Erst habe er gezweifelt, als die Anfrage der Stadtradeln-Organisatoren kam, sagt Landrat Dr. Matthias Neth. Auch die Bürgermeister hätten eher mit „Was sollen wir denn dabei?“ reagiert. So begann der Landrat seine Rede zur Eröffnung der Stadtradeln-Wochen am 14. Juni 2021. Andererseits würden die Bürger deutlich ein „geändertes Mobilitätsbedürnis“ zeigen, sodass man die Mobilitätsformen hinterfragen müsse.
Bürger und Politiker aufs Rad bringen
So erklärt Neth, warum sich der Hohenlohekreis und seine Gemeinden am Stadtradeln trotz anfänglicher Zweifel jetzt aktiv an der Aktion Stadtradeln beteiligen. Stadtradeln will Menschen die Vorteile des Radfahrens näherbringen – indem die Menschen mit dem Rad fahren. „Über viele Jahrzehnte war das Auto die relevante Kategorie im Bereich Mobilität. Das muss sich ändern, um verkehrsbedingte Umweltschäden zu reduzieren! Da die Verkehrswende im Kopf beginnt, wollen wir das Thema Radverkehr im öffentlichen Diskurs präsenter machen. Dafür schafft das STADTRADELN überregional und lokal in den Kommunen Kommunikationsanlässe“, schreiben die Organisatoren auf ihrer Homepage www.stadtradeln.de. Deswegen wenden sie sich speziell auch an die politisch Verantwortlichen der teilnehmenden Städte und Kreise und wollen auch diese aufs Rad bringen, damit sie eine andere Art der Mobilität im wahrsten Sinn des Wortes „erfahren“ können.
Von Zweiflingen hergeradelt
Dass man im Hohenlohekreis auch größere Strecken mit dem Rad zurücklegen kann, bewiesen Kreisrat Michael Schenk und Zweiflingens Bürgermeister Klaus Gross, die vom anderen Ende des Kreises angeradelt waren. Ebenfalls per Fahrrad war Kreisrat Martin Braun gekommen – er hatte es allerdings nicht so weit, da er in Künzelsau wohnt.
Landrat durfte nicht mit dem E-bike fahren
Das Landratsamt hat kürzlich erst Elektroautos und e-bikes angeschafft, um seinen Beitrag zur Mobilitätswende zu leisten. Die neu angeschafften Dienst-e-bikes für Mitarbeiter des Landratsamts würden gut angenommen, berichtet Neth: „Sie sind dauernd in Betrieb“. Nur er selber habe das Fahrrad anfangs nicht benutzen dürfen: Der zuständige Mitarbeiter habe ihn darauf hingewiesen, dass die Nutzung nur nach einer Einweisung in die Bedienung der e-bikes möglich sei. Inzwischen hat er den Kurs offenbar erfolgreich absolviert, denn er berichtet von einer dienstlichen Ausfahrt mit dem neuen e-bike des Landratsamts: „Das hat Spaß gemacht und gut getan“. Damit gibt er schmunzelnd seiner Frau recht, die ihm sagen würde, etwas mehr Radfahren würde ihm guttun.
Radfahren gesund?
Wenn man die aufgestellten Infostände betrachtet, kann man zu der Meinung kommen, dass das Radfahren doch nicht so gesund ist: Ariane Kurzhals von der Abteilung Gesundheitsprävention des Gesundheitsamtes mahnt richtigen Sonnenschutz an und gibt Verhaltensempfehlungen zum richtigen Sporteln im Freien: Nicht in der prallen Mittagshitze, Schatten aufsuchen und natürlich regelmäßig und ausreichend trinken.
Dringender Appell für das Tragen eines Fahrradhelms
Die Verkehrswacht propagiert das Tragen von Fahrradhelmen. Zwei anschauliche Beispiele von Helmen, die einen Unfall hinter sich haben, hat Klaus Kempf mitgebracht. Der eine davon, ein Kinderhelm, ist total zerstört, aber den Kopf eines 9-jährigen Mädchens hat er geschützt. Kempf zeigt den Eiertest: Ein Ei wird in eine Styroporschale in Form eines Helms eingelegt und aus Kopfhöhe zu Boden fallen lassen: Das Ei wird nicht beschädigt. Zum Beweis, dass es ein echtes Ei ist, läßt er es aus derselben Höhe nochmals auf den Boden fallen, diesmal ohne Helm: Es zerbricht.
Eine Helmpflicht gibt es, außer für S-Pedelecs, die bis 45 km/h schnell fahren dürfen, in Deutschland nicht. So bleibt Kempf nur der Appell an alle Radfahrer, einen Helm zu tragen. Selbst die Discounterhelme trügen die notwendigen Prüfzeichen und könnten in kurzer Zeit an die Kopfform angepaßt werden. Argumente wie „damit wird meine persönliche Freiheit eingeschränkt“ oder „die Frisur geht kaputt“ mag er nicht gelten lassen. Fast alle der rund 25 Radfahrer, die die Veranstaltung besuchten, waren mit Helm erschienen.
Mobilität bedeutet Verkehrsmittelmix
Martin Hellemann, der Mobilitätsmanager des Hohenlohekreises, sieht die Mobilität der Zukunft vernetzt. Alle Mobilitätsformen können sich ergänzen, angefangen von der Schiene, über das Auto und den ÖPNV bis zum Fahrrad. Ein wichtiges Zukunftsthema ist für ihn der Bahnverkehr von Schwäbisch-Hall, durch den Hohenlohekreis bis nach Heilbronn. Die Elektrifizierung der Hohenlohebahn und der geplanten Kochertalbahn seien erforderlich, um einen schnellen und umsteigearmen Verkehr aus dem Hohenlohekreis bis Heilbronn oder Schwäbisch-Hall gewährleisten zu können. Das wird allerdings noch einige Jahre dauern, so seine Einschätzung.
Neth: Am Anfang einer neuen Mobilität
In dieselbe Kerbe schlägt auch Landrat Dr. Neth, wenn er einen Verkehrsmix fordert, der den bewußten Einsatz der Verkehrsmittel erst ermögliche. Er sieht unsere Gesellschaft „am Anfang einer neuen Mobilität“.
Jeder kann mitmachen
Noch kann sich jeder auf www.stadtradeln.de für die Aktion registrieren. Der Wettbewerb dauert noch bis zum 4. Juli 2021. Bisher haben sich, so teilt das Landratsamt mit, mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürger in über 200 Teams registriert, zwölf Kommunen machen mit.
Als Teilnehmer hat man die Chance, einen der hochwertigen Preise rund ums Fahrrad zu gewinnen.
Text: Matthias Lauterer

Klaus Kempf beim Eiertest: Das Ei bleibt heil im Helm. Foto: GSCHWÄTZ

… und jetzt das Ei ohne Helm … Foto: GSCHWÄTZ

… nicht mehr zu retten … Foto: GSCHWÄTZ

Am Stand des ADFC. Foto: GSCHWÄTZ

Ariane Kurzhals vom Gesundheitsamt berät über Maßnahmen beim Sport im Sommer. Foto: GSCHWÄTZ

Die neuen Elektrofahrzeuge des Kreises. Foto: GSCHWÄTZ

Landrat Dr.Neth im neuen Stadradeln-Trikot. Foto: GSCHWÄTZ

Dr. Julia Hammerich und Landrat Dr. Matthias Neth präsentieren einen Teil des elektrischen Fuhrparks des Kreises. Foto: GSCHWÄTZ

v.l. Michael Schenk, Kreisrat (FDP), Dr.Matthias Neth, Martin Helleman, Mobilitätsmanager des HOK und Martin Braun, Kreisrat (GRÜNE), Foto: GSCHWÄTZ