Am 14. März 2021 ist die Oberbürgermeisterwahl in Backnang. Künzelsaus Stadtoberhaupt kandidiert ebenfalls. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit Stefan Neumann am 08. Februar 2021 über die Gründe gesprochen, über potenzielle Nachfolger und warum der Oberbürgermeisterposten in Schwäbisch Hall keine Option für ihn war.
GSCHWÄTZ: Wie geht es Ihnen?
Neumann: Der Wahlkampf in Backnang läuft, es ist zwar keine einfache Zeit. Aber in Bezug auf den Wahlkampf ist es spannend.
„Das Umfeld hat überrascht, aber verständnisvoll reagiert“
GSCHWÄTZ: Welche Reaktionen aus der Künzelsauer Bevölkerung haben Sie seit Ihrer Veröffentlichung erhalten, dass Sie Oberbürgermeister in Backnang werden möchten?
Neumann: Das Künzelsauer Umfeld hat durchaus überrascht reagiert, aber auch durchaus verständnisvoll. Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, dass ich diesen Schritt gehe und die mir auch Unterstützung angeboten haben, bis hin zum Lesen von Texten und das Hängen von Plakaten.
„Das ist kein Wegloben, sondern ein Wertschätzen meiner Arbeit“
GSCHWÄTZ: Es gibt Stimmen, die sagen, dass man Sie gerade „weglobt“.
Neumann: Das glaube ich nicht. Vertreter der Wirtschaft, Einzelhändler und Fraktionsvorsitzende haben sich positiv geäußert. Das ist kein Wegloben, sondern ein Wertschätzen meiner Arbeit unter teils schwierigen Bedingungen, wenn man nur an das Krankenhaus denkt.
„Ich bin immernoch in Künzelsau verankert“
GSCHWÄTZ: Wäre vor zwei Jahren, bei Ihrer Wiederwahl, nicht der ideale Zeitpunkt eines Wechsels gewesen und nicht mitten in einer Amtsperiode? Was hat sich seitdem verändert?
Neumann: Ich bin immer noch in Künzelsau verankert. Ich wurde im vergangenen Jahr mehrfach auf Angebote und attraktive Stellen angesprochen. Man macht sich seine Gedanken. Ich habe mich auch intensiv mit Schwäbisch Hall [auch Schwäbisch Hall ist in diesem Jahr Oberbürgermeisterwahl] auseinandergesetzt und für uns war klar, dass wir in Künzelsau bleiben. Aber dann kam Backnang und wir haben uns die Stadt angeschaut. Ich bin jetzt 38 Jahre, habe drei Kinder, das älteste ist 8 Jahre alt. Später würden wir es vielleicht nicht mehr tun.
„Später würden wir es vielleicht nicht mehr tun“
GSCHWÄTZ: Warum nicht Schwäbisch Hall?

Dieses Ambiente hat Neumann ausgeschlagen: Büro des Bürgermeisters von Schwäbisch Hall. Foto: GSCHWAETZ
Neumann: Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen, auf die ich gar nicht näher eingehen will. Aber es müssen alle Faktoren, auch die Familie, zusammenpassen. Aber Schwäbisch Hall ist eine tolle Stadt.
GSCHWÄTZ: Wie schaffen Sie es derzeit, Wahlkampf in Backnang und Bürgermeisteramt in Künzelsau unter einen Hut zu bekommen?
„Je näher der Wahltag rückt, desto mehr Tage werde ich in Backnang verbringen“
Neumann: Im Moment ist es noch der Spagat, aber je näher der Wahltag rückt, desto mehr Tage werde ich in Backnang verbringen, die letzten Tage vor der Wahl habe ich komplett Urlaub. In der ganz heißen Phase des Wahlkampfes muss man auch vor Ort sein.
GSCHWÄTZ: Aber es ist ein Spagat.
Neumann: Es ist so, wie man sich das aussucht. Wenn man sich entschieden hat, zu kandidieren. Ich bin ja nicht der erste, der das macht. Man muss hier seinen Aufgaben nachkommen und parallel Wahlkampf machen. Es geht vor allem auf Kosten von Freizeit. Aber die Zeit ist ja jetzt überschaubar.
„Mir kommt es zu Gute, dass es coronabedingt keine Veranstaltungen gibt“
GSCHWÄTZ: Unterstützen Sie hier Ihre Mitarbeiter in Künzelsau?
Neumann: Wir haben schon immer ein gutes Miteinander hier im Rathaus. Es gibt auch diverse Dinge, die wir vorgezogen haben, wie Mitarbeitergespräche mit Zielvereinbarungen. Wir haben ja auch trotz Corona die ganze Zeit normal offen, im Gegensatz zu anderen Rathäusern. Mir kommt es aber zugute, dass es derzeit coronabedingt keine Veranstaltungen gibt.
„Ich lasse meine Aufgaben hier nicht schleifen“
GSCHWÄTZ: Was sind denn die primären Ziele für Künzelsau 2021, für Sie oder Ihren Nachfolger im Rathaus?
Neumann: Zunächst ist so eine Wahl nicht gewonnen, die muss man erst einmal gewinnen. Ich lasse meine Aufgaben hier auch nicht schleifen. Sollte das mit Backnang klappen, ist mir schon viel daran gelegen, dass das alles gut weiterläuft. Mir ist es wichtig, dass wir unsere Ziele für 2021 erfüllen. Die drei wichtigsten Ziele sind zum einen unser energiepolitisches Arbeitsprogramm für ein klimaneutrales Künzelsau, die Sporthallensanierungsprogramm von der Sporthalle am Kocher, da haben wir jetzt Vergabe im Gemeinderat und das Hochwasser- und Starkregenmanagement. Die Sofortmaßnahmen hierfür sollten eigentlich letztes Jahr schon gekommen sein. Da wollten wir eigentlich schon weiter sein. Was auch wichtig ist: das Voranbringen der Baugebiete in Amrichshausen und Gaisbach, die Erschließung des ehemaligen Ziehl-Abegg-Areals in der Würzburger Straße in Künzelsau mit Gewerbe, also mit kleineren Fachmärkte wie Baustoffhandel und Lebensmittelmarkt und Wohnungen.
Peka-Areal soll bis Mitte 2022 fertig sein

Viel Veränderung in Künzelsaus Innenstadt steht an. Hier: Bürgermeister Stefan Neumann (links) bei der Planung des ehemaligen PEKA-Areals 2017. Foto: Stadt Künzelsau
GSCHWÄTZ: Wie schaut es aus mit dem ehemaligen Peka-Areal in der Innenstadt? Wann wird diese Lücke geschlossen (die Stadt hat das Grundstück 2007 erworben)?
Peka: Aktuell werden bis März 2021 auf dem Grundstück Gasleitungen verlegt, dann soll ab Frühjahr 2021 dort gebaut werden, da kann es dann auch zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Im Sommer 2022 soll laut der Activ-Group alles fertig sein.
Eine Art Studentenstadt auf dem ehemaligen Mustang-Areal
GSCHWÄTZ: Und das ehemalige Mustang-Areal?
Neumann: Im Frühjahr will die Merz-Gruppe hier beginnen. Neben einem Supermarkt sollen Mikrowohnungen für Studenten und Azubis kommen, also eine Art Studentenstadt.
GSCHWÄTZ: Soll hier sozialer Wohnraum geschaffen werden? Der Wohnraum in und um Künzelsau ist ja relativ knapp und teuer.

Preiswerter Wohnraum für Künzelsau: Bürgermeister Neumann (2.v.r.) mit Tina Kamber und Bauleiter Benz (rechts) nach getaner Arbeit auf den Taläckern. Foto: GSCHWÄTZ
Neumann: Preiswerter Wohnraum ist ein anderes Thema. Wenn wir als Stadt Grundstücke vermieten, schauen wir, dass wir sie preisgünstig vermieten. Wir wollen aber immer eine Mischung haben, kein Haus nur mit sozialem Wohnungsbau, sondern dass es eine gewisse Durchmischung gibt. Auf den Taläckern und in Gaisbach sollen Wohnungen hinsichtlich sozialem Wohnungsbau beziehungsweise preisgünstiger Wohnraum entstehen. Bei den Ein- und Zweifamilienhäusern haben wir keine große Gewinnspanne, da haben wir schon sehr faire Preise, wenn man diese zum Beispiel mit Backnang vergleicht.
„Man wirbt für sich und nicht gegen andere“
GSCHWÄTZ: Backnang ist aber deutlich größer als Künzelsau. Wie schätzen Sie denn Ihre Chancen ein, in Backnang gewählt zu werden? Es gibt ja diverse Bewerber (wir berichteten).

Stefan Neumann vor dem historischen Rathaus von Backnang. Quelle: Wahlkampfvideo
Neumann: Bevor ich mich beworben habe, habe ich schon geguckt, wer da auf dem Markt ist. Aber man wirbt ja für sich und nicht gegen andere. Am Ende ist es die Entscheidung der Wähler, wen sie nehmen. Ich würde meine Chancen schon als gut einschätzen, sonst wäre ich ja nicht angetreten. Ich habe auch einiges zu bieten und mitzubringen. Der Wahlkampf ist eine Mischung aus Telefon, Video, vor Ort sein und vielen Eins-zu-Eins-Gesprächen.
GSCHWÄTZ: Gesetzt den Fall, Sie werden in Backnang gewählt: Wen sehen Sie denn als möglichen Nachfolger im Künzelsauer Rathaus?
Potenzielle Nachfolgekandidaten: „Ich wüsste auf jeden Fall, wer es nicht werden sollte“
Neumann: Die Frage kommt zu früh. Jetzt fokussiere ich mich erst einmal auf die Wahl Mitte März 2021. Ich wüsste auf jeden Fall, wer es nicht werden sollte (lacht).
Wenn das mit Backnang nichts wird, könnte sich Neumann auch eine dritte Amtszeit in Künzelsau vorstellen
GSCHWÄTZ: Gesetzt den Fall, Sie würden nicht gewählt, bleiben Sie dann in Künzelsau oder schauen Sie sich dann weiter nach etwas Neuem um?
Neumann: Wenn ich jetzt tief gefrustet wäre hier, aber ich bin sehr glücklich und zufrieden hier. Es ist nicht so, dass ich nach anderen Posten schauen werde, sondern dass ich eher für eine dritte Amtszeit antreten und die 24 Jahre voll machen würde.