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Thomas Gottschalk: Hand aufs Knie

Helene Fischer, Iris Berbern. Jennifer Lopez, Jennifer Garner u.v.m. – Aus rein beruflichen Zwecken habe er diverse Frauen jahrelang in der Fernsehsendung Wetten dass…?, ja, heute würde man sagen, begrapscht. So formuliert er es in einem großen Interview im Spiegel vor rund zehn Tagen. Und nein, da haben die Autoren nichts falsch verstanden. Das Interview gab Gottschalk selbst zur Autorisierung frei. Thomas Gottschalk würde es vermutlich harmloser ausdrücken: Des Öfteren habe er seine Hand auf das Knie seiner weiblichen Studiogäste gelegt. So what?

Auch bei Iris Berben konnte er seine Hand nicht bei sich lassen.

Gottschalk: „Ich habe nie Frauen gegen ihren Willen begrapscht“

Er habe Frauen nie gegen ihren eigenen Willen betatscht, sagt er weiter. Hat er sie quasi vor der Show um Erlaubnis gefragt? Wohl kaum. Ging er stattdessen anhand der Mimik und Gestik davon aus, dass er das dürfe? Das wird vermutlich eher der Wahrheit entsprechen. Sicher hat sich keine der Frauen vor laufender Kamera gewehrt. Das lag am damaligen Zeitgeist. Wir haben dazugelernt, dass das nicht in Ordnung war, grenzüberschreitend, dass man sich das auch als Frau nicht gefallen lassen muss. Heute würden das viele dieser begrapschten Frauen sicher nicht mehr über sich ergehen lassen.

Wenn weibliche Moderatorinnen einfach ihre Hand auf den Oberschenkel ihrer männlichen Talkgäste legen würden

Man muss sich diese Dreistigkeit einmal umgekehrt vorstellen, wenn etwa Moderatorin Caren Miosga jedem männlichen Studiogast ihre Hand auf den Oberschenkel legen würde.

Altherren-Ansichten

Der 74-Jährige Entertainer sitzt derzeit in diversen Talkshows und plaudert über seine Altherren-Ansichten, die es seiner Meinung nach zu verteidigen gilt. Gottschalk wirkt dabei, antiquiert, wie aus der Zeit gefallen, wenn man seine Äußerungen und Ansichten über Frauen hört (und auch sieht). Er möchte sich aber auch gar nicht dem modernen Zeitgeist anpassen, wie er selbst sagt und gefällt sich sich sichtlich in seiner Rolle des alten weißen Mannes.

Jeglicher Anstand fehlt

Allein sein letzter peinlicher Auftritt als Moderator der legendären Show Wetten dass mit Shirin David auf der Couch ließen jegliche Pietät vermissen. Was sie denn könne, sie könne doch nichts, monierte Gottschalk. Er wisse quasi gar nicht, was sie auf seiner Couch zu suchen habe. Nun, als kleiner Reminder, Shirin David ist einer der derzeit angesagtesten deutschen Sängerinnen und hat ähnlich wie Verona Pooth und Daniela Katzenberger es geschafft, sich selbst zu einer sehr erfolgreichen Marke zu machen – und ganz ähnlich ist immerhin auch Gottschalks Strategie über die vergangenen Jahrzehnte gewesen.

Geniale PR-Marketing-Strategie für sein neues Buch

Auch im Rentenalter schafft er es nach wie vor, ein großes Gesprächsthema zu bleiben – zumindest mit seinen gewagten Äußerungen. Natürlich ist es nicht zufällig, dass Gottschalk derzeit in jeder Talkshow sitzt, die so möglich ist. Immerhin gilt es, sein zweites Buch zu vermarkten – und das gelingt ihm offensichtlich ohne Probleme, aber leider nur durch Provokation.

Seine misogynen Ansichten passen nach der großen MeToo-Debatte, nach dem Weinstein-Skandal, nach Britney Spears und P. Diddy nicht mehr in unsere heutige Welt – zum Glück.