1

„Wir möchten, dass die Tierquälerei aufhört“

Live-Chat zur zweiten Mahnwache gegen Tierquälerei im Schlachthof der Metzgerei Kühnle in Backnang am Donnerstag, den 15. September 2022. Dr. Sandra Hartmann sprach mit dem Versammlungsleiter Aaron Bangert.

Report Mainz deckte vor wenigen Tagen auf (wir berichteten), auf welch grausame Weise hier Tiere gequält werden.

Hier geht es zum Video: https://www.ardmediathek.de/video/report-mainz/veterinaere-schauen-bei-tierschutzverstoessen-weg/das-erste/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE3MTM4MDc

 

Für Euch vor Ort | www.gschwaetz.de | Wir lieben unser Ländle




„Niemand möchte das, aber alle essen es“

Der 25-jährige BWL-Student Aaron Bangert hätte vermutlich vor einem Jahr nicht gedacht, dass er am Donnerstag, den 15. September 2022, als Versammlungsleiter eine Mahnwache abhalten wird vor der Metzgerei Kühnle anlässlich des Schlachthof-Skandals, den Report Mainz vor kurzem aufgedeckt hat. In dem Video (Das Video von Report Mainz gibt es hier zu sehen:REPORT MAINZ: Veterinäre schauen bei Tierschutzverstößen weg | ARD Mediathek) sind erschreckende Szenen aus dem Innenleben des Schlachthofs zu sehen, unter anderem sieht man, wie die Tiere vor der Schlachtung mit Elektroschockern traktiert werden und teilweise sehr qualvoll mittels Kehlschnitts und minutenlangem Ausbluten bei vollem Bewusstsein sterben.
Dr. Sandra Hartmann hat nur wenige Stunden vor der mittlerweile zweiten Mahnwache mit Aaron Bangert gesprochen.

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

Tierschutzgesetz mit Füßen getreten

GSCHWÄTZ: Was erhoffen Sie sich von der nun bereits zweiten Mahnwache seit Anfang September 2022?

Bangert: Wir fordern, dass der Betrieb dauerhaft geschlossen wird, nicht auf freiwilliger Basis, wie es seit der Berichterstattung von Report Mainz der Fall ist, sondern seitens des Veterinäramts. Die Zustände, die aufgedeckt wurden, sind einfach derart grausam. Das sind Lebewesen sind. Wenn ein Tierschutzgesetz so mit Füßen getreten wird, darf der Betrieb nicht mehr öffnen.

Demonstranten fordern strafrechtliche Verfolgung

Auch eine strafrechtliche Verfolgung möchten Bangert und seine Mitstreiter bewirken, unter anderem gegen den Amtsarzt des Veterinäramtes, der nicht nur Kenntnis von den Zuständen hatte und nichts unternommen hat, sondern, im Gegenteil, auf Videoaufnahmen sieht man eben diesen Mann selbst zum Elektroschocker greifen und ihn mehrfach gegen die Tiere anwenden.

Das Video zeigt Aufnahmen von acht unterschiedlichen Tagen in dem Schlachthof. Die Rinder und Schweine werden unter anderem mit Elektroschockern zur Schlachtung getrieben.

Amtsarzt des Veterinäramtes wird zum Täter

Bangert: Aus unserer Sicht ist der Amtsarzt damit zum Täter geworden. Er müsste das eigentlich verhindern, dass so etwas passiert. Das ist ja im Prinzip die einzige Instanz im Schlachthof, der die Tierschutzrechte überwacht. Dieser Amtsarzt gehört eigentlich entlassen. Aber leider ist es so, dass im Tierschutz die Strafen sehr milde ausfallen. Es gibt theoretisch bis zu drei Jahre Haft bei Tierquälerei. In der Regel fallen die Urteile aber sehr mild aus. Aber ich hoffe, dass es von Seiten der Strafbehörden Ermittlungen gibt. Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnimmt.

Metzgerei Kühnle hat hier eine starke Stellung in Backnang

GSCHWÄTZ: Warum wurde der Betrieb nicht längst von behördlicher Seite geschlossen?

Bangert: Aus meiner Sicht, ich bin ja auch hier aus der Region, hat die Metzgerei Kühnle hier eine sehr starke Stellung in Backnang und hat auch politischen Einfluss. Die Menschen sind sehr geschockt. Man kann kaum glauben, dass der Metzger deines Vertrauens so etwas tut. Herr Kühnle hat schlau gehandelt. Er hat nicht gewartet, bis die Behörde den Betrieb schließt. Er hat den Schlachthof selbst geschlossen ein paar Tage nach der Veröffentlichung von Report Mainz. Er ist weiterhin zu. Es deutet aber viel darauf hin, dass er weiterhin machen will.

GSCHWÄTZ: Hat er Ihrer Meinung nach kein Einsehen?

Bangert: Eher nein. Die Aufnahmen seien zusammengeschnitten aus den acht Tagen. Er betont in dem Interview mit der Backnanger Zeitung, dass er das ganze Material sichten müsste, um die Lage richtig zu beurteilen.

Kein Unterschied, ob Schwein oder Hund

Aaron Bangert ist Tierschützer und kämpft für die Rechte von Tieren. Er selbst macht keinen Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund und ernährt sich vegan. Privat hat er eine Hündin.

Bangert: „Ich liebe Tiere. Das sind unglaublich mitfühlende Tiere, so wertvolle Geschöpfe, um die wir uns kümmern müssen.“

„Niemand möchte das, aber alle essen es“

GSCHWÄTZ: Ist der Verbraucher mit Schuld an solchen Zuständen?

Bangert: Ja, schon. Ich zeige auch manchmal Aufnahmen anderen Menschen. Ich habe das Gefühl, dass niemand das möchte, aber alle essen es. Ich ernähre mich seit zehn Jahren vegan. Damals wurde ich noch richtig schief deswegen im Ländle angeschaut.

Termin Mahnwache Nr. 2 Schlachthof Backnang:

15.09.2022, Sulzbacher Straße 196, 71522 Backnang, 16:30 – 19:30 Uhr

Direkt vor dem Schlachthof Kühnle

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

 

 




Tierquälerei in Langenbrettach

Von Tierquälerei muss man bei einem Fall sprechen, der sich bereits am 27. oder 28. November 2018 in Langenbrettach abgespielt hat. Eine unbekannte Person betrat anscheinend eine Scheune in der Cleversulzbacher Straße und suchte eine Stute in einer Pferdebox auf. Mit einem unbekannten, viereckig-spitz zulaufenden Gegenstand fügte die unbekannte Person dem trägtiges Tier dann eine tiefe Fleischwunde in der linken Hinterflanke bei. Nachdem die Verletzungen festgestellt wurden, musste die Stute in einer Klinik genäht werden. Die Tat ereignete sich im Zeitraum von Dienstagabend bis Mittwochfrühe.

Der Polizeiposten Neuenstadt sucht nach Zeugen, die an den genannten Tagen verdächtige Beobachtungen in Langenbrettach gemacht haben. Zeugen können sich mit Hinweisen bei der Polizei melden. Telefon: 07139/4710 0.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 09. Dezember 2018

Foto: GSCHÄTZ/Archiv/Pferd