„Es ist eine enorme Herausforderung“, sagt Ralf Debus, Leiter des Bereichs Spenderbindung und Spendergewinnung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Er organisiert und plant die Blutspendetermine in Baden-Württemberg und steht wie viele andere auch vor einer völlig neuen Situation. „Uns sind alle Schul- und Firmentermine weggebrochen“, sagt er. So wie vorher hätten die Termine aufgrund der Hygiene- und Schutzverordnungen nicht mehr durchgeführt werden können. Alles sei wegen der veränderten Bedingungen auf den Prüfstand gekommen. So war etwa eine Frage, ob die üblichen Spendeorte wie beispielsweise Stadthallen unter den momentanen Voraussetzungen weiterhin zu nutzen sind. Einziger Pluspunkt: Weil die Kliniken aufgefordert waren, planbare Maßnahmen zurückzufahren, hätten sie auch weniger Blut gebraucht. Der Bedarf sei nach unten gegangen. Doch der steigt jetzt wieder und sei momentan bei 80 Prozent. „Wir rechnen damit, dass die Kliniken Ende Mai wieder 90 bis 100 Prozent des vorigen Bedarfs haben werden“, sagt der DRK-Mitarbeiter.
„Wir hatten einen enormen Zulauf an Erstspendern“
Über mangelndes Blut konnte sich der DRK zu Beginn der Krise nicht beklagen – im Gegenteil. „Wir hatten einen enormen Zulauf an Erstpendern“, sagt Debus. „Die meisten Menschen waren ja zuhause und hatten Zeit, endlich das zu tun, was sie schon lange vorhatten.“ Um weiterhin unter den veränderten Bedingungen Blutspende-Termine anbieten zu können, richtete das DRK Spendezentren ein – beispielsweise in Flein. Die waren jeweils eine Woche am jeweiligen Ort und wechselten dann. Schließlich wollte man alle Regionen in Baden-Württemberg abdecken. „Das machen wir noch bis Ende Mai und dann sehen wir weiter“, so Debus. Schließlich wolle das DRK zu den alten Spendeterminen zurück. Zunächst allerdings müsste geprüft werden, ob die alten Räumlichkeiten weiterhin nutzbar seien oder eventuell andere nötig sind. „Das ist eine große logistische Herausforderung für uns“, erläutert er.
„95 Prozent der Spender reservieren einen Termin“
Momentan werden die Termine nicht mehr weit im Voraus veröffentlicht. Erst wenn feststeht, dass der jeweilige Ort unter Hygiene- und Schutzbedingungen nutzbar ist, wird der Termin rund vier Wochen vorher bekanntgegeben. Damit zudem nicht zu viele Spender gleichzeitig kommen, müssen diese sich vorher auf der DRK-Homepage anmelden. „Wir haben festgestellt, dass 95 Prozent der Spender einen Termin reservieren“, sagt Debus. Die meisten würden sich freuen, denn jetzt sei der Spendetermin auch für sie besser planbar und sie müssten nicht mehr so lange warten. „Was vorher zwei bis drei Stunden gedauert hat, ist jetzt oft nach 45 Minuten erledigt“, erklärt der DRKler. Doch auch spontane Spender können weiterhin kommen, die müssen aber eventuell etwas warten. Für solche Fälle hätte das DRK aber Puffer eingebaut und letztendlich werde das vor Ort geklärt.
„Auch wir lernen aus dieser Pandemie“
Momentan müsse das DRK das Angebot wöchentlich mit den Kliniken absprechen und planen. „Normalerweise haben wir eine Vorlaufzeit von drei Monaten, zurzeit sind das zwei bis drei Wochen“, sagt Debus. Doch Blut sei nicht ewig haltbar – Thrombozyten-Konzentrate maximal vier Tage. Der DRK-Mann findet es unethisch, gespendetes Blut nicht zu verwenden und einfach zu entsorgen. Von den unnötigen Kosten ganz abgesehen. Das Unplanbare sei momentan die große Schwierigkeit und eine enorme Herausforderung. „Aber“, so der DRK-Mann weiter, „auch wir lernen aus dieser Pandemie“.
Termin in Krautheim
Der Blutspende-Termin im Eugen-Seitz-Bürgerhaus in Krautheim findet wie geplant am Montag, den 11. Mai 2020, von 14.30 bis 19.30 Uhr statt. Es wird kein Imbiss angeboten und es sollten keine Begleitpersonen oder Kinder mitbracht werden. Spendewillige, die in den vergangenen vier Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt sind, müssen für vier Wochen nach Rückkehr von der Blutspende zurückgestellt werden. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Terminreservierung gibt es unter https://www.blutspende.de/blutspendetermine/termine/153160 .
Text: Sonja Bossert