Staatssekretär verbreitet Optimismus für den Bau der Kochertalbahn
„Es hat mir niemand das mit den 90 Prozent geglaubt“, sagt Christian von Stetten am Samstag, 04. September auf einer Veranstaltung mit Staatsekretär Steffen Bilger aus dem Verkehrsministerium, „deswegen habe ich den Staatssekretär gebeten, bei seinem nächsten Besuch in der Gegend vorbeizukommen“. Der Veranstaltungsort war passend gewählt: Vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude in Künzelsau.
Von Waldenburg nach Künzelsau
Mit den 90 Prozent meint von Stetten den Bundeszuschuß für den Bau der geplanten Kochertalbahn. Wie bereits berichtet, hat der Kreistag eine Studie in Auftrag gegeben, die in eine standardisierte Bewertung münden soll. Mit dieser Bewertung kann der Bau der Kochertalbahn vom Bahnhof in Waldenburg bis nach Künzelsau beim Verkehrsministerium in Stuttgart beantragt werden, ein entsprechendes Förderprogramm der Landesregierung wurde bereits auf den Weg gebracht.
Verbundprojekt Kochertalbahn und Elektrifizierung der Hohenlohebahn
Von Stetten erklärt nochmals das Konzept, einerseits die Kochertalbahn zu reaktivieren, auch um andererseits mit den damit entstehenden Passagierzahlen die Elektrifizierung der Hohenlohebahn zwischen Cappel und Schwäbisch-Hall voranzutreiben.
Machbarkeitsstudie von 2012 war nicht erfolgreich
Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann faßt die Historie zusammen: „Eine Machbarkeitsstudie im Jahr 2012 war nicht erfolgreich. Aber seitdem hat sich Vieles geändert: Neue Wohngebiete wurden errichtet, die Hochschule wurde erweitert und durch die geplante Anbindung an die Firma WÜRTH sind hohe Fahrgastzahlen zu erwarten.“ Mehrere Trassen seien diskutiert worden, auch eine mit Endstation auf Taläcker und Anschluß an die Bergbahn. Aber Neumann weiß: „Mit jedem Umsteigepunkt verlieren Sie 20 Prozent der Fahrgäste.“
Bei Reaktivierung von Strecken sogar 90 Prozent
Den Geldkoffer hatte Staatssekretär Steffen Bilger zwar noch nicht dabei, dafür brachte er gute Nachrichten mit: „Es spricht alles dafür, solche Strecken zu finanzieren, wir haben ambitionierte Klimaziele. Deshalb haben wir die Laufzeit des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes verlängert und die Mittel auf 2 Milliarden Euro jährlich erhöht“. Er bestätigt von Stettens Zahl von 90 Prozent: „Der Zuschuss beträgt 75 Prozent, bei Reaktivierung von Strecken sogar 90 Prozent“.
Voraussetzungen für Zuschüsse wurden erleichtert
Außerdem, und das sei seine zweite gute Nachricht, sagt Bilger: „Die standardisierte Bewertung wurde reformiert, sodass viele Projekte die den Faktor 1 bisher nicht erreicht haben, jetzt über 1 liegen. Es ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, solche Projekte voranzutreiben.“ Experten des Verkehrsministeriums hätten die sich die vorläufigen Planungen angesehen und seien zum Ergebnis gekommen „das sieht gut aus.“
Das Land ist jetzt in der Verantwortung
Bilger verspricht auf Seiten des Bundes schnelle und unbürokratische Bearbeitung: „Das Land muss die Unterlagen beim Verkehrsministerium einreichen. Wir machen dann nur noch den Haken dran.“
Von Stetten ist optimistisch, dass das Land schnell entscheiden wird: „Stuttgart ist bereit, verschiedene Schritte parallel statt sequentiell abzuwickeln.“ Neumann hat ebenfalls positives Feedback aus der Landesregierung zu vermelden: „Der Förderverein Wir bauen die neue Kochertalbahn e.V. hat gute Vorarbeit geleistet. Das Land hat das erkannt.“
Weiterführung der Trasse durchs Kochertal?
Die Frage aus dem Publikum, ob die Trasse eventuell über Künzelsau hinaus nach Ingelfingen, Niedernhall und Forchtenberg führen kann, antwortet von Stetten: „In dem Augenblick, wo das Verkehrsministerium den Haken dran gemacht hat, ist es Aufgabe der Bürgermeister von Ingelfingen, Niedernhall und Forchtenberg, weiterzudenken.“
Wermutstropfen
Einen kleinen Wermutstropfen hat Bilger allerdings auch mitgebracht: „Für die A6 mache ich mir Sorgen“, sagt er. Um den geplanten Ausbau der A6 auf sechs Spuren scheint es also nicht so gut zu stehen wie um die Kochertalbahn.
Einzigartige Finanzierung
Abschließend verweist von Stetten darauf: „So eine Finanzierung hat es noch nie gegeben. Ich freue mich, dass der Landtag und die Bundesregierung dahinterstehen.“
Text: Matthias Lauterer

Große Pläne für die Kochertalbahn: Christian von Stetten, Steffen Bilger und Stefan Neumann (v.r.). Foto: GSCHWÄTZ

Christian von Stetten und Staatssekretär Steffen Bilger. Foto: GSCHWÄTZ