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„Um sich vor der Pest zu schützen, trugen die Menschen Tücher vor dem Gesicht“

Covid-19 ist ein Virus, das eine weltweite Pandemie entfacht hat. Überall auf der Welt erkranken Menschen und sterben – vermehrt ältere Menschen und mit Vorerkrankungen, aber es gibt auch Kinder und Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, die das Virus dahinrafft. Manche Virologen haben Covid-19 bereits mit der Spanischen Grippe verglichen, an der 2018/2019 – also vor ziemlich genau 100 Jahren – laut dem Ärzteblatt schätzungsweise 27 bis 50 Millionen Menschen starben. https://www.aerzteblatt.de/archiv/197155/Spanische-Grippe-Ein-Virus-Millionen-Tote Die Wochenzeitung Die Zeit betitelte die Spanische Grippe in einem Artikel, online veröffentlicht im Januar 2020, als „die Mutter aller Pandemien“. https://www.zeit.de/2020/06/spanische-grippe-virus-seuche-pandemie

Die Pest, die vor rund 700 Jahren tobte, soll sogar ein Drittel der Bevölkerung dahingerafft haben. Auch im Hohenlohischen wütete sie – und mit ihr noch viele andere Dinge. Denn die Leidtragenden war damals die jüdische Bevölkerungsgruppe.

Herren von Hohenlohe nahmen Juden auf

Denn im Hohenlohehischen gab es damals zahlreiche jüdische Siedlungen. „Jüdische Siedlungen dürften im Gebiet Hohenlohe im hohen und späteren Mittelalter an wichtigen Verkehrs- und Handelsmittelpunkten entstanden sein. In Öhringen lebten Juden im Jahr 1253. Der Vogt übte über sie die Oberherrschaft aus. Auch in anderen Orten nahmen die Herren von Hohenlohe die Juden auf. Diese kamen aus den benachbarten Reichsstädten Schwäbisch, Heilbronn und Rothenburg ob der Tauber; in der Grafschaft Hohenlohe trieben sie Handel.“ Das steht in einem Artikel auf der Internetseite, den wir hier auzugsweise veröffentlichen. http://juden-in-oehringen.de/mittelalter

Das mittelalterliche Judentum war danach überwiegend städtisches Bürgertum: „Da die Juden kein Eigentum an Grund und Boden besitzen durften und auch nicht in die Zünfte aufgenommen wurden, blieben ihnen nur das als verwerflich angesehene Geschäft des Zinsnehmens. Den Christen war dieses Geschäft seit 1179 verboten. Das Kreditwesen der Juden war unentbehrlich für die weltlichen und kirchlichen Kreise und erreichte im 13. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Durch die einheitliche hebräische Sprache, ihre Familienverflechtungen und den gemeinsamen Glauben bildeten sie eine die damaligen Grenzen überschreitende Gruppe, die immer wieder die benötigten Kapitalien beschaffte.

Judenverfolgungen auch in Hohenlohe

Die negativen Folgen blieben nicht aus: Die Rechtsstellung verschlechterte sich, und durch finanzielle Forderungen von Kaiser, Landesherr und Stadt waren die Juden gezwungen, immer mehr Geld aufzutreiben. Dies wurde vom Volk als „Zinswucher“ verstanden Zugleich tauchte die Beschuldigung auf, dass Juden Hostien schändeten, indem sie geweihte Hostien kaufen oder stehlen würden, um sie aus Hass gegen Christus mit Messern zu durchstechen oder in einem Mörser zu zerstampfen. Gerüchte über solchen Hostienfrevel führten im Jahr 1298 in Südwestdeutschland zu entsetzlichen Judenmetzeleien, ausgelöst durch den fränkischen Ritter Rintfleisch.

Judenmetzeleien, ausgelöst durch den fränkischen Ritter Rintfleisch

Davon war auch Hohenlohe betroffen. Auch in Öhringen wurden Juden erschlagen; Zahl und Namen sind nicht bekannt. Das Wohngebiet der jüdischen Familien lag im westlichen Bereich, wahrscheinlich in der Gerbergasse; hier befand sich auch die Synagoge. Ebenso kam es in Forchtenberg, Waldenburg, Dörzbach, Krautheim, Ingelfingen und Künzelsau zu den „Rintfleischpogromen“. In Sindringen wurden elf Angehörige zweier Familien ermordet.

Im Jahr 1348 verbreitete sich in Europa die aus dem Orient eingeschleppte Pest, genannt der „Schwarze Tod“. Die Seuche richtete schlimme Verheerungen an; ein Drittel der Bevölkerung erlag ihr. Da begann eine ungeheuerliches Gerücht umzulaufen: Die Pest sei durch die Juden heraufbeschworen, sie hätten alle Brunnen und alles Quellwasser vergiftet. Die wahnwitzige Beschuldigung wurde geglaubt, obwohl auch die Juden der Pest zum Opfer fielen. Durch ihre Vorschriften bei ihrem Gesetz, z.B Waschen vor den Mahlzeiten, hatten sie aber weniger Todesfälle. In den darauffolgenden Judenverfolgungen von 1348/49 gingen die jüdischen Gemeinden in Öhringen, Waldenburg und Hohebach vollständig unter.“

Die Pest: Der schwarze Tod des Mittelalters

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde nicht nur Hohenlohe, sondern ganz Europa von der Pest befallen: Die Menschen bekamen dunkle Beulen am ganzen Körper und starben. In den ersten sechs Jahren starb ein Drittel der europäischen Bevölkerung. https://www.geo.de/geolino/mensch/13515-rtkl-die-pest-der-schwarze-tod-des-mittelalters
Die Pest (lateinisch„pestis“, Seuche) ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die im. Als im Jahre 1347 die Pest ausbrach, dauerte es lange, bis man herausfand, wie die Ausbreitung der Pest verhindert werden konnte.

Bie der Pest wird in vier Erscheinungsformen unterschieden:

  • Beulenpest 
  • Pestsepsis
  • Lungenpest
  • abortive Pest

Bei einer Epidemie treten alle Erscheinungsformen auf, am häufigsten sind jedoch die Beulenpest und die Lungenpest. Aus einer Beulenpest kann sich eine Pestsepsis entwickeln, die zwiederum zu einer Lungenpest wird.

Die Beulenpest

Die Beulenpest ist die häufigste Form der Pest. An der Beulenpest Erkrankte bekommen schwarze Flecken auf der Haut an jener Stelle, an der sie von einem mit dem Bakterium infizierten Floh gebissen wurden.

Danach bekommen die Erkankten eitrige dunkle Beulen am ganzen Körper, die einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern erreichen können – daher auch der Name „Beulenpest“. Nicht selten bekommen die Patienten starkes Fieber und Gliederschmerzen.

Lungenpest

Bei der Lungenpest befällt ein Bakterium die Lunge. Bereits nach wenigen Stunden spürt der Erkrankte erste Sympotome: Fieber und Schwäche, blutiger Husten und Brustschmerzen sowie Atemnot und bläuliche Lippen sind die Folge. Wegen des starken Hustens kommt es nicht selten auch zu Erbrechen und Bauchschmerzen.

Meist verläuft die Lungenpest heftiger als die Beulenpest, weil die natürlichen Abwehrbarrieren des Körpers durch einen direkte Lungenbefall umgangen werden. Unbehandelt führt die Lungenpest nach spätestens fünf Tagen zum Tod.

Pestsepsis

Die Pestsepsis ist eine Art der Blutvergiftung und tritt dann auf, wenn die Bakterien der Beulen- oder Lungenpest in die Blutbahn gelangen. Dies kann zum Beispiel geschehen, wenn offene Wunden mit einem Bakterium in Berührung kommen.

Die Erreger werden im Blut dann im ganzen Körper verteilt. Typische Symptome sind sehr hohes Fieber, Kopfschmerzen und Verdauungsprobleme, aber auch Verwirrtheit und Organblutungen (daher auch die Bezeichnung „der schwarze Tod). Ohne ärztliche Behandlung führt die Pestsepsis zum Kreislaufversagen und der Patient verstirbt.

Abortive Pest

Die abortive Pest ist eine mildere Variante der Seuche. Leichtes Fieber und etwas geschwollene Lymphknoten sind typische Symptome der abortiven Pest. Nach einer überstanden Infektion sind Patienten für eine Weile immun gegen die Krankheit.

Die Pest in Europa

Seit dem Jahr 1347 breiten sich die Pesterreger in ganz Europa rasant aus. Vermutlich kam der „Schwarze Tod“ durch Schiffsbesatzungen aus dem Orient nach Europa. In Marseille, in Paris und ab Dezember 1349 auch in London und in Frankfurt wütete die Krankheit. Ein Mittel gegen die Seuche mit den schwarzen Beulen gab es zunächst nicht.

Anfangs wurden die an Pest erkrankten Patienten noch in die örtlichen Krankenhäuser gebracht. Später kennzeichnete man die Häuser der kranken Menschen mit einem Kreuz und als ein Ende der Pest nicht mehr abzusehen war, mussten die Betroffenen in Unterkünfte außerhalb der Städte ziehen.

Nur durch Isolation eindämmbar

Denn erst nach dem Tod Hunderttausender wurde klar, dass die Ausbreitung der Epidemie nur durch Isolation eingedämmt werden konnte. Im Jahr 1423 wurde in Venedig das erste Pest-Krankenhaus erbaut, um die Erkankten von der gesunden Gesellschaft in Venedig abzugrenzen. Die Auswirkungen der Seuche machten sich stark bemerkbar. Besonders schwer wiegten Hungersnöte, da das gesamte öffentliche Leben zusammenbrach und Nahrungsmittel knapp wurden.

Kontaktverbot

In Deutschland wurde ein Seuchengesetz erhoben, dass an der Beulenpest erkankten Menschen den Kontakt mit ihren Mitmenschen verbot. Wer es von den Erkankten dennoch wagte, wurde meist der Stadt verwiesen und hinaus gejagt.

Der Ursprung der Pest

Woher die Pest kam, wussten die Menschen im Mittelalter nicht. Da es zunächst keine medizinische Erklärung gab, machten erste Theorien schnell die Runde: Ungünstig stehende Winde, eine schlechte Konstellation der Planeten oder verseuchtes Wasser machten die Menschen für die Pest verantwortlich. Dass die Pest von Ratten und Flöhen übertragen wurde, war im Mittelalter noch nicht bekannt.

Die Verantwortlichen für das verseuchte Wasser waren hingegen schnell bestimmt: Die Juden wurden als Brunnenvergifter beschuldigt. In ganz Europa wurden sie während der Seuche  verfolgt, ermordet und jüdische Wohnviertel wurden nieder gebrannt.

Heilmittel gegen die Pest

Da die Menschen im Mittelalter sich nicht über den Ursprung der Krankheit im Klaren waren, konnten Ärzte auch keine sichere Behandlungsmethode für Pestkranke bestimmen. Ein gängiges Mittel war jedoch der Aderlass. Dazu entnahm man Blut, indem man dem Patienten in eine Vene schnitt und dadmit versuchte, die Pesterreger aus dem Körper zu holen.

Andere Erkrankte bekamen Brechmittel, um die giftigen Erreger aus dem Körper zu befördern. Heute ist bekannt, dass diese Methoden im Mittelalter den schwachen Patienten eher noch mehr zusetzten als nützten.

Um sich vor der Pest zu schützen, trugen die Menschen im Mittelalter Tücher vor dem Gesicht, verbrannten duftende Kräuter und versprühten Rosenwasser. Doch auch diese Maßnahmen blieben erfolglos – der schwarze Tod breitete sich immer weiter aus.

Das Ende der Pest

Die „Ära des Schwarzen Todes“ endete um das Jahr 1353. Zwar gab es in den folgenden Jahren vereinzelt weitere Pest-Erkrankungen in einzelnen Regionen Europas, doch die erste große Pest-Epidemie galt als beendet.

Erst im Jahre 1894 entdeckt der Arzt Alexandre Yersin aus der Schweiz den Erreger der Pest und entwickelt den ersten Impfstoff. Die erste Beschreibung des Pest-Erregers liefert Alexandre Yersin in einem Brief, den er 1894 an die französische Akademie der Wissenschaften schickt. Darin weist Yersin nach, dass die Pest vom gleichen Bakterium bei Mensch und Tier ausgelöst wird. Der Pesterreger wird nach seinem Entdecker benannt: Yersinia Pestis.

Heute wissen wir, dass die Pest eine bakterielle Infektionskrankheit ist, die im Mittelalter hauptsächlich durch Ratten auf Flöhe und von Flöhen wiederum auf den Menschen übertragen wurde. Da die hygienischen Zustände im Mittelalter sehr schlecht waren und sowohl Flöhe als auch Ratten zum Alltag gehörten, konnte sich die Krankheit leicht verbreiten.