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So wurde uns auch die frische Luft aus dem Stundenplan gestrichen

Die Maskenpflicht hat die eine oder andere Infektionskette verringert. Sie ist eine gute Maßnahme im Schutz vor Corona und gehört mittlerweile zum Alltag dazu. Aufgrund der zahlreichen Neuinfektionen wurde die Maskenpflicht seit Montag, den 19.10.2020 in den Schulen verschärft.  Laut der Regierung müssen die Masken nun auch im Unterricht getragen werden. Kopfschmerzen, das Gefühl zu wenig Luft zu bekommen oder gar keine und die Beschwerden der Schüler sind ständiger Begleiter im Unterricht.

Die Maskenpflicht ist für mich teilweise widersprüchlich und hat Folgen

Meiner Meinung nach ist das Maskentragen sinnvoll und im Unterricht noch sinnvoller, weil vor der neuen Regelung hat man nur darauf geachtet, die unterschiedlichen Klassen auseinander zu halten, aber in der Klasse hatte man Kontakte. Jetzt versucht man durch die neue Verordnung auch die Kontakte in der eigenen Klasse zu minimieren. Aber dennoch habe ich meine Probleme mit der Maskenpflicht im Unterricht. Denn für mich ist sie teilweise widersprüchlich und sie hat Folgen.

Ich habe Schwimmunterricht mit meiner Klasse und das ohne Maske und Abstand

Zum Beispiel gehe ich auf eine Ganztagesschule, das heißt ich habe acht Stunden Unterricht am Tag. In diesen acht Schulstunden wird von mir erwartet, dass ich meine Maske ununterbrochen trage und die geforderte Leistung erbringe. Mit Maske ist das jedoch etwas schwieriger geworden. Ich merke, dass meine Konzentration schneller nachlässt und ich auch sehr schnell Kopfschmerzen bekomme. Ärzte und auch Arzthelfer oder Arzthelferinnen müssen auch den ganzen Tag eine Maske tragen und sind das mittlerweile schon gewohnt. Wir Kinder und Jugendlichen sind das noch nicht gewohnt und es ist sehr anstrengend für uns das zu schaffen, aber ich versuche mein Bestes zu geben. Das Paradoxe an der Maskenpflicht im Unterricht ist jedoch, dass es in manchen Schulstunden nicht möglich und den Schülern auch nicht zumutbar ist eine Maske zu tragen. Und so ist es, dass ich mit meiner ganzen Klasse Schwimmunterricht habe und wir uns alle im selben Becken befinden, ohne die Abstandsregeln einhalten zu können und natürlich ohne Maske. In der Schule wird sehr genau darauf geachtet, dass man sich nicht mit anderen Klassen vermischt und immer in der eigenen festen Klasse ist. Aber wenn man dann schaut, wie kunterbunt die Kinder an der Bushaltestelle stehen, kann man erkennen, dass das Konzept der Corona Maßnahmen noch Lücken aufweist.

 Auch das Reden mit den anderen aus meiner Klasse fällt mir schwer aufgrund der Maske

Es hat sich vieles wegen Corona geändert und so wurde uns auch die frische Luft aus dem Stundenplan gestrichen, denn auch in der Pause, auf dem Schulhof, gilt die Maskenpflicht. Ich mag die Pause an der frischen Luft, mit Maske ist es aber nicht leicht, sie wirklich zu genießen, da man seine eigene Luft die ganze Zeit einatmet. Auch das Reden mit den anderen aus meiner Klasse fällt mir schwer aufgrund der Maske. Dies ist auch ein häufiges Problem im Unterricht, dass man seine Mitschüler und auch manchmal seinen Lehrer kaum oder schlecht versteht. Genauso ist es auch umgekehrt, dass die Lehrer die Schüler nicht verstehen. So muss viel wiederholt werden und das ist vergeudete Zeit.

Nicht nur die Schüler haben ihre Probleme mit der Maskenpflicht, sondern auch die Lehrer

Ich habe das Konzept nicht mit offenen Armen empfangen, aber ich halte mich daran. Das liegt auch daran, dass ich zu einer Gruppe Schüler gehöre, die noch einen Nachteil mehr haben als andere. Die Brillenträger. Wenn man zu dieser Gruppe gehört, so wie ich hat man den Nachteil, dass aufgrund der Maske die Brille ständig beschlägt. Das stört mich sehr, aber mit der Zeit habe ich ein paar Tricks herausgefunden, wie ich die Maske so tragen kann, dass es seltener bis gar nicht mehr passiert. Dennoch kann es manchmal ein nerviger Begleiter sein. Außerdem denke ich, dass nicht nur die Schüler ihre Probleme mit der Maskenpflicht haben, sondern auch die Lehrer. Ich denke, dass sie ziemlich überfordert sind mit der neuen Situation, denn auch ihnen fällt es bestimmt nicht leicht, die Maske immer aufzuhaben und ständig Schüler zurechtzuweisen, sich an die Regeln der Maske zu halten.

Auch wenn ich meine Probleme mit der Maskenpflicht habe und ich sie in der Schule manchmal als widersprüchlich sehe, halte ich mich an die neue Regel und jeder der seine Maske nach den geltenden Regeln aufsetzt, trägt dazu bei, dass das Konzept auch funktioniert und sinnvoll bleibt. Hierbei ist es dann kontraproduktiv, wenn sich einige Schüler Atteste gegen die Maskenpflicht von ihrem Arzt herausschreiben lassen, aufgrund einer „angeblichen“ Krankheit. Das heißt, die Schüler mit so einem Attest sind von der Maskenpflicht an der Schule befreit. Aber dabei schützen sie sich und andere auch nicht gegen Corona. Ich will niemandem einem Risiko aussetzen. Ich schütze andere und mich, wenn ich eine Maske trage und werde das auch weiterhin einhalten.

Von Cora-Lee Pusker

Mit Maske lernen. Foto: GSCHWÄTZ

 




Mit dicker Jacke im Unterricht – Kalte Klassenzimmer an den Schulen

Experten und damit einhergehend auch diverse Landesregierungen empfehlen in Coronazeiten häufiges Lüften an Schulen – manche empfehlen, alle 20 Minuten stoßzulüften, um der Corona-Ausbreitung an den Schulen entgegenzuwirken https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-schulen-lueften-100.html. Die neuen Lüftungskonzepte setzen diverse Schulen auch im Hohenlohekreis nun um. Das Problem: Es wird kalt in den Klassenzimmern. Die Folge: Diverse Schüler fangen sich dadurch schnell eine Erkältung ein. Die Krux: Das geschwächte Immunsystem ist dadurch wiederum anfälliger für andere Erkrankungen – wie etwa Corona.

Der Winter kommt erst noch

Auch früher wurde in den (meisten) Klassenzimmern gelüftet, aber eben nicht ganz so oft. In der Regel in den Pausen, wenn die Schüler sich sowieso nicht im Klassenzimmer befunden haben. Während der nun häufigen Lüftungen hängen die Herbst- und Winterjacken nicht selten weiterhin in den Garderoben in den Gängen, während die Schüler im eigentlich warmen Klassenzimmer auf einmal ständig mit Kältewellen konfrontiert sind. Diverse Lehrer erlauben ihren Schützlingen daher, im Klassenzimmer quasi eine Zweitjacke zu haben oder eine warme Weste, die sie überziehen dürfen, wenn die Fenster aufgemacht werden. Bei richtig kalten Wintertemperaturen würden sich dann noch Schal und Mütze anbieten, die man griffbereit an seinem Sitzplatz verstaut hat.

Mit Mütze und Schal in den Klassenzimmern

Einige Eltern klagen bereits über erste verschnupfte Kinder, die eigentlich sonst eher selten eine Erkältung mit nach Hause bringen. Und dann beginnt das Coronakarusell erst richtig, sich zu drehen. Denn: Diverse Erkältungssymptome wie trockener Husten können schließlich auch Anzeichen von Corona sein. Die baden-württembergische Landesregierung beziehungsweise das Kultusministerum sagt: Trockener Husten kann ein Coronasymptom sein. Neben trockenem Husten zählt auch Fieber ab 38 Grad und der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns zu typischen Coronasymptomen, die es zunächst abzuklären gilt, bevor das Kind wieder in die Schule geschickt werden soll.

Was man tun soll, wenn das Kind „nur“ schnupft und Halsschmerzen hat (dies kann auf eine Erkältung hindeuten, kann aber auch Corona mit sich bringen), steht nicht in den Verhaltensregularien der Landesregierung.

Nur so viel: Eine Mutter aus dem Kochertal hatte vor kurzem Schnupfen, ihr Kind ebenfalls. Der Kindergarten legte ihr nahe, das Kind erst einmal zu Hause zu lassen. Die Firma schicke sie postwendend ins home office.

Starkes Stoßlüften ab Ende der Herbstferien kaum mehr umsetzbar

Währenddessen ist das Problem mit dem Lüften auch schon diversen Verbänden aufgefallen. Karen Claassen, Vorsitzende des Verbands Reale Bildung im Saarland, sagt etwa: „Spätestens nach Ende der Herbstferien wird wohl aufgrund der Temperaturdifferenz zwischen drinnen und draußen das starke Lüften nicht mehr praktikabel sein: Zum einen sind dann die Raumtemperaturen nicht mehr für ein konzentriertes Arbeiten geeignet, zum anderen ist durch die ständig eindringende Kälte auch mit einer Zunahme von normalen Infektionskrankheiten wie Erkältungen zu rechnen. Hinzu kommt eine außerordentlich große Energieverschwendung durch die häufige Kaltluftzufuhr, die nicht in die Zeit passt.“ (https://www.news4teachers.de/2020/09/ministerium-faellt-auf-dass-es-bei-offenen-fenstern-im-unterricht-zu-kalt-wird-und-will-jetzt-ueber-lueftungskonzepte-sprechen/)

Wissenschaftler empfehlen Luftreiniger – Schulminister sagen, das sei zu teuer oder geben die Entscheidung diesbzeüglich an die Schulen weiter

Das geht aus eine Artikel von news4teachsers.de hervor. Weiter heißt es darin: „Dem Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz ist mittlerweile auch aufgefallen, dass es mit dem Lüften im Winterhalbjahr ein Problem geben könnte. Es kündigte nun an, den Corona-Hygieneplan für Schulen zu überarbeiten. Staatssekretär Hans Beckmann (SPD) sagt dem SWR, man wolle Lösungen entwickeln, wie man die Klassenzimmer auch im Winter ausreichend lüften könne. Er wolle dafür Schüler-, Elternvertreter, Schulträger und Virologen an einen Tisch bringen. Lösungen könne man nur gemeinsam finden – wie die genau aussehen könnten, konnte Staatssekretär Beckmann aber nicht sagen. Allerdings werde man sich um Fördermittel beim Bund bemühen, beispielsweise für Luftfilteranlagen.

Über deren Anschaffung wird derzeit hitzig diskutiert. Lehrerverbände in mehreren Bundesländern haben mittlerweile die Forderung erhoben, Schulen flächendeckend mit solchen Luftfiltern auszustatten.

Ein Team vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München hatte einen Raumluftreiniger untersucht, mit dessen Filterkombination selbst sehr kleine Aerosol-Partikel zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden werden. In einem 80 Quadratmeter großen Raum könne die Aerosolkonzentration in sechs Minuten halbiert werden. Weil die Aerosole rausgefiltert werden, würden die Geräte auch nicht zur Virenschleuder, hielten die Forscher fest. Sie empfehlen Raumluftreiniger ausdrücklich für Schulen.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat bereits abgewunken. Sie halte Luftfilter in Klassenräumen gegen das Coronavirus zwar für eine gute Lösung – aber: für zu teuer. Die Geräte würden bei rund 3000 Euro Kosten pro Klasse, also umgerechnet gut 100 Euro pro Schüler, „Unsummen verschlingen“. Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann (CDU) verwies an die Kommunen: Schulträger müssten selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden.

Michael Gomolzig, Stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, beschreibt die Situation wie folgt: „Die Kommunen und Städte sagen zurecht: ‚Warum sollen wir das bezahlen?‘ Und das Kultusministerium sagt: ‚Warum sollen wir das bezahlen? Wir sind für die Lehrpläne verantwortlich.'“ Seiner Meinung nach liege die Verantwortung eindeutig beim Landtag. Dort säßen Politiker, die gewählt werden wollten – dementsprechend „sollen sie sich auch einsetzen“, so Gomolzig.

Der Lüftungseffekt verpufft

Lüften klingt zunächst einfach. Aber selbst wenn gelüftet werden kann, erzeugt dies nicht immer den gewünschten Effekt. Christian Kähler, Professor an der Universität der Bundeswehr in München und Experte für Aerodynamik, erklärt: „Hat man einen Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, kann man gut lüften. Doch dieser Temperaturunterschied verschwindet nach einer Weile und dann versagt der physikalische Mechanismus.“ Das geht aus einem Beitrag des SWR hervor. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/corona-belueftung-an-schulen-100.html




Soziale (Un-)Gleichbehandlung in Corona-Zeiten

Eltern haben sich beschwert beim Schulamt, weil ein Junge scheinbar früher an der Schule in Weißbach unterrichtet worden ist als seine Klassenkameraden, während andere wiederum erst einmal bürokratische Hürden für eine Notbetreuung überwinden müssen (wir berichteten). Ein Kommentar von GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann über soziale Gleichbehandlung in Corona-Zeiten.

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Grundschulen: Fokus auf Mathe, Deutsch & Sachkunde

Nach den Pfingstferien startet für den Großteil der Grundschüler wieder der Unterricht im Klassenzimmer. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage bestätigte Christine Sattler vom baden-württembergischen Kultusministerium, dass „die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht Vorrang“ haben hinsichtlich dessen, was noch in den Klassenzimmern unterricht wird in den letzten Wochen bis zum Schujahresende. Die Klassenstufe vier werde darüber hinaus vorbereitet „auf den Übergang auf die weiterführende Schule“.

Wieviel Lehrer fallen kontret aus?

Des Weiteren wollten wir wissen, wieviel Lehrer konkret ausfallen, das heißt, keinen Präsenzunterricht halten, weil sie einer Risikogruppe angehören. Das Land Baden-Württemberg schätzte die Zahl bislang auf ein Viertel bis ein Drittel der Lehrer. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Allerdings laufe seit vergangener Woche eine Abfrage an Schulen zum Personaleinsatz vor dem Hintergrund der Einschränkungen durch Risikogruppen sowie zur räumlichen Situation an den Schulen durchgeführt. Die Ergebnisse hierzu liegen allerdings noch nicht vor, da die umfangreichen Daten derzeit noch ausgewertet und aufbereitet sowie eventuelle Fehleinträge abgeklärt werden müssen. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich gegen Ende Woche vor“, so Sattler.

Kontaktabstand: Problem in großen Klassen

Grundschulen haben oft größere Klassen mit bis zu 27 Kindern, was einen Unterricht mit dem nötigen Kontaktabstand nicht gewährleistet. Inoffzielle Quellen berichten, dass diese Klassen zweigeteilt werden und in zwei verschiedenen Klassenzimmern parallel unterricht werden sollen – unter anderem mit Unterstützung der Lehrer, die in dieser Woche jeweils keinen Präsenzunterricht ihrer Klassen haben. Hier steht eine Antwort des Regierungspräsidiums noch aus. Jeder betont Christine Sattler: „Aufgrund der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den einzelnen Grundschulen vor Ort ist es ausdrücklich zulässig, vor Ort schulindividuelle Lösungen entwickeln, den Schulen wird deshalb ausdrücklich ein Gestaltungsfreiraum eingeräumt.“

Hintergrund rollierendes System

Nach den Herbstferien starten die Schulen mit einem so genannten rollierenden System den Unterricht in den Klassenzimmern wieder. Dieses rollierende System sieht vor, dass die Kinder im wöchentlichen Wechsel an die Schule kommen – eine Woche die Erst- und Drittklässler, eine Woche die Zweit- und Viertklässler. Der Turnus ist: immer eine Woche Unterricht an der Schule und dann wieder eine Woche Fernlernen von Zuhause aus. Damit ist nach den Pfingstferien immer die Hälfte der Grundschüler an der Schule. Hinzu kommen die Kinder der Notbetreuung, soweit sie nicht zu den Klassenstufen zählen, die Präsenzunterricht haben.

Hintergrund Risikogruppe

Lehrer, die ein gewisses Alter erreicht haben, Vorerkrankungen haben oder schwanger sind, zählen zur Risikogruppe und dürfen vom Präsenzunterricht in den Klassenzimmern freigestellt werden, um sich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren. Sie verrichten dann andere Arbeiten, arbeiten vermehrt beim homeschooling mit oder bereiten Unterricht.

Wie laufe ich richtig in Zeiten von Corona? Wegweiser in der Georg-Wagner-Realschule in Künzelsau. Quelle: GSCHWÄTZ/Archiv

 




„Was anfangs schön, entwickelte sich immer mehr zum Albtraum“

Vor wenigen Tagen haben wir einen Aufruf gestartet. Wir wollten von den Hohenlohern wissen, wie sehr Corona ihr Leben verändert hat. Die Frage lautete: „Corona – lebensverändernd oder einfach nur nervig?“ Anbei veröffentlichen wir Auszüge aus den bisher eingegangenen Antworten:

„Soziale Kontakte bis auf Social Media eingeschränkt“

Für Helmut Zier trifft beides zu. Das Coronavirus sei sowohl lebensverändernd für ihn gewesen, also auch nervig. „Da passt alles“, resümiert er. Jürgen Wernando sieht das ähnlich: „Corona hat auf alle Fälle mein Leben verändert“, sagt er. Besonders die eingeschränktes Freizeitaktivitäten verändern das Privatleben: „Die sozialen Kontakte sind bis auf Social Media eingeschränkt. Ich hatte auch Urlaub in der Lockdownzeit und konnte nicht wie sonst üblich Familie und Freunde besuchen. Jetzt werden die Maßnahmen ja gelockert, hoffentlich nicht zu schnell, um eine zweite Welle zu vermeiden und vielleicht einen zweiten Lockdown.“

„Uns geht allen die Puste aus“

Kim Schrader berichtet über die Entwicklung, die sie während der Lockdownzeit durchlebt hat: „Ich bin Mutter von drei Kindern. Anfangs war es für uns tatsächlich eine Erleichterung. Kein Termindruck, kein Mama-Taxi, keine Verabredungen. Morgens keine Brote schmieren, die Kinder schlafen lassen. Ja, es war tatsächlich richtig schön, eine Zeitlang.“ Nun sei es „einfach nur noch anstrengend und zum Haare sträuben… jedes Spiel wurde unzählige Male gespielt, das anfangs spannende Homeschooling wird zur täglichen Geduldsprobe für Kind und mich und die Langeweile steigt ins Unermessliche.“ Ihr Fazit: „Uns geht allen die Puste aus. Was anfangs wie Urlaub war, entwickelt sich immer mehr in richtig Albtraum. Es wird Zeit, dass wir wieder ein Stückchen Normalität zurückbekommen.“

Aufgaben über den PC selbst kontrollieren, Musikschulunterricht übers Telefon

Eine Familie mit ebenfalls drei Kindern, die anonym bleiben möchte, schildert ähnliches: „Wir sind eine fünfköpfige Familie. Ein Kind geht noch in die Grundschule (2. Klasse), zwei Kinder gehen auf die weiterführende Schule (Gymnasium). Corona hat unser Leben total verändert. Mein Mann macht seit Beginn der Pandemie nur noch Homeoffice und betreut unsere drei Kinder zu Hause. Ich habe eine anwesenheitspflichtige Halbtagsstelle und bin jeden Morgen werktags außer Haus. In der Zeit muss mein Mann alles regeln. Zur Mittagszeit komme ich nach Hause, wir kochen und essen danach gemeinsam. Nachmittags machen die Großen weiterhin ihre Hausaufgaben und das kleinste Kind beschäftigt sich mit Spielmöglichkeiten im Haus oder wir spielen gemeinsam etwas. Informationen/Aufgaben bekommen die Kinder über IServ oder die Schul-Cloud. Jeden Dienstag muss das kleinste Kind seine erledigten Aufgaben in der Schule abgeben und ein neues Lernpaket, dass es zu festgelegten Zeiten in der Schule abholen muss, mitnehmen.

Kontakt mit Freunden nur übers Handy

Freitags muss es die Aufgaben zunächst erst mal über den Rechner selbst kontrollieren. Wenn die Großen fertig sind, spielen wir Brettspiele. Nach draußen gehen wir selten, nur zum Einkaufen, zur Arbeitsstelle oder auf einen kurzen Spaziergang. Die Kinder haben Angst vor Corona und trauen sich gar nicht mehr so richtig, nach draußen zu gehen. Musikschulunterricht an der Musikschule erhalten die Kinder über das Telefon und/ oder Videoanruf. Der Informationsaustausch mit der Schule findet nur noch per Computer statt (E- mails, Videokonferenzen….). Kontakt mit Freunden findet nur noch über das Handy statt. Alle Vereinsaktivitäten finden aufgrund der Coronapandemie derzeit nicht mehr statt.“

Mitmachen und Geschenk bekommen

Wie hat Corona Ihr Leben verändert? Schilden auch Sie uns Ihre Erfahrungen. Als Dank erhält jeder Teilnehmer ein türkisfarbenes GSCHWÄTZ-Notizbuch, DIN-A5, zugeschickt. Bitte geben Sie Ihre Anschrift an, wenn Sie uns Ihre Nachricht schicken, an: info@gschwaetz.de




Für Großteil der Schüler noch drei Wochen Unterricht im Klassenzimmer – Nicht alle Lehrkräfte können in der Schule unterrichten

Die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen dürfen bereits wieder seit über eine in die Schule, um dort Präsenzunterricht zu haben. Ab dem 18. Mai kann es dann mit den Viertklässlern weitergehen. Ab dem 15. Juni 2020, also nach den Pfingstferien, sollen die anderen Schüler ebenfalls wieder Unterricht im Klassenzimmer erfahren, allerdings nur jede zweite Woche. Das erklärt das Regierungspräsidium Stuttgart am 06. Mai 2020 auf seiner Internetseite https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/fahrplan-fuer-weitere-oeffnung-des-schul-und-kitabetriebs/

Im wöchentlichen Wechsel sollen ab Mitte Juni 2020 die Klassen 1/3 und 2/4 sich abwechseln mit Präsenzunterricht in der Schule. Im wöchentlichen Wechsel befinden sich dann auch die Klassen der weiterführenden Schulen  5/6, 7/8 und am Gymnasium 9/10 (siehe Schaubild unten).

Kultusministerin Eisenmann: „Keine Normalbedingungen wie vor der Krise“

Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann hat den „Fahrplan“ für die weitere Öffnung des Schul- und Kitabetriebs in Baden-Württemberg vorgestellt und erklärt:„Die Eltern fordern zu Recht, dass wir den Schulbetrieb weiter öffnen und auch den Kitas eine greifbare Perspektive für einen Betrieb über die erweiterte Notbetreuung hinaus geben. Mir ist deshalb wichtig, so frühzeitig wie möglich über unsere Planungen zu informieren“, betont die Ministerin und fügt an: „Wir wollen die Schulen und Kitas zügig, aber schrittweise und besonnen öffnen. Das Corona-Virus ist immer noch da, weshalb wir bei allen Schritten viele Faktoren berücksichtigen und durch hohe Infektionsschutzstandards ein Aufflammen der Pandemie verhindern müssen. Vorschnell irgendwelche Erwartungen zu wecken, die nachher nicht erfüllt werden können, hilft niemandem. Auch nach der nun anstehenden schrittweisen Rückkehr an die Schulen und Kitas werden es keine Normalbedingungen wie vor der Corona-Krise sein.“

Ab heute Spielplätze wieder geöffnet

Solange die aktuellen Abstandsregeln gelten, könne deshalb in allen Einrichtungen immer jeweils nur eine begrenzte Anzahl an Kindern und Jugendlichen unterrichtet oder betreut werden. Erst wenn die Abstandsregeln grundsätzlich aufgehoben werden, sei eine Rückkehr zu einem regulären und vollumfänglichen Schul- und Kitabetrieb möglich. Als weiteren Schritt hin zu mehr Normalität begrüßt Ministerin Eisenmann, dass von heute an auch landesweit wieder die Spielplätze geöffnet haben: „Das ist für viele Kinder und Familien sehr wichtig. In den vergangenen Wochen kamen leider viele kindliche Bedürfnissen zu kurz. Das gemeinsame Spielen und der Austausch mit anderen Kindern ist aber wichtig für ihre Entwicklung und damit auch für ihre Gesundheit.“

Kitas starten ab 18. Mai – in reduziertem Umfang

Bezüglich der Kindertagesstätten erklärt Kultusministerin Eisenmann: „Unser Plan sieht vor, dass wir ebenfalls ab dem 18. Mai die Betreuung an den Kitas in Richtung eines reduzierten Regelbetriebs in Absprache mit den Trägern schrittweise auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausweiten. So können die Abstandsgebote mit halben Gruppengrößen gewahrt, Eltern aber weiter entlastet und den Kindern ein Stück Normalität zurückgegeben werden“, sagt Ministerin Eisenmann und ergänzt: „Von den Trägern der Kitas haben wir die Rückmeldung, dass an den Einrichtungen nicht so viel Personal zur Verfügung steht wie an den Schulen. Die Risikogruppe unter den Erzieherinnen und Erziehern scheint größer zu sein. Deshalb wollen wir den Trägern Spielräume vor Ort lassen, dass sie im Rahmen ihrer räumlichen und personellen Kapazitäten individuelle Lösungen finden können – zum Beispiel durch ein rollierendes System, das ermöglicht, dass Kinder in festen Gruppen abwechselnd an einzelnen Wochentagen in die Kita kommen können.“

Nicht alle Lehrkräfte können in der Schule unterrichten

„Für den Schulbetrieb ist es unerlässlich, dass die Hygienevorgaben zum Infektionsschutz eingehalten werden. Deshalb muss der Start des Schulbetriebs gründlich vorbereitet und sorgsam mit allen Beteiligten abgestimmt werden“, sagt Eisenmann und fügt hinzu: „Wir gehen davon aus, dass nicht alle Lehrkräfte uneingeschränkt für Angebote an der Schule zur Verfügung stehen können, beispielsweise weil sie sich in häuslicher Quarantäne befinden, zu einer Risikogruppe gehören oder selbst erkrankt sind. Auch müssen wir im Sinne des Infektionsschutzes kleinere Lerngruppen und geteilte Klassen auf eine größere Zahl von Räumen verteilen. Dies wird zusätzliche Lehrkräfte binden. Schon daraus folgt, dass ein Unterrichtsangebot im Schulgebäude auf längere Sicht nur eingeschränkt möglich sein wird.“

Das Ministerium geht davon aus, dass ein Viertel der Lehrkräfte zu Risikogruppen zählt und nicht für den Präsenzbetrieb eingeplant werden kann. Dazu gehören nach derzeitiger Einschätzung alle Personen, die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, Schwangere sowie Personen mit relevanten Vorerkrankungen. Schwangere sowie Personen mit relevanten Vorerkrankungen sind von der Präsenzpflicht befreit, dürfen also nicht an die Schule. Über 60-Jährige Lehrkräfte sind ebenfalls von der Präsenzpflicht befreit, können sich jedoch freiwillig für den Dienst an der Schule entscheiden. Lehrkräfte, die mit einer schwangeren Person oder mit Personen mit relevanten Vorerkrankungen in häuslicher Gemeinschaft zusammenleben, entscheiden ebenfalls freiwillig darüber, ob sie Präsenzdienst leisten können.

Fernlernangebote für Lehrkräfte, die keinen Präsenzunterricht halten dürfen

Die einer Risikogruppe zugehörigen Lehrkräfte sind nicht vom Dienst freigestellt, sondern werden für Fernlernangebote oder für sonstige schulische Aufgaben (nicht an der Schule) eingesetzt, die ohne direkten Kontakt zu den Schülern erledigt werden können. Bei Schülern mit relevanten Vorerkrankungen entscheiden die Erziehungsberechtigten über die Teilnahme. Gleiches gilt, wenn im Haushalt Personen leben, die einer der genannten Risikogruppen angehören. Für Schüler, die aufgrund relevanter Vorerkrankungen einer Risikogruppe angehören und daher nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, werden individuelle Möglichkeiten für die Teilnahme an Prüfungen eröffnet.

Kein Sitzenbleiben in diesem Schuljahr

Grundsätzlich werden die Versetzungsentscheidungen auf der Grundlage der Noten im Jahreszeugnis getroffen. „Da die Leistungsbewertung allerdings in den letzten Wochen ausgesetzt wurde und auch in der kommenden Zeit nur sehr stark eingeschränkt möglich sein wird, werden alle Schülerinnen und Schüler grundsätzlich ins nächste Schuljahr versetzt. Keine Schülerin und kein Schüler darf einen Nachteil aus der aktuellen Situation haben, das hat absolut Vorrang“, betont Eisenmann. Über die konkrete Ausgestaltung dieser Entscheidung und Möglichkeiten zur Umsetzung wird das Ministerium noch einmal gesondert informieren.

Weitere Informationen: https://km-bw.de/,Lde/Startseite/Service/2020+04+20+Informationen+zur+Wiederaufnahme+des+Schulbetriebs+ab+dem+4_+Mai+2020

 

Schulfahrplan, veröffentlicht am 06.05.2020 vom Regierungspräsidium Stuttgart.

 

 

 

 

 




„Soweit möglich unterstützen, aber…“

Corona verlangt uns allen viel ab, stellt das Leben auf den Kopf, nichts ist mehr so, wie wir es gewohnt sind. Seit Wochen sind die Kinder zuhause, erst seit dieser Woche dürfen Schüler der Abschlussjahrgänge wieder in die Schulen. Und so manche Mutter und Vater jüngerer Kinder wünschen sich das Gleiche auch für ihren Nachwuchs. Denn das so leicht dahingesagte Wort Homeschooling wird für manche Eltern immer mehr zum Schreckgespenst.

„Bedenkt aber, dass auch wir unsere eigenen Kinder betreuen müssen“

Nun erreichte die GSCHWÄTZ-Redaktion das Schreiben der Schulleitung eines Gymnasiums im Heilbronner Landkreis (auszugsweise abgebildet), mit dem nach den Osterferien die nächste Runde „Homeschooling“ eingeläutet wurde. Der Brief an die Eltern und Schüler wurde uns von einer betroffenen Mutter eines Fünftklässlers zugesandt, die sich fragt: „Wer nimmt denn Rücksicht auf uns?“ Wie dem Schreiben der Schule unter dem Stichwort „Organisation“ zu entnehmen ist, werde von den Schülern erwartet, „dass ihr täglich auf die Lernplattform kommt, um zu sehen, welche Arbeitsaufträge ihr zu bearbeiten habt. Wir Lehrer werden euch soweit wie zeitlich und technisch möglich unterstützen. Bedenkt aber auch, dass wir teilweise unsere eigenen Kinder betreuen müssen und unsere Arbeitskapazität auch beschränkt ist. Teilweise haben wir auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen“.

Die betroffenen Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt. Ihnen würde das Gefühl gegeben, dass sie ständig erreichbar sein, aber gleichzeitig Rücksicht auf die Lehrer nehmen müssten, die eben nicht ständig erreichbar sein müssten. „Wer fragt denn nach unseren gesundheitlichen Problemen oder nach unseren Arbeitskapazitätiten?“

Text: Sonja Bossert

Statement eines Gymnasiums. Screenshot

 

 




„Unter Umständen möglich, bis zu den Sommerferien Grundschüler wieder in die Schule zu bringen“

Am kommenden Montag, den 04. Mai 2020, beginnt in Baden-Württemberg wieder der Schulbetrieb, so auch in Hohenlohe. Allerdings stark eingeschränkt. So beginnen an der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau zunächst die neunten und zehnten Klassen – mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.
GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat mit Rektor Florian Frank unter anderem über die Vorsichtsmaßnahmen und über dessen Zuversicht in puncto gelungener Schulstart gesprochen.
GSCHWÄTZ: Welche Maßnahmen sind für den Schulstart am 04. Mai 2020 geplant?
Frank: Wir haben das ganze Schulgebäude etwas umstrukturiert, wir haben die Klassenzimmer ausgeräumt. Wir haben die Klassengruppen halbiert. In jedem Klassenzimmer befinden sich damit maximal 15 Kinder. Wir halten dadurch die erforderlichen Abstände ein .Es gibt zwei Zugänge zu unseren Waschgelegenheiten. Im ganzen Gebäude sind Laufrichtungen festgelegt worden. Es gibt ein Raum-Nutzungs-Konzept und eine erweiterte Hausordnung, die die Schüler alle im Vorfeld bekommen haben – samt der Einteilung in diese Halbe-Klassen-Gruppen.
„Ich freue mich auf Montag“
GSCHWÄTZ: Wir realistisch lassen sich diese Maßnahmen umsetzen, etwa im Pausenhof?
Frank: Es hängt ja nicht nur an der Schulordnung und am Pausenhof. Es fängt ja an mit dem Schülertransport, dem öffentlichen Nahverkehr, und geht weiter zum Hygieneplan im Gebäude und wie dieser umgesetzt wird. Da haben viele Menschen im Vorfeld zusammengearbeitet – sowohl der Schulträger und der NVH (Nahverkehr Hohenlohe) als auch wir. Wir haben uns abgestimmt. Wir haben nun beispielsweise einen gestaffelten Unterrichtsplan. Das heißt, die Zehntklässler kommen bei uns montags, mittwochs und freitags, die Neuntklässler dienstags und donnerstags. Dadurch entzerren wir den Nahverkehr, so dass auch an dieser Stelle die Abstände gewahrt werden können. Und wir haben selbst dadurch auch weniger Schüler gleichzeitig an der Schule. Wir haben im Vorfeld die Schüler aufgerufen, Mund-Nasen-Schutz zu nähen. Das hat funktioniert. Wir haben nun über 400 Masken hier, die auch an die Schüler bei Bedarf ausgegeben werden können, zum Beispiel in Prüfungssituationen, wenn wir in Situationen kommen, in denen wir nicht den geforderten Mindestabstand halten können. Ich halte es daher auch für realistisch, dass wir diese Regeln an dieser Schule umsetzen können.
Die Markierungen sind da, die Räume sind großzügig gewählt, die Gruppen sind geteilt, die Abstände sind vorgegeben, alle sind informiert. Wir haben ausreichend Personal da. Und immer maximal zirka 120 Schüler im Gebäude.
GSCHWÄTZ: Das heißt, sie schauen zuversichtlich auf den Schulbeginn am Montag?
Frank: Ich freue mich auf Montag und ich hoffe, dass wir das auch gemeinsam – Eltern, Schüler und Lehrer – gut hinbekommen. Viele Menschen haben in den vergangenen 14 Tagen enorm daran gearbeitet, dass es funktioniert. Für viele Schüler, vor allem auch für die Prüflinge, ist es eine Erleichterung, dass sie wieder in den Schulbetrieb einsteigen dürfen, dass sie uns noch einmal persönlich sehen und dass wir sie vorbereiten können. Es sind trotzdem gemischte Gefühle. Wir können uns sorgsam vorbereiten. Aber wie nun letztendlich das Ganze funktioniert, wie verantwortungsvoll Schüler oder auch Eltern damit umgehen, wie es im Alltag klappt, ob das alles in der Praxis so umsetzbar ist, das wird sich am Montag zeigen. Aber ich bin zuversichtlich. Ich weiß von vielen Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich darauf freuen, die Schülerinnen und Schüler wieder zu sehen. Auch aus Videokonferenzen und aus dem Online-Präsenzunterricht weiß ich, dass sich einige Schüler darauf freuen, auch viele, die die gesagt hätten, dass sie die Schule vermissen würden, sehnen sich jetzt diesem Tag entgegen.
Dadurch dass wir erst vor kurzem eine Generalsanierung hatten, sind wir auch räumlich sehr gut ausgestattet. Dadurch können wir diese Hygienemaßnahmen und Abstände auch gut umsetzen.
Ein Drittel der Lehrer gehört der Risikogruppe an und ist daher nicht für den Präsenzunterricht verfügbar
GSCHWÄTZ: Wie sehen denn ältere Kollegen dem Schulbeginn entgegen?
Frank: Im Rahmen der Fürsorge hat das Land erstmal die Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, freigestellt von der Präsenzarbeit. Das heißt, wir setzen alle Lehrer, die gerade nicht Präsenzunterricht leisten können, ein bei Online-Lernangeboten oder bei Arbeiten ohne direktem Schülerkontakt. Ein Drittel der Kollegen ist daher nicht für den Präsenzunterricht verfügbar. Bei den höheren Klassenstufen ist es das etwas schwerer, weil man hier Kollegen braucht, die erfahren sind, die diese Prüfungsvorbereitung schon einmal gemacht haben, die die Jungs und Mädels noch einmal gezielt unterstützen können, damit diese sicher in die Prüfungen gehen können.
Da war es auch nicht ganz einfach, umzustrukturieren. Wir haben jetzt Klassengruppen, bei denen ein Kollege von zu Hause den Unterricht vorbereitet und die Lehrkraft, die sich hier vor Ort befindet, mit Aufgaben versorgt. Bei den Lehrern gibt es hier gemischte Gefühle: Einzelne Kollegen fragen sich: „Bekommen wir das hin?“ – „Können wir das leisten?“ – „Halten sich die Kollegen und die Schüler an die Vorgaben?“ – „Können wir die Situation gemeinsam bewältigen?“ Das wird sich am Montag zeigen. Wir haben viel dafür getan, dass wir am Montag sicher und verlässlich einsteigen können.
GSCHWÄTZ: Wie wird die Umsetzung bei den ganz jungen, den Erst- und Zweitklässlern, sein?
Frank: Ich glaube, dass wir in der gegenwärtigen Situation auch lernen, wie wir mit den Bedingungen umgehen. Wir fangen mit den älteren Schülern an, schaffen Strukturen und schauen, wie wir in dieser dynamischen Lage auch dynamisch die Situation anpassen können. Ich gehe davon aus, dass wir mit kleineren Gruppen, mit einer angepassten räumlichen Struktur, mit unterschiedlichen Lern- oder methodischen Formen auch Grundschüler beschulen können. Allerdings sieht der Plan vor, dass zunächst mit den Viertklässlern angefangen wird. [Wann das sein wird, steht derzeit noch nicht fest], weil die Viertklässler im Übergang zur weiterführenden Schule stehen. Da ist es ähnlich wichtig wie bei Neunt- und Zehntklässlern. Dann denke ich, dass es unter Umständen möglich sein wird, bis zu den Sommerferien oder vielleicht auch später, die Grundschüler wieder sukzessive in die Schule zu bringen. Das halte ich auch für wichtig.
„Zu einzelnen wenigen Schülern haben wir auch den Kontakt am Anfang verloren“
GSCHWÄTZ: Manche Familien haben wegen der Infektionsgefahr Angst, ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Frank: Da hat das Land weise entschieden. Schüler mit Vorerkrankungen oder Schüler, die in einem Haushalt mit Risikogruppen leben, können mit ihren Eltern entscheiden, ob sie am Unterricht teilnehmen oder nicht. Wir haben aber auch viele Schüler, wo sich die Eltern wegen ihren beruflichen Verpflichtungen oder aus anderen Gründen nicht in dem Umfang um die Schüler kümmern können, wie vielleicht jemand, der von zu Hause arbeiten kann und im home office tätig ist. Zu einzelnen wenigen Schülern haben wir auch tatsächlich den Kontakt am Anfang verloren. Da sind wir froh, dass wir die Schulsozialarbeit haben, die schaut gezielt nach solchen Schülern und wird dementsprechende Betreuungsangebote aufbauen. Wir müssen schauen, dass wir die Schere, die sich da auftut, ein bisschen kompensieren können. Und dass wir Schüler, die vielleicht ein wenig abgehängt wurden durch dieses Fernlernen, wieder mit hineinbringen und den Kontakt wieder bekommen. Unsere Lehrkräfte schauen aber generell darauf, dass sie wöchentlich Kontakt mit ihren Schülern haben, entweder über unsere Online-Lernplattform oder telefonisch und versorgen sie mit Aufgaben. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Bedingungen: Die Bandbreite, die Internetanschlüsse, die Endgeräte, der Zugang zu Endgeräten gestaltet sich äußerst unterschiedlich.
Herr Frank, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Florian Frank, Rektor der Georg-Wagner-Realschule in Künzelsau. Quelle: Screenshot aus dem Video

Georg-Wagner-Realschule. Quelle: Screenshot aus dem Video

Hygieneregeln an der Grund- und Realschule in Künzelsau. Quelle: Screenshot aus dem Video




„Meinem Chef ist es völlig wurscht, ob ich eine homeschooling-Schule betreibe“ – Fünf Mamis berichten über ihren Arbeits- und Lernalltag zu Hause

Tanja ist Sozialarbeiterin, doch derzeit kommt sie sich manchmal vor, wie wenn sie selbst soziale Betreuung bräuchte. Die zweifache Mutter betreut nun schon seit über einem Monat ihre beiden Kinder zu Hause und versucht nebenher von zu Hause aus, so gut es geht, ihre Arbeit zu machen. Während sie mit dem Jugendamt von zu Hause aus Telefonate über soziale Härtefälle führt, arbeitet sie auch selbst am Limit: „“Home office mit Kindern ist wie Zähne putzen mit Nutella“, resümiert sie.

Beschäftigungstherapie für Mamis

Julia ist zwar nicht berufstätig, aber die gelernte Buchhalterin und Mutter von drei Kindern ist ebenfalls am Ende ihrer Kräfte. Vor kurzem hat sie ihrem Mann nachts um 01.30 Uhr eine Sprachnachricht über WhatsApp hinterlassen. Ein Satz daraus lautete: „Ich bin durch. Jetzt bist du dran.“ Zuvor saß die gelernte Buchhalterin über fünf Stunden am Korrigieren der Arbeitsblätter ihrer Kinder. „Ich will es halt gut und ordentlich machen, damit meine Kinder jetzt den Anschluss nicht verpassen.“ Was die 39-Jährige nicht versteht: Warum konzentriert man sich nicht auf das Wesentliche beim homeschooling? Mathe, Deutsch, Englisch. Stattdessen erhalten ihre Grundschulkinder Aufgaben in Kunst, Musik und Religion. Unter anderem haben sie zu Hause nun Blumen in Kunst gebastelt und in youtube Videos über Moses angeschaut. Das Problem: Eigentlich ist ihr Familientablet zeitbeschränkt, so dass die Kinder nur maximal eine halbe Stunde pro Tag damit spielen und im Internet surfen dürfen. Auch bei youtube können sie eigentlich nur youtube-kids-Videos wegen der Kindersicherung anschauen. Die vorgegebenen Videos von der Schule werden aber dadurch oft gar nicht abgespielt. Auch die Zeit, um die Aufgaben zu bewältigen, schaffen die Kinder nicht in 30 Minuten. Daher wurde das Tablett nun komplett entsperrt und alle Zugänge offen gelegt – genau das Gegenteil, was jahrelang von Bildungsministerien gepredigt wurde. „Eigentlich sitzt das Kind jetzt mehr vor dem Tablet als jemals zuvor“, sagt  Julia. Und wäre froh, wenn sie noch irgendwann am Tag Zeit finden würde, um mit ihren Kindern draussen zu spielen.

Musik: Wieviel Schläge hat nochmal eine Viertelnote?

Stattdessen sitzt sie mit ihrem Ältesten vor einem Bild eines Pharaos, das er hat malen müssen, um darunter mit Backpapier den Namen ihres Junged in Hieroglyphen durchzupausen – eine schulische Aufgabenstellung, die mehr zur Beschäftigungstherapie für die Mütter neigt als zu allem anderen, wie sie es selbst formuliert. Oder sie muss ihrem Sonn in Musik erklären, wieviel Schläge eine Viertelnote hat. Dazu kommen Sachkunde- und Buchpräsentationen, die vorbereitet werden sollen.

„Eigentlich sitzt das Kind jetzt mehr vor dem Tablet als jemals zuvor“

Jasmin, 36, arbeitet eigentlich Vollzeit. Das tut sie immernoch – nur von zu Hause, während sie ihre zehnjährige Tochter bei den Aufgaben der fünften Klasse in einem Gymnasium betreut. „Meinem Chef ist es völlig wurscht, ob ich nebenbei eine homeschooling-Schule betreibe, solange ich meinen 40-Stunden-Job erledige.“ Auch sie findet: „Können wir uns nicht einfach auf die Kernfächer konzentrieren?“ Stattdessen gelte es beispielsweise, das Alte und Neue Testament zu memorieren. Ihr Kind habe derzeit rund zehn Fächer abzuarbeiten, dazu gibt es jeweils eine digitale Gruppe. „Wenn man sein Handy anmacht, erwarten einen manchmal über 100 Nachrichten.“ Kürzlich habe sie die erste Videokonferenz verpasst, weil diese in irgendeinem der unzähligen Chatverläufe angekündigt gewesen sei.

„Wir haben gar keinen Internetanschluss“

„Wir haben gar keinen Internetanschluss“, berichtet Simone. Es gäbe zwar Internet, nur eben nicht für alle. Sie teile sich daher den Anschluss mit den Nachbarn. So reiche der Zugang genau zu Simones Schreibtisch. Der älteste Sohn könne dann arbeiten, die anderen aber hätten das Nachsehen. schließlich könne man nicht für jedes Kind einen separaten digitalen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen – geschweige denn, dass die Internetleitung ohnehin sehr schwach sei. Um von der Schule vorgegebene Youtube-Videos anzuschauen, gehe sie mit ihrer Tochter vor die Haustüre, weil da die Videos besser liefen. Manche Eltern setzten sich für Videokonferenzen an ihrer Schule ein, aber der schulleiter habe abgelehnt und auf die Bildungsgerechtigkeit hingewiesen. Sprich: Solange nicht jeder gleichermaßen digital versorgt sei, wären Videokonferenzen und dergleichen schlicht ungerecht denjenigen gegenüber, die das Angebot nicht nutzen könnten. Wie gut die Aufgaben zu Hause erledigt werden, sei bei ihnen zu Hause stark altersabhängig, berichtet die dreifache Mutter. Während der älteste Sohn mit seinen 15 Jahren durch Videokonferenzen sehr gut und selbstständig alles erledige, müsse sie bei dem mittleren (12) alles nochmal kontrollieren, „sonst wird die Hälfte vergessen“. Sonja arbeitet Teilzeit in einem Büro. „Wenn ich arbeite, mich ich nacharbeiten, wenn ich nach Hause komme.“ Das heißt: Sie prüft alles nach und kontrolliert, was und wie die Kinder die Aufgaben bewältigt haben -auch wenn ihr Mann zu Hause ist. Denn die Männer fänden sich oft noch schlechter im homeschooling-Dschungel zurecht, weil auch bei den normalen Hausaufgaben vor Corona oft die Mamis die Ansprechpartner und Begleiter gewesen seien.

„Mama, wie soll ich das schaffen?“

Zu Beginn der Homeschooling-Zeit habe der Mathelehrer ihres Sohnes gesagt, dass es nach den Osterferien nahtlos mit dem Unterricht weitergehen werde, als er den Aufgabenstapel verteilt habe. Daraufhin habe ihr Junge geweint und gefragt: „Mama, wie soll ichd das schaffen?“

Teilweise fünf Tage, bis Lehrer antworten

Die ungenügende Technik ist ein weiteres Problem. Während Sonja nicht immer auf den Schulserver zugreifen kann, weil er manchmal wegen Überlastung streikt, bekam Corinna bis vor kurzem noch von den einzelnen Gymnasiallehrern ihres Sohnes separate E-Mails für jedes Fach ihres Sohnes, mittlerweile wurde ein Online-Portal eingerichtet. In der Grundschule muss die berufstätige Mutter die Aufgabenblätter wiederum direkt in der Schule abholen – für ihr mittleres Kind. Einmal wöchentlich haben die Mamis am Gymnasium die Gelegenheit, mit den Lehrern zu chatten, also zu schreiben, Videokonferenzen gäbe es nicht, berichtet sie. An der Grundschule sei ihnen gesagt worden, sie können sich jederzeit bei Fragen melden, aber Corinna wartet, wenn sie mal eine Frage habe, teilweise fünf Tage, bis eine Antwort komme. Zum Teil bekomme sie nur einen Link als Antwort nach dem Motto: „Hier, könnt ihr nachlesen.“

Symbolfoto homeschooling meets home office. Quelle: adobe stock

 

 

 

 




Lieber Lehrer Flad, mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter

+ + + Öffentliche Stellungnahme + + +
Lieber Lehrer Flad,
 
Sie haben meinen Video-Kommentar vom 19. April 2020 zum „Coronaschulwahnsinn“ https://www.youtube.com/watch?v=Qj2xYDJ3es8 auf unserer Facebookseite GSCHWÄTZ mehrfach öffentlich kommentiert und kritisiert. Ich wende mich daher heute auch öffentlich an Sie, weil Ihre kritischen Kommentare leider am Inhalt vorbeigehen und ich sie von einem Lehrer in Künzelsau, wie Sie es sind, in der Argumentation enttäuschend schwach fand.
 
Mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter
 
Mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter, Herr Flad. Aber schauen wir uns doch einfach noch einmal einige Ihrer Kommentare der Reihe nach an:
 
Kommentar Philipp Flad: „Ich hätte es [Printausgabe von GSCHWÄTZ] eh nicht genommen, wegen der Druckerschwärze am Popo, haha.“ Da hätte ich Ihnen sicherlich keine gute Note im Ausdruck gegeben. Inhaltlich, das versteht sich von selbst, geht dieser Kommentar leider nicht auf die Probleme des homeschooling ein, die es aufwirft. Schade, Chance vertan.
 
Chance vertan
 
Bezüglich Kommentar 2 von Ihnen, Herr Flad: Überlegen wir mal, was ich in meinem Video-Kommentar vom 19. April 2020 zum Thema „Coronaschulwahnsinn“ gesagt habe: Man sollte die nächsten Wochen einen Gang runterschalten beim homeschooling. Sie antworten wortwörtlich: „Als Gymnasiallehrer der ab morgen wieder 10 Stunden am Tag am Schreibtisch sitzen wird um Unterrichtsmaterial Schüler- und elterngerecht aufzubereiten und von 8-17h online in Videokonferenzen zur Verfügung stehen.“ Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Das merken Sie selbst, oder? Ich habe gesagt, wir müssten homeschooling etwas entspannter angehen. Das würde ja nicht nur die Eltern, sondern auch engagierte Lehrer entlasten. Stattdessen gehen Sie als Antwort darauf in eine ungefragte Rechtfertigungshaltung. Ich bin in meinem Kommentar auf die Situation der Eltern eingegangen und habe schließlich nicht gesagt, dass Lehrer gar nichts vorbereiten würden. Aber es findet de facto kein Präsenzunterricht statt. Also schon wieder: leider völlig am Thema vorbei argumentiert.
 
Automatischer Rechtfertigungsmechanismus
 
Sie schreiben: „Sie stehen zur Verfügung in Videokonferenzen“? Was meinen Sie konkret mit dieser Aussage? Bei Bedarf der Eltern? Nach Terminvereinbarung? Ganz zu schweigen davon, dass viele Schulen gar keine Videokonferenzen machen – und auch keine Tabletts oder Lap Tops an ihre Schüler verteilen. Hier gibt es große Unterschiede. Auch hier muss man der Realität der begrenzten technisch-digitalen Möglichkeiten auf dem Land realistisch in die Augen schauen. Wäre es nicht auch sinnvoller, an einem einheitlichen digitalen Unterricht zu arbeiten und nicht nur „zur Verfügung zu stehen“ für den einzelnen Bedarf? Hierzu müsste man aber wie gesagt, zunächst dafür sorgen, dass jeder eine ausreichend schnelle Datenleitung dafür hat – und auch die erforderliche (Anzahl an) Hard- und Software zu Hause.
In Bayern gehen Schulen hier mustergültig mit Tablets für die Schüler zwecks homeschooling und digitalem Unterricht voran. Das kann natürlich kein Lehrer für sich entscheiden, aber man kann sich dafür einsetzen und offen ansprechen, damit auch die Schüler im Hohenlohekreis hier flächendeckend gleichermaßen gut versorgt sind. Und: Es gibt extreme Unterschiede, wie Schulen und Lehrer Stoffe vermitteln, wie präsent sie sind und wie empathisch. Denn derzeit möchten viele Eltern schlicht nur eines von ihren Lehrern: Verständnis – Verständnis, wenn nicht alle Aufgaben bewältigt werden können. Lehrer, die den Druck aus dieser für alle einmaligen schwierigen Situation herausnehmen, anstatt ihn noch weiter aufzubauen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 Bayrische Schulen machen es vor: Tablets für Kinder fürs homeschooling
 
Der beste Kommentar von Ihnen, Herr Flad, ist aber dieser: „Und jetzt werden Sie doch auch mal konkret: Welche neuen! Lerninhalte haben Sie [Dr. Sandra Hartmann] oder ihre Follower ihren Kindern schon vermitteln müssen. Wie sind sie didaktisch und methodisch dabei vorgegangen? Das würde mich brennend interessieren. Vielleicht lerne ich ja noch was von Ihnen.“
Dieser Kommentar von Ihnen suggeriert zum einen, dass Eltern in diesen Wochen des homeschooling ihren Kindern keine neuen Lernhinhalte beibringen müssen. Das ist nicht korrekt. So lernen beispielsweise Grundschüler in diesen Wochen des homeschooling unter anderem neue Buchstaben und die korrekte Schreibweise von ihren Eltern. Von Fremdsprachen in den höheren Klassen ganz zu schweigen. Zum anderen suggeriert Ihr Kommentar, dass Eltern oft nur didaktisch und methodisch falsch an die Sache herangehen. Sie, Herr Flad, werten mit dieser Aussage ihren eigenen Beruf ab. Nicht ohne Grund gibt es doch ein Lehramtsstudium, in dem Sie gelernt haben, wie man didaktisch und methodisch vorgeht. Wie sollen das Eltern – gelernte Krankenschwestern, Supermarktmitarbeiter, Bürokauffleute – mal kurz nebenbei lernen? Geschweige denn, dass es auch für Sie sicherlich nicht einfäch wäre, mal kurz über Wochen einen anderen Beruf wie etwa Krankenschwester auf der Intensivstation ungelernt auszuüben – und parallel homeschooling zu betreiben.
Von der Realität vieler Eltern weit entfernt
 
Man merkt: Sie sind weit von der Realität vieler Eltern entfernt. Natürlich antworten diverse Eltern, wenn sie gefragt werden, wie es zu Hause läuft: Super läuft‘s. Denn fast niemand möchte sich die Blöße geben, zu sagen: Das funktioniert so nicht.
 
Sie gehen leider in keinster Weise auf die Hauptargumentation in meinem Kommentar ein, wie es berufstätige Eltern schaffen sollen, neben ihrem normalen (nicht selten nicht zu Hause umsetzbaren) Beruf parallel homeschooling mit mehreren Kindern zu betreiben. Sie vergessen, dass es Familien mit mehreren Kindern gibt und dass teilweise auch Grundschüler nicht nur Mathe und Deutsch als Aufgaben zu Hause abarbeiten müssen, sondern auch in den Nebenfächern. Das macht dann pro Kind im Durchschnitt acht Fächer. Wenn man vier Kinder hat, sind das Aufgaben für 32 Fächer pro Woche. Wann soll eine Mutter, die etwa morgens fünf Stunden an der Kasse im Supermarkt arbeitet, einkauft, nach Hause kommt, kocht, den Haushalt macht, noch die Zeit finden, diese Aufgaben mit ihren Kindern durchzugehen, die ja leider nicht alle 16 Jahre alt sind und mustergültig vormittags alles schon ganz alleine oder mit Papa zu Hause bewältigt haben? Aber vielleicht hat man auch als Eltern das Glück, dass zwei der vier Kinder noch in die Kita gehen und zu Hause „nur bespaßt“ werden wollen – ganz ohne offizielle Aufgaben.
 
Gehen wir doch einfach alle mal ein bisschen runter vom Gas
 
Wie ist das zu schaffen? Sie machen sich nicht mal die Mühe, darauf einzugehen. Anstatt auch Verständnis für die Eltern zu zeigen, schlagen Sie nur verbal um sich, weil Sie sich als Lehrer angegriffen fühlen wegen eines Kommentars von uns, der lediglich sagt: Gehen wir doch einfach mal alle ein bisschen runter vom Gas.
 
Bereit für ein Interview?
 
Ich möchte Ihnen die Gelegenheit geben, die Sie einfordern an das GSCHWÄTZ-Team in Ihren Kommentaren. Lassen Sie uns ein Interview führen, in welchem wir über die Arbeit der Lehrer und über die Arbeit der Eltern in den Coronawochen sprechen. Lassen Sie uns für einen Tag den Alltag in diesen Wochen tauschen und vielleicht gewinnen wir dann beide neue Erkenntnisse.
 
Ich warte auf Ihren Terminvorschlag an: info@gschwaetz.de
Sonnige Grüße
Dr. Sandra Hartmann

Auszug aus den Kommentaren von Philipp Flad auf unserer öffentlichen Facebookseite GSCHWÄTZ zum Thema Coronaschulwahnsinn. Screenshot

Auszug aus den Kommentaren von Philipp Flad auf unserer öffentlichen Facebookseite GSCHWÄTZ zum Thema Coronaschulwahnsinn. Screenshot

So einfach ist homeschooling, oder? Symbolfoto homeschooling. Foto: adobe stock