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RKI: Schwindelerregende Coronazahlen bei den geimpften und nicht geimpften 12- bis 17-Jährigen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Zahlen bezüglich geimpfter und nicht geimpfter Coronainfizierten veröffentlicht. Wir wirkt sich eine Impfung bei einer Infektion aus? Wer ist besonders betroffen? Auffallend noch war die Zahl der von Symptomen oder Hospitalisierung betroffener bei den 12- bis 17-Jährigen.

Eine Impfung schützt nicht immer vor einer Erkrankung, das Jahr 2022 zeigt dies deutlich

In der Einleitung heißt es: „Zur Darstellung des Effekts der Impfung auf die COVID-19-Krankheitslast in der Bevölkerung wurde die Inzidenz sowohl der symptomatischen als auch der hospitalisierten COVID-19-Fälle unter vollständig Geimpften und Ungeimpften ab Kalenderwoche 28 getrennt berechnet.

Anbei veröffentlichen wir die Inzidenzzahlen:

Impfstatus und Inzidenz. Veröffentlichte Zahlen des Robert-Koch-Institutes. Stand: 09.02.2022 Quelle: rki

Auffallend in allen drei Altersgruppen (12 bis 17, 18 bis 59 und 60 aufwärts) ist, dass Geimpfte noch 2021 viel seltener Symptome zeigten oder ins Krankenhaus mussten, als Ungeimpfte. Bei den jugendlichen Ungeimpften war das Risiko teilweise siebenmal höher als bei Geimpften. Auffallend ist auch, dass diese Quote zugunsten einer Impfung immer mehr abnahm und sich die Inzidenzwerte 2022 immer mehr annäherten. Das heißt: Die Inzidenz der geimpften Jugendlichen stieg beträchtlich an. Also auch immer mehr geimpfte Jugendliche entwickelten Symptome und / oder mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Immer mehr Geimpfte entwickeln Symptome oder landen im Krankenhaus

Ähnlich sieht es bei der mittleren Altersgruppe aus. Waren geimpfte Bürger:innen 2021 noch rund dreimal besser geschützt als ungeimpfte, so glichen sich 2022 die Inzidenzwerte nahezu an. Nicht ganz soo stark, aber doch auffallend ist der Wert auch bei der ältesten Bevölkerungsgruppe.

Heißt das nun, dass eine Impfung nicht oder nur bedingt schützt vor Symptomen und /oder Krankenhausaufenthalten?

Heißt das nun, dass eine Impfung nicht oder nur bedingt schützt vor Symptomen und /oder Krankenhausaufenthalten? Betrachtet man den dritten erhobenen Wert, die so genannte Booster-Impfung, zeigt dies, dass Auffrischungsimpfungen stark vor einer symptomatischen und / oder Krankenhausaufenthalten schützen.

Impfung schützt nur bedingt vor der neueren Omikronvariante

Da sich 2022 auffallend viele bereits geimpfte Menschen angesteckt, Symptome entwickelt haben und teilweise auch im Krankenhaus behandelt werden mussten, spricht das zusätzlich für die bereits im Raum stehende These, dass die Impfung nur bedingt vor einer Ansteckung mit der Omikron-Variante schützt.

Interessant wäre überdies zu wissen, wie viele Antikörper die Betroffenen nach einer Impfung und nach einer Ansteckung haben und wie viele Antikörper es benötigt, um sich ausreichend vor Covid-19 zu schützen.

Aktuelle Lage


Gestern wurden 247.862 neue Fälle und 238 neue Todesfälle übermittelt. Die Inzidenz der letzten 7 Tage liegt
deutschlandweit bei 1.465,4 Fällen pro 100.000 Einwohner (EW). Die Werte für die 7-Tage-Inzidenz in den Bundesländern
liegen zwischen 1.817,5 pro 100.000 EW in Bayern und 863,1 pro 100.000 EW in Schleswig-Holstein.

Es wurden 1.675 Hospitalisierungen in Bezug auf COVID-19 übermittelt, die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt bei
6,23 Fällen pro 100.000 EW.

Am 09.02.2022 (12:15 Uhr) befanden sich 2.398 COVID-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung (+8 zum Vortag). Der
Anteil der COVID-19-Belegung durch Erwachsene an allen betreibbaren Intensivbetten für Erwachsene liegt bei 10,6 %.

Seit dem 26.12.2020 wurden insgesamt 167.416.348 Impfungen verabreicht. Insgesamt haben 76,0 % der Bevölkerung
mindestens eine Impfung gegen COVID-19 bekommen.5 74,6 % wurden bereits vollständig gegen COVID-19 geimpft.6 55,0 %
haben eine Auffrischimpfung erhalten.

Zahlen: Robert-Koch-Institut

 

 

 




Einseitig, unkritisch, regierungsnah?

In einer 63 Seiten umfassenden Studie analysierten Prof. Dr. Marcus Maurer von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, Prof. Dr. Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Simon Kruschinski von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz die journalistische Berichterstattung in der Coronapandemie.

Ihr Fazit: „Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wurden in den meisten Medien als angemessen
oder sogar als nicht weitreichend genug bewertet.“ Dass die Coronamaßnahmen zu hart seien, war unter Journalisten dagegen eher eine Minderheitenmeinung.

Die Studie hat die Qualität der Medienberichterstattung über die Covid-19-Pandemie in Deutschland zwischen dem 1. Januar 2020 und
dem 30. April 2021 in elf Leitmedien mit unterschiedlichen redaktionellen Linien, darunter sieben Online-Nachrichtenangebote (faz.net · sueddeutsche.de welt.de · bild.de · spiegel.de · focus.de und t-online.de) und vier Fernsehnachrichten-Formate (Tagesschau – ARD, heute – ZDF, RTL aktuell und ARD Extra zur Corona-Pandemie).

Politiker mehr im Fokus als Wissenschaftler, kaum vorkamen von der Infektion Betroffene oder auch so genannte Coronaskeptiker

Bei den in der Berichterstattung erwähnten Akteuren zeigt sich, so die Autoren, „eine starke Konzentration auf Politiker und
mit einigem Abstand Ärzte und Wissenschaftler, während von der Infektion Betroffene und auch so genannte Corona- Skeptiker kaum vorkamen. Unter den politischen Akteuren dominierten die Unionsparteien, während über die Oppositionsparteien kaum berichtet wurde. Unter den im weitesten Sinne wissenschaftlichen „Pandemie-Erklärern“ dominierte lange der Virologe Christian Drosten, der aber zunehmend vom SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach abgelöst wurde.

Als Leitwert dominierte das Streben nach Sicherheit über die Forderungen nach Freiheit.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wurden in den meisten Medien als angemessen oder sogar als nicht weitreichend genug bewertet. Dass die Maßnahmen zu weit gingen, war in den Medien eher eine Minderheitenposition, die allerdings quantitativ durchaus
ins Gewicht fiel. Harsch und ab Oktober 2020 zunehmend harscher fielen die Urteile über die wichtigsten politischen
Akteure und ihre Kompetenzen aus, während die Wissen-schaft eher gleichbleibend positiv beurteilt wurde. Als Leitwert dominierte das Streben nach Sicherheit über die Forderungen nach Freiheit.

Nicht völlig unkritisch

Ein sehr klares Ergebnis der vorliegenden Studie ist, dass die untersuchten Nachrichtenmedien nicht völlig unkritisch insbesondere gegenüber den Regierungen in Bund und den Ländern waren. Denn Kritik war in den Medien sehr deutlich vorhanden, sowohl an den amtierenden Regierungen und ihren Repräsentanten als auch an den Corona-Maßnahmen. In dieser Hinsicht war die Berichterstattung
folglich zugleich regierungsnah und regierungskritisch. Sie war regierungsnah, weil die Medien, ähnlich wie die Politik, überwiegend für harte Maßnahmen plädierten. Sie war zugleich aber auch regierungskritisch, weil den Medien diese Maßnahmen oft gar nicht hart genug erschienen oder zu spät kamen. Schon eher orientierten sich die Medien folglich an dem, was sie als wissenschaftlichen Konsens wahr-
nahmen.

Und immer diegleichen Expert:innen: Vielfältige Berichterstattung sieht anders aus

Dass sie dabei zunächst besonders auf einige Virolog:innen Bezug nahmen, die zu den weltweit angesehensten ihres Faches zählen, spricht zwar nicht für eine vielfältige Berichterstattung, erscheint, wenn es um hochspezialisierte Kompetenzfelder geht, aber durchaus ra-
tional. Allerdings hätte die Berichterstattung durchaus auch von dem ein oder anderen Experten in anderen hochspezialisierten Wissenschaftsdisziplinen profitieren können, um den medialen Blick auf die Pandemie um andere Perspektiven auf das Geschehen zu erweitern. Dass die virologischen Experten während der zweiten und dritten Pandemiewelle schließlich zunehmend durch den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ersetzt wurden, lässt sich dann allerdings eher nicht mit dessen virologischer Expertise erklären.

Journalisten schätzten die „harte Linie“, die Karl Lauterbach forderte

Vielmehr war Lauterbach wohl auch deshalb ein in den Medien gern zitierter Experte, weil viele Medien dessen harte Linie im Kampf gegen die Pandemie kannten und schätzten. Insgesamt nahmen die Medien gegenüber der Pandemie folglich eine eindeutig warnende Haltung ein, die man durchaus als einseitig betrachten kann. Betrachtet man diese Einseitigkeit als Problem, dann kann man dies allerdings nur aus einer Position tun, die die Pandemie als eher ungefährlich oder die Maßnahmen als eher übertrieben wahrnimmt. Stellt man dagegen in den Mittelpunkt, dass Deutschlandim Vergleich zu anderen Ländern bislang auch im Hinblick auf die Zahl von Todesfällen vergleichsweise gut durch die Pandemie kam und führt man dies nicht nur auf das gute Gesundheitssystem und die vielen Intensivbetten, sondern
auch auf die Maßnahmen zurück, dann kann man diese mediale Mitgliedschaft im „Team Vorsicht“ als Ausweis von Rationalität, Wissenschaftsorientierung und hoher Qualität der Berichterstattung betrachten. Auch hier geht es folglich wieder um die Frage, ob Medien angesichts einer für viele Menschen lebensbedrohenden Krise gemeinsam mit Wis- senschaft und Politik alles zur Lösung des Problems unternehmen sollen und dafür auch klassische Qualitätskriterien der Berichterstattung außer Kraft gesetzt oder umgedeutet werden müssen.

„Team Vorsicht“

Allerdings wird in den erhobenen Daten auch erkennbar, dass die Medien zuweilen den Blick dafür verloren haben, welche Informationen als bekannt vorausgesetzt werden können. Die geringe Beachtung, die das Corona-Virus und seine Eigenschaften sowie der Vergleich zur Influenza als solches fanden, ist dafür ein besonders eindrückliches Beispiel. Ty- pisch für die Medienberichterstattung in Krisensituationen
ist auch die mangelnde Kommunikation von Unsicherheit, die oft fehlende Einordnung statistischer Informationen und die nicht immer zum aktuellen Infektionsgeschehen passende Berichterstattungsmenge. Diese Abweichungen von Qualitätsstandards lassen sich in der Regel mit journalistischen Selektionskriterien und Darstellungsweisen erklären, die sich über Jahrzehnte eingeschliffen haben und vielen heute als unabänderlich erscheinen, z. B. der Fokus auf negative Informationen oder die Überzeugung, die Leser würden komplexe Zusammenhänge ohnehin nicht verstehen.

 




Corona-Studie in Kupferzell gescheitert?

Fast fünf Millionen Euro aus dem Topf des Bundesgesundheitsministeriums kostet die Studie „Corona-Monitoring lokal“ des RKI, die in Kupferzell, Bad Feilnbach, Straubing und Berlin-Mitte Daten von rund 9.000 Menschen erhoben hat. Gemessen am finanziellen Aufwand und an der Begeisterung, mit der die Bevölkerung und lokale Behörden die Möglichkeit wahrnahmen, an der Studie teilzunehmen, erscheinen die Auswertungen dieser Datenerhebung bislang eher dürftig (GSCHWÄTZ berichtete). Einzig für die erste Datenerhebung aus dem Mai 2020 sind Ergebnisse veröffentlicht – und diese Ergebnisse mussten im September 2021 berichtigt werden, weil sich „die Eigenschaften der eingesetzten (…) Tests (…) offenbar veränderten“.

Informationsgewinnung gestaltet sich zäh

Auf nochmalige Nachfrage von GSCHWÄTZ beim RKI hat Susanne Glasmacher, dortige Leiterin der Pressestelle, einige Informationen nachgeschoben: In der zweiten Untersuchung vom Oktober 2020 „ging es darum, die Nachweisbarkeit von Antikörpern im Zeitverlauf zu beobachten“. 300 Personen, bei etwa der Hälfte davon waren in der ersten Untersuchung Antikörper festgestellt worden, wurden erneut untersucht. „Um die Fragestellungen zur Konzentration von Antiköpern gegen SARS-COV-2 im Zeitverlauf zu beantworten und statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten, ist diese Stichprobe jedoch nicht groß genug“, schreibt Glasmacher und fährt fort: „In der Folge wurden deshalb die weiteren Untersuchungsorte (Bad Feilnbach, Straubing, Berlin-Mitte) im Jahr 2021 ebenfalls noch einmal besucht und entsprechende Proben entnommen. Die genannten Orte wurden nacheinander von Untersuchungsteams des RKI besucht. Dabei haben RKI-Teams noch einmal Blutproben für den Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 entnommen und weitere Untersuchungen – zum Beispiel zur zellulären Immunität gegen COVID-19 – durchgeführt.“

„Der auf diese Weise gewonnene Datensatz wird derzeit ausgewertet.“

Weder die Daten noch Ergebnisse oder Schlussfolgerungen aus diesen Daten, die teils bereits im Jahre 2020 ermittelt wurden, sind Anfang 2022 veröffentlicht: „Der auf diese Weise gewonnene Datensatz wird derzeit ausgewertet.“ Zwar fände die Gesamtauswertung der Daten zur Entwicklung der Antikörper derzeit statt, aber „eine genaue Planung zu Publikation der Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift liegt derzeit noch nicht vor.“ Ob diese eventuelle Publikation dann noch neue Erkenntnisse zu den vielen weltweit veröffentlichen Studien zum Thema aufzeigen wird?

Thema Long-Covid

Der dritte Besuch in Kupferzell Ende Juni 2022 sollte der Erforschung von Long-Covid dienen – so war es damals jedenfalls angekündigt. Über Daten zu Long-Covid sagt die Antwort des RKI nichts, außer dass bis Ende 2021 noch Nachbefragungen stattfanden. Auch hier: Noch kein Wort zu Resultaten der Datenerhebung.

RKI sieht Teilnehmer gut informiert

Was Susanne Glasmacher nicht nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass sich Studienteilnehmer unzureichend informiert fühlen: „Alle Teilnehmenden haben jeweils einige Wochen nach ihrer Untersuchung die persönlichen Ergebnisberichte der Folgeerhebung erhalten“, bestätigt sie und stellt fest: „Über unsere Kanäle (Studientelefon, -postfach) kamen auch keine besonderen Nachfragen an.“

Corona-lokal gescheitert?

Ob die Studie „Corona-Monitoring lokal“ innerhalb des RKI überhaupt noch mit Priorität verfolgt wird oder ob man sie bereits als gescheitert ansehen kann, ist ungewiß. Inzwischen gibt es über die Entwicklung von Antikörpern eine Reihe aussagekräftiger Studien aus aller Welt. Und selbst auf den Seiten des RKI finden sich bereits andere, weitaus größere, Untersuchungen mit deutlich höheren Testanzahlen, die ganz ähnliche Fragen stellen: Im Rahmen der SeBluCo-Studie wurden flächendeckend bereits 120.000 Blutspenden auf Antikörper untersucht, ein Zwischenbericht wurde Ende 2021 bereits veröffentlicht. Und es gibt eine Studie „Leben in Deutschland – Corona-Monitoring 2021“, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zwischen Oktober und Dezember 2021 das Blut von 28.000 Menschen untersuchte.

Text: Matthias Lauterer




Kupferzell: Corona-Studie fast 5 Millionen Euro teuer

Im vergangenen Jahr galt Kupferzell als Corona-Hotspot, ein Grund für das Robert Koch-Institut (RKI), sich die Gemeinde und ihre Bewohner genauer anzuschauen. Insgesamt dreimal war ein RKI-Studienteam vor Ort, nahm Rachenabstriche und Blutproben. Der erste Feldversuch ermittelte eine hohe Dunkelziffer, im zweiten ging es um Antikörper und in der dritten Stufe um Long-Covid, also die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. GSCHWÄTZ berichtete mehrmals: beispielsweise unter https://www.gschwaetz.de/2020/08/14/gar-keine-symptome-eher-untypisch-ueber-83-prozent-infizierte-hatten-mindestens-1-coronasymptom/ sowie unter https://www.gschwaetz.de/2021/07/02/die-teilnahmebereitschaft-bricht-alle-rekorde/.

Das Bundesgesundheitsministerium übernimmt die Kosten

Doch welche Kosten fallen für die Studie an und wer bezahlt das Ganze? GSCHWÄTZ hat beim RKI nachgefragt. „Die Studie „Corona-Monitoring lokal“ des Robert Koch-Instituts fand 2020 an insgesamt vier Studienorten statt. Neben Kupferzell waren die Gemeinde Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim, die Stadt Straubing und der Berliner Bezirk Mitte beteiligt“, schreibt RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher auf die GSCHWÄTZ-Anfrage. „Die Kosten dafür lagen insgesamt bei etwa 4,8 Millionen Euro.“ Übernommen hat diese Kosten das Bundesgesundheitsministerium.

Umfangreiche Vorbereitungen

Gründe für diese Kosten sind laut der Pressesprecherin: An den vier Studienorten seien bis Ende 2020 insgesamt mehr als 9.000 Erwachsene untersucht und befragt worden. Umfangreiche Vorbereitungen seien erforderlich gewesen, die Datenerhebungen und -auswertungen hätten speziell geschulte Teams des RKI durchgeführt.

Keine direkten Kosten für Landkreis und Gemeinde

Allerdings schreibt Susanne Glasmacher auch: „Für den Landkreis Hohenlohe und die Gemeinde Kupferzell sind keine direkten Kosten entstanden.“




Es fehlen noch mehrere hundert dringend benötigte Fragebögen

Die Zahlen sprechen für sich: 2.244 Bürger haben laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis an der ersten Phase der Studie „Corona-Monitoring lokal“ in Kupferzell teilgenommen, rund 2.200 Rachenabstriche und 2.215 Blutproben wurden genommen. Doch damit ist die Studie noch nicht beendet: Fast genauso wichtig ist die zweite Phase, in der die Probanden einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Das haben zurzeit rund 1.300 Teilnehmer getan. Das Robert Koch-Institut hofft jedoch auch hier, die Marke von 2.000 Teilnehmern zu erreichen.

„Es ist eminent wichtig, die Ergebnisse der Abstriche und Blutproben mit anderen Faktoren in Verbindung bringen zu können, um belastbare Aussagen über das Virus treffen zu können“, erklärt Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener in der Mitteilung. „Wir wollen besser verstehen, wie sich das Virus verbreitet hat und welche Folgen eine Erkrankung für Betroffene hatte. Eine wichtige Frage ist, ob einzelne Bevölkerungsgruppen häufiger von Erkrankungen mit SARS-CoV-2 betroffen sind.“

Deshalb stellt das RKI Fragen zu Vorerkrankungen, zum Einkommen oder zum Gesundheitsverhalten – zum Beispiel ob jemand raucht oder nicht. Darüber hinaus sind weitere Themen interessant: Auf welchen Veranstaltungen waren Menschen aus Kupferzell im Frühjahr 2020? Mit welchen Verkehrsmitteln wurde der Weg zur Arbeit zurückgelegt? Welche Symptome sind im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung aufgetreten? Diese und andere Fragen helfen, das SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen in Kupferzell besser zu verstehen. Für die Online-Befragungen wurden die Zugangsdaten auf dem Postweg übersandt, aber auch eine telefonische Befragung ist möglich.

„Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse – ich bin zuversichtlich, dass unsere Kupferzeller auch hier noch einmal Einsatz zeigen“, so Bürgermeister Christoph Spieles. Auch für Landrat Dr. Matthias Neth ist die Studie von großer Bedeutung: „Wir erleben im Hohenlohekreis, dass eine Erkrankung auch bei uns jederzeit wieder vorkommen kann. Umso wichtiger ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, damit wir die Verbreitung in der Bevölkerung eindämmen können.“

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Beste Bedingungen für Kinder – Öhringen unter Top 10 der familienfreundlichsten Städte

Welche Städte sind familienfreundlich und bieten die besten Rahmenbedingungen für Kinder? Eine exklusive Studie für das Magazin Kommunal zeigt: Nicht die Großstädte sind unbedingt gefragt. Vorne liegen zahlreiche ländliche Regionen. Öhringen erreichte laut einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Platz acht unter den Top 10 der Städte in Baden-Württemberg. Unter den 585 untersuchten Mittelstädten in Deutschland belegte Öhringen Platz 45. Der Fokus der Studie lag dabei auf Städten mit Einwohnerzahlen zwischen 20.000 und 75.000 Einwohnern.

Für Öhringens Familienattraktivität sprechen laut der Mitteilung eine wachsende Einwohnerzahl und eine steigende Geburtenrate. Zudem bietet die Stadt mit der S-Bahn und dem Autobahnanschluss eine gute Verkehrsinfrastruktur, damit die Einwohner auch andere Städte und Regionen gut und schnell erreichen können. Für Familien spielt auch die finanzielle Sicherheit eine große Rolle. Die niedrige Arbeitslosenzahl spricht hier für Hohenlohe. Dadurch bietet die Region einen gewissen Wohlstand. Im Vergleich mit anderen Städten und Regionen steht in Öhringen auch ausreichend Wohnraum zu vertretbaren Preisen zur Verfügung, den sich Eltern auch leisten können. Möglichst wenige Kinder und Jugendliche brechen die Schule ab und die Stadt bietet mit ihrer Breite an Schulen vielfältige Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungsmöglichkeiten. Die Studie ist zu finden unter http://www.contor.org/studien/kommual/familien/.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Öhringen




Annâweech macht glücklich

Unsere GSCHWÄTZ-Autorin Nadja Fischer hat sich unter den Hohenlohern umgehört, was sie glücklich macht. An erster Stelle rangieren Familie, Gesundheit und den Moment genießen. Für Luca Nobile aus Kupferzell bedeutet Glück etwa: „Wenn ich in meinem Auto laut die Band Annaweech hören kann.“

Für den verstorbenen Musiker Gonzo, war Glück, „wenn ich nach einem meiner vielen Auftritte in meine Heimat Hohenlohe zurückkehre. Ich freue mich jeden Tag darüber, in welch‘ einer schönen Gegend ich leben darf.“

Für Michael Fuchs bedeutet Glück, „gesund zu sein und das zu schätzen, dass man unbeschwert sein Leben genießen kann.“

 

Professor Dr. Frank Brettschneider von der Uni Hoheheim erforscht, was Menschen glücklich macht.

 

Ruhe genießen und nicht mitten im Stadtkern leben, das ist für viele bei der Wahl, wo sie wohnen möchten, wichtig. Nur 19 Prozent der Menschen bis 35 Jahren zieht es tatsächlich in die Innenstädte. Das ergab die Studie „Wohnwünsche 2017“ im Auftrag der LBS West. Im Rahmen von Online-Interviews hat die Beratungsgesellschaft für Wohnen, Immobilien und Stadtentwicklung 520 Mieter und Eigentümer in Nordrhein-Westfalen und Bremen befragt. Trotz des regionalen Charakters dieser Umfrage dürften die grundsätzlichen Ergebnisse auf das Gros der deutschen Bevölkerung übertragbar sein.

 

Ein weiteres Ergebnis:

 

Insgesamt hat die Mobilität der Bürger in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Wohnort muss dabei nicht direkt an der Arbeitsstelle liegen. Die Bereitschaft, einen längeren Weg zur Arbeit auf sich zu nehmen, ist gestiegen. Im Schnitt würden die Befragten 32 Kilometer zur Arbeit pendeln – pro Weg. Das sind noch einmal zwei Kilometer mehr als noch vor fünf Jahren. Soziale Bindung beim Wohnen zählt offensichtlich deutlich mehr als kurze Wege zum Job. „Sicherheit“, „Ruhe“ und „gute Nachbarschaft“ sind denn auch seit vielen Jahren die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Wohnumfeldes.

 

Wir haben Prof. Dr. Frank Brettschneider, Glücksforscher an der Universität Universität Hohenheim, dazu befragt, was Menschen glücklich macht.

„Glücklichmacher sind Gesundheit, Partnerschaft und finanzielle Sicherheit“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider.
Foto: Brettschneider

GSCHWÄTZ: Sie haben ja 2016* und 2015 bereits Studien für die LBS durchgeführt. Was war das Ziel?

Brettschneider: Vor zwei Jahren wollte die LBS Stiftung Bauen und Wohnen von uns wissen, ob Wohneigentum glücklich macht. Damals haben wir herausgefunden, dass Wohneigentümer tatsächlich glücklicher sind als Mieter. Das gilt auch, wenn man das Einkommen, die Bildung und das Alter der Befragten berücksichtigt. Zweitens: Je zufriedener Menschen mit ihrer Wohnsituation sind, desto glücklicher sind sie. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit sind die Größe der Wohnung und die Ausstattung. Drittens: Beim Kauf sind die größten Glücksmomente die Entscheidung für die Immobilie, der Kauf, der Einzug und die Zahlung der letzten Rate. In der Studie gab es auch Hinweise darauf, dass sich Wohneigentümer etwas stärker gesellschaftlich engagieren als Mieter. Das haben wir zum Anlass genommen, diesem Aspekt in der Folgestudie näher auf den Grund zu gehen.

 

„Von den Wohneigentümern geben 60 Prozent an, sehr glücklich zu sein.“

 

GSCHWÄTZ: Was sind die Ergebnisse der weitergeführten Studie von 2016? Sind Immobilien nach wie vor im wahrsten Sinne glücklich machende Objekte wie in der Studie von 2015?

Brettschneider: Ja, Wohneigentümer sind nach wie vor glücklicher als Mieter. Von den Wohneigentümern geben 60 Prozent an, sehr glücklich zu sein. Unter den Mietern sind es 43 Prozent. Dass Wohneigentümer glücklicher sind als Mieter gilt sowohl für Wohnlagen in Stadtzentren, in Stadtrandlagen, in Vororten und in ländlichen Gegenden. In Stadtzentren ist der Glücks-Unterschied zwischen Eigentümern und Mietern am größten. Am geringsten ist er in ländlichen Gegenden.

 

GSCHWÄTZ: Was sind weitere  „Glücklichmacher“?

Brettschneider: Das Glücksgefühl von Menschen speist sich aus zahlreichen Quellen. An der Spitze stehen Gesundheit und Partnerschaft. Dann kommen finanzielle Sicherheit und Selbstverwirklichung.

 

„Mit dem Alter steigt die regionale Verbundenheit.“

 

GSCHWÄTZ: Wie hängen Wohneigentum, regionale Verbundenheit und ehrenamtliches Engagement zusammen?

Brettschneider: Von den Wohneigentümern fühlen sich 64 Prozent sehr stark oder stark mit ihrer Region verbunden. Unter den Mietern sind es 51 Prozent. Mit dem Alter steigt die regionale Verbundenheit. In allen Altersgruppen drückt sie sich auf vielfältige Art und Weise aus. Dabei zeigt sich bei den Wohneigentümern immer eine stärkere regionale Verbundenheit als bei den Mietern: Wohneigentümer kaufen häufiger regionale Lebensmittel (56 Prozent) als Mieter (47 Prozent). Wohneigentümer haben häufiger viele Freunde und Bekannte in der Region (48 Prozent versus 39 Prozent). Sie kümmern sich häufiger um das, was in ihrer Nachbarschaft passiert (38 Prozent versus  29 Prozent). Und Wohneigentümer spenden häufiger für gemeinnützige Zwecke (34 Prozent) als Mieter (21 Prozent).

 

GSCHWÄTZ: Wie sind diese Ergebnisse zu erklären?

Brettschneider: Sich in einer Region niederzulassen, stärkt fast automatisch die regionale Verbundenheit. Wenn man mehr oder weniger dauerhaft an einem Ort wohnt, dann engagiert man sich auch eher im örtlichenSportverein, in der Bildungseinrichtung, im sozialen Bereich, in der Kirchengemeinde oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Dann hat man eher das Bedürfnis, sein Wohnumfeld aktiv mitzugestalten, als wenn man zur Miete wohnt und daher vielleicht auch eher mal den Wohnort wechselt. Mit anderen Worten: Mieter empfinden nicht weniger gesellschaftliche Verantwortung als Wohneigentümer. Die Umstände ihres Mietverhältnisses führen jedoch dazu, dass sie im Durchschnitt etwas weniger aktiv sind als die Wohneigentümer, die örtlich fester verwurzelt sind. Damit fördert Wohneigentum nicht nur das individuelle Wohlbefinden der Eigentümer. Es hat auch positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

 

GSCHWÄTZ: Was macht Sie persönlich glücklich?

Brettschneider: Am glücklichsten macht mich meine Familie. Aber auch mein Beruf, da ich es dort mit interessanten Menschen und spannenden Forschungsfragen zu tun habe.

 

„Aber immer definieren die Menschen selbst, was sie unter „ihrem Glück“ verstehen.“

 

GSCHWÄTZ: Werden wir zum Schluss noch ein wenig philosophisch: Wie haben Sie denn „Glück“ in Ihren Studien definiert? Was ist Glück / Glücklichsein?

Brettschneider: In der Wissenschaft übersetzen wir Glück mit „subjektivem Wohlbefinden“. Mit anderen Worten: Was Menschen unter ihrem individuellen Glück verstehen, variiert nach Alter, nach Kulturkreis, nach geografischer Region. Mit dem Ausmaß, den Ursachen und den Folgen von Glücklichsein beschäftigen sich inzwischen zahlreiche Wissenschaften – neben den Sozialwissenschaften auch die Wirtschafts- und die Politikwissenschaft. Aber immer definieren die Menschen selbst, was sie unter „ihrem Glück“ verstehen. Wir fragen sie nur, ob sie glücklich sind.

 

* Für diese Studie hat die GfK im Oktober 2016 eine repräsentative Umfrage mittels Online-Interviews durchgeführt. An der Umfrage haben laut  Frank Brettschneider bundesweit 1.109 Personen ab 18 Jahren teilgenommen. In Baden-Württemberg wurde die Zahl der Befragten auf 1.037 aufgestockt. Bei der Vorgänger-Studie waren es 1.442 Befragte bundesweit und 2.788 Befragte in Baden-Württemberg.