1

„Trauer braucht Zeit“

Es ist kein wirklich gutes Thema für einen Small-Talk, für eine leichte Unterhaltung unter Freunden und der Familie. Über den Tod wird häufig erst gesprochen, wenn er eintritt. Und doch gehört er zum Leben dazu. Genauso wie die Trauer, wenn wir von geliebten Menschen Abschied nehmen müssen. Wir wollten daher von Martina Feuchter, Geschäftsführerin vom Bestattungsinstitut Dorn, einem der bekanntesten Bestatter in Künzelsau und Öhringen wissen: Trauern Menschen heute anders als früher? Und: Welche Bestattungsmöglichkeiten gibt es heutzutage?

 

GSCHWÄTZ: Hat sich im Vergleich zu früher etwas verändert im Bestattungswesen?

M. Feuchter: Ja. Früher waren es häufiger die traditionellen Erdbestattungen. In der heutigen Zeit hat die Nachfrage nach Feuerbestattungen deutlich zugenommen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Und die Bestattungen in den Waldfriedhöfen sind dazu gekommen und werden in unserer Region ganz stark angenommen. Oftmals hatten die Personen eine starke Bindung zur Natur, haben zu Lebzeiten viel Zeit in den Wäldern verbracht und entscheiden sich deshalb gerne für ein Begräbnis auf einem Waldfriedhof.
Dort besteht die Möglichkeit, einen Familienbaum auszuwählen, um den die gesamte Familie die letzte Ruhestätte findet. Es können auch nur einzelne Plätze an einem Gemeinschaftsbaum gekauft werden. Das Bestattungsunternehmen Dorn verwaltet drei Waldfriedhöfe in Hohenlohe und zwar in Friedrichsruhe, Schöntal (Aschhausen) und Schloss Stetten. Sehr viele Menschen machen sich schon zu Lebzeiten Gedanken, wie sie bestattet werden möchten, manche regeln auch alles vorab in einem Bestattungsvorsorgevertrag. Diese Entscheidung, wie man bestattet werden möchte, ist eine sehr individuelle. Dennoch halten wir es für wichtig, es in der Familie zu thematisieren und zu besprechen, damit jeder seine Bedürfnisse zum Ausdruck bringen darf.

 

GSCHWÄTZ: Hat sich in der Gestaltung der Trauerfeier etwas geändert?

M. Feuchter: Trauerfeiern wurden früher eher traditionell gehalten: Meist war es die Erdbestattung und das Familiengrab, das über Generationen in der Familie war. Die Trauerkleidung war schwarz und wurde oft ein ganzes Jahr getragen. Das war ein deutliches Signal nach außen. Heute ist die Bandbreite sehr viel größer: von großen Trauerfeiern bis zu ganz kleinen, manchmal stillen Beisetzungen im engsten Kreis. Wie oben erwähnt sind es sehr viel mehr Feuerbestattungen, manchmal soll auf Wunsch des Verstorbenen auf Trauerkleidung verzichtet werden. Es kann lockere, farbige Kleidung getragen werden. Wenn jemand aus der Kirche ausgetreten ist, gestalten freie Redner/innen, Freunde, Familie oder Bestatter die Abschiedsfeier. Ganz oft sollen Lieblingsmusikstücke des Verstorbenen gespielt werden. Fotos und persönliche Gegenstände werden aufgestellt.

Abschied, der das Leben wiederspiegelt, tröstet. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Was ist Ihre Aufgabe als Bestatter?

M. Feuchter: Natürlich sind wir da für alles, was jetzt notwendig ist, vor allem für die Beratung. Wenn sich jemand noch nie mit dem Thema Tod oder Bestattung beschäftigt hat, bedarf es oft erstmal der Erklärung und Erörterung der vielen Möglichkeiten. In der Hauptsache sehen wir uns aber tatsächlich als Begleiter in dieser Zeit. Wie eine Hebamme eine Geburt begleitet, da ist, geduldig, liebevoll, unterstützend, Mut machend, stärkend, so sehe ich uns als Bestatter, eben am Ende eines Lebens für die Angehörigen. Zeit und Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Respekt. Das ist, glaube ich, das Wichtigste. Nicht immer gibt es ein Netzwerk an Familie, Freunden, Nachbarn, manchmal haben sich Menschen vom Glauben entfernt. Wenn das, was es sonst gab, wegfällt, werden wir immer wieder zum Ansprechpartner. Zu vermitteln, dass Trauer keine Krankheit ist, die sofort therapiert werden muss, sondern ein Gefühl, das gelebt werden will, das es viel Zeit braucht, gute Begleiter, Zuhörer, Unterstützer, auch darin sehen wir unsere Aufgabe.

 

GSCHWÄTZ: Wie verabschiedet man sich am besten von einem geliebten Menschen?

M. Feuchter: Eine allgemeingültige Aussage kann man dazu sicher nicht treffen, denn jeder Mensch ist anders. Und somit ist auch jeder Abschied anders. Und es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Sei es, dass der Verstorbene noch eine Zeitlang zu Hause bleiben darf, damit sich die Angehörigen dort in Ruhe und im familiären Rahmen verabschieden können, sei es, dass man den Verstorbenen selber waschen und ankleiden möchte, dass man die Texte für Anzeigen und Karten selber gestalten möchte oder dass man Bilder, Briefe in den Sarg legt oder dass die Angehörigen sogar aktiv die Trauerfeier mitgestalten durch Lied- oder Wortbeiträge, sofern sie sich dazu in der Lage fühlen und vieles mehr. Es ist unsere Aufgabe, mit der Familie herauszufinden, was sie brauchen, was ihnen gut tut. Und ihnen die Zeit zu geben, die sie benötigen.

 

GSCHWÄTZ: Wie kann man Berührungsängsten zum Thema Tod und Trauer entgegenwirken?

M. Feuchter: Wichtig ist auf jeden Fall, das Thema nicht von sich zu schieben, bis ein Trauerfall eintritt. Sich schon zu Lebzeiten Gedanken machen: Wie möchte ich meine Beerdigung gestalten oder sich zu fragen: Wie stellen wir uns die Bestattung unserer Angehörigen vor? Sich frühzeitig über seine Rechte und Möglichkeiten im Trauerfall zu informieren. Wir versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten, indem wir Führungen und Vorträge in unseren Häusern anbieten. Genutzt werden diese zum Beispiel von Auszubildenden der Kranken- und/oder Altenpflege, den Kirchen für die Konfirmanden und Senioren sowie den Schulen, die mit ihren Schülern im Rahmen des Religions- oder Ethikunterrichts das Thema Sterben, Tod und Trauer thematisieren.
Sie dürfen Särge, Urnen und Bestattungsutensilien anschauen, auch mal Probeliegen in einem Sarg. Und sie werden mit der Frage vertraut gemacht: Wie würdet ihr eure Beerdigung gestalten? Erfahrungen zeigen, dass auch hier großes Interesse und Nachdenken angestoßen wird. Ziel ist es aber, Berührungsängste abzubauen und das Thema in die Familien zu bringen.

Anja Dorn im Trauergespräch. Foto: privat

Kontakt:
Dorn Bestattungen GmbH
Pfedelbacher Strasse 32 -34
74613 Öhringen
Telefon: 07941/91 91 0
Standort Künzelsau:
Gaisbacher Straße 6
74653 Künzelsau
Telefon: 07940/55 4 33
E-Mail: info@dorn-bestattungen.de

 

Text: Elke Brand

Fotos: privat

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Werbeanzeige von Bestattungsunternehmen Dorn.




Nicht jeder stirbt für sich alleine

„Die Atmung setzt aus und dann weiß man – jetzt passiert es. Und auf einmal sehen die Menschen ganz friedlich aus“, schildert Ingeborg Zeller.  Sie und Bärbel Weltin arbeiten ehrenamtlich für den Hospizdienst Kocher-Jagst. Sie begleiten Menschen bis zum Tod. Menschen, die krank und ohne Aussicht auf Heilung sind. 

Wenn das Telefon klingelt und Bettina Jörger am anderen Ende ist, bedeutet das für Ehrenamtliche wie Zeller und Weltin, dass es wieder so weit ist – ihre Hilfe wird benötigt. „Man muss selbst frei sein, denn wenn wir zu viel im Kopf haben oder gestresst sind, können wir das nicht machen“, so Weltin über ihr Ehrenamt. Die 62-Jährige macht die Sterbebegleitung nun seit sechs Jahren. 

„Jetzt habe ich es geschafft.“

„Wenn jemand verstorben ist, der lang gelitten hat, krank war und Schmerzen hatte, habe ich immer den Eindruck gehabt, dass die Menschen erleichtert sind. An den Gesichtszügen stellt man einen gewissen Ausdruck fest, der sagt: Jetzt habe ich es geschafft“, beschreibt Zeller den Übergang vom Sterben zum Tod.

Für Zeller ist dieses Ehrenamt auch eine private Angelegenheit. Denn die 65-Jährige musste bereits mit 23 Jahren ihre Großmutter beim Sterben begleiten. Als dann ihr Schwiegervater daheim verstarb, meldete sie sich kurzerhand beim Hospizdienst Kocher-Jagst. „Die Art und Weise, wie man mit dem Tod umgegangen ist, fand ich schlimm“, erzählt die Künzelsauerin. 

„Die Betroffenen wollen nicht immer reden.“

Aber wie genau sieht dieses Begleiten aus? Die Ehrenamtlichen vom Hospizdienst kommen einmal die Woche für ein bis zwei Stunden zu der Person, die sterben wird – sei es nun zu Hause, ins Krankenhaus oder auch ins Pflegeheim. Zeller berichtet, dass die Zeiten, in denen sie da ist, individuell mit den Angehörigen und Betroffenen abgestimmt wird. Sie erinnert sich an einen ganz besonderen Fall: „Damit eine Ehefrau beruhigt schlafen konnte, war ich die ganze Nacht am Bett ihres Mannes gesessen und sobald sie morgens aufgestanden ist, bin ich nach Hause.“ 

Weltin erklärt: „Die Betroffenen wollen nicht immer reden. Darum geht es auch nicht. Auch ein Händedruck oder einfach nur das Dasein hilft.“ Zeller beschreibt, dass man nicht wisse, was für Gedanken noch in den Köpfen der Sterbenden sind. Es sei viel Ungeklärtes im Kopf und wenn jemand viel Ballast im Kopf hat, sterbe er wahrscheinlich schwerer. Denn er müsse noch viel für sich abarbeiten. 

„Aber nicht, dass sie meinen Sohn anrufen und ihm sagen, dass ich sterbe.“

Zeller erzählt, dass sie eine Dame begleitet hat, bei der es hieß, sie hätte keine Angehörigen mehr. Nach ein paar Wochen habe ihr die Dame erzählt, dass sie einen Sohn hätte, aber sagte mit Nachdruck: „Aber nicht, dass sie jetzt auf die Idee kommen, meinen Sohn anzurufen und ihm sagen, dass ich sterbe.“ „Als ihr nicht mehr allzu viel Zeit blieb, wollte sie ihn aber nochmal sehen. „Ich ließ die beiden dann alleine, damit sie sich in Ruhe unterhalten konnten. Dieses Gespräch tat beiden gut – vor allem dem Sohn“, beschreibt Zeller. 

„Die Sterbenden wollen es ihren Angehörigen nicht antun, dass sie sehen, wie sie sterben.“

Sie verdeutlicht: „Jedes Sterben ist anders. Jeder stirbt anders. Und jeder hat ein anderes Anliegen, wann er sterben kann. Es ist oft so, dass die Angehörigen auch viel bei dem Sterbenden sind und kaum sind die Angehörigen aus dem Raum, wenn Sie kurz an die frische Luft gehen oder sich einen Kaffee holen, in diesem einen Moment, in der kurzen Zeit, versterben die Menschen dann. Die Sterbenden wollen es ihren Angehörigen nicht antun, dass sie sehen, wie sie sterben.“ Auch Weltin ist der Meinung: „Jede Geburt ist anders und jedes

Sterben ist anders. Jeder stirbt individuell. Einige sterben tagelang. Aber jeder hat es geschafft, in die Welt zu kommen und muss es auch schaffen, wieder aus der Welt zu gehen. Man kann Hilfestellung leisten. Aber gehen muss jeder selbst. Ich denke, da ist noch irgendwas ungeklärt, aber sie schaffen es nicht mehr, sich zu äußern. Das ist für uns auch sehr schwer.“ 

Weltin ist Christin und weiß auch, dass nicht jeder daran glaubt, dass der Tod nicht endgültig ist. Auch sie glaubt daran, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Zeller hilft es, nachdem jemand gestorben ist, in die Kirche zu gehen und es zu verarbeiten. Bettina Jörger, die Leiterin des Hospizdienstes Kocher-Jagst, erreichen die Anfragen an den Hospizdienst meist telefonisch oder per E-Mail. Sie vereinbaren dann einen Termin für einen Erstbesuch nach den Wünschen der Betroffenen.

Sie und ihre Stellvertreterin, Lisa Möhler, sind ausgebildete Palliativschwestern. Daher erstreckt sich die Beratung auch auf alle Teile der Palliativpflege – je nachdem, welche Fragen die Betroffenen haben. Jörger gibt einige Beispiele von Fragen, die die Angehörigen haben:

„Wie lässt sich die Pflege in der letzten Lebensphase daheim organisieren? Gibt es Alternativen? Welche belastenden körperlichen Symptome gibt es? Wie werden diese durch den Hausarzt behandelt? Was kann man darüber hinaus noch tun?“ Auch der Hospizdienst hat Fragen an die Angehörigen, wie etwa: „Möchte der sterbende Mensch jemanden an seiner Seite haben? Gibt es religiöse Bedürfnisse, braucht es spirituelle Begleitung? Welche Hoffnungen tragen durch diese Zeit? Welche Bilder haben die Menschen vom Sterben?“ Jörger stellt fest, dass die Menschen ganz genaue Fragen zum Prozess des Sterbens haben. 

 

Hospizdienst Kocher-Jagst

Hospizdienst Kocher-Jagst

Oberamteistraße 18

74653 Künzelsau

Leitung: Bettina Jörger, joerger@hospizdienst-kocher-jagst.de

Stellvertretende Leitung: Lisa Möhler, moehler@hospizdienst-kocher-jagst.de. Telefon: 07940 9395012 (mit Anrufbeantworter)

www.hospizdienst-kocher-jagst.de

Die Beratung und Begleitung durch den Hospizdienst ist kostenlos. Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Neuer Ausbildungskurs für Ehrenamtliche

Im zweiten Halbjahr 2019 beginnt ein neuer Ausbildungskurs. In rund 100 Stunden lernen die Menschen alles rund um das Thema Sterbebegleitung und setzen sich mit den teils sehr persönlichen Aspekten rund um Sterben, Tod und Trauer auseinander. Es gibt zunächst ein Orientierungswochenende für erste Inhalte und für alle speziellen Fragen zu Organisation, Befähigung und Rahmenbedingungen. Die Ausbildung ist kostenlos, wenn man anschließend in einem Hospizdienst mitarbeiten möchte. Das Orientierungswochenende kostet eine geringe Gebühr für Essen, Getränke und Materialien. Geeignet für die Hospizarbeit sind alle Menschen, die bereit sind, sich auf die Wünsche und Bedürfnisse Sterbender einzulassen, Menschen, die sich mit klugen Ratschlägen zurückhalten können, die warmherzig und zugewandt sind und keine Berührungsängste haben.




Die Kunst zu Sterben

Am Donnerstag, den 08. November 2018, um 19 Uhr, referiert Bettina Jörger vom Hospizdienst Kocher-Jagst und Pfarrerin Sabine Focken im Foyer des Seniorenzentrums Schöntal-Westernhausen, über die Kunst zu Sterben und Palliativmedizin. Aus verschiedenen Blickwinkeln richten die Referenten an diesem Abend die Aufmerksamkeit auf die letzten Wochen, Tage und Stunden des Lebens in dieser Welt. Der Abend soll bereichern, sodass man Sterbenden mit Respekt begegnen kann und das eigene Leben lebendiger und tiefer wird.

Anmeldungen bis zum 05. November im Pfarramt Dörrenzimmern unter der Telefonnummer: 07940/3754 oder per E-Mail an: pfarramt.doerrenzimmern@elkw.de.