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„Hör mal zu, du Idiot“

Ein Mann sitzt in einem Auto, fährt durch Hohenlohe und filmt sich selber beim Autofahren und Räsonieren. Nichts Besonderes, das ist heutzutage wohl üblich, dass man während des Fahrens nicht auf die Straße, sondern in die Kamera blickt und der Welt etwas Wichtiges mitteilt. Aber was er sagt, ist bemerkenswert: Er lässt eine Schimpftirade über einen Gastronomen aus dem Kochertal (der Name ist der Redaktion bekannt) ab, mit übelsten Schimpfworten, die hier nicht alle wiedergegeben werden sollen, „Depp“, „Idiot“ und „der Typ hat einen Dachschaden“ waren noch die zitierfähigsten. Der Rest ist dann noch weiter unter der Gürtellinie.

Wenn „private Videos“ öffentlich werden

Wie es oft so ist, werden diese Videos dann weitergegeben und irgendeiner aus dem privaten Kreis der Adressaten entlässt das Video in die große Freiheit des Netzes – und so wird auch dieses Video inzwischen weithin geteilt. Auch GSCHWÄTZ bekam Zugriff auf dieses Video.

Das Private wird auch politisch

Das alles wäre kaum berichtenswert, wäre der Autor des Videos nicht eine Person des öffentlichen Interesses: Es handelt sich bei ihm um Mike Mitschke, derzeit Kandidat für den Posten des Bürgermeisters in Weißbach. Die Wahl ist am Sonntag, den 25. April 2021. Mitschke kann eine gewisse politische Erfahrung vorweisen – er kandidierte auch schon für die Piratenpartei, deren Pressesprecher Daniel Mönch allerdings darauf hinweist: „Die Kandidatur findet nicht mit der Unterstützung der Piratenpartei statt“.

Eigentlich alltägliche Situation

Was Mitschke so in Rage bringt, ist eigentlich eine alltägliche Szene: Der Gastronom hat ihn schlichtweg darauf hingewiesen, dass er beim Abholen seiner bestellten Speisen Abstand halten und Maske tragen soll. Deswegen ist Mike Mitschke laut eigener Aussage im Video bereits vor Ort derart in Rage geraten, dass er den Gastronomen übel beschimpft hat.

Beleidigungen im Netz nicht hinnehmbar

Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage erläutert der langjährige Gastronom gegenüber GSCHWÄTZ, könne damit umgehen, wenn Gäste im kleinen Kreis auch mal ausfällig werden. Ein Problem habe er aber damit, wenn diese Beschimpfungen und Beleidigungen öffentlich im Netz kursieren. Das könne er nicht hinnehmen. Da ihm das Video bekanntgeworden sei, müsse man davon ausgehen, dass das Video inzwischen öffentlich bekannt ist.

Einen vereinbarten Gesprächstermin mit der GSCHWÄTZ-Redaktion ließ Mike Mitschke verstreichen.

Komische Fallhöhe

Das Ende des Videos kann komischer kaum sein: Mitten in seiner Tirade unterbricht sich Mitschke selber mit dem Ratschlag: „Bleibt immer in Eurer Mitte – Ihr seht: Das Böse begegnet einem jeden Tag“, kann sich danach am Steuer vor Lachen kaum noch einkriegen und verabschiedet sich mit „Euer Freigeist“.

Text: Matthias Lauterer

Video: privat / zensiert von GSCHWÄTZ