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„Ich bewundere den Mut des ukrainischen Volkes“

In der Ukraine herrscht Krieg. Hunderttausende Menschen flüchten, Familien werden auseinandergerissen, Männer bleiben im Land, um ihre Heimat zu verteidigen, Frauen und Kinder nehmen tagelange und aufreibende Wege durch die winterliche Kälte in sichere Länder auf sich. Sie alle erfahren Leid, Tod, Zerstörung und einen übermächtigen Gegner, der zu allem bereit ist. Ich bewundere den Mut und die Entschlossenheit des ukrainischen Volkes, das ihr Land und – auch unsere – Werte von Freiheit und Demokratie verteidigt.

„Wichtig ist uns, schnell und unbürokratisch helfen zu können“

In Öhringen sind bereits Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. Sie haben zunächst Zuflucht bei Familien und Freunden gefunden. In Öhringen leben dauerhaft 46 ukrainische Mitbürger:innen. Sie sorgen sich um ihre Familien und Freunde. Ihnen sei unsere Hilfe und Unterstützung gewiss. Im heutigen Krisenstab haben wir entschieden, unsere Stadt gezielt auf die Ankunft von Geflüchteten vorzubereiten und die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Wir sind bei allen Vorkehrungen auch in enger Abstimmung mit dem Landratsamt. Wichtig ist uns, schnell und unbürokratisch helfen zu können. Unser Team der Flüchtlingshilfe steht für Beratung rund um Ankunft, Formulare und Rechte bereit. Unser Ordnungsamt kümmert sich um die Unterkünfte. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, hier brauchen wir auch ihre Mithilfe. Sollten sie private Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung haben, melden sie sich bitte bei unserem Ordnungsamt, Herrn Frank Stransky.

„Wir stehen selbstverständlich in engem Austausch mit Stadtpräsidentin Sabina Nowosielska aus unserer polnischen Partnerstadt Kędzierzyn-Kożle“

Dass Öhringer:innen helfen wollen zeigt sich in all den Anrufen und Angeboten, die uns in den letzten Tagen erreicht haben. Hilfe macht nur Sinn, wenn sie wirklich dort ankommt wo sie gebraucht wird. Die notwendige Infrastruktur wird derzeit von lokalen Akteuren aufgebaut. Informieren sie sich bitte in der Tagespresse und im Internet über lokale Spendenaktionen. Sachspenden können an das Landratsamt, Amt für Ordnung und Zuwanderung, gemeldet werden. Geldspenden sind bei dem Spendenkonto von „Aktion Deutschland Hilft“ willkommen.

„Niemand will Krieg“

Wir stehen selbstverständlich in engem Austausch mit Stadtpräsidentin Sabina Nowosielska aus unserer polnischen Partnerstadt Kędzierzyn-Kożle. Dort sind mittlerweile 300 Ukrainerinnen und Ukrainer angekommen. Polen hat über 300.000 Geflüchtete aufgenommen. Sabina Nowosielska arbeitet seit Tagen mit ihrem Team und vielen polnischen Ehrenamtlichen unter vollstem Einsatz daran, eine solide Infrastruktur für die ankommenden Geflüchteten aufzubauen. Der Landkreis ist auf rund 5.000 Ankommende vorbereitet. Strukturiert und konzentriert werden ausreichend Hygieneartikel, Kleidung und Nahrungsmittel an einem Sammelpunkt gelagert. Es gibt Koordinatoren für den Landkreis und für die Gemeinde. Die ärztliche Versorgung ist sichergestellt. Heute ist eine neunköpfige polnisch-stämmige Familie in Kędzierzyn-Kożle angekommen, die wieder dauerhaft in Polen leben wird. Wir haben unserer Partnerstadt unsere vollste Solidarität und Hilfe angeboten. Die Stadt Kędzierzyn-Kożle hat ein Spendenkonto eingerichtet. Das Geld wird für die Unterstützung der Geflüchteten in der Stadt verwendet. Sollten Sachspenden gebraucht werden, stehen wir und viele Freiwillige aus Öhringen bereit, einen Warentransport einzurichten.

Unsere Pflicht ist es, sich mit der Ukraine solidarisch zu zeigen.

Demokratie, Freiheit und Frieden sind keine Selbstverständlichkeiten. Niemand will Krieg. Unsere Pflicht ist es, sich mit der Ukraine solidarisch zu zeigen.

Kontakt

  • Bei Fragen und Angeboten zu Unterkunftsmöglichkeiten: Frank Stransky, Ordnungsamt Öhringen, Tel.: 07941-68220, E-Mail: Frank.Stransky@oehringen.de
  • Bei Fragen zur Integrationsberatung (Leistungen, Dokumente, Formulare): Hans-Jürgen Saknus, Integrationsmanagement Stadtverwaltung, Tel.: 07941-68217, E-Mail: Hans-Juergen.Saknus@oehringen.de
  • Spenden: „Aktion Deutschland hilft“, IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600, Betreff „Nothilfe Ukraine“
  • Direkte Spenden an unsere Partnerstadt Kędzierzyn-Kożle für die Unterstützung der dortigen Geflüchteten: BNP Paribas Bank Polska S.A., IBAN: PL58 1600 1462 1029 8069 5000 0002: Stichwort: POMOC UKRAINA.
  • Ehrenamtshilfe: Wer ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich an Sonja Schäfer im Amt für Kreisschulen und Bildung wenden. Sie ist Ansprechpartnerin zur Koordinierung von ehrenamtlichem Engagement in der Integrations- und Flüchtlingshilfe im Hohenlohekreis, Tel.: 07940 18-1921, E-Mail: Sonja.Schaefer@hohenlohekreis.de
  • Sachspenden: Sachspenden nimmt das Amt für Ordnung, Zuwanderung und Recht per E-Mail entgegen: OrdnungundZuwanderung@hohenlohekreis.de. Die Angebote werden zunächst gesichtet und falls Bedarf besteht, erfolgt eine Rückmeldung.



„Jeder Tropfen zählt“: Schon Altfette für 10.000km Fahrstrecke gesammelt

Nicht schlecht staunte Roswitha Heigold aus Öhringen, als sie ihre gefüllte Altfettflasche am neuerrichteten Annahmeautomaten an der EDI-Tankstelle gegen eine leere Flasche austauschen wollte. Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler und Landrat Dr.Matthias Neth sowie rund 15 weitere Personen standen nämlich um den Automaten: Stadt Öhringen, Abfallwirtschaft Hohenlohe, EDI-Hohenlohe und Jeder-Tropfen-Zählt hatten am 28. Oktober 2021 zu einem Pressetermin geladen. „Kann ich meine Flasche jetzt hier schon abgeben?“ fragt sie. Natürlich kann sie das. „Wir haben etwas in der Fritteuse gemacht – und da haben wir das Fett gleich umgefüllt“, berichtet sie, sie ist überzeugt, dass dieses Projekt in die richtige Richtung geht.

Vom „Igitt-Image“ zum wertvollen Energieträger

Hintergrund ist das Projekt „Jeder Tropfen zählt“, das jetzt in Öhringen angelaufen ist. 11.000 Ölflaschen wurden von der Jugendfeuerwehr am 09. Oktober 2021 an die Öhringer Haushalte verteilt, damit Altfett, das in der Küche entsteht, nicht weggeschüttet wird, sondern einer zweiten Nutzung als Kraftstoff zugeführt werden kann. Die Erfahrung zeigt, so Hubert Zenk von der Betreiberfirma „Jeder Tropfen zählt“, dass man nach einer Anlaufzeit pro Kopf der Bevölkerung und Jahr mit rund 500 Gramm Altfett rechnen könne. Er will in den bereits laufenden Projekten, beispielsweise in Erlangen, Fürth und Roth, sogar auf über 600 Gramm kommen. „Das Altfett hat ein „Igitt-Image““, sagt er, es sei aber ein sehr guter Energieträger, zum einen wegen des qualitativ hochwertigen Endprodukts (GSCHWÄTZ berichtete), zum anderen wegen der CO2-Bilanz: Allein beim Autofahren erzeugt der CARE-Diesel rund 5-7% weniger CO2 als herkömmlicher mineralischer Diesel. Über die ganze Kette sei eine CO2-Einsparung von rund 90% zu  errechnen, weil es sich um die Weiterverwendung eines zur Entsorgung bestimmten Rohstoffes handelt, der nicht mehr erzeugt werden muss.

Von der Abfallwirtschaft zur Ressourcenwirtschaft

Begeistert zeigte sich Landrat Dr. Matthias Neth, vor allem über die Vorbereitung der beiden Projekttreiber Hubert Zenk und Roland Weissert, Geschäftsführer der EDI Hohenlohe. „Da geht man da hin – und bekommt ein fertiges Projekt präsentiert. Das hat es mir einfach gemacht“, ist er voll des Lobes. „Sebastian Damm, der Leiter der Abfallwirtschaft, hat den Auftrag, aus der Abfallwirtschaft eine Ressourcenwirtschaft zu machen“, sagt er und spricht von „gebührenfähig“. Als Bürger von Öhriungen hat er bereits eine Erfahrung mit dem System gemacht: So habe seine Frau gesagt: „Da wird keiner mitmachen“, aber nach einem Durchgang durch die Küche sei sie inzwischen von dem Projekt überzeugt, vor allem, da die Sammlung der Altfette und -öle sauber und geruchsfrei sei.

Sein strategisches Ziel ist es, das Projekt auf den gesamten Hohenlohekreis auszudehnen, aber zuerst gelte es, Erfahrungen zu sammeln. Zum Beispiel sei es wichtig, wo man die Behälter aufstellt, um die Eingangsschwelle möglichst niedrig zu halten.

„andienungspflichtiges Material“

Etwas formal spricht anfangs Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Hohenlohe, wenn er sagt, dass Altfette aus der Küche ein „andienungspflichtiger Stoff“ sind. Er meint damit, dass die Bürger eigentlich bereits heute dazu verpflichtet sind, derartige Stoffe dem Recycling zuzuführen – und tatsächlich sind die Wertstoffhöfe dafür ausgestattet. Er weiß aber auch sehr gut, dass das Altfett in Privathaushalten meist anderweitig entsorgt wird. Daher interessiert er sich ganz besonders für dieses Projekt, da Altfette in der Abwasserleitung einen erhöhten Reinigungsaufwand erfordern. Beziffern kann er den Aufwand nicht, war das doch bisher eine regelmäßige Reinigung der Leitungen, die einfach nur notwendig war. Hubert Zenk kennt Zahlen aus Niederösterreich: Dort hat man berechnet, dass jedes Kilogramm Altfett in  den Leitungen Kosten von 70ct verursacht. Im Extremfall kann sich das Fett zusammen mit anderen Materialien zu riesigen Klumpen verdicken, die die Wasserleitungen komplett verstopfen. Durch die Presse gingen beispielsweise Bilder aus London. 70 ct – das entspricht ungefähr dem Preis, den man am Markt für den Rohstoff erzielen kann: „Wegen der Umweltgesetzgebeng ist der Preis für den Rohstoff von 600 auf 1.000 Euro pro Tonne gestiegen“, weiß Roland Weissert.

Noch keine ökonomischen Zielgrößen festgelegt

Trotz dieser eindrucksvollen Zahlen habe man noch keine Ziele festgelegt, sagt Damm: „Wir stehen am Anfang, müssen erst einmal Erfahrungen sammeln. Menge und Qualität müssen aber das Maß sein.“ Zenk berichtet davon, dass sein Unternehmen die Altfette von rund 25.000 Gastronomen entsorgt – demgegenüber stehen bisher 37 Sammelautomaten, davon vier in Öhringen. Er weiß auch, dass „halb Europa sammelt“, mit unterschiedlichen Systemen: „einiges davon könnten Sie in Deutschland nicht anbieten“. Ihm ist klar, dass diese kleinteilige und aufwändige Sammlung ihren Preis hat: „Aber wir müssen die Bürger gezielt und direkt erreichen.“

„Klimaschutz ist für viele wichtig – aber zu weit weg“

Roland Weissert, Geschäftsführer von EDI Hohenlohe, ist sich als Energiehändler sicher, dass der saubere Diesel noch auf viele Jahre benötigt wird. Nicht zuletzt sage das auch die EU, die ihn explizit als sauberen Kraftstoff im Sinne der Clean-Vehicle-Directive benennt. Für ihn besteht Klöimaschutz nicht aus dem großen Wurf, sondern aus vielen kleinen Schritten: „Wir müssen ein großes Ziel mit kleinen Schritten erreichen. Klimaschutz ist für viele wichtig – aber zu weit weg.“ Dass viele kleine Schritte vieler Menschen zum Erfolg führen können, zeigt die grüne Sammelflasche: Der Inhalt einer solche Flasche kann zu Kraftstoff verarbeitet werden, der einen modernen Diesel rund 20 Kilometer bewegen kann. Der Inhalt einer großen Fritteuse reicht also für gut 100 Kilometer. Seit Beginn der Sammlung seien bereits fast 500 gefüllte Dosen abgegeben worden – das reicht für 10.000 Kilometer.

„Bei uns stehts direkt an der Spüle“

Richtig gut gelaunt wirkt Thilo Michler, Oberbürgermeister der Stadt Öhringen. Er ist sichtbar stolz darauf, dass das Sammelprojekt, das er als Leuchtturmprojekt für ganz Baden-Württemberg sieht,  ausgerechnet in seiner Stadt startet. Er bedankt sich dafür bei Roland Weissert, der das Projekt mit initiiert hat. „Es ist gut für Öhringen, wenn die Stadt in einem solchen positiven Zusammenahng genannt wird“, spricht aus ihm der PR-Mann. Auch in seiner Küche wird bereits in der charakteristischen grünen Flasche gesammelt: „Bei uns stehts direkt an der Spüle.“

Text: Matthias Lauterer

Mehr zum Thema:

Roland Weissert im GSCHWÄTZ-Gespräch.
Homepage von Jeder Tropfen zählt
Containerstandorte in Öhringen
Informationen zum Endprodukt CARE-Diesel

 

Hubert Zenk (Jeder Tropfen zählt), Sebastian Damm (Abfallwirtschaft Hohenlohe), Landrat Dr. Matthias Neth, OB Thilo Michler und Roland Weissert (EDI Hohenlohe). Foto: GSCHWÄTZ

 

Das Innenleben des Automaten ist nicht kompliziert. Foto: GSCHWÄTZ

 

Diese Flaschen wurden an 11.000 Öhringer Haushalte verteilt. Foto: GSCHWÄTZ

Engagiert sich für das Projekt: Öhringens OB Thilo Michler. Foto: GSCHWÄTZ




Offener Brief von Öhringens Bürgermeister: „Zusammenhalt war seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so wichtig wie jetzt“

Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler wendet sich mit einem Offenen Brief an die Bevölkerung. In dem vierseitigen Schreiben mahnt er angesichts der Coronakrise zum Zusammenhalt und dazu, Gebote zu befolgen. Anbei veröffentlichen wir das Schreiben in voller Länge:

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler, Seite 1. Screenshot

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler, Seite 2. Screenshot

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler, Seite 3. Screenshot

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler. Screenshot




Rathausgeflüster: Öhringens Bürgermeister Thilo Michler hält Informationen zurück

Es gibt sie noch. Die wirklichen Vaterlandstäter, die nicht blindlings

tätig sind, sondern wohlüberlegt sind und bestimmt.

 

Öhringens Bürgermeister Thilo Michler ist so einer, einer wie

keiner, der überlegt sehr genau und wie ä Füchsle so schlau:

Soll ich‘s machen oder lieber bleiben lassen? Ist es gefährlich

für die Stadt, den Staat oder das Vaterland? Dann lass ich‘s bleiben allesamt.

 

Wir wollten von ihm Informationen haben, einfach so, aber da

hat er nicht mitgespielt, uns den Riegel vorgeschoben und uns

klar vor Augen geführt: Hier ist die Grenze nun erreicht,

das, was ihr wissen wollt‘, geht zu weit.

 

Da erst wurde uns bewusst, wie sehr wir uns haben über den

Tellerrand gebeugt, wollten Informationen haben, die keinen

etwas angehen, deshalb wurden wir so kritisch beäugt.

 

Diese Informationen sind sozialer Natur. Es sind Informationen,

die die Masse betreffen in Öhringen nur. Vielleicht auch welche

anderswo, aber das können wir jetzt nicht mehr testen im Westen.

Das ist leider so.

 

Wir hatten die Stadt Öhringen nämlich gefragt, ob sie uns – Achtung,

jetzt kommt‘s – ihren Veranstaltungskalender schicken

könnten, dann könnten wir die besten Sachen verwenden und

ankündigen in unserem Magazin und auch online senden.

 

Ungläubigkeit war die Antwort schlechthin. Wer sind sie? Was

wollen Sie damit bezwecken? Welche Pläne haben sie mit dieser

Stadt? Wir müssen uns beraten, um eine Entscheidung zu fällen,

wie wir mit ihrer Anfrage umgehen, vielleicht müssen wir hierzu

noch ein Beratungsgremium aufstellen.

Nein, da könnte ja jeder kommen. So etwas geht nicht so einfach,

Werbung für ihre Sachen machen sie nie kostenfrei, da zahlen sie

lieber `ne Menge, sie haben doch schließlich noch so viele Steuergelder

frei.

 

Also gut, nun haben wir es verstanden. Das nächste Mal fragen

wir nicht nett und lieblich: Dürfen wir ihre Veranstaltungen kostenfrei

bei uns ankündigen? Da lautet unser straffer Ton: 1.000

Euro kostet die Veröffentlichung. Wer nicht will, der hat schon.

Dann kommt die Antwort bestimmt fluchs anbei: Aber natürlich

machen wir den Weg hierfür frei. Teure Werbung für unsere Veranstaltungen

ist uns schließlich nicht einerlei.