Wolfgang Grupp: „Reinhold Würth war und ist für mich ein Vorbild“
Der Rathaussaal im dritten Stock war am Freitagabend zum alljährlichen Neujahrsempfang bis auf den letzten Platz belegt. Die Veranstaltung war schon vor Wochen schnell ausgebucht. Vermutlich hätten noch viele mehr Künzelsauer:innen hören wollen, was dieser Mann zu sage hatte: Trigema-Macher Wolfgang Grupp. Teil eins erschien gestern. Hier lesen Sie nun TEIL 2.
Mit Hubschrauber geht es schneller wieder heim
Dass Wolfgang Grupp fast 82 Jahre ist und damit noch etwas andere Werte und Vorstellungen hat als die jüngere Generation, merkt man immer wieder bei seinen Zoten und Anekdoten, wenn etwa davon spricht, warum er sich einen Hubschrauber gekauft hat – unter anderem auch für seine Frau, die ab und an auch solche Dienstreisen übernahm. Grupp sagt: „Ich habe meine Frau schließlich nicht geheiratet, damit sie laufend unterwegs ist.“ Mit Hubschrauber sei die rund 24 Jahre jüngere Baronesse Elisabeth eben schneller wieder zu Hause. Und auch er wollte nach Dienstreisen immer wieder schnell zurück bei seiner Familie sein.
Der Unternehmer sagt, Familie sei ihm das Wichtigste. Er habe spät geheiratet, war lange Zeit sehr erfolgreich Junggeselle, um dann mit über 40 Jahren festzustellen, dass man nur erfolgreich ist, wenn man nicht nur beruflich durchstarte, sondern auch Familie habe. Gesagt, getan. Von diesem Zeitpunkt an zählten nicht nur lange Beine, sondern „man schaute sich anders um“. Auch hier macht er Nägel mit Köpfen. Die Baronesse sah er, sie gefiel ihm , er umwarb sie, mit Erfolg. Bis heute. Seine Frau und die beiden Kinder arbeiten für Trigema, so habe er es sich immer gewünscht. Der Sohn, Wolfgang junior, wird sein offizieller Nachfolger in allen Positionen als persönlich haftender Inhaber, die Tochter Bonita lediglich Mitglied der Geschäftsführung, seine Frau bleibt Gesellschafterin. Zusammen arbeiten die vier laut Grupp in einem Großraumbüro, nicht, „um meine Familie zu überwachen“, wie er beteuert, aber er brauche sie bei allen seinen Entscheidungen.
Nur langjährige Mitarbeiter haben Aussicht auf Chefposten bei Trigema
Beachtlich ist auch, dass die Trigema-Führungsriege neben der Familie nur aus Menschen besteht, die schon Jahre und Jahrzehnte bei Trigema gearbeitet und sich verdient gemacht hätten. Ein Manager von außen? Für Grupp unvorstellbar. Auch hier sind wieder deutliche Parallelen zu dem Konzern mit dem großen W sichtbar. Bereits bei seinen Eingangsworten macht Grupp denn auch deutlich, welch hohen Stellenwert Reinhold Würth bei ihm genießt: „Er war und ist all die Jahrzehnte ein großes Vorbild für mich gewesen.“
Auch der Mut, Entscheidungen gegen die Mehrheit zu treffen, und damit richtig zu liegen, ist entweder Glück oder Intelligenz und manchmal auch beides. Während den Corona-Pandemie-Jahren produzierte Trigema voll durch und machte ihre Lager voll, sie gingen nicht in Kurzarbeit. Grupp blickte optimistisch in die Zukunft. Die Ware wird irgendwann verkauft werden. Corona wird irgendwann vorbei sein. In Corona dann ein Großauftrag zur Produktion von 2,5 Millionen Stoffmasken.
Nachklapp-Gespräche mit der jungen Würth-Führungsriege
Als Chef fuhr auch schon mal persönlich zu Großkunden wie Aldi. Die Firmenleitung zeigte sich verblüfft darüber, dass der Trigema-Chef persönlich vorbeikam, um die Aufträge zu verhandeln – aber sie seien positiv überrascht gewesen. Laut Grupp bescherte ihm Aldi einen Umsatzzuwachs um satte 36 Millionen Euro.
Trigema produziert derzeit täglich laut Grupp zwischen und 20.000 und 30.000 Teile. Ihre Stärken seien Flexibilität und Schnelligkeit. Der Produktionsumsatz lag 2023 bei 80 130 Millionen Euro, davon 70 Millionen Euro Lohnkosten. Die Wertschöpfungsquote liege bei satten 80 Prozent. Grupp macht so souverän Eigenwerbung, dass es nicht verwunderlich ist, dass er nach seinem Vortrag noch intensiv ins Gespräch kommt mit der jungen Würth-Führungsriege. Würth Modyf bietet schließlich auch Textilkleidung zum Kauf an. Vielleicht heißt der nächste Produzent dafür ja Trigema.