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Wie lässt man die Puppen richtig tanzen?

Östlich der Sonne und westlich vom Mond – dort befindet sich das Marionettentheater Pendel von Marlene Gmelin und Detlef Schmelz. Was sich so geheimnisvoll anhört, ist ein altes Bauernhaus in Ingelfingen-Hermuthausen mit Werkstätten, in denen handgemachte Marionetten entstehen, und sich ein Theater für rund 45 Zuschauer verbirgt.

2016 den Staatspreis Baden-Württemberg gewonnen

Seit über 40 Jahren widmet sich das Paar den Marionetten. Ihre Leidenschaft für die Gliederpuppen hatten die Künstler während des Pädagogikstudiums in Marburg entdeckt. „Wir haben nebenher Marionetten gemacht, woraus ein Studententheater entstand“, erzählt Detlef Schmelz. Schließlich machten die beiden eine Ausbildung bei Gerhards Marionetten in Schwäbisch Hall. Heute sind sie unter dem Namen Pendel als Marionettenbildner und Theater international bekannt. Ihre Marionetten verkaufen sie an Theater, bundesweit auf Märkten sowie auf Bestellung. Zahlreiche Preise haben sie bereits bekommen – unter anderem 2016 den Staatspreis Baden-Württemberg.

Wenn sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die Kleidung näht Marlene Gmelin

Die Figuren von Gmelin und Schmelz muten wie Wesen aus fantastischen Welten an. Jede ist ein Unikat, das in liebevoller, rund einwöchiger Handarbeit entsteht. „Marlene ist der künstlerische Kopf, doch wir arbeiten Hand in Hand und jeder hat seine Arbeitsschritte“, sagt Detlef Schmelz. Sie zeichnet die Pläne für jede Puppe, daraus macht er Hände, Füße und das Gerüst. „Die werden aus leichten Holzblöcken geschnitzt“, erklärt er. Das Spielkreuz, das er ebenfalls selbst herstellt, ist aus einem härteren Holz. Der Kopf ist meist aus einem Holzwerkstoff – außer bei Tieren mit Schnabel oder Maul, die werden geschnitzt. Die Kleidung näht Marlene Gmelin. Sie bemalt auch Gesichter, Hände und Füße. „Im Gesicht wird nur herausgearbeitet, was zuvor modelliert wurde“, erklärt sie. Deshalb malt sie keine Falten, aber Schlitzaugen, „denn das sind die lebendigsten Augen“. Damit der Körper beim Spiel nicht mitpendelt, nur Arme, Kopf und Beine sich bewegen, ist im Körper ein Gewicht angebracht.

Detlef Schmelz und Marlene Gmelin vom Marionettentheater Pendel in Hermuthausen

Detlef Schmelz und Marlene Gmelin vom Marionettentheater Pendel in Hermuthausen.
Foto: GSCHWÄTZ

Marionetten können an die Größe des Besitzers angepasst werden

Rund ein Kilo wiegt eine Marionette, doch wirken ihre Bewegungen wegen der ausgeklügelten Gelenktechnik sehr natürlich. Marionetten, die Kunden bestellt haben, können an die Größe des Besitzers angepasst werden, denn „ist sie zu hoch oder zu niedrig, ist das beim Spiel unbequem“.

Seminare um das Marionettenspiel professionell zu erlernen

Weil immer mehr Kunden das Marionettenspiel professionell erlernen wollen, gibt das Paar Seminare in Waldenburg-Hohebuch – ein Alleinstellungsmerkmal, da solche Kurse nur wenige Theater anbieten. Manche der Teilnehmer machen das nur für sich oder nutzen es später beruflich. Es sind Rentner dabei, die in Kindergärten oder Vereinen auftreten wollen, aber zunehmend auch Jüngere und manchmal ganze Familien. Aus den Kursen entstanden Theater und Spielinitiativen, von denen viele beim Pendel-Marionetten-Festival auftreten, das alle zwei Jahre in Hohebuch stattfindet.

Geschichte ohne Worte.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Nur die Figuren werden beleuchtet, die Spieler tragen schwarze Kleidung

Einen internationalen Ruf hat sich das Paar mit seinem Marionettentheater erarbeitet. Zu den Aufführungen in Hermuthausen kommen Zuschauer aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Österreich und der Schweiz. Auch als Tourneetheater sind Gmelin und Schmelz international unterwegs. „Wir zeigen sehr ruhige Stücke für Kinder und Erwachsene, die wir selbst entwickelt haben“, sagt er. Dabei lassen sie sich nicht vom wirtschaftlichen Gedanken leiten, sondern machen das, was sie selbst interessiert. Das sind poetische, hauptsächlich pantomimische Spiele, Märchen und Mythen, so dass „ jeder Zuschauer etwas anderes darin sehen kann“. Gespielt wird auf einer sparsam möblierten Bühne vor einer schwarzen Rückwand. Nur die Figuren werden beleuchtet, die Spieler tragen schwarze Kleidung und verschmelzen mit dem Hintergrund. So kommen die Bewegungen der Marionetten optimal zur Geltung.

 

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 14 / Dezember 2017.




Saustall beim Amtsgericht

Am Freitag und Samstag, den 02. November und 03. November 2018, und am Samstag, den 10. November 2018, führt der Neienstoaner Theaterverein Schlussapplaus e.V. in der Stadthalle Neuenstein einen Drei-Akter auf. Das Stück heißt „Saustall beim Amtsgericht“ und ist eine Gerichts-Komödie von Jochen Wiltschko.

Flyer der Theateraufführung Saustall beim Amtsgericht.
Foto: Neienstoaner Theaterverein Schlussapplaus e.V.

Karten gibt es bei Meckert Schreibwaren in Neuenstein, per Mail an info@schlussapplaus.de oder per Telefon unter 07942 / 940925 ab 19 Uhr.

Eintrittspreis: 12 Euro




Ingelfingen: Neues Theater in den Weinbergen

Theater in den Weinbergen bietet sich im Kochertal an, gab es aber in dieser Form bislang noch nicht. Nun hat sich unter Renate Kilb eine neue Theatergruppe gegründet, die genau das in diesem Sommer anbietet.

Vor einigen Monaten hat Renate Kilb mit ein paar Freunden die „Freie Theatergruppe Die Ooniche“ gegründet. Kilb führt auch Regie und hat bereits Erfahrung in diesem Bereich gesammelt: „Drei Jahre war ich als Schauspielerin und Regisseurin beim Freilichttheater Braunsbach aktiv. Die neue  Gruppe setzt sich aus langjährigen Schauspielern und ein zwei Anfängern zusammen.“

In diesem Sommer sind vier Aufführungen geplant. Der Erlös geht jeweils an einen guten Zweck. Kilb: „Wir haben Lust, Theater zu spielen und wollen dies für einen guten Zweck machen. Der Erlös geht teilweise an den Tafelladen in Künzelsau sowie die evangelische Kirche Buchenbach.“

Zwei Theateraufführungen gibt es in der Weinbergscheune Gaufer in Ingelfingen zu sehen. „Das gab es noch nie, Theater  in den Weinbergen. Das wird bestimmt ein besonderes Erlebnis. Dazu gutes Essen und Wein“, stellt Renate Kilb in Aussicht. Die beiden anderen Aufführungen sind in Mulfingen-Buchenbach.

Der ungewöhnliche Name der Thetergruppe „Die Ooniche“ kam daher zustande, „weil wir uns oonich (einig) sind“, so Kilb.

In diesem Jahr starten sie mit der Komödie: „Suche Mann für bessere Hälfte“.

Informationen zum Stück „Suche Mann für bessere Hälfte“

Komödie von Beate Irmisch in drei Akten

In der Komödie „Suche Mann für bessere Hälfte“, einem Drei-Akter von Beate Irmisch, geht es um Max Prossel. Der Jungbauer ist zum Leidwesen seines Vaters Franz und seiner jungen Frau Rosa ein ausgemachter Hypochonder. Unterstützt in seinen eingebildeten Leiden wird er von seiner Tante Irmine einer eingefleischten Jungfer, die Max aufgezogen aber auch leider verzogen hat. So hütet Max Tag ein Tag aus Bett und kommt aus seinem alten ausgedienten Bademantel gar nicht mehr heraus. Da ist guter Rat teuer. Wie heilt man einen eingebildeten Kranken, der eigentlich putzmunter ist? Sogar Gemeindeschwester Agathe ist mit ihrem Latein am Ende. Doch wie so oft kommt Kommissar Zufall zur Hilfe. Agathe, die nicht nur für die Leiden der Dorfbewohner, sondern auch für deren Viehbestand verantwortlich ist, behandelt im Hause Prossel auch den Zuchteber Schorsch. Ihre Diagnose für das arme Tier ist vernichtend! Leider belauscht Max das Gespräch und münzt die schwere Krankheit des Tieres auf sich…

Was hat der hinterhältige Viehhändler Anton Hühnervogel damit zu tun, und warum schleicht der Pfarrer die ganze Zeit durchs Haus und weiß die alte Magd Bruni mehr, als sie sagt?

Aufführungen

Freitag, den 17. August 2018, und  Samstag, den 18. August 2018

19.30 Uhr in der Weinbergscheune Gaufer in Ingelfingen

Karten für acht Eurogibt’s beim Weingut Gaufer in Ingelfingen, Telefon 07940-57373

und Foto Linke in Künzelsau, Telefon 07940-3533, freie Sitzplatzwahl

 

Freitag, den 14. September und Samstag, den 15. September 2018

19.30 Uhr in der Mehrweckhalle in Buchenbach

Karten für acht Euro gibt’s bei der Raiffeisenbach Buchenbach, Telefon 07938-289

und Foto Linke in Künzelsau, Telefon 07940-3533, freie Sitzplatzwahl

 

Für Speis und Trank ist gesorgt.

Die Darsteller

 

Max                                                                     Thomas Müller

Jungbauer und eingebildeter Kranker und

Mann von Rosa

 

Irmine                                                                  Renate Kilb

alte Jungfer, die übriggeblieben ist und

Max wie ihren Sohn großgezogen hat

 

Anton Hühnervogel                                              Andras Pletl

Hinterhältiger Viehhändler, der immer

versucht alle übers Ohr zu hauen

 

Franz                                                                   Paul Kruck

Vater von Max, der mit aller Arbeit alleine

da steht und sich keinen Rat mehr weiß

 

Pfarrer                                                                 Armin Böger

immer im falschen Moment mitten im

Geschehen und hat den Überblick verloren

 

Bruni                                                                   Ursula Karle

alte Magd auf dem Hof, die mehr

mitbekommt, als man ihr zutraut

 

Agate                                                                   Emilia Kilb

Gemeindeschwester für Mensch

und Viecher und vor allem nicht zimperlich

 

Rosa                                                                    Anna-Lena Müller

Jungbäuerin und Frau von Max, die

das Gejammere ihres Mannes leid ist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flyer Die Ooniche




Einmal selbst das Zepter in der Hand halten // Video Rumpelstilzchen in Niedernhall & Interview mit Lea Richter

von Isabell Kähny

Rumpelstilzchen: Niedernhaller Kindertheater verzauberte

Das musikalische Märchen Rumpelstilzchen von Doris Kocur verzauberte vergangenes Wochenende sowohl Kinder als auch Erwachsene in der Niedernhaller Stadthalle. Sehr gut war die Theateraufführung der Nachwuchsschauspieler am Sonntag besucht – trotz strahlendem Sonnenschein.

Im Interview verriet die Regie führende Lea Richter, wie es sich anfühlt, als Nachwuchstalent einmal selbst das Zepter in der Hand zu halten.

Mit viel Herzblut brachte der Nachwuchs das märchenhafte Theaterstück auf die Bühne. Konnte die Müllerstochter Marie Stroh zu Gold spinnen? Mit einem zauberhaften Männchen an ihrer Seite gelang ihr dieses Kunststück im Schlaf. Die Folge: Sie heiratete den König. Gemeinsam bekamen sie einen kleinen Prinzen, den Marie Rumpelstilzchen in Zeiten der Angst versprochen hatte. Um das Baby nicht zu verlieren, setzte das Königspaar alles daran, den Namen des Männchens herauszufinden – denn dies war die Bedingung, den Prinzen behalten zu dürfen. Das war Spannung pur in der Stadthalle. Den Kindern gefiel das abwechslungsreiche Theaterstück, bei dem auch einige Schokoladen-Goldstücke ins Publikum flatterten. Und auch die Erwachsenen applaudierten kräftig.

Auf der Bühne die Nachwuchsschauspieler der Theatergruppe Niedernhall e.V.:

Rumpelstilzchen: Nico Poleschner

Marie: Helen Richter

König: Mika Schweigert

Hans: Anna Frieben

Müllerin: Jule Sturm

Soldat 1: Lena Poleschner

Soldat 2: Sarah Kraus

Freundin: Lana Durina

Katze: Ida Mettendorfer

Tanzkinder (Feen): Pia Hörmann, Mila Kraus, Pia Mettendorfer, Lisa-Marie Wurst

Regie: Lea Richter




Theater Morsbach zeigt, wie ein Bauernhof zur Wellnessoase wird

„An einer Premiere ist man immer ein bisschen nervös“, gibt Kurt Hofmann zu, als wir kurz vor Beginn der Premiere am 19. Januar 2018 einen Blick hinter die Kulissen des Theaters in Morsbach werfen. Die Theatergruppe des SV Morsbach ist gut gelaunt kurz vor dem Auftritt. Aber, so Hofmann, an der Premiere erfahre man, „ob das Stück dem Publikum gefällt“.

Kurt Hofmann spielt im Stück „Ein Doppelzimmer für fünf“ von Jasmin Leuthe den Pensionsleiter Paul, der gemeinsam mit seiner Frau seine in die Jahre gekommene Pension zu einer „Wellnessoase mit Bauernhofcharakter“ verwandeln möchte. Hofmann spielt dabei hinreissend knuffig ein Familienoberhaupt, das keines ist, weil seine Frau das Zepter in der Hand hält, konsequent taff gespielt von Marlies Hofacker.

Und während Wellnesstrainer „Meister Heu“ Max, sehr überzeugend gespielt von Jürgen Hofacker, mit seinen Akupunkturversuchen den Chef lahmlegt, die Chefin mittels Hypnose in Cleopatra verwandelt und sich an gemeinsamer Gymnastik mit den Kunden erfreut, erklärt der urkomische Biobauer Buschmann, gespielt  von Luca Hub, den gut gelaunten Zuschauern die Nebenwirkungen von gespritztem Gemüse und dass Hühnerkacke die beste biologische Düngung ist. In jedem Fall ist das Theater Morsbach unter der Regie von Günter Hirsch, in diesem Jahr vor allem eins: zum Tränen lachen.

// Weitere Aufführungstermine

26. & 27. Januar 2018 sowie am 02.; 03.; 09; 11.; 16.; 17. Februar 2018. Karten gibt es für neun Euro bei Tabak Brückbauer.

// Die Darsteller

Helene // Marlies Hofacker

Paul // Kurt Hofmann

Rita // Sylvia Rumm

Max // Jürgen Hofacker

Kalle Bommel // Sascha Dambach

Frau Dr. Dr. Obertal // Jana Fabova

Hilde // Marlene Grombach

Wilma // Debora Scheu

Diddi Spechtler // Uwe Maurer

Biobauer Buschmann // Luca Hub

Regie // Günter Hirsch

Souffleuse // Melanie Wierer

Maske // Renate Knoll; Margit Weidner

Technik // Emil Volpp; Michael Braun