Durch die Gartenstraße in Sindringen schlängelt sich momentan ein ganz besonderes Tier: Eine Schlange aus bunt angemalten Steinen ziert den Gehweg vor Haus Nummer 13. Der Kopf ist rot und ähnelt einem Schlangenhaupt, den ganzen Gartenzaun entlang liegt ein Stein am anderen. Mittlerweile sind es 97 Kocherkiesel, alleine am Dienstag, den 28. April 2020, sind 35 Steine hinzugekommen. „Auf die Idee dazu hat uns mein Patenkind aus Villingen-Schwenningen gebracht“, sagt Initiatorin Gisela Hartmann. Die 57-jährige Landwirtin zeigte die Bilder Vanessa Buss. Die 18-jährige Brasilianerin lebt seit drei Monaten als Au-pair bei Familie Hartmann auf dem Teichhof und war sofort von der Idee begeistert. Gemeinsam mit den beiden Hartmann-Enkeln Richard und Amalia gestaltete sie an Ostern die ersten Steine und legte sie in der Gartenstraße ab. Seither ist die Schlange auf 62 Steine angewachsen.
Chinesisches Zeichen für Energie
Die Aktion ist für alle Kinder gedacht und auch Erwachsene dürfen mitmachen. „Ganze Familien beteiligen sich“, ist Gisela Hartmann begeistert. „Das sieht man an den Farben und wie die Steine angemalt sind.“ Häufiger würden sie und Vanessa vor der Schlange stehen und rätseln, wer wohl welchen Stein gebracht haben könnte. Auch sie selbst haben Steine bemalt. Die zweifache Oma hat das chinesische Schriftzeichen für Energie auf ihren Stein gemalt. „Ich habe das gegoogelt, weil ich nur ein Zeichen wollte“, erzählt sie. „Und bei Energie dachte ich, das ist momentan nicht wirklich schlecht.“ Vanessa Buss ließ sich auf ihrem Stein von der brasilianischen Künstlerin Tarcila do Amaral und deren Gemälde Abaporu inspirieren.
Wasserfeste Farbe verwenden
Leider ist von einigen der kleinen Kunstwerke die Farbe bereits wieder abgewischt. „Es ist ganz wichtig, wasserfeste Farbe zu verwenden“, erklärt die Landwirtin. Oder man müsse die Steine nach dem Bemalen lackieren. Dann hält die Farbe auch Wind und Wetter Stand. Die Rohlinge für die Schlange liegen daneben in einer Holzkiste. „Die Kiste war gut halbvoll, als wir sie hingestellt haben“, erklärt die Sindringerin. Sie haben die Flusskiesel zuvor gemeinsam mit den Enkeln am Kocher gesammelt. Potenzielle Künstler können sich an der Kiste bedienen, die Steine zuhause anmalen und die fertigen Objekte zur Schlange zurückbringen und einreihen.
Kunstobjekt im Kindergarten
Die beiden Hartmann-Enkel – drei und sechs Jahre alt – wollen sich regelmäßig vom Stand der Dinge überzeugen. Also parkt Vanessa Busse an der Steinschlange, wenn sie die beiden Kinder zur Notbetreuung bringt, und läuft von da aus zum Kindergarten. Wenn Corona irgendwann vorbei ist, können die Steine entweder von ihren Künstlern abgeholt werden oder sie finden eine neue Heimat im Kindergarten als kleines Kunst- und Dekoobjekt.
Hunderte bunt bemalte Steine
Die Steinschlange in Sindringen hat sogar noch Artgenossen: In Ernsbach windet sich eine am Radweg entlang Richtung Forchtenberg. Aus der anderen Richtung wächst ihr ein Gegenstück entgegen. In Berlichingen windet sich eine Steinschlange um die Kirche und auch in Pfedelbach lassen kleine und große Künstler ihrer Kreativität freien Lauf. Überall an prädestinierten Plätzen, an denen möglichst viele Menschen vorbeikommen und die kleinen Objekte sehen und bewundern können, entstehen solche Schlange. Hunderte von Steinen wurden seither bemalt und viele weitere sollen es noch werden.
Text: Sonja Bossert

Aus 97 Kocherkieseln besteht die Steinschlange in Sindringen mittlerweile. Foto: privat

Die Steinschlange in Sindringen ist innerhalb eines Tages um 35 Steine gewachsen. Foto: privat

Diese Schlange schlängelt sich durch die Sindringer Gartenstraße. Foto: GSCHWÄTZ

Damit fing alles an: Kopf der Steinschlange. Foto: GSCHWÄTZ

Das Schild am Gartenzaun ruft zum Mitmachen auf. Foto: GSCHWÄTZ