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Die Stuttgarter Krawalle zeigen, wie verlogen wir sind

Es war gar nicht so lange her, da bestimmte ein Tweet das Weltgeschehen und zwar der Tweet, den sogar Twitter unter offiziellen Verdacht stellte, gewaltverherrlichend zu sein. Er lautete sinngemäß: „First comes the looting, then the shooting.“ Übersetzt bedeutet das so viel wie: Erst kommen die Plünderungen, dann schießen wir. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat dieses Zitat, diese vermeintliche Drohgebärde veröffentlicht, nachdem es in mehrere Bundestaaten zu Plündungern gekommen ist. Der vermeintliche Auslöser war die Tötung eines schwarzen Amerikaners von einem weißen Polizisten. Es gab und gibt in Amerika derzeit massive Massenunruhen. Und in Stuttgart gibt es Krawalle in einem nie da gewesenen Ausmaß. Nicht vergleichbar finden Sie? Nun, dann schauen wir doch mal genauer hin.

Als wir vor wenigen Tagen einen Tweet von unserem hohenlohischen Landtagsabgeordneten Anton Baron veröffentlicht und auch kritisiert haben (Titel: „Fragwürdiger Tweet von Anton Baron“) zu den Stuttgarterer Krawallen fanden es viele unsere Leser absolut unverständlich, warum wir krisitieren, was gesagt gehöre: Dass viele Unruhestifter einen Stuttgarter Migrationshintergrund haben. Das entspricht der Wahrheit. Mittlerweile wissen wir von der Polizei, viele der jungen Randalierer und Menschen, die die Polizei massiv angegriffen haben, haben keine reine deutsche Weste. Es gab aber auch wohlgemerkt nicht minder wenige auffällige Deutsche unter den Tätern. 

Es waren in jedem Fall Menschen, die mit etwas unzufrieden waren und die in einem absoluten Fehlverhalten diese Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten.Aber was bei uns falsch läuft, ist schlicht, dass es eine viel zu große Rolle spielt, welche Nationalität jemand hat, der etwas getan hat. Es gilt doch schlicht und ergreifend: Wir haben Regeln in diesem Land und diese Regeln gilt es einzuhalten. Wenn nicht, müssen Sanktionen folgen – auch wieder ohne Rücksicht darauf, wer derjenige ist, der die Regeln gebrochen hat. Zu den Regeln unserer Gesellschaft gehört der Respekt vor anderen  Menschen und natürlich auch der Polizei und der Umgang mit dem Eigentum anderer. Keiner darf verletzt werden. In Stuttgart zeigte sich auch, dass die Polizei mehr Rückhalt in jeder Hinsicht braucht, dass sie, wenn geboten, auch durchgreifen darf, ohne in eine bestimmte Ecke danach gestellt und womöglich selbst sanktioniert zu werden für ihr Verhalten.

In Amerika scheint vielen zu weit zu gehen, wie die Polizei durchgreift, auch insbesondere bei schwarzen Amerikanern. Auch in Deutschland fürchtet man insgeheim immernoch, wenn man der Polizei mehr Macht gibt, wohin das wohl wieder driften mag. Macht kann man auch missbrauchen, wie wir alle wissen. Die Menschen in in den Vereinigten Staaten demonstrierten und standen auf, weil ein Schwarzer grundlos von einem Polizisten umgebracht wurde. Aber es gab nicht nur friedliche Demos, sondern auch gewalt auf den straßen und Plünderungen. Soweit entfernt ist das nicht von den den Stuttgarter Bildern, wenn wir ehrlich sind. Und während wir nach Amerika schauen und diese Unzufriedenheit verstehen und auch die Plünderungen anscheinend akzeptabel sind, wir einen Präsidenten scharf dafür verurteilen, weil er sic zur Wehr setzen will, notfalls mit der Polizei und dem Militär, verurteilen wir bei uns diese Plünderungen auf Schwärfste und fordern ebenfalls eine stärke Polizei.

Warum haben wir Anton Barons Tweet kritisiert? Er schrieb und war damit nicht allein bei der AfD: „Migrantengewalt müss endlich bekämpft werden.“ Nun überlegen wir mal unsere Doppelmoral: Was wäre gewesen, wenn das ein Donald Trump gesagt hätte? Zum Beispiel mit den Worten: „Die Schwarzen müssen endlich bekämpft werden.“ Schließlich waren auch viele mit Migrationshintergrund bei den Plünderungen in den USA dabei. Stattdessen fragen wir bei den Plünderern in den USA nach deren Motiven und zeigen Verständnis, während wir bei uns diese Perspektive gar nicht einnehmen möchten. Da ist es dann auf einmal richtig, unkritisch Migrantengewalt bekämpfen zu wollen und schon sind alle unsere Probleme gelöst. Gewalt hat Gründe. 

Es sind nicht alle Migranten Plünderer und es sind nicht alle Deutsche Heilige. Aber eins ist klar: Regeln sind Regeln. Und wer sich nicht an die Regeln hält, muss das Spielfeld verlassen

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann