„Uns kann so schnell nichts erschüttern“
Endlich – die Sommerferien stehen vor der Tür, ein turbulentes Schuljahr geht zu Ende. Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen können für rund sechs Wochen aus- und durchatmen. GSCHWÄTZ hat bei Hohenloher Schulleiter:innen nachgefragt, mit welchen Gefühlen sie in die unterrichtsfreie Zeit starten und welche Erwartungen sie für den Re-Start in ein paar Wochen haben.
„Das grenzt an Wahrsagerei“
Markus Autenrieth, Leiter der Gemeinschaftsschule in Kupferzell, geht „mit sehr gemischten Gefühlen“ in die Ferien. Doch er hofft, „dass sich die pandemische Lage durch mehr Impfbereitschaft etwas verbessert“. Zum Start ins neue Schuljahr nach den Ferien schreibt Authenrieth in seiner Antwortmail: „Hier eine verifizierbare Aussage zu machen grenzt an Wahrsagerei. Ich hoffe sehr, dass wir nach den Ferien in den regulären Präsenzunterricht zurückkehren können.“ Die Kupferzeller Schule sei aber „auf alle Szenarien vorbereitet“: „Wir haben immer einen Plan B und C in der Tasche. Im Moment gehen wir davon aus, mit Plan A zu starten, und haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir diesen auch durchführen dürfen.“
Gewünscht sind klare Aussagen
Der Schulleiter wünscht sich besonders „vonseiten der Politik klare Aussagen, die eine längerfristige Planung möglich machen. Fahren auf Sicht, mit Entscheidungen, die innerhalb eines Wochenendes vollzogen werden müssen, kann nicht länger durchgeführt werden.“ Das seitherige Verfahren führe bei allen Beteiligten – Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte – lediglich „zu sehr großem Unmut“. Stattdessen fordert er „zeitnah Verlässlichkeit“.
„Schulleitungen und Lehrkräfte sollten sich da heraushalten“
Hinsichtlich der zurzeit laufenden Diskussion über Corona-Impfungen und einem anonymen Schreiben, das die GSCHWÄTZ-Redaktion erreicht hat (https://www.gschwaetz.de/2021/07/20/sie-machen-sich-moeglicherweise-strafbar/), empfiehlt Authenrieth „allen Schulleitungen und Lehrkräften, sich aus dieser Diskussion herauszuhalten. Es liegt nicht in unserer Entscheidung, ob sich die Eltern für eine Impfung ihrer Kinder entscheiden.“ Lehrer:innen seien Pädagogen und keine Mediziner. „Hier müssen die medizinischen Vertreter – RKI, Impfkommission, Ärzteschaft – klarere Aussagen treffen, um die Unsicherheit bei den Eltern zu vermeiden. Eine Positionierung in dieser Sache darf nicht von den Schulen kommen.“
Start mit guten Gefühlen und Zuversicht
Ganz anders als der Kupferzeller Schulleiter startet Angelika Schmidt, Gesamtleiterin der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau, in die Sommerferien. Auf die GSCHWÄTZ-Anfrage nach ihren Gefühlen schreibt sie: „Mit einem sehr guten Gefühl. Die Sommerferien bieten den Kindern die Möglichkeit, sich wieder mit Freunden zu treffen, gemeinsam etwas zu unternehmen und hoffentlich ohne Corona und Leistungsstress Freundschaften und Freizeit zu genießen. Ich bin zuversichtlich, dass die Kinder genügend Bildung erhalten haben und hoffe, dass die Angstmache in Bezug auf Lernrückstände ein wenig in den Hintergrund rückt.“
„Kinder brauchen wieder das Gefühl der Planungssicherheit“
Ein Erziehungs- und Bildungsplan gebe schließlich nicht nur „Ziele in den Unterrichtsfächern vor, sondern geht in seinem Auftrag weit darüber hinaus“. Sie ist der Ansicht, dass Kinder „in erster Linie wieder das Gefühl der Planungssicherheit benötigen in solchen Bereichen, die für Kinder und Jugendliche eminent wichtig sind.“ Als da seien „Treffen mit Freunden, mit Großeltern, gemeinsames Feiern, positive Begegnungen, leistbare Herausforderungen und angemessene und nachvollziehbare Begrenzungen“. Doch vor allem müsse sich die „allgegenwärtige Existenz- und Todesangst in realistische und verlässliche Strategien umwandeln“.
Den Optimismus bewahren
Auch die Freie Schule Anne-Sophie fühlt sich auf das, was nach den Ferien kommt, gut vorbereitet: „Wir haben in den letzten Monaten doch alle gut gelernt, mit Herausforderungen umzugehen. Ob digital, gesundheitlich oder persönlich. Wir sind für alle bereits bekannte Szenarien hervorragend vorbereitet.“ Dennoch hofft die Leiterin auf Präsenzunterricht zu Beginn des Schuljahres. „Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt die Schule schon eine Woche früher“, schreibt sie. „Wir nehmen uns Zeit und Raum, um uns gemeinsam auf den Unterrichtsstart nach den Sommerferien vorzubereiten.“ Doch eine Prognose könne sie nicht abgeben: „Die vergangenen Monate haben uns allen gezeigt, dass Unvorhersehbares alltäglich geworden ist. Dennoch bin ich sehr optimistisch, ich finde, das sollten wir uns bewahren.“
„Die Gesellschaft muss wieder lernen, Verbündete zu sein“
In ihrer Antwort appelliert Angelika Schmidt an die Gesellschaft, „wieder zu lernen, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, einzubinden und nicht auszugrenzen, Verbündete zu sein und nicht Gegner, dann werden wir auch das Kommende gut überstehen“. Hinsichtlich möglicher Kinder-Impfungen gegen Corona ist die dreifache Mutter überzeugt, dass „das jeder Elternteil für sich abwägen und eine eigene wohlüberlegte Entscheidung treffen wird.“ Etwas, was Eltern doch ständig tun müssten. Man sollte ihnen deshalb auch etwas zutrauen – auch dass Sie sich bei vertrauten Ärzten Rat holen. „Eltern zu sein, das ist wahrlich oft eine Herausforderung, aber sehr oft auch eine sehr große Freude.“
Hoffen auf Präsenzunterricht
Mit gemischte Gefühle wegen der steigenden Inzidenzzahlen geht Petra Schüler, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Forchtenberg in die Sommerferien. Sie hofft nach den Ferien auf einen Schulbetrieb wie er zurzeit abläuft: mit Präsenzunterricht und Testungen. „Das klappt gut und verschafft uns ein gutes Gefühl im Miteinander.“
Anwesenheit auch in den Ferien
Auch die Grundschule hat für alle Szenarien einen Plan: „Wir haben ja schon alle Szenarien erlebt, deshalb kann uns nichts so schnell erschüttern.“ Die Rektorin will auch in den Ferien in der Schule anwesend sein, um entsprechende Elternabfragen und Elterninformationen rechtzeitig starten zu können – das sei bei Ganztagsschulen mit einem immensen Aufwand verbunden. Doch „zum Glück erfahren wir große Unterstützung vom Schulträger“. Auch die Einschulungsfeier für die ABC-Schützen, die im September in ihr erstes Schuljahr starten, könne „erst konkret geplant werden, wenn wir die Inzidenzzahlen im September vorliegen haben“.
Text: Sonja Bossert