerke laufen nicht mehr permanent, sondern werden im „Schwallbetrieb“ gefahren. Das bedeutet, so erklärt Günther Strobel, Vorsitzender des Hohenloher Fischereiverein Öhringen e.V., dass das Wasser solange aufgestaut wird, bis ein Wasserkraftwerk eine Weile lang sinnvoll zu betreiben ist. Während dieser Aufstauphasen wird nur ein Minimum an Wasser ins Unterwasser abgegeben, sodass dort Kiesinseln trockenfallen. Für Kleinfische droht dann das Ersticken oder dass sie leichte Beute von Vögeln werden, die sich dieses Futter natürlich nicht entgehen lassen.

Fließgewässer noch „im grünen Bereich“

Ansonsten sieht Strobel die ökologische Situation in den Fließgewässern „noch im grünen Bereich“. Sauerstoff sei durch das fließende Wasser für Fische und sonstige Tiere der Flüsse und Bäche noch genug vorhanden: „Wir prüfen das dauernd, noch ist kein Handlungsbedarf. Optimal ists nicht, aber ein Fischsterben ist nicht zu befürchten.“

Ganz anders sei die Situation in den Seen

In den Flüssen gebe es weniger Pflanzen, die nachts keinen Sauerstoff produzieren sondern verbrauchen, als in den Seen, erklärt Strobel. Daher seien die Seen stärker belastet. Beispielhaft nennt er den Goldbachsee bei Waldenburg, der kürzlich wegen Sauerstoffmangels vor dem „Umkippen“ gewesen sei.  Nur mit der tatkräftigen Hilfe der Feuerwehr, die große Mengen Wasser umgewälzt und in den See zurückgespritzt und so den Sauerstoffgehalt erhöht habe, sei das zu verhindern gewesen. Diese Gefahr besteht bei den niedrigen Wasserständen für die meisten Seen.

Text: Matthias Lauterer




Waldbrandgefahr rund um Künzelsau

Alle Grillstellen im Künzelsauer Stadtgebiet sind wegen der hohen Waldbrandgefahr gesperrt. Die Stadtverwaltung Künzelsau bittet um Verständnis für die Maßnahme. Die Waldbrandgefahr ist derzeit extrem hoch und wird wohl über den ganzen Sommer hinweg anhalten. Vor dem Hintergrund der andauernden Hitzewelle bittet das Bürgeramt die Bevölkerung, sich vor allem im Wald verantwortungsbewusst und umsichtig zu verhalten.

Im Wald herrscht grundsätzlich zwischen März und Oktober ein absolutes Rauchverbot, auch offene Feuer im Wald sind verboten.

Schon ein kleiner Funke genügt, um einen Wald- oder Flächenbrand auszulösen.

Immens wichtig ist außerdem, dass Zufahrten in Waldgebiete freibleiben, damit Löschfahrzeuge im Ernstfall nicht behindert werden. Auch das Abstellen von Fahrzeugen über trockenem Bodenbewuchs sollte unbedingt vermieden werden.

Wer einen Waldbrand bemerkt, sollte sofort die Feuerwehr unter der Rufnummer 112 informieren. Dabei kommt es auf eine präzise Ortsbeschreibung an. Rettungspunkte, allgemein bekannte Parkplätze oder Ähnliches können hier als Orientierung dienen.

 

 

 



Hitze: „Mehr Flächenbrände im Hohenlohekreis“

Über 40 Grad sind längst keine Seltenheit mehr, auch im Hohenlohekreis. Künzelsaus‘ Stadtbrandmeister sprach mit Dr. Sandra Hartmann über Wald- und Flächenbrände im Ländle und wie sich diese Einsätze auch auf die Feuerwehrler auswirken.

Mehr Einsätze

GSCHWÄTZ: Seit mehreren Tagen zeigen die Thermometer im Hohenlohekreis vielerorts über 40 Grad an. Heute spreche mit Stadtbrandmeister Thomas Böhret von Künzelsau über die derzeitige Lage. Wie haben sich denn diese hohe Temperaturen ausgewirkt auf die Feuerwehr bisher? Haben Sie mehr Einsätze als zuvor?

Thomas Böhret: Wir haben auf jeden Fall im Hohenlohekreis mehr Flächenbrände. Auch einen Waldbrand hatten wir vergangenes Wochenende.Auf die Einsatzkräfte wirkt sich das dahingehend aus, dass wir eine persönliche Schutzausrüstung anhaben, die ein gewisses Gewicht hat. Das macht unseren Einsatzkräften zu schaffen.

GSCHWÄTZ: Wo gab es bisher Flächen- oder Waldbrände?

Thomas Böhret: In Krautheim gab es einen Waldbrand und in DÖrrenzimmern einen Flächenbrand. Solche Sachen passieren bei bei Trockenheit, bei der Hitze, die wir gerade haben.So etwas kann bei diesen Temperaturen auch durch eine herumliegende Glasscherbe, die in der Wiese liegt, ausgelöst werden. Aber natürlich muss man auch dazu sagen, dass die öffentlichen Grillstellen trotz der hohen Temperaturen benutzt und oft nicht hundertprozentig ausgemacht werden. Es glimmt dann wieder auf und auch dadurch entstehen solche Flächen- oder auch Waldbrände.

Grillen keine so gute Idee

Derzeit immer mit dabei: Eine Kiste Sprudel. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Das heißt, Grillen an öffentlichen Plätzen sollte man bei den Temperaturen eher vermeiden?

Thomas Böhret: Das sollte man auf jeden Fall vermeiden. Es ist in meinen Augen auch ein bisschen fahrlässig, wenn man zu Hause grillt mit Holzkohle und es gibt es einen Funkenflug, bei dem man gar nicht so genau beobachten kann, wo die Funken wieder niedergehen.

GSCHWÄTZ: Sie sind auch in enger Absprache mit den Landwirten damit, falls noch mehr Flächen- und Waldbrände drohen, dass man nicht nur als Feuerwehr vorbereitet ist und ausrückt, sondern dass auch da die Landwirte vor Ort ihre Güllefässer vorbereiten, die man dann ebenfalls schnell mit Löschwasser füllen kann.

Von Landwirten befüllte Pumpfässer

Thomas Böhret: Die Landwirte machen das selbstständig. Wir als Feuerwehr Künzelsau bringen zum Beispiel 5.000 Bis 10.000 Liter Wasser mit. Alles andere müssen wir uns dann in den Ortschaften organisieren. Wir rufen hierfür dann andere Feuerwehren hinzu. Vor Ort gibt es öffentliche Entnahmestellen oder die Landwirte haben mit Wasser befüllte Pumpfässer, die man dann natürlich auch mit zum Einsatz bringen kann.

GSCHWÄTZ: Wie hoch sehen Sie denn das Risiko, wenn es weiterhin so konstant heiß ist, dass es noch mehr Flächen- und Waldbrände in Hohenlohe geben wird?

Mehrere Kilo schwere Kleidung. Foto: GSCHWÄTZ

Trockenere Sommer

Thomas Böhret: Das wird es in jeden Fall geben. Von Mittwoch auf Donnerstag gab es ja ein ein Gewitter. Das ist natürlich schön gewesen. Es gab ein bisschen Entlastung, aber es wird mit Sicherheit die nächsten Tage wieder warm  und heiß werden. Dann haben wir die gleiche Problematik eigentlich wieder. Mir fällt auf, dass es die letzten fünf Jahre trockenere Sommer gibt und ich bin mir fast sicher, dass es auch in Zukunft so sein wird.

GSCHWÄTZ: Das heißt, wir müssen uns dementsprechend auf heißere Zeiten vorbereiten.

Thomas Böhret: Richtig. Die Feuerwehren untereinander sind gut verknüpft. Wir arbeiten gut zusammen. Auf dem Land bei den Landwirten laufen die dementsprechenden Vorbereitungen automatisch. Wir sind gut vorbereitet.

GSCHWÄTZ: Herr Böhret, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen noch viele weitere erfolgreiche Einsätze.

Thomas Böhret: Vielen Dank.

 




Hohe Gefahr von Wald- und Flächenbränden

Vor dem Hintergrund der andauernden Hitzewelle appelliert das Landratsamt Hohenlohekreis an die Bevölkerung, sich vor allem im Wald verantwortungsbewusst und umsichtig zu verhalten. „Die Waldbrandgefahr ist derzeit extrem hoch und wird es wohl über den gesamten Sommer hinweg bleiben. Daher sind wir alle aufgefordert, alles zu tun, dass möglichst keine Flächen- und Waldbrände entstehen“, erklärt Kreisbrandmeister Torsten Rönisch und bittet um erhöhte Vorsicht und Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger. Dadurch, dass es im Hohenlohekreis verhältnismäßig viele Waldstücke in Hanglage gibt, wäre ein Brand in einem solchen Gebiet nur schwer beherrschbar. „Wenn so etwas passiert, wären die Folgen kaum abzuschätzen“, warnt Rönisch.

Rauchverbot im Wald

Das Landratsamt weist daher auf die bekannten Regeln zum Verhalten bei Trockenheit hin:

  • Im Wald herrscht grundsätzlich zwischen März und Oktober ein absolutes Rauchverbot, auch offene Feuer im Wald sind verboten.
  • Die öffentlichen Grillstellen sind von den Städten und Gemeinden in Absprache mit dem Forstamt bis auf Weiteres gesperrt worden. Entsprechende Hinweisschilder sind an den Grillstellen angebracht.

Auch Stoppelfelder können sich bei Trockenheit schnell entzünden, daher sollten diese Regeln auch dort beachtet werden. „Wir sind sehr froh, dass sich die Landwirte im Kreis so umsichtig und vorbildlich verhalten“, erklärt Rönisch.

Zufahrtswege für Feuerwehr freihalten

Immens wichtig sei außerdem, dass Zufahrten in Waldgebiete freibleiben, damit Löschfahrzeuge im Ernstfall nicht behindert werden. Auch das Abstellen von Fahrzeugen über trockenem Bodenbewuchs sollte unbedingt vermieden werden.

Wer einen Waldbrand bemerkt, sollte sofort die Feuerwehr unter der Rufnummer 112 informieren. Dabei kommt es auf eine präzise Ortsbeschreibung an. Rettungspunkte, allgemein bekannte Parkplätze oder Ähnliches können hier als Orientierung dienen.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




„Die Allgemeinverfügung liegt schon in der Schublade“

Im Rahmen der Kreistagssitzung vom 18. Juli 2022 teilte Landrat Dr.Neth mit, dass die Entnahme von Oberflächenwasser bei fortschreitender Trockenheit in Kürze gänzlich untersagt werden könnte. Noch „bittet das Landratsamt Hohenlohekreis um einen verantwortungsvollen Umgang bei der Wasserentnahme“ (Pressemitteilung)

Anderswo ist Wasserentnahme bereits verboten

In einigen Landkreisen, beispielsweise in Tuttlingen, sind bereits Maßnahmen in Kraft. Dort ist es bei Androhung von Bussgeldern bis 10.000 Euro verboten, Wasser aus Seen, Flüssen oder Bächen abzuschöpfen.

„Die Allgemeinverfügung liegt sozusagen schon in der Schublade“ sagt Neth. Auf Nachfrage von Jürgen Kienzle (FWV) versprach Neth, dass weitergehende Maßnahmen intensiv kontrolliert würden.

Text: Matthias Lauterer




Wassermengen in den Fließgewässern im Hohenlohekreis nehmen ab

Als Folge der Witterung der vergangenen Wochen sind die Wasserpegel der Flüsse und Bäche im Hohenlohekreis erheblich gesunken. Um die Wassermengen nicht zusätzlich zu verringern, bittet das Landratsamt Hohenlohekreis um einen verantwortungsbewussten Umgang bei der Wasserentnahme.

Der Pegel des Kochers stand am 13. Juli 2022 bei 37cm. Normalhöhe ist ungefähr 80cm.

Aus oberirdischen Gewässern darf nur begrenzt Wasser entnommen werden. Ohne Erlaubnis zulässig sind Wasserentnahmen in geringen Mengen für den Gemeingebrauch, darunter das Tränken von Tieren oder das Schöpfen von Hand mit Eimern und Gießkannen. Landwirte, Gartenbaubetriebe und die Forstwirtschaft dürfen hierzu zwar auch Pumpen benutzen, allerdings darf der Abfluss des Gewässers insbesondere an den Nebengewässern von Kocher und Jagst nicht maßgeblich weiter verringert werden. Ein Aufstauen des Gewässers zur Entnahme ist ebenfalls nicht erlaubt.

Weitere Maßnahmen denkbar

Sollte sich die Niedrigwassersituation weiter verschärfen, kann es notwendig werden, dass das Landratsamt die Wasserentnahmen weiter einschränken muss. Weitere Informationen zum Thema Niedrigwasser und zu Wasserentnahmen sind bei der Unteren Wasserbehörde des Landratsamts Hohenlohekreis unter Telefon 07940 18-1367 erhältlich.

Hintergrund

Oberflächengewässer sind besonders empfindliche Ökosysteme. Gerade im Sommer sind sie durch hohe Temperaturen und lang andauernde Trockenheit großen Belastungen ausgesetzt. Zum Schutz der Gewässerlebewesen muss eine Mindestwassermenge im Gewässer verbleiben. Durch vermehrte und teilweise unkontrollierte Wasserentnahmen wird der empfindliche ökologische Zustand der Gewässer mit ihren Tieren und Pflanzen zusätzlich gefährdet und kann auf Dauer zerstört werden.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis