Was tun, wenn’s juckt?
Eine wahre Odyssee durch den Irrgarten des Gesundheitssystems hat ein Patient aus dem Hohenlohekreis, wir nennen ihn hier passenderweise Josef K. (der Patient ist der Redaktion GSCHWÄTZ namentlich bekannt), hinter sich. Eigentlich eine einfache Situation: Josef K. ist allergisch gegen Wespengift, was erst kürzlich durch eine Laboruntersuchung festgestellt wurde. Sein Hausarzt überwies ihn daher direkt an die Allergologen der Klinik Löwenstein, deren Expertise in solchen Fällen er in höchsten Tönen lobte.
Überweisung wird nicht anerkannt
Allerdings wollte man Josef K. dort keinen Termin mit der Überweisung durch einen Hausarzt geben, auch nicht mit dem Hinweis, dass der Laborbefund bereits vorliegt. Ein „Allergologe“ oder „Pneumologe“ müsse der überweisende Arzt schon sein, darunter macht man es wohl in Löwenstein nicht. Nun ist er Hohenlohekreis nicht für seine extreme Allergologendichte oder Pneumologendichte bekannt – Josef K. meinte also zuversichtlich, dass er die Handvoll Ärzte rasch durchtelefonieren und einen Termin vereinbaren könnte, um eine Überweisung durch einen Spezialisten zu erhalten.
Keine Termine erhältlich
Weit gefehlt. Nicht einmal mit dem Verweis darauf, dass es „nur“ um eine Überweisung gehe (oder vielleicht gerade deswegen?) war ein schneller Termin zu finden. Josef K. sah sich gezwungen, den Terminservice seiner gesetzlichen Krankenkasse einzuschalten, der ihm schon einmal schnell und zufriedenstellend weitergeholfen hatte. Nach fast zwei Wochen meldete sich der Terminservice zurück – auch dem Terminservice war es nicht möglich, einen Termin zu erhalten. Selbst im nahen Umkreis des Hohenlohekreises war kein Termin zu bekommen.
Auch ein Facharzt will es nicht glauben
Der Patient konsultierte einen weiter entfernten Hals-Nasen-Ohrenarzt, der ihn früher aus anderem Anlass behandelt hatte. Dieser Arzt ist zwar kein Facharzt für Allergologie, aber führt selbst Allergiebehandlungen durch, wenn auch nicht bei Wespengift. Er war sich sicher, dass seine Überweisung von Löwenstein akzeptiert würde. Josef K. ruft umgehend in Löwenstein an – und wird wieder abgewiesen: Dieser Arzt stünde nicht in einem Verzeichnis, in dem die freundliche Mitarbeiterin extra nachgeschlagen hatte. Der HNO war sehr verwundert, der Patient war sehr verärgert, war er doch extra eine gewisse Strecke mit dem Auto gefahren.
Letzte Hoffnung: Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung
Josef K. versuchte, über seine Krankenkasse nochmals Schwung in die Sache zu bringen – vergebens: Die Krankenkasse riet, sich an den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart zu wenden. Die dortige Mitarbeiterin, ebenfalls freundlich, wollte Josef K. erst einige Fachärzte nennen. Auf den Hinweis, dass er die Fachärzte in der Umgebung alle schon abtelefoniert habe, hatte sie noch einen Namen parat, der nicht auf der im Internet veröffentlichten Liste stünde – und wie es der Zufall will war sogar ein Mediziner ganz in der Nähe, den Josef K. kannte. „Sie können direkt vorbeikommen“ hieß es … und schon eine Stunde später hatte Josef K. sein ersehntes Überweisungsformular in der Hand.
Ein endloses geflochtenes Band
Leider wusste der Mediziner selber nicht, dass ihn die Krankenversicherung zum Facharzt für Allergologie befördert hatte – sein Fachgebiet liegt eher da, wo die Sonne nicht so oft hinscheint. Also stand auf dem Überweisungsformular: Allergologe.
Die Odyssee im Paragraphenirrgarten des Gesundheitssystems beginnt also für Josef K. von vorn.
Text: Matthias Lauterer
Die wahren Namen von Josef K. und der beteiligten Ärzte sind der Redaktion bekannt. Die Klinik Löwenstein und die Kassenärztliche Vereinigung wurden um eine Stellungnahme über die rechtlichen Hintergründe der Situation gebeten.