1

Stefan Neumann derzeit weit abgeschlagen hinter Maximilian Friedrich

Heute findet nicht nur die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt, sondern auch die Oberbürgermeisterwahl in Backnang. Auch für Künzelsau wird dieses Ergebnis möglicherweise große Auswirkungen haben, bewirbt sich um das Amt des Rathauschefs unter anderem Stefan Neumann, der derzeit noch in Künzelsau Bürgermeister ist.

Aktuell sind laut zvw elf von 36 Wahlbezirken ausgezählt. Maximilian Friedrich liegt mit großem Abstand vorne (47,61 Prozent).

Auf Platz rangiert jedoch bereits Stefan Neumann, allerdings mit derzeit lediglich 22,81 Prozent der Stimmen. Die anderen Bewerber sind noch weiter abgeschlagen auf den hinteren Plätzen:

Jörg Bauer: 14,19 Prozent

Stefan Braun: 5,76 Prozent

Julia Papadopoulos: 3,66 Prozent

Roland Stümke: 2,47 Prozent

Marco Schlich: 1,35 Prozent

Stand: 19.37 Uhr

Auf folgendem Youtube-Kanal verkündet der zweite Bürgermeister der Stadt Backnang das endgültige Ergebnis:

https://www.youtube.com/watch?v=MsEHfnfLgfs




Gesetzt den Fall … Stefan Neumann würde in Backnang nicht gewählt

Würde in Backnang einer der anderen Kandidaten gewählt (GSCHWÄTZ berichtete), dann hätten wir in Künzelsau bis zu sechs Jahre einen Bürgermeister, der offen gezeigt hat, dass er Künzelsau verlassen will. Offenbar ist es ihm nahezu egal, wohin sein Weg führt, denn auch aus Schwäbisch Hall wurde bekannt, dass er Gesprächen über eine Kandidatur als Nachfolger von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim nicht abgeneigt war. Bürgermeister Stefan Neumann sieht das eher locker: „Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen“, sagt er auf die Frage, was denn passieren würde, wenn er nicht Oberbürgermeister von Backnang werden sollte. So einfach scheint das zu sein.

Nein, so einfach wie Neumann das im GSCHWÄTZ-Interview darstellt, ist das eben nicht.

Frühstücksdirektor oder Grüßaugust, aber kein Bürgermeister mehr

Denn wie soll ein Gesprächspartner der Stadt, zum Beispiel ein Immobilieninvestor, mit einem Bürgermeister über längerfristige Projekte sprechen, wenn er davon ausgehen muss, dass sein Ansprechpartner bei nächstbester Gelegenheit nicht mehr verfügbar ist? Sechs Jahre sind eine lange Zeit, in der man ein großes Projekt auf den Weg bringen kann.

Im Gemeinderat hat Neumann ohnehin einen schweren Stand, weil man ihm auch schon bisher fehlende „Zusammenarbeit“ vorwirft. Wie stellt sich Neumann eine konstruktive Zusammenarbeit vor, wenn sich um ihn herum eventuelle Nachfolgekandidaten in Stellung bringen und immer mehr die öffentliche Diskussion übernehmen?

Zu guter Letzt werden auch die an langfristigen Projekten der Stadt beteiligten Mitarbeiter in ihrer Arbeit beeinträchtigt, weiß doch niemand, welche Schwerpunkte ein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters setzen wird.

Neumann hat sich selbst zur lame duck gemacht

Die Amerikaner bezeichnen Politiker, die ohne oder mit einer ungewissen Zukunft noch im Amt sind, als eine ,ame Duck‘ – eine lahme Ente. Bis zur Wahl in Backnang ist Stefan Neumann so eine ,Lame Duck‘, verliert er, wird er zum Frühstücksdirektor oder zum Grüß-August.

Aber Künzelsau kann sich keine „Lame Duck“ im Amt des Bürgermeisters leisten: Zu viele wichtige Baustellen sind offen, für die handlungsfähiger Bürgermeister dringend notwendig ist: die Kochertalbahn, das neue Landratsamt, die Gesundheitspolitik und viele mehr. Und: Künzelsau hat auch mehr verdient, als ein Bürgermeister, der eigentlich weg will.

Künzelsau braucht einen handlungsfähigen Bürgermeister

Daher muss man ihm für die Wahl in Backnang die Daumen drücken, denn nur so hat Künzelsau die Chance, schnell wieder einen handlungsfähigen Bürgermeister zu bekommen, der die Geschicke der Stadt lenken und beeinflussen kann. Neumann kann das nun kaum mehr sein.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




„Ich lasse meine Aufgaben hier nicht schleifen“

Am 14. März 2021 ist die Oberbürgermeisterwahl in Backnang. Künzelsaus Stadtoberhaupt kandidiert ebenfalls. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit Stefan Neumann am 08. Februar 2021 über die Gründe gesprochen, über potenzielle Nachfolger und warum  der Oberbürgermeisterposten in Schwäbisch Hall keine Option für ihn war.

GSCHWÄTZ: Wie geht es Ihnen?

Neumann: Der Wahlkampf in Backnang läuft, es ist zwar keine einfache Zeit. Aber in Bezug auf den Wahlkampf ist es spannend.

„Das Umfeld hat überrascht, aber verständnisvoll reagiert“

GSCHWÄTZ: Welche Reaktionen aus der Künzelsauer Bevölkerung haben Sie seit Ihrer Veröffentlichung erhalten, dass Sie Oberbürgermeister in Backnang werden möchten?

Neumann: Das Künzelsauer Umfeld hat durchaus überrascht reagiert, aber auch durchaus verständnisvoll. Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, dass ich diesen Schritt gehe und die mir auch Unterstützung angeboten haben, bis hin zum Lesen von Texten und das Hängen von Plakaten.

„Das ist kein Wegloben, sondern ein Wertschätzen meiner Arbeit“

GSCHWÄTZ: Es gibt Stimmen, die sagen, dass man Sie gerade „weglobt“.

Neumann: Das glaube ich nicht. Vertreter der Wirtschaft, Einzelhändler und Fraktionsvorsitzende haben sich positiv geäußert. Das ist kein Wegloben, sondern ein Wertschätzen meiner Arbeit unter teils schwierigen Bedingungen, wenn man nur an das Krankenhaus denkt.

„Ich bin immernoch in Künzelsau verankert“

GSCHWÄTZ: Wäre vor zwei Jahren, bei Ihrer Wiederwahl, nicht der ideale Zeitpunkt eines Wechsels gewesen und nicht mitten in einer Amtsperiode? Was hat sich seitdem verändert?

Neumann: Ich bin immer noch in Künzelsau verankert. Ich wurde im vergangenen Jahr mehrfach auf Angebote und attraktive Stellen angesprochen. Man macht sich seine Gedanken. Ich habe mich auch intensiv mit Schwäbisch Hall [auch Schwäbisch Hall ist in diesem Jahr Oberbürgermeisterwahl] auseinandergesetzt und für uns war klar, dass wir in Künzelsau bleiben. Aber dann kam Backnang und wir haben uns die Stadt angeschaut. Ich bin jetzt 38 Jahre, habe drei Kinder, das älteste ist 8 Jahre alt. Später würden wir es vielleicht nicht mehr tun.

„Später würden wir es vielleicht nicht mehr tun“

GSCHWÄTZ: Warum nicht Schwäbisch Hall?

Dieses Ambiente hat Neumann ausgeschlagen: Büro des Bürgermeisters von Schwäbisch Hall. Foto: GSCHWAETZ

Neumann: Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen, auf die ich gar nicht näher eingehen will. Aber es müssen alle Faktoren, auch die Familie, zusammenpassen. Aber Schwäbisch Hall ist eine tolle Stadt.

GSCHWÄTZ: Wie schaffen Sie es derzeit, Wahlkampf in Backnang und Bürgermeisteramt in Künzelsau unter einen Hut zu bekommen?

„Je näher der Wahltag rückt, desto mehr Tage werde ich in Backnang verbringen“

Neumann: Im Moment ist es noch der Spagat, aber je näher der Wahltag rückt, desto mehr Tage werde ich in Backnang verbringen, die letzten Tage vor der Wahl habe ich komplett Urlaub. In der ganz heißen Phase des Wahlkampfes muss man auch vor Ort sein.

GSCHWÄTZ: Aber es ist ein Spagat.

Neumann: Es ist so, wie man sich das aussucht. Wenn man sich entschieden hat, zu kandidieren. Ich bin ja nicht der erste, der das macht. Man muss hier seinen Aufgaben nachkommen und parallel Wahlkampf machen. Es geht vor allem auf Kosten von Freizeit. Aber die Zeit ist ja jetzt überschaubar.

„Mir kommt es zu Gute, dass es coronabedingt keine Veranstaltungen gibt“

GSCHWÄTZ: Unterstützen Sie hier Ihre Mitarbeiter in Künzelsau?

Neumann: Wir haben schon immer ein gutes Miteinander hier im Rathaus. Es gibt auch diverse Dinge, die wir vorgezogen haben, wie Mitarbeitergespräche mit Zielvereinbarungen.  Wir haben ja auch trotz Corona die ganze Zeit normal offen, im Gegensatz zu anderen Rathäusern. Mir kommt es aber zugute, dass es derzeit coronabedingt keine Veranstaltungen gibt.

„Ich lasse meine Aufgaben hier nicht schleifen“

GSCHWÄTZ: Was sind denn die primären Ziele für Künzelsau 2021, für Sie oder Ihren Nachfolger im Rathaus?

Neumann: Zunächst ist so eine Wahl nicht gewonnen, die muss man erst einmal gewinnen. Ich lasse meine Aufgaben hier auch nicht schleifen. Sollte das mit Backnang klappen, ist mir schon viel daran gelegen, dass das alles gut weiterläuft. Mir ist es wichtig, dass wir unsere Ziele für 2021 erfüllen. Die drei wichtigsten Ziele sind zum einen unser energiepolitisches Arbeitsprogramm für ein klimaneutrales Künzelsau, die Sporthallensanierungsprogramm von der Sporthalle am Kocher, da haben wir jetzt Vergabe im Gemeinderat und das Hochwasser- und Starkregenmanagement. Die Sofortmaßnahmen hierfür sollten eigentlich letztes Jahr schon gekommen sein. Da wollten wir eigentlich schon weiter sein. Was auch wichtig ist: das Voranbringen der Baugebiete in Amrichshausen und Gaisbach, die Erschließung des ehemaligen Ziehl-Abegg-Areals in der Würzburger Straße in Künzelsau mit  Gewerbe, also mit kleineren Fachmärkte wie Baustoffhandel und Lebensmittelmarkt und Wohnungen.

Peka-Areal soll bis Mitte 2022 fertig sein

Bürgermeister Stefan Neumann

Viel Veränderung in Künzelsaus Innenstadt steht an. Hier: Bürgermeister Stefan Neumann (links) bei der Planung des ehemaligen PEKA-Areals 2017. Foto: Stadt Künzelsau

GSCHWÄTZ: Wie schaut es aus mit dem ehemaligen Peka-Areal in der Innenstadt? Wann wird diese Lücke geschlossen (die Stadt hat das Grundstück 2007 erworben)?

Peka: Aktuell werden bis März 2021 auf dem Grundstück Gasleitungen verlegt, dann soll ab Frühjahr 2021 dort gebaut werden, da kann es dann auch zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Im Sommer 2022 soll laut der Activ-Group alles fertig sein.

Eine Art Studentenstadt auf dem ehemaligen Mustang-Areal

GSCHWÄTZ: Und das ehemalige Mustang-Areal?

Neumann: Im Frühjahr will die Merz-Gruppe hier beginnen. Neben einem Supermarkt sollen Mikrowohnungen für Studenten und Azubis kommen, also eine Art Studentenstadt.

GSCHWÄTZ: Soll hier sozialer Wohnraum geschaffen werden? Der Wohnraum in und um Künzelsau ist ja relativ knapp und teuer.

Preiswerter Wohnraum für Künzelsau: Bürgermeister Neumann (2.v.r.) mit Tina Kamber und Bauleiter Benz (rechts) nach getaner Arbeit  auf den Taläckern. Foto: GSCHWÄTZ

Neumann: Preiswerter Wohnraum ist ein anderes Thema. Wenn wir als Stadt Grundstücke vermieten, schauen wir, dass wir sie preisgünstig vermieten. Wir wollen aber immer eine Mischung haben, kein Haus nur mit sozialem Wohnungsbau, sondern dass es eine gewisse Durchmischung gibt. Auf den Taläckern und in Gaisbach sollen Wohnungen hinsichtlich sozialem Wohnungsbau beziehungsweise preisgünstiger Wohnraum entstehen. Bei den Ein- und Zweifamilienhäusern haben wir keine große Gewinnspanne, da haben wir  schon sehr faire Preise, wenn man diese zum Beispiel mit Backnang vergleicht.

„Man wirbt für sich und nicht gegen andere“

GSCHWÄTZ: Backnang ist aber deutlich größer als Künzelsau. Wie schätzen Sie denn Ihre Chancen ein, in Backnang gewählt zu werden? Es gibt ja diverse Bewerber (wir berichteten).

Stefan Neumann vor dem historischen Rathaus von Backnang. Quelle: Wahlkampfvideo

Neumann: Bevor ich mich beworben habe, habe ich schon geguckt, wer da auf dem Markt ist. Aber man wirbt ja für sich und nicht gegen andere. Am Ende ist es die Entscheidung der Wähler, wen sie nehmen. Ich würde meine Chancen schon als gut einschätzen, sonst wäre ich ja nicht angetreten. Ich habe auch einiges zu bieten und mitzubringen. Der Wahlkampf ist eine Mischung aus Telefon, Video, vor Ort sein und vielen Eins-zu-Eins-Gesprächen.

GSCHWÄTZ: Gesetzt den Fall, Sie werden in Backnang gewählt: Wen sehen Sie denn als möglichen Nachfolger im Künzelsauer Rathaus?

Potenzielle Nachfolgekandidaten: „Ich wüsste auf jeden Fall, wer es nicht werden sollte“

Neumann: Die Frage kommt zu früh. Jetzt fokussiere ich mich erst einmal auf die Wahl Mitte März 2021. Ich wüsste auf jeden Fall, wer es nicht werden sollte (lacht).

Wenn das mit Backnang nichts wird, könnte sich Neumann auch eine dritte Amtszeit in Künzelsau vorstellen

GSCHWÄTZ: Gesetzt den Fall, Sie würden nicht gewählt, bleiben Sie dann in Künzelsau oder schauen Sie sich dann weiter nach etwas Neuem um?

Neumann: Wenn ich jetzt tief gefrustet wäre hier, aber ich bin sehr glücklich und zufrieden hier. Es ist nicht so, dass ich nach anderen Posten schauen werde, sondern dass ich eher für eine dritte Amtszeit antreten und die 24 Jahre voll machen würde.

 

 

 




„Die nächsten Wochen werden für mich und meine Familie aufregend“

Künzelsaus Noch-Bürgermeister Stefan Neumann möchte einen weiteren Karriereschritt wagen – als Oberbürgermeister in Backnang (wir berichteten). Seine Chancen dort stehen gut, weil er den Rückhalt der CDU Backnang genießt. Was ist aber, wenn er doch nicht gewählt werden sollte? „Das muss man sportlich sehen“, sagt Neumann. „Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen.“ Aber ist das wirklich so einfach?

Jüngste Querelen

Waren die jüngsten Querelen mit dem Gemeinderat (wir berichteten) eventuell sogar ausschlaggebend für den Wechselwunsch? Nein, beteuert Neumann. „Ich habe andere Anfragen bekommen“, zuletzt zum Jahreswechsel aus Backnang. In der Tat schreiben diverse Medien von Backnang, dass die dortige CDU Neumann gefragt habe, ob er nicht kandidieren möchte. Dadurch stehen seine Chancen für eine Wahl nicht schlecht. Indes kommt sie dennoch zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt. Gerade mal vor zwei Jahren wiedergewählt, 2020 10-jähriges Dienstjubiläum. In der Regel treten Bürgermeister nach einer abgeschlossenen Amtsperiode einfach nicht mehr zur Wahl an, wenn sie nicht mehr möchten oder eine neue Herausforderung suchen. Aber mittendrin das Handtuch zu werfen ist eher ungewöhnlich.

„Mich haben eine Reihe von Anfragen erreicht“

„Mit 38 Jahren und 10 Jahren im Amt des Bürgermeisters in Künzelsau, haben mich im letzten Jahr eine Reihe von Anfragen erreicht. Dies führte dazu, dass ich mir doch über eine Veränderung Gedanken gemacht  und beschlossen habe, einen weiteren Karriereschritt zu planen. So kam die Anfrage aus Backnang für mich zum richtigen Zeitpunkt“, erklärte Neumann. Seine Kinder seien jetzt noch in einem Alter, wo ein Wechsel möglich sei, führt er weiter aus. Das würde schwieriger werden, wenn sie älter sind. Manch ein Bürger fragt sich bei einer solchen Begründung, warum dann der Wechsel nicht vor zwei Jahren erfolgt ist. 2018 war Bürgermeisterwahl in Künzelsau. Neumann hätte einfach nicht mehr kandidieren müssen. Doch zu dieser Zeit sprach er noch davon, was er alles in Künzelsau in den nächsten Jahre in Angriff nehmen möchte: So sollte ein medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut werden, nachdem das Krankenhaus unter seinem Zepter 2019 geschlossen wurde. Die großen Baulücken in der Innenstadt sollten mit Wohnungen und einem Supermarkt sowie einem Drogeriemarkt gefüllt werden. Bis heute sind die Projekte nicht annähernd abgeschlossen, ja teilweise nicht einmal richtig begonnen, sondern bleiben Künzelsau als jahrelange Baustellen erhalten.

Neumann schätzt vieles an Backnang, auch die Nähe zu Stuttgart

Die Entscheidung habe die Familie schnell über den Jahreswechsel getroffen, sagt Neumann. Am 14. März 2021 ist bereits die Wahl. „Ab heute  [11. Januar 2021] ist quasi offiziell im Wahlkampf“, sagt Neumann gegenüber GSCHWÄTZ. Am 11. Januar 2021 macht er seine Kandidatur öffentlich und hat aber zu diesem Zeitpunkt bereits eine sehr gut aufgebaute Internetseite, auf der er sich als möglicher Backnanger Bürgermeister präsentiert, der die Mischung zwischen städtischem und ländlichen Leben und die Nähe zu Stuttgart sehr schätze.

Wie präsent ist der Künzelsauer Rathauschef in den nächsten Wochen noch in Künzelsau

„Die nächsten Wochen werden für mich und meine Familie aufregend.“ Der 38-Jährige möchte dabei nicht nur online Wahlkampf machen, sondern auch vor Ort, „um eine möglichst hohe Breitenwirkung zu bekommen.“ Dadurch fragt man sich als Künzelsauer Bürger: Wie präsent ist der Künzelsauer Rathauschef in den nächsten Wochen noch in Künzelsau – und wie präsent war er überhaupt noch in den vergangenen Wochen in der Kreisstadt? Wann und warum entstand der Wechselwunsch wirklich. Vermutlich gab es viele unterschiedliche Gründe. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat hat nicht mehr richtig funktioniert, auch im Kreistag wurde es einsam um ihn und auch die Zusammenarbeit  mit dem Landratsamt stand seit Schließung des Künzelsauer Krankenhauses unter keinem guten Stern. Mit Ziehl-Abegg hat er sich überworfen, als er dazwischengrätschte beim Verkauf des Grundstückes in der Würzburger Straße neben dem Edeka und dem Elektrofachmarkt Hem (wir berichteten). Seine Stärken waren und sind seine Familienpolitik und seine bürgernahes Auftreten.

Nach dem Weggeh-Wunsch würde es nicht einfach sein, doch zu bleiben

Wenn er gewählt wird in Backnang, dann ist sich der dreifache Vater sich bewusst: „Oberbürgermeister ist nochmal mehr eine Herausforderung.“ Und wenn es nichts werden sollte in Backnang? „Das muss man auch sportlich sehen. Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen.“ Dann ist in Künzelsau die nächste Bürgermeisterwahl. Aber ob das so einfach werden würde? Man stelle sich vor, ein Arbeitnehmer bewirbt sich offen auf eine andere Arbeitsstelle und wenn es nichts wird, kehrt er einfach zu seiner alten Firma zurück. Dass das nicht einfach werden würde, weiß Neumann vermutlich selbst am besten. Daher wird es vermutlich so kommen, dass er entweder gewählt wird oder sich einfach weiter nach etwas anderem umschaut, bis sich etwas Passendes auftut. Künzelsau scheint indes keine Zukunftsoption mehr für ihn und seine Familie zu sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Mr. Nice Guy

Irgendwann ist eben auch mal gut. Volker Lenz wollte nicht mehr. So gab der damalige Künzelsauer Rathauschef vor zehn Jahren das Regierungsruder des Kreisstädtchens frei für einen Nachfolger. Bei der Wahl durchsetzen konnte sich Stefan Neumann, der besonders durch sei junges Alter und seine charismatische Art auffiel. Die Künzelsauer wählten mit ihm auch ein neues, junges Künzelsau. Und so kam es denn eigentlich auch.

Wenn das große K nicht wär…

Denn der 37-Jährige steht wie kein anderer Bürgermeister für Familie, für Kinderfreundlichkeit und tut auch viel in dieser Hinsicht. Nicht zuletzt hat er selbst drei Kinder, für die er auch in Elternzeit gegangen ist – nicht ohne Kritik von manchen Seiten zu ernten für sein nicht ganz so bürgermeisterkonformes Verhalten in dieser Hinsicht. Aber was manchen missfällt, loben wiederum die anderen. Mitarbeiterinnen schätzen die flexiblen, familienfreundlichen Arbeitszeiten im Rathaus, seit Neumann da ist. In seinem Büro kann schon mal Kinderspielzeug liegen, weil er sich gemeinsam mit seiner Frau um den Nachwuchs kümmert. Das ist modern, keine Frage – besonders für den Hohenlohekreis.

Ein Neigschmackter

Stefan Neumann ist ein – wie sagen wir hier doch gleich? – Neigschmackter. Ihm hat es von seiner Geburtsstadt Schwedt unter anderem nach Forchtenberg als Kämmerer verschlagen. Als er hörte, dass in Künzelsau die Bürgermeisterstelle frei wird, hat er nicht lange überlegt und auch, wie er gegenüber Ganerben-Achtklässlern vor nicht allzu langer Zeit freimütig zugab, daran geglaubt, dass er die Wahl gewinnt. Neumann hat Werte wie die Familie, die er hochhält und lebt. Familienfreundliche Angebote in der Stadt haben sich seit seiner Amtszeit massiv ausgeweitet.

Alleinstellungsmerkmal Flussfreibad

In das Kocherfreibad hat die Stadt laut eigenen Aussagen eine Million Euro investiert, um es fit zu machen für die Zukunft, Flussfreibäder sind selten und so hat er gut daran getan, Künzelsau dieses Alleinstellungsmerkmal zu erhalten. Mit Neumann kam auch der Waldkindergarten auf den Taläckern, nun auch eine neue private Kita in Nagelsberg. Er setzt sich ein für grüne Ideen und erzählt von seinen Hühnern, die sie daheim halten.

Keine Hau-drauf-Methode

Neumann ist nett, beliebt und engagiert sich für Dinge, die ihm am Herzen liegen – unter anderem in der Feuerwehr. Er wurde vor zwei Jahren wiedergewählt als Bürgermeister (siehe Video https://www.youtube.com/watch?v=XfirFLH1nIk&t=123s ) und doch bröckelt seitdem etwas der Glanz des Mr. Nice Guy. Es geht um das große K und dessen Schließung, das in seiner Amtszeit vollzogen wurde. Künzelsau hat sein Krankenhaus verloren. Und so nett Neumann als Bürgermeister ist, viele hätten sich hier manches Mal einen Volker Lenz mit seiner Schröderschen Auf-den-Tisch-Hau-Methode zurückgewünscht. Doch Neumann ist dafür zu liberal, zu harmoniebedürftig. Versucht auch in der Schließung noch das beste zu sehen und hofft auf einen anständigen Gesundheitscampus – der derzeit wohl laut der Stadtverwaltung Künzelsau unter anderem ein Hospiz beinhaltet – der irgendwann noch kommen soll für Künzelsau – ebenso wie ein neues Landratsamt (neuerdings Kreishaus genannt), das irgendwann in Künzelsau gebaut werden soll. Es gibt im wahrsten Sinne noch genügend Baustellen in der Stadt. Das weiß Neumann selbst.

Baustellen

„Es gibt noch viel zu tun und gemeinsam können wir unsere Stadt weiterentwickeln“, so Stefan Neumann in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau zu seinem Dienstjubiläum. „Es geht darum, die Aufgaben der Zukunft aktiv anzupacken. Viele Themen und Ziele haben uns bisher bewegt, wir haben zahlreiche Projekte schon auf den Weg gebracht, andere Dinge sind gerade am Entstehen.“ Dazu zähle der Ausbau des regionalen Netzwerkes Hohenlohe+, in dem die fünf Mittelzentren und Unternehmen der Region gemeinsam dem Fachkräftemangel begegnen wollen.

Stefan Neumann kurz vor seiner Wiederwahl vor zwei Jahren. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Ganerben-Achtklässler fragen Bürgermeister Neumann: Warum hat die Realschule Whiteboards und wir nicht?

„Ein Kreidebomben-Festival wäre cool, ein Freizeitpark oder ein Musikfestival.“ Im Sitzungssaal im Rathaus sprudelt es nur so vor Ideen für Künzelsau. Achtklässler des Ganerben-Gymnasiums sind am Donnerstag, den 23. Januar 2020, zu Besuch im Rathaus gewesen und haben sich Gedanken über ihre „Traumstadt“ gemacht. Was fehlt in Künzelsau? Was wünscht sich die Jugend?

Mehr Einkaufsmöglichkeiten wünschen sich die Jugendlichen. Foto: GSCHWÄTZ

Licht aus. Spot an. „Stellt euch vor, ihr lauft morgens zur Schule. Ihr seid müde. Auf einmal hält neben euch ein Elektrobus. Der Busfahrer bittet euch, einzusteigen und fährt mit euch in eure Traumstadt. Dort gibt es überall kostenfreies W-Lan. Die Stadt hat wegen eines Festes allen Schülern schulfrei gegeben. Der Bus hält nun mitten im Zentrum und ihr staunt nicht schlecht, als ihr aussteigt und…“, lässt Nico Oesterwind (24), freier Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung,  die Schüler in dem abgedunkelten Sitzungssaal träumen. Dann geht das Licht wieder an. Nun sind die Schüler in Kleingruppen gefragt, ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Die Veranstaltung ist eine Aktion der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg – in Zusammenarbeit mit den Lehrern des Ganerben-Gymnasiums und Mitarbeitern der Stadtverwaltung Künzelsau. Michel Salzer von der Landeszentrale (26) erklärt: „In der Kommunalpolitik können Jugendliche bereits sehr früh Dinge gestalten. Ab 16 Jahren dürfen sie hier schließlich auch wählen.“ Dieses Interesse möchten sie bei den 13- und 14-Jährigen wecken. In Kleingruppen erarbeiten die Schüler Ideen für die Kreisstadt.

Wie wäre es mit einem Freizeitpark oder einem Festival in Künzelsau? Diese Achtklässler hatten viele kreative Ideen. Foto: GSCHWÄTZ

Mehr Festivals oder doch lieber eine grüne Lunge für Künzelsau – oder würde auch beides gehen?

In Gruppe eins geht es sehr lebhaft zu, aber Mateo (14) aus Künzelsau, Mattis (13) aus Kupferzell, Franziska aus Kocherstetten (13), Julia aus Waldenburg (13), Stella aus Künzelsau-Taläcker (13) und Sofia aus Gaisbach (13) sind sich schnell einig. Ein Kreidebomben-Festival oder ein Musikfestival täte Künzelsau gut. „Wenn wir Konzerte hier veranstalten, dann kommen auch mehr Menschen nach Künzelsau“, versucht Mateo die anderen in seiner Gruppe von seiner Idee zu überzeugen. Aber auch ein kostenloser Nahverkehr beziehungsweise generell ein besserer Nahverkehr  ist im Gespräch und dass es zu wenig Einkaufsmöglichkeiten in Künzelsau gibt. Am Ende aber stellen sie den anderen Schülergruppen ihre Festival-Idee vor. Julia (13) aus Waldenburg erkärt: „Wir haben uns für ein Musikfestival entschieden. Es gibt ja schon das Würth-Open-Air. Aber die Musik mag nicht jeder. Durch das Festival wird auch die Stadt attraktiver und es kommen auch mehr nach Künzelsau. Wenn die Stadt größer wird, werden auch mehr Steuern eingenommen, es könnten mehr neue Läden angezogen werden. Auch der Bürgermeister profitiert davon, denn seine Chancen steigen, dass er wiedergewählt wird.“

Bürgermeister Stefan Neumann sprach mit den Schülern die besten Ideen durch und nahm sich dabei viel Zeit. Foto: GSCHWÄTZ

„Es gab auch schon fliegende Autos als Ideen. Aber wir lenken die Schüler dahin, dass sie realistische Ideen vorschlagen sollen, denn am Ende werden nur vier Ideen dem Bürgermeister zur Umsetzung vorgestellt“, erklärt Nico Oesterwind. Oesterwind studiert eigentlich Erwachsenenbildung im Masterstudium. Seit zweieinhalb Jahren führt er daneben mit anderen Mitarbeitern der Landeszentrale derartige Veranstaltungen bei interessierten Stadtverwaltungen in Nordwürttemberg durch. Aber oft hieße es dann seitens der Bürgermeister: „Wir haben kein Geld oder der Bürgermeister hat keinen Einfluss darauf“, ob ein H&M in die Stadt kommt. Jugendliche wünschen sich laut Oesterwind häufig einen Park, mehr Einkaufsmöglichkeiten und mehr Angebote für die Jugend. Auch bei den Achtklässlern des Ganerben-Gymnasiums setzt sich am Ende der Park als TOP-eins-Idee für Künzelsau durch. Bürgermeister Stefan Neumann verweist auf den Wertwiesenpark, den es gibt. Die Schüler verweisen darauf, dass sie gerne mehr  Grün hätten, mit Bäumen, Blumen und Plätzen zum Laufen, Joggen und sich aufhalten. Gruppe sechs, die diese Idee geboren hat, erklärt: „In Künzelsau gibt es keine große Grünfläche. Deshalb haben wir uns für einen Park entschieden. Das ist für jüngere und ältere Menschen toll, aber auch für Tiere und Pflanzen. Das könnte dann auch ein Veranstaltungsort für Festivals sein. Das Kocherfreibad ist ja nicht so schön. Stattdessen wäre hier ein idealer Ort für einen Park.“ Schülerin Finni (13) von Gaisbach findet die Idee gut, weil der Park viele Ideen beinhalte wie Umwelt, Platz für Festivals. Und auch von den Kosten halte sich ein Park in Grenzen. Eine weitere Schülerin schlägt vor, in dem Park Beete mit Wildblumen für Insekten anzulegen und Bienenhotels aufzustellen.

Neumann: „Bei H&M haben wir schon mehrfach angeklopft“

Michelle Kinbacher (31), Gemeinschaftskunde-Lehrerin am Ganerben-Gymnasium, findet das Rathaus-Projekt super, denn: „Klasse acht ist das erste Jahr, in dem die Schüler Gemeinschaftskunde haben. So kann man ihnen vermitteln, dass Politik nichts abgehobenes ist, sondern auch vor der Haustüre passiert und dass Politik jeden etwas angeht.“ Und: „Wann kommt man schon mal ins Rathaus?“

So sieht es also im Sitzungssaal im dritten Stock im Rathaus aus. Foto: GSCHWÄTZ

Die Schüler plädieren für ein Krankenhaus, ein Einkaufszentrum und eine umweltfreundliche Stadt

Bereits in den einzelnen Kleingruppen lernen die Schüler, ihre Idee zu erklären und versuchen, die anderen mit ihrer Idee zu überzeugen – ganz ähnlich wie in der Politik. Letzten Endes schaffen es sieben Ideen ins Halbfinale. Neben der Festival-Idee der Gruppe eins hat sich die Gruppe zwei für ein Krankenhaus entschieden, damit „es weniger Kranke und Tote gibt, weil die medizinische Versorgung dadurch erhöht wird“. Gruppe drei plädierte für „eine umweltfreundliche Stadt mit mehr Elektrobussen.“ Gruppe vier forderte mehr Einkaufsläden beziehungsweise ein Einkaufszentrum mit Geschäften wie H&M, Intersport, Nike oder einem coolen Schuhladen. „Es ist ist auch spritsparender, das man nicht immer nach Heilbronn zum Einkaufen fahren muss“, erklären die Schüler ihre Idee. Zudem „spricht es jede Altersgruppe an“. Bürgermeister Neumann findet die Idee gut, gibt aber zu Bedenken, dass es nicht immer einfach ist, Firmen zu motivieren, in Künzelsau eine Filiale zu eröffnen: „“Wir versuchen die Firmen anzusprechen. Bei H&M haben wir schon mehrmals angeklopft. Wir sind größer als ein Dorf, aber kleiner als eine Stadt. Aber wir haben trotzdem viel zu bieten. Wir versuchen ihnen, den Standort hier schmackhaft zu machen.“ Severein aus Waldenburg (13) fragt, warum man für das Einkaufszentrum nicht das Areal nutzt, das frei wird, wenn Ziehl-Abegg mit seinem markant blauen Gebäude der Künzelsauer Innenstadt Lebewohl sagt. Neumann erklärt, dass es hierfür noch keinen genauen Zeitplan gäbe und man daher auch noch nicht konkret planen könne.

Severin aus Waldenburg (13, links) hatte einige Fragen an Bürgermeister Neumann. Foto: GSCHWÄTZ

Mountainbikestrecke, neue Rutschen im Hallenbad & eine weitere Ausgehmöglichkeit soll es mittelfristig geben

Konkreter wird Neumann bei Projekten für Jugendliche, die derzeit bereits in Planung für Künzelsau sind. Unter anderem soll es eine Moutainbikestrecke von Taläcker nach Künzelsau geben.  Zudem soll auch die Rutsche im Hallenbad erneuert werden. Eine Reifenrutsche fände der Bürgermeister persönlich gut, aber er entscheide das ja nicht allein, sagt er und verweist dabei auf den Gemeinderat. Auch soll es in absehbarer Zeit eine Ausgehmöglichkeit in Form einer Disko oder eines Clubs geben.

Tablets in den Schulen wünschen sich die Schüler

Neben ihren Ideen vorstellen, dürfen die Schüler Bürgermeister Neumann auch Fragen stellen. Ein Schüler möchte wissen: „Warum hat die Realschule Whiteboards und das Ganerben-Gymnasium Tafeln?“ – „Weil die Schulen das für sich entscheiden“, was sie brauchen, erklärt Bürgermeister Neumann. Julia Knobel, stellvertretende Hauptamtsleiterin in Künzelsau, verweist darauf, dass das Ganerben sich hinsichtlich des „Medienentwicklungsplanes erst noch am Anfang“ befände. „Aber da kommen in den kommenden Jahren noch ein paar Dinge dazu“. – „Die Lehrer sagen uns, dass Tablets zu teuer sind und sich das die Stadtverwaltung nicht leisten könne. Stimmt das?“, hakt ein weiterer Schüler nach. Knobel betont: „Die Vorschläge kommen nicht von uns, sondern von den Schulen. Diese wenden sich an die Stadt mit dem Bedarf, den sie haben.“

Neumann: „Künzelsauer wollen etwas bewegen“

Auf die Frage, warum es sich lohnt in Künzelsau zu leben, sagte Neumann: „Weil die Menschen hier toll sind. Man spricht ja den Hohenlohern auch eine gewisse Schlitzohrigkeit zu. Die Künzelsauer aber sind noch mal ein besonderer Schlag, unheimlich herzlich und sie wollen auch was bewegen. Man findet hier Menschen, mit denen man was reißen kann.“ Und was läuft derzeit hier nicht so gut? „Es gefällt mir nicht, wo wir gerade stehen hinsichtlich dem Thema Gesundheit. Hier passiert derzeit zu wenig. Das geht mir zu langsam. Das ist ein Hauptthema in diesem Jahr. Hier wollen wir eine Verbesserung. Und wenn es ein Gesundheitszentrum gibt, dann eines, das diesen Namen auch verdient hat.“

Wie geht Kommunalpolitik? Die Ganerben-Schüler zeigten sich sehr interessiert und hatten auch einige kritische Fragen im Gepäck. Foto: GSCHWÄTZ

 

Schülerinnen stellen Bürgermeister Stefan Neumann (3. von links) ihre Ideen für Künzelsau vor. Foto: GSCHWÄTZ

Diese Achtklässler sprachen sich letzten Endes für einen Park in Künzelsau aus. Foto: GSCHWÄTZ




Bürgermeister Neumann: Das Leitmotiv für 2020: „Zukunft Gesundheit“

Bei der letzten Gemeinderatssitzung in diesem Jahr hat der Gemeinderat Künzelsau den Haushalt für das Jahr 2020 verabschiedet. Dieser Haushalt sei, so Bürgermeister Stefan Neumann, wegweisend, da, so stellt Neumann in Aussicht, „wir ein positives Ergebnis in Höhe von 935.070 Euro zu erzielen. Zweitens – investieren wir kräftig in die Zukunft der Stadt und stellen damit wichtige Weichen.“ Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Der besondere Fokus liege dabei auf dem Thema „Zukunft Gesundheit“. Der Hohenlohekreis, die BBT-Gruppe und die Stadt Künzelsau möchten im neuen Jahr „das Gesamtkonzept für das Gesundheitszentrum verfeinern und auf den Weg bringen“, so Neumann. „Mit einem Jahresprogramm werden wir Zeichen für eine gute Gesundheitsversorgung im Mittelbereich Künzelsau setzen.“

Verstärkte Investitionen in der Umwelt- und Klimapolitik

Auch im Bereich Umwelt- und Klimapolitik möchte die Stadtverwaltung Akzente setzen und lässt sich hierzu von der Klimaschutz- und Energie-Agentur (KEA) Baden-Württemberg – einem laut eigenen Aussagen unabhängigen Dienstleister im Bereich Klimaschutz – beraten. Zusätzlich möchte die Stadt beim European Energie Award mitmachen und diverse städtische Dächer mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten.

Neubau Landratsamt

Bezüglich des Neubaus des Landratsamtes (von der Stadtverwaltung als Kreishaus bezeichnet) soll mit dem Landkreis hinsichtlich einer verbesserten Infrastruktur zusammengearbeitet werden, so dass das neue Kreishaus verwirklicht werden könne.

Des Weiteren soll das Kinderhaus am Fluss soweit gediehen sein, dass der Spatenstich erfolgen kann. Dadurch, so Neumann, „schaffen wir mehr Raum für die Kindertagesbetreuung“.

Ab Februar sollen zehn Hektar Bauland in Gaisbach erschlossen werden und auch in „unseren eigenen Immobilienbestand investieren wir kräftig“. Für Eigeninvestitionen stehen laut Neumann zwei Millionen Euro bei den KünWerken zur Verfügung.

„Last but noch least, bauen wir das städtische Glasfasernetz weiter aus und nehmen uns alternativen Mobilitätsformen an. Ein arbeitsreiches und spannendes Jahr liegt vor uns und ich freue mich auf die Arbeit“, so Neumann.

Landrat Neth (rechts) und Bürgermeister Neumann (2. v. re.) bei der Vorstellung der Pläne für das neue Landratsamt. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




Wo bleibt das versprochene Gesundheitszentrum? – Offener Brief von Künzelsaus Bürgermeister und Gemeinderat an Landrat Neth

Deutliche Worte finden Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann und der Künzelsauer Gemeinderat in einem offenen Brief an Landrat Dr. Matthis Neth, datiert auf den 10. Oktober 2019.
Darin heißt es:„Mit der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses muss die Stadt Künzelsau einen bitteren Einschnitt in der Gesundheitsversorgung verkraften. Viele Menschen sind enttäuscht und verunsichert.“

„Leider erleben wir nur eines: die konsequente Schließung“

Mit dem Eintritt der BBT-Gruppe in die Hohenloher Krankenhaus gGmbH sei nun die Erwartung und Hoffnung verknüpft gewesen auf ein neues Gesundheitszentrum. Bürgermeister Neumann und die Gemeinderäte erinnern in dem Offenen Brief daran, dass die notwendigen Umbauten für ein leistungsfähiges Gesundheitszentrum parallel zu der Schließung des Krankenhauses vorangetrieben werden sollten. „Der Kreistag hat hierfür erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt.“

„Konkretes? Fehlanzeige“

„Leider“, so kritisieren es Neumann und die Gemeinderäte, „erleben wir nur eines: die konsequente Schließung des Krankenhauses – welche seit Jahren vorangetrieben wurde – zu Lasten des Mittelbereiches Künzelsau – noch früher als kommuniziert. „Genauso schlimm ist, dass das Krankenhaus schon seit Monaten seinem eigentlichen Auftrag in keiner Weise nachkommt und lediglich im Abwicklungsmodus ist. Das liegt gewiss nicht am fehlenden Engagement der Mitarbeiter.“
Bis heute gäbe es kein konkretes Konzept für Künzelsau, lediglich eine „Ansammlung vieler (guter) Ideen“. „Konkretes? Fehlanzeige!“

Verfehlte Kommunikations- und Informationspolitik

Nicht nur Ideen, auch das Geld seien da, warum also geschehe nichts, fragen sich der Bürgermeister und die Gemeinderäte. In diesem Zuge bemängeln sie auch die Kommunikations- und Informationspolitik. „Eine Information der Bevölkerung? Fehlanzeige! (…) Der Gemeinderat mit Bürgermeister bringt sich gerne ein, aber dazu müssen wir beteiligt werden.“
Landrat Neth wird in dem Brief aufgefordert dazu, die Beschlüsse und Zusagen des Kreistages und seiner Person umzusetzen, die Menschen in der Raumschaft Künzelsau einzubeziehen und dafür Sorge zu tragen, dass „ein leistungsfähiges Gesundheitszentrum keine Plattitüde bleibt, sondern Realität wird!“

Unterzeichnet ist der Offene Brief von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann und – stellvertretend für den Künzelsauer Gemeinderat – von den Fraktionsvorsitzenden Robert Volpp (CD), Jürgen Saknus (SPD & Die Grünen), Boris D’Angelo (UBK), Herbert Schneider (Fraktion für Künzelsau), Verena Löhlein-Ehrler (Die Freien)

Offener Brief an Landrat Neth vom 10. Oktober 2019.

Offener Brief an Landrat Neth vom 10.10.2019.

 




Neumann: „Wir trinken nur aus beruflichen Gründen.“

Glühweintest mit Bürgermeister Stefan Neumann auf dem Künzelsauer Weihnachtsmarkt.

Wenn jetzt schon Bayern vom Tegernsee zum Künzelsauer Weihnachtsmarkt am Schloss kommen, dann haben die Veranstalter wohl einiges richtig gemacht. Fünf Tage lang, bis zum vergangenen Sonntag, den 09. Dezember 2018, ließen es sich die Hohenloher bei Christstollen, Currywurst und Weihnachtswein gut gehen. Auch Bürgermeister Stefan Neumann, der sich mit der Hohenloher Weinkönigin durch ein Dutzend eingereichte Glühweinproben – natürlich nur aus rein beruflichen Gründen – trinken musste, um den besten Glühweinhersteller zu ermitteln. Videoreporter Felix Kribus blieb selbstverständlich während des Weihnachtsmarktes vollumfänglich standhaft das heißt nüchtern, um zwischen Lichterketten und Posaunenklängen weihnachtliche Emotionen und Eindrücke der zahlreichen Besucher einzufangen.

Neumann: „Wir trinken nur aus beruflichen Gründen.“
Foto: GSCHWÄTZ

Auf dem Künzelsauer Weihnachtsmarkt sorgt unter anderem der Posaunenchor Kocherstetten für musikalische Unterhaltung.
Foto: GSCHWÄTZ

Weihnachtsplätzchen dürfen auf dem Weihnachtsmarkt nicht fehlen.
Foto: GSCHWÄTZ

Flötenspielkreis Lilo Schmidt.
Foto: GSCHWÄTZ




Stadt Künzelsau: Millionenschwere Ausgaben

„Der Gemeinderat der Stadt Künzelsau hat sich in seiner letzten Sitzung am 24. Juli 2018 mit millionenschweren Ausgaben beschäftigt“, so eine Pressemitteilung der Stadt Künzelsau. In den kommende Jahren wird einiges an Geld in die Hand genommen.

Neue EDV: Konzeption und Beratung für rund 65.000 Euro

Unter anderem soll die sieben Jahre alte EDV auf den neuesten Stand gebracht werden. Satte 65.000 Euro soll die externe Beratung und Erstellung einer EDV-Konzeption von IT-Consulting und dem Kommunalen Rechenzentrum (ITEOS) kosten. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Angebote anzunehmen. Die Deckung soll, so die Stadtverwaltung, über außerplanmäßige Einnahmen finanziert werden. Hinzu kommen noch die Kosten für die Hardware-Komponenten.

Überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 210.000 Euro beim „Neubau Bauhof“ stimmte der Gemeinderat ebenso zu wie den überplanmäßigen Ausgaben in Höhe von 100.000 Euro für die „Dusch- und Umkleidegebäude Stadion Prübling“. Die Deckung erfolge über den Nachtragshaushalt 2018. Der Beschluss wurde einstimmig von den Gemeinderatsmitgliedern gefasst.

Erweiterung Stadtbücherei im alten Rathaus

Die Erweiterung der Stadtbücherei im Alten Rathaus schlägt mit rund 615.000 Euro zu Buche.

Die Erweiterung der Stadtbücherei im Alten Rathaus schlägt mit rund 615.000 Euro zu Buche. Foto: GSCHWÄTZ

Auch wenn es aller Voraussicht nach zu einer Kläranlage mittleres Kochertal kommt, müsse die Kläranlage Künzelsau saniert werden, um für die nächsten zehn Jahre funktionstüchtig zu bleiben, bis die neue Kläranalge betriebsbereit sei, so die Stadt. Die Sanierungskosten liegen laut der Stadtverwaltung nach ersten Kostenschätzungen bei 550.000 Euro.

Obwohl sie wohl bald von einer neuen Kläranlage abgelöst wird, verschlingt die Sanierung der alten Anlage nochmal über 550.000 Euro. Foto: Stadt Künzelsau

Die Sanierung der Morsbacher Straße soll laut ersten Schätzungen rund eine Million Euro kosten.

Ein neuer Baggerlader für den Bauhof sei nötig. Die Reparaturkosten des alten Fahrzeuges lägen bei rund 10.000 Euro. Der neue Baggerlader kostet rund 130.000 Euro.

Gesamtausgaben: 2,670,000 Millionen Euro

Neue Gewerbegebiete in Gaisbach sowie Bauplätze in Amrichshausen

Die Erschließung der neuen Gewerbegebiete „Gaisbach Süd“ und „Hofklinge“ kostet rund 1,5 Millionen Euro. Die Ausgaben werden refinanziert durch die Grundstücksverkäufe. Es seien bereits fast alle Grundstücke vergeben, so die Stadt.

19 neue Bauplätze werden in Amrichshausen geschaffen, davon sind bereits neun vergeben, so die Stadt. Erschließungskosten: rund 950.000 Euro. Die Ausgaben werden laut der Stadt refinanziert durch die Grundstücksverkäufe.

19 neue Bauplätze werden in Amrichshausen geschaffen, davon sind bereits neun vergeben, so die Stadt. Foto: Stadt Künzelsau

Personaländerungen

Bürgermeister Stefan Neumann eröffnete die Sitzung mit der Nachricht, dass die stellvertretende Hauptamtsleiterin Christiane Bergdolt vom Gemeinderat in Neuenstein zur Hauptamtsleiterin gewählt wurde und deshalb die Stadtverwaltung Künzelsau zum 1. Oktober 2018 verlässt.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Künzelsau vom 31. Juli 2018