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Künzelsau wird zum Vorreiter einer Verkehrsrevolution

Langer bürokratischer und technischer Vorarbeiten bedurfte es, um in Künzelsau eines der modernsten Verkehrsprojekte Baden-Württembergs zu vollenden. Hätte es Corona und die damit verbundenen Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten nicht gegeben, „dann hädde mers fer Januar gschafft“, sagt Hartmut Berger, Gründer und Geschäftsführer der ausführenden Firma BBB Berger Bahn Bau GmbH aus Tuttlingen.

Erste Schwebebahn im Land

Für „revolutionär“ hält Berger den Ansatz, ressourcenschonend die heutige Trasse der Bergbahn zu verwenden und die Bergbahn auf Schwebegestellen weiterzuführen bis in die Innenstadt. „Des hedd koana denggd, dass sowas goohd“, sagt er in breitestem Schwäbisch, „abba mr hends gschaffd“. Es handelt sich um die allererste Schwebebahn im Land, weltweit ist es erst die zweite, die wie ein Bus im innerstädtischen Verkehr mitschwimmt. Im australischen Perth ist aber kein derartiger Höhenunterschied zu überwinden.

Ein Vierteljahr Verspätung, Kosten rund 35% über dem Ansatz

Geplant war der Start bereits zum 1. Januar 2022, mit einem Vierteljahr Verspätung wird die neue Bahn nun am heutigen Freitag ihren Betrieb aufnehmen. Neben dem Zeitplan wurde auch der Kostenplan um ein gutes Drittel überschritten, für Berger ist das kein Problem: „Waas nix koschd, daugt au nix“ lacht er verschmitzt. Letztendlich fielen Kosten von 4,7 Millionen Euro an, Künzelsau trägt davon nur einen symbolischen Beitrag, der Löwenanteil wird von mehreren Töpfen des Landes und des Bundes übernommen. Finanzministerium, Forschungsministerium und Verkehrsministerien von Bund und Land haben für dieses einzigartige Modell Geld bereitgestellt.

Anbindung von Ämtern und Innenstadt

Zwei weitere Haltestellen der Bergbahn wird es nun geben: Direkt am Eingang zum Landratsamt in der Allee sowie am Rathauseingang  – dieser Haltepunkt ist sogar überdacht. Die Trasse mit den Haltestellen an den beiden wichtigen Behördenzentren ist ein willkommener Vorgriff auf die Planungen des neuen Stadteingangs: „Der Bürger sieht ganz deutlich, wie alles näher zusammenrückt“, drückt es Verkehrsplaner Tobias Fischer-Avril aus.

Erste Fahrt ist wie üblich der politischen Prominenz vorbehalten

Die erste Fahrt, Abfahrt ist an der Bergstation auf den Taläckern um 08:00, ist wie üblich der politischen Prominenz vorbehalten. Der Künzelsauer Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten kündigt sogar allerhöchsten Besuch an: „Ich begrüße die Ankündigung, dass die Standseilbahn durch eine Schwebebahn verlängert werden soll. Für 4,7 Mio. Euro entstehen weitere Haltepunkte am Landratsamt und der Künzelsauer Innenstadt.  Der Bundestag hat beschlossen, die Reisekosten des Bundesfinanzministers zur ersten Fahrt am 1. April zu übernehmen.“ Ob auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Herrmann teilnehmen wird, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Die Fahrgäste der zweiten Fahrt, die dann um 08:20 auf den Taläckern abfährt, werden am Rathaus-Haltepunkt mit Butterbrezeln und Sekt begrüßt und „mit einer kleinen Überraschung“, wie aus dem Rathaus bekannnt wurde.

Text: Matthias Lauterer