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„Ich habe drei Tage den Dalai-Lama begleiten dürfen“

Viele prominente Freunde und Weggefährten waren am 7. November 2022 ins Carmen-Würth-Forum gekommen, um Harald Unkelbach zu ehren, der an diesem Abend das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Landrat Dr.Matthias Neth entgegennehmen durfte und aus seinem Amt als Vorsitzender der Würth-Stiftung verabschiedet wurde.

Landrat Dr. Matthias Neth überreicht das Bundesverdienstkreuz an Harald Unkelbach. Foto: Ufuk Arslan

Im Mittelpunkt des Abends stand nicht der Unternehmensmanager Unkelbach, sondern die vielen Facetten der Persönlichkeit Harald Unkelbach. Wenn Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth von gemeinsamen Schachabenden erzählt und davon, dass Unkelbach meist gewinnt, aber sich über Niederlagen ärgert, dann ist das eine Facette von Harald Unkelbach, der so viele Facetten aufweist. So erinnert sich Laudator Prof. Dr. Bernd Engler, Präsident der Stiftung Weltethos, an die Studienzeit Unkelbachs und bescheinigt ihm „das Zeug zu einem veritablen Revoluzzer, damals in den späten 60ern“. Auch als Kleinkünstler oder in der Theaterszene sei Unkelbach bekannt gewesen. Letzendlich habe er sich aber doch für die Mathematik entschieden.

Formeln, Logik und Prozesse – aber Sinn für die Kunst

„Ein Mensch der Formeln, der Logik und der Prozesse“, sei Unkelbach, stellt Maria Würth fest. „Aber er hat trotzdem einen Sinn für die Kunst, dem bei einer Sinfonie das  Herz aufgeht“. Und Kunst, das ist für Unkelbach nicht nur die Musik, sondern vor allem die Literatur: „Literatur und Musik sind ein ungeheurer Schatz“, sagt er. 12.000 Bücher dürften es gewesen sein, die er gelesen hat.

Das Rampenlicht scheint ihm nicht so zu liegen

Unkelbach steht an diesem Abend im Rampenlicht. Ganz wohl scheint er sich damit nicht zu fühlen. Immer, wenn er von Erfolgen spricht, stellt er seinen Anteil zurück und dankt denen, die beigetragen haben: Einerseits natürlich Reinhold und Carmen Würth, die die Stiftung ins Leben gerufen haben und damit die Voraussetzungen für die Arbeit geschaffen haben, andererseits seinen Mitarbeitern, die ihn in seinen vielen Aufgaben unterstützt haben. Besonders deutlich wird das bei seinen Dankesworten zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes: „Auszeichnungen sind ein äußerliches Zeichen der Anerkennung“. Diese Auszeichnung will er verstanden wissen „als Auszeichnung für alle, die mich in all den Jahren unterstützt haben“.

Große Persönlichkeiten kennengelernt

Besonders dankbar ist Unkelbach für Begegnungen mit Persönlichkeiten: „Ich habe drei Tage den Dalai-Lama begleiten dürfen“, berichtet er, aber auch Christo und Jeanne-Claude oder den amerikanischen Komponisten Philipp Glass nennt er.

Viele alte Weggefährten sind gekommen

Gekommen waren sie alle, die Menschen aus vielen Arbeitsbereichen, mit denen er in über 30 Jahren bei Würth oder in anderen Funktionen, beispielsweise der IHK, zusammengearbeitet hat. Man kann sie gar nicht alle aufzählen, so viele waren es. Selbst Maria Würth mußte nach der Begrüßung direkt einen Schluck Wasser trinken. Unternehmer waren gekommen, beispielsweise Albert Berner und Dieter Schwarz, aber auch Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten, der ehemalige Abgeordnete Eberhard Gienger oder die Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb und Anton Baron.

Arnulf von Eyb, Anton Baron, Christian von Stetten und Eberhard Gienger (v.l.) Foto: GSCHWÄTZ

Fotografiert werden möchte Dieter Schwarz nicht: „Wissen Sie, jeder weiß, dass ich da bin, aber keiner kennt mich“. Er scheint es zu mögen, nicht als einer der reichsten Menschen Deutschlands erkannt zu werden: „Ich kann mich in Heilbronn bewegen“, ist ihm wichtig.

Auch Künzelsaus Altbürgermeister Volker Lenz (r.) war gekommen. Foto: GSCHWÄTZ

Noch lange nach dem Ende des Festaktes trafen sich alte Bekannte zum Gespräch. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Matthias Lauterer




Stabwechsel im Vorstand der Stiftung Würth

„Ich freue mich sehr auf die Arbeit bei der Stiftung Würth, denn sie gehört zu den bedeutendsten zivilgesellschaftlichen Akteuren im Land. Was mich besonders reizt, ist die hohe internationale Reputation der Stiftung“, so Johannes Schmalzl. Der gebürtige Unterfranke war vor seiner Tätigkeit bei der IHK Region Stuttgart bis 2016 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Stuttgart.

„Stiftungen wie die Stiftung Würth sind indes mehr als die Summe ihrer Teile, sprich mehr als die Preise, die sie ausloben und verleihen! Stiftungen und ihr Wirken sind die Garanten dafür, dass eine Gesellschaft eine Wertegemeinschaft ist und bleibt, eine Gesellschaft in der die uns verbindenden kulturellen Werte in ihrer Vielfalt gelebt werden können. Für dieses Bekenntnis zu einer wertebasierten und zugleich offenen Gesellschaft danken wir Ihnen, lieber Herr Unkelbach, vor allem aber auch den Stiftern der Stiftung, dem Ehepaar Würth“, betonte Prof. Bernd Engler, Präsident der Stiftung Weltethos, in seiner Festrede.

In einer Gesprächsrunde, moderiert von Bernadette Schoog, blickt Harald Unkelbach an seine Anfänge im Unternehmen Würth vor 43 Jahren. „Arbeit war für mich nie ungeliebte Pflicht, immer Herausforderung, die ich mit Freude und Elan angegangen bin.“ Sein Amt als Mitglied der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG gibt er zum Jahreswechsel ab.

Verdienstkreuz am Bande für Harald Unkelbach

Landrat Dr. Matthias Neth überreicht das Bundesverdienstkreuz an Harald Unkelbach. Foto: Ufuk Arslan

Bei der Feierstunde erhielt Harald Unkelbach für sein vorbildliches gesellschaftliches Wirken sowie für seinen außerordentlichen Einsatz in zahlreichen Ämtern und sein herausragendes Engagement in der Region Heilbronn-Franken das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Ordensverleihung nahm im Auftrag des Bundespräsidenten der Landrat des Hohenlohekreises Dr. Matthias Neth vor.

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, dankte Harald Unkelbach in seiner Schlussrede mit den Worten: „In besonderem Maße gebührt unser Dank Harald Unkelbach. Ohne seine großen Verdienste, seinen unermüdlichen Einsatz, seine Weltoffenheit und seine Zielorientierung wäre es nicht möglich gewesen, diese Mitverantwortung für die Menschen, für die Region und für die Gemeinschaft Wirklichkeit werden zu lassen.“

Zur Person Harald Unkelbach

Nach dem Studium der Mathematik, Physik, BWL und VWL und seiner Promotion führten Forschungsaufenthalte Harald Unkelbach an die Stanford University Kalifornien und das Westfield College in London geführt. Danach war er vier Jahre als Unternehmensberater für Betriebsorganisation, Logistik und Informationstechnologie tätig.

1979 trat Harald Unkelbach als Geschäftsführer in die Adolf Würth GmbH & Co.KG mit Sitz in Künzelsau ein. Seither trieb er die Entwicklung der Würth-Gruppe maßgeblich voran. So zeichnete Unkelbach verantwortlich für den Aufbau der IT und der Logistikstrukturen, nicht nur bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG, sondern auch innerhalb der gesamten Würth-Gruppe. Dem lebenslangen Lernen fühlte sich der weltoffene und weitsichtige Manager schon immer verpflichtet. Nach Gründung der Akademie Würth im Jahr 1990 übernahm er die Leitung, die er bis 2020 innehatte. Für sein Engagement im Bereich Bildung und für den Aufbau eines internationalen MBA Programmes wurde dem gebürtigen Hessen im November 2013 die Ehrendoktorwürde der US-amerikanischen University of Louisville verliehen. 20007 war er zum Professor für Management und International Business berufen worden.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Unkelbach stark ehrenamtlich und für die regionale Entwicklung, schwerpunktmäßig in den Bereichen Bildung und Kultur. Im Februar 2013 wählte ihn die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken zu ihrem Präsidenten. Von 2016 bis 2021 fungierte er als Vizepräsident der BWIHK Baden-Württemberg, von 2018 bis 2021 war er Mitglied des Vorstands des DIHK. Für seine Verdienste für die Duale Hochschule Baden-Württemberg wurde er 2021 zum Ehrensenator ernannt. Seit Gründung des Fechtclubs Würth Künzelsau ist er Präsident des Clubs.

Unkelbach ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Zur Person Johannes Schmalzl

Johannes Schmalzl wurde 1965 geboren und wuchs in der Region auf. Er studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Würzburg, Bonn und Lausanne (Schweiz). Nach seinem Referendariat, das er auch an der Deutschen Botschaft in Tallinn (Estland) absolvierte, trat er in den baden-württembergischen Staatsdienst ein.

Die ersten zehn Berufsjahre verbrachte er in der Justiz, im Justizministerium sowie im Staatsministerium/Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund in Bonn und Berlin. 2005 wurde er zum Präsidenten des Landesamts für Verfassungsschutz ernannt, 2008 zum Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Stuttgart. Gerade in dieser Funktion war er der Region Hohenlohe sehr verbunden. 2016 wechselte Johannes Schmalzl als Ministerialdirektor und Chef der Abteilung Bundesimmobilien, Bundesvermögen und Beteiligungsverwaltung in das Bundesministerium der Finanzen nach Berlin.

2017 wurde Johannes Schmalzl zum Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart bestellt. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren die berufliche Aus- und Weiterbildung, die Digitalisierung sowie die Organisation von Corona-Hilfsprogrammen für Unternehmen. Für die Landesregierung koordinierte er die Corona-Impfkampagne in den Unternehmen.

Johannes Schmalzl ist in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagiert. Er ist u.a. Präsident der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie VWA, Vorstand des Kuratoriums der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitglied im Aufsichtsrat der Hochschule für Kirchenmusik. Außerdem ist er Ehrenvorsitzender des Landesverbandes des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in dem er sich lange als Landesvorsitzender engagierte. In der Stiftung Würth arbeitet er bereits seit 2016 ehrenamtlich im Vorstand mit.

Schmalzl ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Über die Stiftung Würth

Im Jahr 1987 von Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold und Carmen Würth als Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Künzelsau gegründet, verfolgt die Stiftung Würth gemeinnützige und mildtätige Zwecke. Sie fördert zahlreiche Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur, Forschung und Wissenschaft, Bildung und Erziehung sowie Integration – schwerpunktmäßig in der Region Heilbronn-Franken, dem Stammsitz des Unternehmens Würth. Unterstützt werden die Aktivitäten durch die Gesellschaften der Würth-Gruppe in Deutschland, insbesondere durch die Adolf Würth GmbH & Co. KG.

Pressemitteilung Würth




Veränderungen im Stiftungsaufsichtsrat der Würth-Gruppe

Die Würth-Gruppe beschäftigt sich mit der Besetzung der Führungsgremien in die Zukunft hinein, nachdem Reinhold Würth zwar bei bester Gesundheit, aber immerhin 87 Jahre alt ist.

Zur weiteren Gestaltung der Führungsgremien hat der Stiftungsaufsichtsrat beschlossen, dass Benjamin Würth ab 1. Januar 2023 als stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats tätig werden wird. Reinhold Würth bleibt weiterhin Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats. Ferner zieht Bettina Würth zum 1. Mai 2023 als ordentliches Mitglied in den Stiftungsaufsichtsrat ein.

Auch im aktiven Beirat der Würth-Gruppe (vergleichbar mit dem Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft) wird es in absehbarer Zeit Änderungen geben. Zum 1. Januar 2025 wird Bettina Würth den Vorsitz im Beirat an Sebastian Würth übergeben und zur weiteren Ehrenvorsitzenden des Beirats neben Reinhold Würth bestellt.

Maria Würth wird perspektivisch die Leitung der Kunst- und Kulturaktivitäten der Würth-Gruppe übernehmen, wenn C. Sylvia Weber, die in ihrer Funktion als Geschäftsbereichsleiterin diesen Bereich hoch erfolgreich verantwortet, in den Ruhestand geht. Maria Würth gehört schon heute dem Vorstand der gemeinnützigen Stiftung Würth an.

Mit diesen Entscheidungen ist gewährleistet, dass die Kontinuität in der Würth-Gruppe sowohl hinsichtlich der Zielsetzung, des Arbeitsstils und der Unternehmenskultur unverändert in die Zeit nach Reinhold Würth fortgeführt werden kann.

Pressemitteilung Würth

Sebastian und Maria Würth bei einer Pressekonferenz. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




Willkommen in Absurdistan

Willkommen in Absurdistan. So könnte der Titel der aktuellen Ausstellung im Museum Würth 2 mit Fug und Recht heißen. Stattdessen heißt sie einfach nur „Elmgreen&Dragset 14. Robert Jacobsen Preis der Stiftung Würth“, wie die beiden skandinavischen Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset, die in Berlin leben und arbeiten.

14. Robert Jacobsen Preis wird an das Duo Elmgreen&Dragset verliehen

Anlaß der Ausstellung ist die Verleihung des 14. Robert Jacobsen Preises, den die Stiftung Würth alle zwei Jahre an zeitgenössische Künstler vergibt, um an das Werk und den Einfluss des 1993 gestorbenen Bildhauers Robert Jacobsen zu erinnern. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Kunst, die gesellschaftlich wirksam ist

Einem breiten Publikum wurden Elmgreen & Dragset durch ihre Installation Prada Marfa bekannt. Sie haben mitten in die Wüste einen voll bestückten Shop der Luxusmodemarke Prada gesetzt – der niemals geöffnet ist. Scheinbar absurd. Diese Installation ist inzwischen zu einem Publikumsmagneten geworden, der die amerikanische Seele so gut trifft, dass sogar die Simpsons in einer Folge das Kunstwerk besuchten. Die Stiftung Würth sagt, die Kunst von Elmgreen&Dragset habe es „in den popkulturellen Referenzraum“ geschafft. Ein scheinbar sinnlos in die Wüste gepflanztes Denkmal des Luxuskonsums, das dann ohne jegliche Konsummöglichkeit von Menschen aufgesucht wird – da hat Kunst ihr Ziel möglicherweise erreicht.

„Statue of Liberty“ – ein Werk für Deutschland

„Statue of Liberty“, Elmgreen&Dragset. Foto: GSCHWÄTZ

Ein Kunstwerk, das die Künstler wohl ganz speziell für Deutschland geschaffen haben, steht direkt vor dem Carmen Würth Forum. Man erkennt beim Annähern an das Gebäude einen Geldautomaten. Fast ist man geneigt, „Endlich – da gehört ja auch einer hin“ zu denken, so selbstverständlich und beiläufig steht der Automat in einer Betonsäule vor dem Gebäude. Beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass da natürlich kein Geldautomat hingehört, die Stelle ist sogar gänzlich absurd für einen Geldautomaten: Weit weg von jedem Konsum – und im Museumsshop kann man selbstverständlich mit derselben Karte bezahlen, mit der man den Geldautomaten füttern würde.

Zwischen Ernsthaftigkeit und Absurdität

„Das Werk oszilliert zwischen Ernsthaftigkeit und Absurdität“, nennt das der Laudator Prof. Dr. Bernhard Maaz, Jurymitglied des Robert Jacobsen Preises. Genau diese Absurdität ist das Mittel, mit dem Elmgreen und Dragset die Betrachter ihrer Werke aus ihrem momentanen inneren Zustand herauszerren und sie dazu bringen, sich mit dem Werk und der eigenen Situation auseinanderzusetzen. Man kann sich dem nicht entziehen. Wenn man dann noch erfährt, dass die Betonsäule ein Segment der Berliner Mauer ist und dass das Werk „Statue of Liberty“ heißt, beginnt das Gehirn zu arbeiten. Der Ausverkauf der Geschichte und der Stadt kann einem in den Sinn kommen. Und man stellt sich die Frage, ob die Menschen, die 1989 die Freiheit von einer politischen Diktatur erkämpft haben, jetzt unter der Herrschaft einer anderen Diktatur stehen, der des Geldes. Und ob das das Ziel der friedlichen Revolution gewesen sein soll.

Mehr Fragen als Antworten

Die Künstler wollen diese Fragen gar nicht alle beantworten: „Unsere Kunst hinterläßt mehr Fragen als Antworten“ sagen sie in ihrer Dankesrede. Anders drückt es Maaz aus: „Nicht vordergründig marktgängig, nicht vorsätzlich eingängig“, nennt er die Werke von Elmgreen&Dragset und bringt Franz Kafka ins Spiel, der ebenfalls Bewußtmachung durch eine Verstörungsstrategie erreichen wollte.

Wenn der Beobachter die Beobachter beobachtet

„The Observer“, Elmgreen&Dragset

Verstörend wirkt auch das Werk „The Observer“: Da steht eine männliche Figur, nur mit Trainingshose bekleidet, auf einem Balkon. Die Haltung ist entspannt, er raucht, vielleicht ist es seine Feierabendzigarette. Er steht überaus gelassen über den Dingen und betrachtet die Welt unter ihm. Es ist nicht genau auszumachen, ob er wirklich nach unten schaut, oder ob er gar aus dem Fenster des Belvedere über die Welt hinwegschaut.
Diese Welt, das ist der Betrachter des Werks, der zuerst seine gewohnte Betrachtungsweise ändert, weil er nach oben schauen muß, um das Werk zu sehen. Der Beobachter fühlt sich selbst dauerhaft beobachtet. Er wünscht sich vielleicht, dass die Balkonfigur verschwindet – aber das ist unmöglich: Es gibt keine Tür, durch die die Figur den Balkon verlassen könnte. Auch hier wird die kafkaeske Verstörungsstrategie sichtbar.

Eintritt ist frei

Die Ausstellung von aussen. Foto: GSCHWÄTZ

Die Ausstellung ist bis zum 6. Februar 2022 täglich von 11 – 18 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Danach reist sie weiter – zur Fondazione Prada nach Mailand.

Text: Matthias Lauterer

Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. „Watching“, Elmgreen&Dragset. Foto: GSCHWÄTZ

 

Verleihung des Robert Jacobsen Preises.
v.l. C.Sylvia Weber, Prof. Dr Ulrich Roth, Michael Elmgreen, Ingar Dragset. Foto: GSCHWÄTZ

Überragt von ihrem Werk „Watching“: Elmgreen&Dragset bei ihrer Dankesrede. Foto: GSCHWÄTZ

Prof. Dr. Ulrich Roth, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth, Helmut M. Jahn und Prof. Dr. Lars Rehfeld, Mitglieder des Vorstandes, Prof. Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und Mitglied des Kunstbeirates der Sammlung Würth, Michael Elmgreen, Ingar Dragset, C. Sylvia Weber, Mitglied des Aufsichtsrats der Stiftung Würth, und Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart. Foto: GSCHWÄTZ