Die Schule hat begonnen und im Schlossgymnasium fehlt einer
Das feuerrote Schloss ist das Markenzeichen der Kreisstadt Künzelsau – wobei es den Einwohnern selbst gar nicht mehr richtig aufzufallen scheint. Es gehört einfach dazu. Und doch wissen die wenigsten, was sich hinter den roten Mauern so tut. Klar, ein Gymnasium befindet sich darin, indem Einheimische und Schüler von auswärts unterrichtet werden. Aber mehr wissen die wenigsten. Wir haben uns hinter die Schlossmauern gewagt – und eines der letzten Interviews mit Schulleiter Dieter Hummel geführt, der seit dem ersten August 2018 im Ruhestand ist.
„Die Schule ist sehr persönlich“
„Ich bin an diese Schule gekommen, weil ich an der Schule in Bayern ziemlich Probleme hatte. Ich war nicht so gut, hatte Leistungsprobleme“, berichtet Schüler Marc. Nun ist er am Schlossgymnasium in Künzelsau, kurz, Semi genannt. Er ist Internatsschüler. Das heißt, er schläft unter der Woche auch hier. Sein Vater war ebenso Internatsschüler – nicht in Baden-Württemberg, sondern in Bayern. Aber im Internet hat sich Marc schlau über das Semi gemacht und Gefallen an der Schule auf dem Land gefunden. „Vor allem das Sportliche hat mich interessiert“, erinnert er sich. Dann sei er zunächst für ein Probehalbjahr gekommen. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich hier geblieben bin.“ Was Marc besonders gut gefällt? „Die Schule ist sehr persönlich, das spiegelt sich auch im Unterricht wieder.“ Die Schule ist kleiner, jeder kennt sich untereinander und auch mit den Lehrern hat man privat mehr zu tun.“

Marc ist wegen mäßiger schulischer Leistungen von Bayern nach Baden-Württemberg gezogen. Foto: GSCHWÄTZ
Auch Internatsschülerin Fanny hat sich hier eingelebt. „Die Schule und Klasse finde ich sehr gut“, sagt sie in unserem GSCHWÄTZ-Interview. Die Klassengemeinschaft sei super und alle seien sehr hilfsbereit, lobt Fanny: „Es sind alle sehr nett.“ Seit einem Jahr ist Fanny auf der Schule. Das sportlich ausgerichtete Gymnasium sei optimal für sie gewesen, da sie seit fünf Jahren fechtet: „Hier in Künzelsau ist ein sehr guter Fechtverein und da bin ich hingewechselt.“

Fanny ist wegen dem guten Fechtclub in Gaisbach nach Künzelsau gezogen. Foto: GSCHWÄTZ
„Das Besondere an unserer Schule ist, dass wir für Schüler ganz unterschiedlicher Schularten Chancen bieten. Schüler aus verschiedensten Schulen können zu uns kommen – aus der Realschule, aus der Gemeinschaftsschule, sogar von der Hauptschule und anderen Schularten“, sagt Dieter Hummel, der die Schule die vergangenen zwölf Jahre geleitet hat und nun, seit dem 01. August 2018, in Ruhestand ist.
Diese Schüler würden alle sehr erfolgreich am Semi das Abitur ablegen, so Hummel. Stolze 80 Prozent der Abiturienten kämen von der Realschule.

Dieter Hummel war bis 31. Juli 2018 Schulleiter des Gymnasisums. Foto: GSCHWÄTZ
Wo hat das Schlossgymnasisum Verbesserungspotenzial? Da muss Schüler Marc erstmal überlegen. „Vielleicht, dass man länger weggehen dürfte oder auch mal mit Freunden ausserorts etwas unternehmen dürfte, das wäre gut. Am Internat würde ich mir manchmal wünschen, dass man mehr Freiheiten hat, da man oft sehr eingeschränkt ist, wenn man manchmal erst später etwas unternehmen will. Aber diverse Einschränkungen kennt man ja auch von zu Hause.“
„Nicht so gut gefällt mir, dass man die Eltern nur am Wochenende sieht“, sagt Fanny. „Aber dafür verbringt man die Zeit dann umso besser miteinander.“ Aber am besten gefalle ihr, dass „hier alle wie Geschwister sind“.

Wie ist das Leben hinter den roten Internetsmauern? Foto: GSCHWÄTZ
Zahlen, Daten Fakten
Ab der siebten Klasse können Schüler aus der Hauptschule, Gemeinschaftsschule und anderen Gymnasien auf das Schlossgymnasium nach Künzelsau wechseln. In Stufe elf gibt es eine neue Klasse speziell für Realschüler, die das allgemeinbildende Abitur machen wollen. Das Gymnasium bietet die Profile „Musik“ und „Sport“ an, in welchen sich die Schüler spezialisieren können. Rund ein Viertel, zirka 360 Schüler, leben in dem schuleigenen Internat. Mehr Informationen: http://www. schlossgym.de