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„Vollgas-Modus“ versus Schneckentempo

Für die Abstimmung über die Beschaffung von Luftreiniger hatte Bürgermeister Neumann eine Sondersitzung des Gemeinderats am 17. August 2021, also in den Ferien einberufen. Er selbst hatte für diese dringende Sitzung seinen Urlaub unterbrochen. In der Sitzung selbst bezog sich die Stadtverwaltung auf eine Studie, wonach Luftreiniger im Kampf gegen Corona nicht viel bringen würden. Der Gemeinderat stimmte dennoch mehrheitlich für Anschaffung der Produkte.

Noch nichts Sichtbares passiert

Viel Sichtbares ist seitdem noch nicht geschehen, findet Ulrike Tzimas, die sich während der Gemeinderatssitzung vom 14. September 2019 zu Wort meldete. Sie ist Elternbeiratsvorsitzende der Georg-Wagner-Schule und zeigte sich vom Beschluß des Gemeinderats, die Luftreiniger anzuschaffen, begeistert. Allerdings habe sie noch in keinem Ausschreibungsportal eine Ausschreibung der Stadt Künzelsau gefunden. Daher stellte sie folgende Fragen an die Verwaltung: „Ist die Ausschreibung bereits erfolgt? Wenn nein, warum nicht? Könnte man nicht Geräte übergangsweise mieten?“

„Europaweite Ausschreibung dauert“

Bürgermeister Neumann konnte ihr wenig Erfreuliches mitteilen: „Eine europaweite Ausschreibung dauert“, sagt er. Außerdem warte man noch auf die Rückmeldung des Landes wegen der Förderung. „Danach kann das Verfahren starten.“ Die Ausschreibung ist also noch gar nicht veröffentlicht. Neumann geht nicht davon aus, dass die Geräte theoretisch noch im Oktober geliefert  werden könnten.

Landratsamt wesentlich schneller bei der Beschaffung

Auch Rainer Süßmann, kommissarischer Schulleiter der Georg-Wagner-Schule, der den Antrag am 17. August umfangreich begründet hatte, zeigte sich von der Länge des Verfahrens irritiert.

Kreis wartet nicht auf Förderzusage sondern bestellt

Ganz anders ging der Landkreis vor, der seine beiden sonderpädagogischen Schulen bereits mit acht Luftreinigern ausgestattet hat: „Die Anschaffung der Luftreiniger erfolgte unabhängig von einer eventuellen Förderung über das Landesförderprogramm zur Beschaffung von mobilen Raumluftreinigungsgeräten“, teilt der Kreis mit. So konnten die Luftreiniger rechtzeitig zu Schulbeginn geliefert und installiert werden. Von der Entscheidung zur Anschaffung bis zur Lieferung dauerte es etwa 6 Wochen, so das Landratsamt. In dieser Zeit ist das Ausschreibeverfahren, eine so genannte Verhandlungsvergabe, bereits enthalten.

Möglicher Lieferant warnt vor langen Lieferzeiten

Kai Kuppinger, Geschäftsführer der Firma afs airfilter aus Übrigshausen, die die acht Geräte für die Kreisschulen lieferte, konnte in diesem Fall schnell liefern: „Das ging aber nur, weil wir früh in Vorleistung gegangen waren“, sagt er und verweist auf die generellen Lieferschwierigkeiten der Hersteller. Angesprochen auf einen Bedarf von 98 Geräten rechnet er schon mit einer Lieferzeit von 8 Wochen. Er schmunzelt, denn er weiß natürlich ganz genau, woher ein Bedarf von 98 Geräten kommen könnte. „Aber die Zulieferer müssen mitspielen“, schränkt er gleich ein: Auch wenn er nahezu ausschließlich auf regionale Zulieferer setzt, seien auch diese von den Lieferschwierigkeiten ihrer Vorlieferanten betroffen.
Drei Geräte von afs airfilter arbeiten auch seit einigen Monaten im Rathaus der Stadt Künzelsau und ermöglichten unter anderem Präsenzsitzungen des Gemeinderates.

Öhringen:  „Wir sind im Vollgas-Modus“

In Öhringen waren zum Schuljahresbeginn 65 Raumluftfilter und 25 raumlufttechnische Anlagen in Betrieb. „Wir sind im Vollgas-Modus und haben nicht die Hände in den Schoß gelegt“, sagt Oberbürgermeister Thilo Michler. Insgesamt will Öhringen bis Ende des Jahres 250 Anlagen in den örtlichen Kindergärten und Schulen verbauen. Priorität liegt dabei auf Einrichtungen für Kinder, die noch kein Impfangebot haben, also Kindergärten und Grundschulen.

Förderanträge beim Bund bereits im Juni gestellt

Bereits im Juni hat die Öhringer Verwaltung die ersten Anträge gestellt. Bereits am 12. Juni las Martin Schenker, Leiter des Technischen Dienstes der Stadt Öhringen, von den Fördermaßnahmen. „Eine Woche später stellte ich die Anträge bei der BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Ich war an Platz 44. Beim letzten der 25 Gebäudeanträge zeigte der Zähler bereits Platz 1215.“

Gemeinderatsbeschluß am 27. Juli, Förderbescheid am 6. August

Nicht einmal 2 Wochen dauerte es, bis am 6. August der Förderbescheid des Landes in Öhringen einging. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen 3,8 Millionen Euro, durch die Förderungsmaßnahmen von Bund und Land beläuft sich der Eigenanteil der Stadt auf 800.000 Euro.

Künzelsau wartet auf den Förderbescheid

Das Land Baden-Württemberg fördert die Anschaffung von Luftreinigern mit 40 Millionen Euro, nach dem Windhundprinzip. Die Stadt Künzelsau teilt auf GSCHWÄTZ-Anfrage am Montag, 20. September 2021, mit: „Bislang ist keine Förderzusage für die Luftreiniger eingegangen. Die Ausschreibung ist vorbereitet.“ Die Ausschreibung soll in einem „Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb“ mit 10 Werktagen Zeit für die Anbieter zum Kalkulieren durchgeführt werden. Das heißt, „die Firmen werden direkt angeschrieben und es wird nicht öffentlich in einem Portal für alle eingestellt“, teilt Helen Bühler, Leiterin des Fachbereichs Stadtmarketing/Kultur/Presse der Stadtverwaltung Künzelsau, mit.

Georg-Wagner Schule hat reagiert

Inzwischen hat Rainer Süßmann reagiert: Rechtzeitig zum Schuljahresbeginn wurde eine Bestellung der  Georg-Wagner-Schule über zwei weitere mobile Luftreiniger angeliefert. Sie werden jetzt beispielsweise in der Mensa eingesetzt, wo viele Schüler der unterschiedlichen Klassen zusammenkommen.

Text: Matthias Lauterer

 

Mobiler Luftfilter am HGÖ. Foto: Stadt Öhringen

Außenluftzufuhr an der Rückseite des Klassenzimmers. Foto: Stadt Öhringen

Raumlufttechnische Anlage im neu errichteten Klassenzimmer an der Grundschule Verrenberg. Foto: Stadt Öhringen

 

 




„Die nächste Welle wird die Welle der Kinder und Jugendlichen“

Drei große Luftreiniger erlauben dem Künzelsauer Gemeinderat seit einiger Zeit wieder öffentliche Sitzungen im Ratssaal. Und trotzdem schienen einige Anwesende verwundert, als Verena Löhlein-Ehrler gleich zu Beginn der Sitzung vom Dienstag, den  27. Juli 2021, einen Antrag einbrachte, dass Kinder bis zwölf Jahre nur noch in Räumen beschult werden sollen, die mit Luftreinigern ausgestattet sind.

Die Konsequenz ist allen klar: Bei Annahme des Antrags wäre die Stadt Künzelsau als Schulträger verpflichtet, schnellstmöglich die entsprechenden Geräte zu beschaffen, aufzustellen und zu betreiben.

Rainer Süßmann begründet den Antrag

Rainer Süßmann, kommissarischer Leiter der Georg-Wagner-Schule, hat bereits Erfahrung mit Luftreinigern. Er hat in seiner Schule derzeit sechs solche Geräte, die in Räumen eingesetzt werden, die schlecht zu belüften sind. Süßmann berichtet davon, dass es in den Klassenzimmern, in denen die Geräte eingesetzt waren, keinen Coronafall gegeben habe, in anderen Klassenräumen schon. Er weist aber sofort darauf hin, dass das nur eine Einzelbetrachtung ist, die nicht statistisch signifikant sein muss.

Süßmann begründet den Antrag seiner Fraktionskollegin – er  ist dabei emotional und sichtlich aufgewühlt: Das allerhöchste Ziel müsse es sein, den Kindern einen geregelten Schulbetrieb zu ermöglichen.“Es muss alles getan werden, dass die Menschen, die Kinder, im geregelten Tagesablauf bleiben.“  Er hat mehrfach Quarantänesituationen einzelner Klassen mitbekommen: „Die Politik macht es sich einfach – Ein Fall in der Klasse und alle gehen in Quarantäne.“ Mit allen Konsequenzen für die Familien: Es muss für Betreuung gesorgt werden, das können in diesem Fall nur die Eltern sein, die dann aus dem Beruf gerissen werden.

Kinder können noch nicht geimpft werden

Süßmann weist darauf hin, dass Kinder bis zwölf Jahre momentan noch nicht geimpft und daher leicht angesteckt werden können. Sie können, da die Infektion meist nur leicht oder gar unmerklich verläuft, das Virus weiterverbreiten. „Ich mache mir ehrlich Sorgen“, sagt Süßmann, „Die nächste Welle wird die Welle der Kinder und Jugendlichen.“

Effekt der Luftreinigung durch Studie belegt

Die Empfehlung, einfach noch öfter zu lüften, sei im Sinne eines geregelten Unterrichts nicht umsetzbar, oder deutlicher: „Alle zehn Minuten lüften, das ist Schwachsinn“ – man merkt ihm an, dass er mit dem Herzen bei der Sache, bei seinen Schülern ist. Süßmann zitiert eine „Stuttgarter Studie“, deren Ergebnisse eindeutig seien: Die Aerosolbelastung könne durch Luftreinigung deutlich reduziert werden.

Ob die Stadt Künzelsau als Schulträger wirklich bereits alles versucht hat? Süßmann zweifelt das an: Man habe die Geräte im Gemeinderat, man habe den Einzelhandel durch den Aufbau einer Teststation unterstützt, aber die Kinder?

Jetzt seien die Lieferanten noch lieferfähig – wenn man zu spät bestelle, hätte man die Geräte im Sommer 2022. Seine Begründung schließt er mit einem eindringlichen Appell: „Wenn wir jetzt nichts machen, dann wird es nicht mehr so sein, dass zwanzig Kinder beim Therapeuten sitzen, sondern 40 oder 60 … die sind dann nicht leistungsfähig.“

Neumann eher defensiv

Bürgermeister Stefan Neumann ist eher defensiv eingestellt: Die Stadt habe bereits derartige Geräte und für schlecht zu lüftende Räume könne man durchaus weitere Geräte bestellen. Er weist darauf hin, dass man diesen Antrag in dieser Sitzung nicht abstimmen könne, sondern gegebenenfalls eine Sondersitzung in der Urlaubszeit einberufen müsse. Außerdem sei das „keine finanzielle Entscheidung, sondern eine Grundsatzentscheidung“.

Stimmung im Gemeinderat größtenteils unterstützend

Herbert Schneider ist auch der Meinung, dass eine schnelle Entscheidung nötig ist. Die Schulen sollten seiner Meinung nach unmittelbar die notwendigen Zahlen ermitteln, damit man eine Sondersitzung einberufen kann. Überschlägig schätzt er mit 100.000 Euro Kosten.

Der Bundestagswahlkampf wird bemerkbar

Parteipolitik im Wahlkampf mag sich Christian von Stetten nicht verkneifen: Er verweist darauf, dass der Bund 500 Millionen Euro bereitgestellt habe. Das Land Bayern fördere die Anschaffung von Luftreinigern mit 50 Prozent. „Das Kultusministerium in Stuttgart sieht das völlig anders.“ Weiter sagt er: „Ich würde abraten, ins Blaue hinein die Geräte zu beschaffen.“ Erst solle man in Stuttgart eine Förderanfrage stellen.

Anderer Meinung ist Hans-Jürgen Saknus: Er meint, dass auch das Land Baden-Württemberg ein Förderprogramm hat – aber das sei nun Sache der Stadt, sich kundig zu machen. Seine Fraktion würde den Antrag jedenfalls unterstützen. „Delta trifft vor allem die Jungen, daher ist diese Initiative wichtig. Ich hoffe, dass das Land alles tut, damit kein Lockdown bei den Schulen passiert.“

Auch Robert Volpp kann sich der Notwendigkeit der Geräte anschließen.

Süßmann pflichtet Saknus bei und zitiert eine Aussage von Ministerpräsident Kretschmann, der von einem 50-prozentigen Zuschuss, nicht nur für schlecht zu lüftende Räume, gesprochen haben soll. Er nennt noch einmal Zahlen: Es seien ungefähr 40 bis 60 Geräte notwendig, die teureren Geräte lägen bei etwa 4.000 Euro. Das würde Anschaffungskosten von bis zu 240.000 Euro bedeuten – eventuelle Zuschüsse von Bund oder Land nicht eingerechnet.

Löhlein-Ehrler betont nochmals, dass ein Warten auf Stuttgart gefährlich sein kann: „Wir müssen ein wenig schneller sein als die anderen, wegen der Lieferfähigkeit.“

Sondersitzung des Gemeinderats in Aussicht gestellt

Bürgermeister Neumann weist nochmals darauf hin, dass es sich um eine Grundsatzentscheidung handle und der Gemeinderat sich über die Finanzierung Gedanken machen müsse. Er stellt eine Sondersitzung in der Urlaubsperiode zum Thema in Aussicht, die dann auch hybrid stattfinden könne. Einen Entscheid im Umlaufverfahren hält er für nicht problemangemessen.

Text: Matthias Lauterer

ebm-papst und Sauter Heizungstechnik installieren Luftreiniger und Sensoren zur digitalisierten Luftqualitätsmessung in der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell. Foto: Sauter Heizungstechnik

In der Grundschule Kocherstetten werden kleinere Luftreiniger getestet. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

 

 

 




Pandemie, welche Pandemie?

Monatelang saßen (und sitzen immernoch, etwa die Schüler:innen der weiterführenden Schulen, die erstmal nur in den Wechselunterricht dürfen und diese Woche teilweise daher noch zu Hause sind) Grundschüler:innen zu Hause im homeschooling mit teilweise nicht mal einer Stunde Videounterricht am Tag, kommen nun zurück in die Klassenzimmer und starten teilweise direkt mit Tests und Klassenarbeiten über Dinge, die sie sich teilweise zu Hause aneignen mussten. Das geht gar nicht. Warum nicht?

Das geht gar nicht. Warum nicht?

Nun, zum einen mussten sich Schüler:innen in der dritten Corona-Homeschooling-Welle, teilweise Dinge autark zu Hause erarbeiten. Denn nicht jedes Elternteil hat die Möglichkeit, home office über Monate zu machen, sondern es soll Eltern eben, die müssen irgendwo hinfahren zum Arbeiten, während ihre Kinder zu Hause alleine homeschooling machen. Es war auch politisch immer viel in den Medien die Rede davon, dass solche Familien benachteiligt sind, die in diesen nun 1,5 Jahren ihren Kindern kein adäquates Lernumfeld zu Hause bieten können, weil sie schlichtweg keine Wahl haben. Manche Kinder haben zu Hause nicht mal ein eigenes Zimmer, um in Ruhe lernen zu können.

Das Kultusministerium reduzierte zwar die Anzahl der Arbeiten, tut aber weiterhin so, als ob man nach dem Zuhauseunterricht einfach nahtlos weitermachen könnte

Zum anderen gab es, auch wenn es das baden-württembergische Kultusministerium ein wenig anders sieht, vor allem an den Grundschulen teilweise keinen adäquaten Videounterricht, den man mit dem qualitativen und quantitativen Lernen im Klassenzimmer annäherend gleichsetzen kann. Wer Glück hatte, der hatte jeden Tag ein oder zwei Stunden digitalen Unterricht als Grundschüler:in. Wer Pech hatte, gar keinen. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Jeder Landkreis, jede Schule, jeder Lehrer:in hat hier sein eigenes Süppchen gekocht. Wenn man sich jetzt nicht fragt, ob der deutsche Föderalismus abgeschafft gehört, wann dann?

Jede Schule, jeder Lehrer:innen hat im digitalen Unterricht sein eigenes Süppchen gekocht

Unterschiedlicher vorbereitet könnten die Schüler:innen nicht in die Klassenzimmern gehen. Und da braucht man kein Pädagoge zu sein, sondern da reicht einfacher Menschenverstand, um nach 1,5 Pandemiejahren zu sagen: Lasst uns die Schüler:innen doch erst einmal wieder freundlich und fröhlich willkommen heißen, lasst Sie uns mit Wiederholungen erst einmal abholen an ihrem Wissensstand, lasst uns erst einmal mit ihnen über Corona und die teils schwere Zeit sprechen. Das wäre jetzt wichtig und richtig. Aber es gibt manche Lehrer:innen, diehaben schon jetzt den Klassenarbeitsplan für die nächsten zwei Monate fertig zusammengezimmert. Nicht nur in den Hauptfächern, sondern selbstverständlich auch in allen Blümchenfächern, allen voran Religion. Alles andere scheint erstmal zweitrangig.

Schützt endlich die Schüler:innen

Mit dem Fingerzeig zum Kultusministerium heißt es dann: „Ja, aber wir müssen doch noch mindestens eine Arbeit pro Fach schreiben, bevor das Schuljahr endet.“ Sagen wir einmal so: Es muss in Deutschland eigentlich Unterricht im Klassenzimmer erfolgen, zu Hause unterrichten war verboten. Das hat man durch die Coronapandemie über den Haufen geworfen – wie so vieles mehr. Da kann man jetzt, wo es wieder auf Kosten der Schüler:innen geht, doch auch auf die Coronapandemie verweisen und zum Kultusministerium sagen: Das geht so nicht. Das können wir unseren Schüler:innen nicht zumuten. Lasst sie erstmal wieder ankommen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




Grundschüler kommen voll zurück in die Schulen am Montag, Fünftklässer haben das Nachsehen

Die Recherche nach dem tagesaktuellen Inzidenzwert. Das gehört für viele schon zum Frühstücksritual dazu. Denn: Ständig verändernde Zahlen bedeuten auch ständig veränderte Regeln und Freiheiten für den jeweiligen Kreis, in dem man wohnt.

Am Donnerstag, den 03. Juni 2021, gab es nun eine Information des Landratsamtes des Hohenlohekreises, dass der Inzidenzwert von 50 an drei Werktagen infolge überschritten worden sei und dass daher ab Freitag, den 04. Juni 2021, wieder andere Regeln gelten.

Homeschooling hat erstmal ein Ende, aber fragt sich nur, wie lange

Für die Schulen, die nach den Pfingstferien wieder öffnen am Montag, den 07. juni 2021, bedeutet das im Wesentlichen: Die Grundschulen dürfen endlich in den langersehnten Präsenzunterricht zurückkehren nach monatelanger Klassenzimmerabstinenz. Die weiterführenden Schulen öffnen ihre Pforten ebenfalls nach langer Zeit wieder, um ihre Schüler in den Gebäuden zu empfangen, allerdings nur im Rahmen eines Wechselunterichts:

Übersicht: welche Klassen werden aktuell wie unterrichtet, Quelle: Kultusministerum Baden-Württemberg:

  • Für Grundschulen gilt:
    • Inzidenz unter 100: Präsenzunterricht (Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen)
    • Inzidenz zwischen 100 und 165: Wechselunterricht
    • Inzidenz über 165: Fernunterricht. Für die Eltern, die zwingend auf eine Betreuung angewiesen sind, wird sowohl im Wechselbetrieb als auch im Falle von Fernunterricht eine Notbetreuung eingerichtet.

 

  • Für weiterführende Schulen und berufliche Schulen gilt:
    • Inzidenz unter 50: Präsenzunterricht (Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen)
    • Inzidenz über 50: Wechselunterricht für alle Klassenstufen bis auf die Abschlussklassen
    • Inzidenz über 165: Fernunterricht für alle Klassenstufen bis auf die Abschlussklassen. Für die Klassenstufen 5-7 wird für die Eltern, die zwingend darauf angewiesen sind, eine Notbetreuung eingerichtet.

 

  • Abschlussklassen: Die Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen ablegen, werden seit 22. Februar 2021 im Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht unterrichtet. Dies gilt als Ausnahmeregelung auch in Landkreisen, in denen entsprechend der Regelungen der Bundesnotbremse der Präsenzunterricht untersagt ist. Unterschreitet ein Landkreis die Inzidenz von 50, kehren auch sie selbstverständlich in den Präsenzunterricht (Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen) zurück. Mit Blick auf die anstehenden Abschlussprüfungen gilt weiterhin die Empfehlung, dass die Schulen zwei Wochen vor deren Beginn den Unterricht für diese Schülerinnen und Schüler ausschließlich auf Fernunterricht umstellen.

 

  • Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege: Der Betrieb ist am übernächsten Tag einzustellen, wenn das Gesundheitsamt eine Sieben-Tages-Inzidenz über 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen feststellt und bekannt gemacht hat. Eine Notbetreuung wird für diese Kinder eingerichtet.
Übersichtstabelle der inzidenzabhängigen Regelungen
0-50
Präsenz aller Schularten
Ja
Pflicht
Nein für Schülerinnen und Schüler/Unterricht
Sport im Freien ist im Klassenverbund gestattet; Tagesausflüge im Klassenverbund gestattet
50-100
Wechsel Präsenz-/Fernunterricht für weiterführende Schulen; Präsenzunterricht für GS, SBBZ-Grundstufen/SBBZ G,K, etc.
Ja
Pflicht; Präsenzphase abhängig von Testangeboten
bei Wechselunterricht ja; an GS, SBBZ nein
Sport im Freien ist im Klassenverbund gestattet, an weiterführenden Schulen nur kontaktarm; 2 Wochen vor Prüfung ist Fernunterricht möglich; Umfang/Dauer Präsenz entscheidet Schulleitung;
100-165
Wechsel Präsenz-/Fernunterricht
Ja
Pflicht; Präsenzphase abhängig von Testangebot
Ja
Sport drinnen zur Prüfungsvorbereitung und in Jahrgangsstufe 1 u. 2 ist mit Abstand möglich; Ü 100 Abstand auch im Freien
über 165
Fernunterricht;
nur zwingend erforderliche Leistungsfeststellungen in Präsenz
Ja
optional bei Leistungsfeststellungen; gegebenenfalls Trennung nicht getesteter von getesteten Schülerinnen und Schülern
Ja
Bisherige Ausnahmen (Abschlussklassen, SBBZ, bestimmte Schülerinnen und Schüler, etc.)

 

 

 




„Öffnungen sind nur eine Option“

Die Corona-Inzidenz in Hohenlohe fällt, mittlerweile liegt der Wert bei 106,5 (Stand 18.05.2021). Seit dem 11. Mai hat er die magische Zahl von 165 unterschritten. Wenn es so bleibt, heißt das ab Donnerstag: Start frei für die Schulen. Sie dürfen mit eingeschränktem Präsenzunterricht starten.

„Schulöffnungen nur bei stabilen Zahlen“

„Frühestens ab Donnerstag ist eine Öffnung der Schulen möglich und auch nur, wenn die Zahlen stabil bleiben“, sagt Andrea Roll, Leiterin des Amts für Kreisschulen und Bildung im Landratsamt Hohenlohekreis. Sie ist zuständig für sechs berufliche Schulen an den Standorten Öhringen und Künzelsau, einer Fachschule für Landwirtschaft, einer Akademie für Landbau und Hauswirtschaft und zwei sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Hohenlohekreis. Öffnungsschritte seien zudem jetzt so kurz vor den Pfingstferien bloß eine Option: „Die Landesregierung hat es den Schulen freigestellt, ob sie noch vor den Ferien öffnen oder nicht.“ Was bedeutet: Entscheidet sich eine Schulleitung gegen die Öffnung noch vor Pfingsten, bleiben die Schultore zu. Die SBBZ hatten bereits die ganze Zeit geöffnet. Der Tenor der anderen Schulen sei aber eher: „Wegen diesen zwei Tagen öffnen wir nicht.“ Denn es sei ja lediglich Wechselunterricht möglich, was pro Schüler maximal einem Tag Schulbesuch entspreche.

Sport ab einer Inzidenz von 50

Sobald die Inzidenz unter 100 rutscht, sei laut der Amtsleiterin voller Unterricht unter Hygienevorschriften und mit Abstandsgebot möglich. Sie rechnet aber damit, dass das eher die Grundschulen als die Berufsschulen wahrnehmen, weil bei denen der Betreuungdruck durch die Eltern höher sei. Ab einer Inzidenz von 50 gebe es schließlich sogar wieder Sportunterricht. Das Okay zum jeweiligen Öffnungsschritt müsse aber vom Gesundheitsamt kommen, das auch die Inzidenzen feststellt. Deshalb rät Andrea Roll den betroffenen Eltern, sich immer zeitnah auf den Homepages der jeweiligen Schule über mögliche Schritte zu informieren.

„Der Stundenplan ist schon lange fertig“

An der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen geht es am Donnerstag, den 20. Mai, los. „Den Stundenplan für den Wechselunterricht haben wir schon lange fertig“, sagt Schulleiter Johannes Dirnberger. „Es ist ein regulärer Stundenplan, nur Sport ist raus.“ Denn das Fach sei noch nicht erlaubt. Um das Abstandsgebot einhalten zu können, wurden die Klassen geteilt. „Alle Schüler einer Klasse kommen zwar zur gleichen Zeit, sie haben aber in zwei Gruppen getrennt Unterricht“, erklärt der Schulleiter. Die Schüler:innen, die am Donnerstag in die Gemeinschaftsschule kommen, haben gleich von 7.30 Uhr bis 15.50 Uhr Unterricht. Der Freitag ist etwas kürzer und endet um 11.50 Uhr. Die Planungen für nach den Ferien stehen laut Dirnberger noch nicht fest. Er hofft aber mindestens auf Wechselunterricht.

„Wir wollen etwas Nettes zum Ankommen“

Auch an der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurden die Klassen in Gruppen geteilt. „Bei uns kommt die Gruppe A am Donnerstag und Gruppe B am Freitag“, sagt Schulleiter Markut Autenrieth. Die Grundschulklassen sind ab der zweiten Stunde bis 11.50 Uhr im Schulgebäude, die Klassen fünf bis zehn ab 7.40 Uhr bis 11.10 Uhr. Die Kinder treffen in den Klassenzimmern nur auf ihre Klassenlehrer, Unterricht findet allerdings nicht statt. Die Kinder sollen erstmal erzählen, wie es ihnen ergangen ist. „Wir wollen etwas Nettes zum Ankommen“, erklärt der Schulleiter. Denn zunächst einmal sei wichtig, dass die Schüler überhaupt kommen dürfen. Auch wenn es nicht alle sein werden, weil manche die Tests ablehnen oder den Eltern das Ansteckungsrisiko noch zu hoch ist.

„Beim Sozialen fehlt viel“

Nach den Ferien rechnet Autenrieth damit, dass die Grundschulklassen in den vollen Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen starten können – dann mit Masken und Tests aber ohne Abstandsgebot. Und immer vorausgesetzt, dass die Zahlen nicht wieder steigen. „Die Sekundarstufe geht dann spätestens drei Wochen nach den Ferien in den Wechselunterricht“, macht der Schulleiter auch den älteren Schülern Hoffnung. „Es lief zwar gut mit dem Homeschooling, aber beim Sozialen fehlt viel.“




Neth: „Die neue Entscheidung des Landes, bei einem Inzidenzwert über 200 nach den Osterferien vom Präsenzunterricht abzusehen, ist richtig“

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat amDonnerstag, 15. April 2021, insgesamt 36 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 237,9 pro 100.000 Einwohner. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Neun neue Ausbruchsgeschehen

In den vergangenen sieben Tagen wurden vom Gesundheitsamt neun neue Ausbruchsgeschehen erfasst und an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Es handelt sich hierbei um drei Unternehmen (zwei im Raum Öhringen und eines im Raum Künzelsau), eine Schule auf der Hohenloher Ebene, eine Kinderbetreuungseinrichtung im Kochertal und vier weitere Einrichtungen, die unter „Sonstige“ geführt werden.

Künzelsau hat Verlängerung der Maskenpflicht beantragt

Die Stadt Künzelsau hat eine Verlängerung der Maskenpflicht beim Landratsamt Hohenlohekreis beantragt, das Landratsamt wir hierüber am Freitag entscheiden.

Das Kultusministerium hat entschieden, den Präsenzunterricht in Landkreisen, in denen die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner über einem Wert von 200 liegt, auszusetzen. Daher findet an den Schulen im Hohenlohekreis nach den Osterferien aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens Fernunterricht statt. Ausgenommen sind weiterhin Abschlussklassen und SBBZ.

Kitas werden möglicherweise geschlossen

Diese Entscheidung der Landesregierung bezieht sich nicht auf Kindertagesstätten und Kinderbetreuungseinrichtungen. Das Gesundheitsamt beobachtet derzeit, wie stark die Kitas zum Infektionsgeschehen im Kreis beitragen. Im Corona-Stab des Landratsamts wird über die Schließung der Kitas als mögliche Maßnahme zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Coronavirus beraten, ein Austausch hierzu mit den Ortspolizeibehörden wird folgen.

„Weitere Verschärfungen würden große Grundrechtseinschnitte mit sich bringen“

„Die neue Entscheidung des Landes, bei einem Inzidenzwert über 200 nach den Osterferien vom Präsenzunterricht abzusehen, ist richtig. Weitere Verschärfungen der Maßnahmen, wie zum Beispiel die Schließung von Kitas oder weitergehende Ausgangsbeschränkungen wären vorstellbar, bringen aber schwierige Folgefragen mit sich“, betont Landrat Dr. Matthias Neth. „Alle Maßnahmen können aber nur dann wirken, wenn wir alle uns daran halten. Auch wenn wir Corona-müde sind, erfordert die dritte Welle, dass wir alle die Maßnahmen akzeptieren und einhalten. Weitere Verschärfungen würden große Grundrechtseinschnitte mit sich bringen – und auch nur dann wirken, wenn die Maßnahmen beachtet werden. Vor allem im privaten Bereich und im Arbeitsleben müssen wir daher konsequent sein. Ebenso rate ich dringend dazu, die Bürgertests, die es ja in vielen Orten im Hohenlohekreis gibt, in Anspruch zu nehmen.“

Freie Impftermine im Kreisimpfzentrum Öhringen

Am kommenden Montag, den 19. April 2021, wird die Impfterminvergabe in Baden-Württemberg für über 60-Jährige geöffnet. Aufgrund der dadurch zu erwartenden erhöhten Nachfrage ruft das Sozialministerium insbesondere alle über 70-Jährigen dazu auf, in den kommenden Tagen Impftermine zu buchen.

Vor dem Hintergrund der Öffnung der Gruppe der über 60-Jährigen ab 19. April folgt das KIZ Öhringen der Bitte des Sozialministeriums und wird mit versehentlich vor diesem Datum gebuchten Terminen aus dieser Gruppe am anstehenden Betriebswochenende kulant verfahren. Diese Personen werden also nicht mehr abgewiesen, sofern eine Terminbuchung für dieses Wochenende über 116117 oder www.impfterminservice.de gebucht wurde.

Im Kreisimpfzentrum Öhringen sind auch für dieses Wochenende (16. bis 18. April) noch Impftermine verfügbar. Insgesamt sollen in den drei Tagen rund 3.400 Impfungen mit den Impfstoffen von AstraZeneca und BioNTech durchgeführt werden.

 

 




Weiterhin kein Präsenzunterricht für die Hohenloher Schüler:innen

Wenn die Inzidenz weiter so hoch bleibt, bleiben die Klassenzimmer am Montag im Hohenlohekreis weiter geschlossen.

Sollte der Inzidenzwert weiterhin die 200er-Marke überschreiten, dann geht es für die Schüler:innen nächste Woche weiter mit Homeschooling. Erst bei einem Unterschreiten dieser Marke bei drei aufeinanderfolgenden Tagen sollen die Schulen wieder öffnen für Wechselunterricht (abwechselnd Homeschooling und Unterricht im Klassenzimmer). Dann allerdings muss jeder Schüler zweimal pro Woche getestet werden und das unabhängig von der Inzidenz.

Brief vom Kultusministerium an die Schulleiter

Die Schulleiter wurden am Mittwoch, den 14. April 2021, vom Kultusministerium darüber informiert, wie es ab Montag für die Schüler:innen weitergehen soll. Darin heißt es unter anderem: „In Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 wird auf Fernunterricht umgestellt. Die Notbetreuung in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 sowie die Abschlussklassen und die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren G und K und SBBZ anderer Förderschwerpunkte mit diesen Bildungsgängen sind hiervon weiterhin ausgenommen.“ Der aktuelle Inzidenzwert im Hohenlohekreis ist nach Angaben des Landratsamtes Hohenlohekreis 264,5 pro 100.000 Einwohner (Stand 13. April 2021). Das heißt also: Die Kinder in Hohenlohe bleiben vorerst zu Hause.

Sieben Stadt- und Landkreise über der 200er-Marke

Damit geht es ihnen so wie den Schüler:innen in einigen anderen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg. Stand gestern (14. April 2021) lagen die Inzidenzen von sieben Stadt- und Landkreisen im Bundesland über der 200er-Marke – beispielsweise der Landkreis Schwäbisch Hall bei 307,0 und der Landkreis Heilbronn bei 219,5. Die Stadt Heilbronn lag als Spitzenreiter in Baden-Württemberg bei 322,5 (https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/Coronainfos/210414_COVID_Tagesbericht_LGA.pdf). Den niedrigsten Wert wies gestern die Stadt Heidelberg mit 67,5 aus, dicht gefolgt von Freiburg mit 74,4. Der Landkreis Emmendingen lag bei 84,1 und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald bei 86,1. Alle anderen Stadt- und Landkreise wiesen bereits dreistellige Inzidenzen aus, manche nur knapp unter der 200er-Marke.

Organisatorisch schwierig

Sollte sich der Inzidenzwert in Hohenlohe in den nächsten Tagen wieder verringern und an drei Tagen in Folge stabil unter der magischen Zahl von 200 bleiben, so dürften die Kinder ab Montag theoretisch zur Schule gehen. Was aber organisatorisch so kurzfristig kaum zu schaffen sein dürfte.

 

Das Schreiben vom 14. April 2021 des Kultusministerium Baden-Württemberg an die Schulleiter.

Seite 2 des Schreibens.

Seite 3

Seite 4




Tut das weh?

Eventuell soll ein Unterricht im Klassenzimmer in Baden-Württemberg ab Montag, den 19. April 2021, wieder möglich sein. Voraussetzung sind wie gehabt geringere Covid-Fallzahlen als bislang und eine ausgeklügelte Corona-Teststrategie. Beides ist bislang noch nicht vorhanden. Daher geht es ab Montag, den 12. April 2021, auch erst einmal für eine Woche wieder ins homeschooling, bis möglichst viele Fragen geklärt und hoffentlich die Fallzahlen niedriger sind.

Wie soll das genau ablaufen?

Schulleiter, Lehrer und Eltern rätseln bislang, wie die Coronateststrategien genau funktionieren sollen. Geplant sind regelmääßige Testungen von Schüler:innen, bevor sie am Unterricht teilnehmen. Derzeit ist es nicht ungewiss, ob es genügend Coronaschnelltests für alle Schulen flächendeckend zur Verfügung stehen. Wenn das der Fall sein sollte, dann soll voraussichtlich erst einmal bis Pfingsten an Schulen regelmäßig getestet werden. Derzeit ist eine zweimalige Testung für Schüler:innen angedacht. Warum nicht jedne Tag gestet wird, liegt möglicherweise an zu wenigen Schnelltests, die zur Verfügung stehen, oder an zu hohen Kosten.

Verpflichtende Tests durch die Hintertür

Diverse Eltern und Lehrer bemängeln daher auch hier die inkonsequente Politik. Sie sagen: Wenn schon Tests, dann bitte verpflichtend und täglich. Ansonsten sei es wieder mal nur ein Flickenteppich. Verpflichtend sind die Tests aber eigentlich schon, zumindest durch die Hintertür. Denn wer sein Kind nicht testen lassen möchte, muss es weiterhin im homeschooling unterrichten.

Zuhause oder in der Schule testen? Klar ist bislang wenig

Der Flickenteppich wird vermutlich dadurch noch vergrößert, dass wieder einmal jede Schule die Umsetzung der Landesvorgaben selbständig tätigen kann, etwa, ob die Tests zu Hause durchgeführt werden (wie in Künzelsau zum Beispiel), damit sich das Virus erst gar nicht auf den Schulweg machen kann, oder in den Einrichtungen direkt (wie etwa in der Kita in Niedernhall, weil der Bürgermeister sichergehen möchte, dass die Tests richtig angewendet werden).

Kann man beim Testen auch etwas kaputtmachen in der Nase?

Die nächste Frage: Kann man mit der Selbstdurchführung dieser Tests auch etwas kaputtmachen in der Nase? Geschweige denn, dass diese PCR- und Antigentests höchst unangenehm sind und auch wehtun können. Besser wären in den Schulen und Kitas in jedem Fall der flächendeckende Einsatz von Lutschtests, die bereits entwickelt worden sind für Kinder. Warum diese nicht zur Anwendung kommen (zu teuer?), darüber wurde bislang nicht gesprochen.

Zielgerichtetes Testen durch Fiebermessstationen

Einfacher wären auch Fiebermessstationen, die es bereits in diversen anderen Einrichtungen gibt und die sofort darauf hinweisen, ob jemand eine erhöhte Temperatur hat. Das wäre zwar kein Coronatest, aber doch ein erster Hinweis für ein zielgerichtetes Testen.

Eins ist zweifelsfrei klar: Wenn flächendeckend alle Schüler:innen getestet werden, schießen die Fallzahlen vermutlich wieder in die Höhe. Und das bewirkt? Richtig. Die nächste Homeschooling-Runde. Und eine weitere Doppelbelastungsrunde für jede berufstätige Mutter.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Schnelltests zur Eigenanwendung für Schüler:innen

Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen in Baden-Württemberg seit Montag, den 15. März 2021, sollen laut dem Kultusministerium Schüler:innen optimalerweise wöchentlich mindestens zweimal per Schnelltest auf Corona getestet werden. Doch wie genau das ablaufen soll, wissen bislang weder die Schulen noch die Familien.  GSCHWÄTZ hat beim Kultusministerium nachgefragt.

Tests sind freiwillig

Demnach sollen gemäß der, so Pressesprecherin Christina Sattler, „Teststrategie des Landes“, die jeweiligen Kommunen ab Ende März 2021 in Testzentren vor Ort und/auch direkt in Kitas und Schulen die Tests des Landes verwenden. Diese „agieren stationär und ambulant“. Laut Sattler gäbe es eine hohe Zunahme an „kommunalen Angeboten“ diesbezüglich, so dass die „kommunale Infrastruktur bereits in drei Viertel der Kommunen im Land zur Verfügung“ stehe.

Land Baden-Württemberg zahlt

Das sieht jedoch nicht überall so aus, besonders auf dem Land kann vielleicht noch eine größere Stadt mit einem Testzentrum punkten, aber kleinere Gemeinden tun sich unter anderem angesichts nicht flächendeckend zur Verfügung stehenden Tests und Personalmangels noch schwer in der Umsetzung.

Bislang nur Schnelltestzentrum als Testmöglichkeit

Im Kochertal haben Familien derzeit die Möglichkeiten, ihre schulpflichtigen Kinder, in Künzelsau im Schnelltestzentrum testen zu lassen. Hier sind aber die Termine begehrt und begrenzt (wir berichteten). Weitere Möglichkeiten gibt es derzeit nicht.

Bis zu den Osterferien soll es daher zunächst bei der bisherigen Struktur bleiben:

// Schul- und Kita-Personal kann sich mit den Berechtigungsscheinen (diese gibt es bei den Schulen) bei Ärzten und Apotheken sowie in den kommunalen Testzentren testen lassen.

// Schüler:innen können von den kommunalen Testzentren stationär oder mit mobilen Teams (vielerorts derzeit noch nicht möglich) in der Schule getestet werden

Christine Sattler verweist darauf, dass auch Schulen ihren Schüler:innen und Schülern „angeleitete Selbsttestangebote machen“ können, zum Beispiel, indem sie dafür Mittel aus den ihnen zur Verfügung stehenden Corona-Schulbudgets (Gesamthöhe von 40 Millionen Euro; Budgets pro Schule mit einem Sockelbetrag plus einem Betrag je nach Schülerzahl) verwenden. Ob hierfür eine ausreichende Menge an Schnelltests vorhanden ist, ist noch nicht bekannt. Nach den Osterferien soll es aber mit den diesen Selbsttests richtig losgehen, betont das Kultusministerium gegenüber GSCHWÄTZ:

Schulen sollen bald informiert werden

„Nach den Osterferien sollen den Schulen zusätzlich zu den oben beschriebenen und an den Schulen bekannten Strukturen, Schnelltests zur Eigenanwendung für das Personal und für Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen. Das Testangebot wird spätestens ab dann massiv ausgeweitet. Das Kultusministerium und das Sozialministerium sind aktuell mit den Kommunalen Landesverbänden im Gespräch, um dieses Modell in der Teststrategie des Landes zu verankern. Eine Kabinettsbefassung hierüber steht in Kürze bevor. Sobald die Gespräche hierzu abgeschlossen sind und die Schnelltests zur Eigenanwendung in die Teststrategie des Landes aufgenommen und beschlossen wurden, werden die Schulen umgehend über diese erweiterten Möglichkeiten sowie die konkrete Umsetzung informiert. Im Ergebnis wird es Testangebote für das Personal der Kitas, der Schulen sowie für alle Schülerinnen und Schüler anlasslos zweimal die Woche geben.“

Auf freiwilliger Basis

Die Tests sind nicht verpflichtend, sondern finden auf freiwilliger Basis statt. Folglich hat es für die Teilnahme dieser Schülerinnen und Schüler am Schul- und Unterrichtsbetrieb auch keine Folgen. Allerdings ist es natürlich das Ziel, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler die Tests in Anspruch nehmen. Die Tests sind freiwillig.




„Die Maskenpflicht ist ein Eingriff in mein Freiheitsrecht“

Ohne Maske unterwegs zu sein, ist kaum noch denkbar in diesen Zeiten. Auch in der Schule ist das Maskentragen zum festen Bestandteil geworden – sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer. In Schulen gilt die Maskenpflicht ab dem Betreten des Schulgeländes. Sobald man seinen festen Platz im Unterrichtsraum verlässt, gilt es, eine Maske zu tragen: auf den Gängen, in der Mensa und auf dem Pausenhof. Die einzige Ausnahme ist im Klassenraum am festen Sitzplatz und beim Essen. Außerdem achten die Schulen sehr stark darauf, dass sich die Klassen in den Pausen nicht vermischen und durchgängig in der gleichen Konstellation bleiben, um eine Infektionskette zu verringern. Deswegen hat jede Klasse einen fest zugewiesenen Pausenbereich, indem sich auch nur diese Klasse aufhalten darf. An den Bushaltestellen allerdings gibt es diese getrennten Bereiche nicht.

Die Regierung ist überzeugt davon, dass die Maskenpflicht in Schulen sinnvoll ist. Doch sehen die Schüler das ebenfalls so?

„Konzept nicht ganz durchdacht“

„An sich ist es schon gut“, meint Anna-Lena Frank aus Bieringen. „Aber wenn man durchgehend in der gleichen Klasse ist und man sie im Unterricht abnehmen darf, ist das Konzept nicht ganz durchdacht, da Schüler untereinander ohne Maske Kontakt haben, aber während der Pause in der eigenen Klasse trotzdem eine Maske tragen müssen.“ Dennoch trägt die 15-Jährige die Maske nach den geltenden Vorschriften, denn auch wenn sie das Konzept manchmal nicht nachvollziehen kann, möchte sie helfen, eine Infektionskette zu unterbrechen.

„Ich möchte keinen durch mein leichtsinniges Handeln gefährden“

Auch für Nico Köhler aus Niederstetten ist es wichtig, sich an die Maskenregeln zu halten. Für den 15-Jährigen ist das Thema Corona nach wie vor aktuell: „Man hört jeden Tag etwas über Corona und die Zahlen steigen wieder. Ich persönlich merke Corona sehr stark an den noch vorhandenen Einschränkungen, aber für mich ist das Thema generell auch immer aktuell, denn meine Eltern haben ein Altenheim.“ Da alte und schwache Menschen zur Risikogruppe zählen, „trage ich meine Maske zuverlässig, denn ich möchte keinen durch mein leichtsinniges Handeln gefährden.“ Der Zehntklässler berichtet auch, dass er die Maske nicht nur in der Schule zuverlässig trägt, sondern auch außerhalb, wenn er sich in geschlossenen Räumen befindet.

„Anstrengend beim Atmen und Kopfschmerzen sind die Folge“

„Man gewöhnt sich an das Maskentragen, aber schön ist es nicht“, ist die Meinung von Louis Siller aus Geddelsbach. „Mit der Zeit ist es anstrengend beim Atmen und Kopfschmerzen sind die Folge.“ Auch der 16-Jährige sieht es kritisch, die Maske in der Pause zu tragen, wenn man sich in seiner Klasse befindet und davor ohne Maske Kontakt hatte. Dennoch hält er sich an die Maskenpflicht, „um andere und mich zu schützen.“

„Menschliche Aufpasser finde ich nervig“

Eine ganz andere Meinung hat Jana Tscherpel aus Schwäbisch Hall. Die 15-Jährige hält die Maskenpflicht für eine Zumutung, da sie wenig effektiv sei, weil die meisten nur einen „Stofffetzen vor dem Mund“ hätten. „Die Maskenpflicht ist ein Eingriff in mein Freiheitsrecht, sie beschränkt meine Freiheit. Wenn ich mich gefährden will, ist das meine Entscheidung.“ Auf die Frage, ob sie nicht Angst habe, andere damit zu gefährden, antwortet sie: „Diejenigen, denen ich schaden könnte, tragen selbst die Verantwortung für sich und können sich mit einer richtigen FFP2-Maske schützen.“ Jana möchte selbst entscheiden, ob und wann sie eine Maske trägt. „Menschliche Aufpasser“ findet sie nervig. Damit meint sie Menschen wie etwa Mitschüler, die keine Berechtigung dazu hätten, sie zurechtzuweisen und auch nicht dafür zuständig seien. Sie persönlich habe auch keine Angst vor Corona, wie sie betont: „Ich sehe das Coronavirus wie ein Grippevirus und bei der Grippe muss man auch keine Maske tragen.“ Obwohl sie keine Angst hat, ist das Thema Corona für sie präsent: „Man kann Corona nicht abschreiben, aber durch die Medien bleibt es eben auch aktuell. Ich denke aber, dass die öffentlichen Medien übertreiben. Man hat das Gefühl, dass sie das Virus schlimmer darstellen, als es ist und Angst verbreiten.“

„Verschärfte Maskenpflicht finde ich gut“

„Entweder sollte man die Maske ganz tragen oder gar nicht, aber so wie es gerade ist, bringen sie nicht viel“, ist das Statement von Benjamin Vogel (15) aus Künzelsau. „Jedoch finde ich die Maskenpflicht gut, da ich nicht weiß, wer Corona hat und ich kein Risiko eingehen will, deswegen trage ich die Maske zuverlässig.“

Seit Montag, den 19. Oktober 2020, gibt es noch strengere Maskenregeln. Das hat das Regierungspräsidium in Baden-Württemberg beschlossen. Nun müssen die Schüler und Lehrer die Maske auch im Unterricht tragen. „Ich finde es gut, dass man jetzt die Masken auch im Unterricht tragen muss, weil ich es ein bisschen schwachsinnig finde, zu sagen: Ihr tragt die Masken hier, aber dort wieder nicht. Und dann haben wir auch noch zusammen Schwimmen – ohne Masken. Das Problem ist, dass sich die meisten nur in der Schule so konsequent an die Maskenpflicht halten, aber außerhalb nicht.“

Die Maskenpflicht in Schulen sorgt derzeit für viel Gesprächsstoff und Diskussionen. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander. Wie nun das verschärfte Konzept, das die Maskenpflicht ab der fünften Klasse nun auch im Unterricht und nicht nur auf den Fluren vorsieht, ankommt und was es alles für neue Probleme mit sich bringt, wird sich im Laufe der nächsten Wochen herausstellen.

Text: Cora-Lee Pusker (15)