Wird der Simon-Judä-Markt die letzte große Veranstaltung in diesem Jahr für Künzelsau gewesen sein? Die Kreisstadt des Hohenlohekreises hat im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden, den Krämermarkt am 28. Oktober 2020 veranstaltet, trotz des anstehenden Teil-Lockdowns am Montag, den 02. November 2020 – aber mit strengeren Abstandsregeln zwischen den Ständen und Maskenpflicht auf der Hauptstraße. GSCHWÄTZ-Video-Reporter Dr. Felix Kribus hat mit Marktbeschickern gesprochen, die um ihre Existenz bangen und mit Besuchern, die versuchen, vernünftig und gelassen der neuen Coronawelt zu begegnen – mit Maske selbstverständlich.
„Heute so morgen so, da hängt man völlig in der Luft“
„Es ist ja alles eingeschränkt, wir können nicht mehr so oft auf Märkte, weil die Märkte alle abgesagt werden. Heute so morgen so, da hängt man völlig in der Luft. Bereiten wir uns jetzt mit Gebäck und Brot vor und dann wird es kurzfristig abgesagt, das ist ein Verlustgeschäft für uns.“ So klagt Gunda Horn, Markthändlerin aus Creglingen und Dauergast auf den Märkten der Region. Sie ist als Direktvermarkterin darauf angewiesen, zu ihren Kunden zu kommen, da sie sie sonst nicht erreicht. „Hier in Künzelsau haben wir nette Kundschaft, da freuen wir uns immer, wenn wir sie sehen.“
„Es gibt einen, der bestimmt. Und in dessen Hand sind wir alle“
Ihre Kunden schätzen die Qualität und wissen gerne, wo die Ware herkommt, dann kaufen sie auch gerne, gerade zu Coronazeiten: „Wo das Produkt herkommt, wo es hergestellt worden ist, wie es hergestellt wird und durch wie viele Instanzen es durchgeht. Wir sind Direktvermarkter, also direkt vom Erzeuger zum Kunden“, sagt sie. Ob sie sich für die Zukunft etwas wünscht, einen Impfstoff etwa? „Ja, wünschen kann man sich viel, aber es gibt einen, der bestimmt. Und in dessen Hand sind wir alle.“
„Der Abstand ist es eigentlich und der nötige Verstand“
Die Marktbesucher sind diszipliniert und tragen Maske. Tanja aus Künzelsau meint: „Ich weiß, dass Viren durch die Masken durchkommen, aber wenn man mal richtig kräftig husten oder niesen würde oder eine sehr feuchte Aussprache hätte, ich denke da schützen die Masken schon. Aber der Abstand ist es eigentlich und der nötige Verstand.“
Julia aus Künzelsau fühlt sich durch die Maske nicht sehr beeinträchtigt: „Deshalb finde ich es auch richtig so, dass die Maßnahmen getroffen werden. Die Sicherheit geht ja immer noch vor und es sind ja viele Menschen auf dem Markt. Von daher finde ich es schon gerechtfertigt.“
„Ja, was sag ich zu dem?“
Was würde Rosemarie aus Künzelsau einem Maskengegner sagen, der behaupten würde, dass Masken zu allen möglichen Atemwegserkrankungen führe und gar nicht vor Corona schütze? „Ja was sag ich zu dem? Das glaub ich nicht ganz, das schützt schon gegen die Viren.“ Auch Tanja hält den Virus für existent: „Diese Vorurteile hab ich nicht.“
„In meiner Welt existiert das Virus auf jeden Fall, von daher finde ich es sehr albern, das zu leugnen.“
Auch Julia ist überzeugt: „In meiner Welt existiert das Virus auf jeden Fall, von daher finde ich es sehr albern, das zu leugnen. Die Fakten sprechen ja auf jeden Fall dagegen.“ Sie ist zum ersten Mal auf dem Simon-Judä-Markt, hat demnach keinen Vergleich zu früher. „Mich stört das mit der Maske nicht. Ich finde es trotzdem schön, dass man die Möglichkeit hat, den Markt zu machen.“
Raus aus dem Gedränge
Tanja hält sich aus dem gröbsten Gedränge heraus: „Ich gehe immer so an der Seite, damit ich ohne Maske laufen kann.“ Ein richtiger Stammkunde ist sie nicht, aber „Ich gehe da vorbei, denn ich suche das Bunzlauer Porzellan.“
Rosemarie fühlt sich sicher, auch wenn sie Vorsicht walten lässt: „Ich pass schon ein bissle auf und halte Abstand. Ich trage halt die Maske und schau zu, dass die anderen auch eine tragen.“
„Es ist schwierig, weil man halt selber nicht genau weiß, was man noch glauben soll“
Weniger sicher ist sich Sabrina aus Gaisbach: „Es ist schwierig, weil man halt selber nicht genau weiß, was man noch glauben soll. Die einen sagen so, dann wird wieder die Wirtschaft zugemacht, es ist wirklich sehr schwierig.“ Ist Corona für sie eine reale Bedrohung oder eher eine Verschwörung? „Irgendwo dazwischen, ich weiß jetzt nicht genau, was ich glauben soll. Die goldene Mitte.“
„So kann das nicht weitergehen“
Sehr wenige Besucher und Kunden sind gekommen, findet Melanie Melber-Scholz, Markthändlerin aus Abtsgmünd: „Der Umsatz ist eigentlich okay für die Besucher, die heute da waren …“ Sie wünscht sich die alten Zeiten wieder zurück: „Das wollen und wünschen wir uns eigentlich alle. Es ist ein Wunsch, die Realität ist schwierig. Man rechnet ja mit 2 Jahren und das ist nicht real für uns. So kann das nicht weitergehen.“ Existenzprobleme sieht sie auf sich zukommen, aber sie hängt auch an ihrem Beruf: „Ganz aufhören will man es eigentlich nicht“.
„Wir dürfen nicht arbeiten. Unsere Lebensgrundlage ist weg“
Ganze sieben Tischdecken hat Mehmet, ein Markthändler aus Balingen, bisher verkauft. „Zu wenig“, etwa 30 müsste er verkaufen, um mit Gewinn nach Hause zu fahren, sagt er: „Spritgeld, Standgeld, die Ware ist nicht bezahlt und mein Lohn ist auch nicht bezahlt“. Sehr negativ habe Corona seine Existenz als Marktbeschicker beeinflusst: „Die Wirkung ist schon da. Sie sehen es ja: Die Zahl der Besucher ist nicht so wie üblich, es sind eher weniger Leute und wirkt sich dann halt aus.“
„Ich weiß nicht, wie ich meine Existenz führen kann“
„Wir dürfen nicht arbeiten“, meint er: „Die Märkte sind alle abgesagt, die Städte verbieten, dass größere Veranstaltung stattfinden. Unsere Lebensgrundlage ist weg.“ Und was machen Sie jetzt? „Ich weiß nicht. Ich hab noch ein paar Groschen auf der hohen Kante gehabt, die sind fast zur Neige. Ich weiß nicht, wie ich meine Existenz führen kann.“
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Video: Dr. Felix Kribus
Transkript: Matthias Lauterer

Marktbeschicker bangen um ihre Existenz. Foto: GSCHWÄTZ
