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Künzelsau: Knapp 55 Prozent Baumschäden wegen Dürre

Mit dem Satz „Die Lage ist nicht schön“ begann Stephan Römer, Leiter des Forstreviers Künzelsau, die Vorstellung des Betriebsplans 2021 im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom 27. April 2021.

Enorme Mengen von geschädigten Holz

Seit 2018, so Römer, habe man hauptsächlich Schadholz aus dem Wald gebracht, vor allem Buche, Fichte und Esche. Der prozentuale Anteil des Schadholzes stieg dabei von 70 Prozent der entnommenen Menge im Jahr 2018 bis auf 96 Prozent der Entnahmemenge im Jahr 2020. Inzwischen seien Kahlflächen sichtbar. „Das macht einige Sorge“, sagt Römer. Aufgrund des hohen Schadholzanteils habe man im Jahr 2020 26,4 Prozent mehr Holz eingeschlagen als in Normaljahren.

Dürre als Hauptursache

Für den größten Teil des geschädigten Holzes sei die Dürre verantwortlich: 69 Prozent Dürreschäden stünden  17 Prozent Insektenschäden, 8,5 Prozent Sturmschäden und 1,5 Prozent Pilzschäden gegenüber. Der Vergleich mit dem Waldschadensbericht zeige, dass der Künzelsauer Wald inzwischen überdurchschnittlich von Schäden betroffen ist: 55 Prozent der Bäume seien Bäume im Künzelsauer Forst bereits geschädigt, im Bundesdurchschnitt seien es 46%. In früheren Jahren sei der Künzelsauer Wald weniger stark betroffen gewesen als der Durchschnitt.

„Eiche hats gut überstanden“

Im Forstwirtschaftsjahr 2021 liegt der Arbeitsschwerpunkt bei der Beseitigung von Schadholz und der Pflege von Eichenbeständen. Die Eiche habe die Dürre gut überstanden, meint Römer, daher sei der Einschlag von Eichen für 2021 auch normal geplant. Er nennt diese Planung „das Prinzip Hoffnung“.

„Für das Ökosystem steht mehr auf dem Spiel als der Holzzuwachs“

Für die Wiederaufforstung plant Römer vorläufig weiter mit eher traditionellen Baumarten wie Stieleichen, Traubeneichen, Douglasien,  Schwarzkiefer und Weißtannen. Er hält den Schritt, schnell auf klimaresistente Baumarten umzuschwenken, noch für verfrüht: „Da ist noch wissenschaftliche Begleitung nötig“, schließlich plane man jetzt für die nächsten 100 -150 Jahre. Grundsätzlich sieht er die Notwendigkeit, die Zusammensetzung des Waldes zu verändern, warnt aber davor, den Wald ausschließlich wie eine Landwirtschaft zu betrachten: „Für das Ökosystem steht mehr auf dem Spiel als der Holzzuwachs“, sagt er. Und ergänzt: „Zuviel Engagement ist ehrenwert, aber nicht unbedingt zielführend“.

Totholz nicht die Ursache des Schädlingsbefalls

Das im Wald liegende Totholz sei keine Brutstätte für Schädlinge, die gesunde Bäume befallen, erklärt Römer. Das Totholz beherberge nur sogenannte „Sekundärschädlinge“, die lebendem Holz nicht zusetzten.

Vermarktung des Holzes

Auf die Frage bezüglich der Vermarktung des deutlich höheren Einschlags konnte Römer beruhigen: Das gesamte Holz konnte verwertet werden. Einige Gemeinderäte verwiesen darauf, dass derzeit Bauholz immer teurer werde, der wahrscheinliche Grund dafür sei der Holzexport. Diesen Aspekt sieht Römer „mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Wenn es nicht möglich wäre, zum Beispiel Schadholz Buche zu exportieren, wäre der Preis im Keller“.

Trotz der noch einigermaßen hohen Preise ist der Wald der Stadt Künzelsau nicht kostendeckend: Geschätzten Ausgaben für die Waldpflege in Höhe von 251.000 Euro stehen für das Jahr 2021 geplante Einnahmen aus dem Holzverkauf von 197.000 Euro gegenüber.

Text: Matthias Lauterer

 

Wegen der anhaltenden Trockenheit fällte ein Forstunternehmen im Stadtwald zahlreiche Bäume. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau / Archiv