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Abschlussklassen der Gymnasien in Künzelsau und Öhringen weiterhin im Fernunterricht

Die Planungen des Kultusministeriums sahen vor, dass ab Montag, den 22. Februar 2021 wieder  Präsenzunterricht in den Abschlussklassen der weiterführenden Schulen stattfinden sollte.

Präsenzunterricht der Abschlussklassen ab 01. März 2021 geplant

Im Hohenlohekreis wird das nicht der Fall sein: Wie Johannes Smolka, Rektor des Schlossgymnasiums, den Schülern mitteilt, bleiben die Abschlussklassen am Schlossgymnasium, dem Ganerben-Gymnasium und dem Hohenlohe-Gymnasium in Öhringen eine weitere Woche im Fernunterricht. Ein Präsenzunterricht mit angepasstem Stundenplan für Kursstufen 1 und 2 ist jetzt ab dem 01. März 2021 geplant.

Entscheidung nach Beratung durch das Gesundheitsamt

Die immer noch hohen Fallzahlen im Hohenlohekreis und die Verbreitung der „britischen Mutante“ B.1.1.7 lassen einen sicheren Unterricht noch nicht zu: „Nach intensiver Beratung durch das Gesundheitsamt hat die Schulleitung entschieden, die Schule noch für die kommende Woche GESCHLOSSEN zu halten“, schreibt Smolka in einer Information.

Text: Matthias Lauterer

 




„Alleine zu Wahlkreisangelegenheiten habe ich seit Beginn der Legislaturperiode 52 Kleine Anfragen und Anträge eingereicht, während es bei Herrn von Eyb gerade mal eine einzige derartige Initiative war“

Nach den Klimademos in Künzelsau stellte Anton Baron eine kleine Anfrage an des Stuttgarter Regierungspräsidium, genauer an das Kultusministerium inwieweit hier seitens des Schlossgymnasiums Künzelsau eine unrechtmäßige politische Beeinflussung von Schülern vorliege. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann sah in den Klimademos wichtige gesellschaftliche Themen. Daher läge auch keine unrechtmäßige politische Beeinflussung vor. Der CDU-Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb stellte sich daraufhin in einer Pressemitteilung schützend vor die Schule und lobte deren Engagement (wir berichteten).

„Man kann natürlich alle Probleme schönreden“

Nun geht die Diskussion in die nächste Runde. Der hohenlohische AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron reagiert auf die Kritik seines CDU-Wahlkreiskollegen Arnulf von Eyb mit Unverständnis. In einer Pressemitteilung heißt es: „Man kann natürlich alle Probleme schönreden, aber ich bin der Meinung, dass man als Politiker Missstände ansprechen muss. Und wenn Schüler politisch einseitig indoktriniert werden, erfüllt mich das als Demokrat in der Tat mit Besorgnis. Nichts anderes geschieht, wenn ein Projekttag mit einer Demonstration beendet wird. Ich schlage Schülern, Lehrern und Eltern mit meiner Kritik keineswegs ins Gesicht, wie der Kollege von Eyb behauptet. Vielmehr stelle ich mich damit schützend vor diejenigen, die sich von diesen Eingriffen in die politische Neutralität an Schulen diskriminiert fühlen und mich um Unterstützung gebeten haben.“ Weiter spricht Baron einen Punkt an, der sich nicht um die Klimademos dreht: „Alleine zu Wahlkreisangelegenheiten habe ich seit Beginn der Legislaturperiode 52 Kleine Anfragen und Anträge eingereicht, während es bei Herrn von Eyb gerade mal eine einzige derartige Initiative war“, betont der Abgeordnete Baron.

Wir haben das Regierungspräsidium gefragt, ob dieser Sachverhalt korrekt ist. Eine Antwort hierzu steht noch aus.

Arnulf von Eyb (CDU) bei den Kommunalwahlen im Landratsamt. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Anton Baron (vorne) in einer Kreistagssitzung. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Anton Baron (AfD) kritisiert: Künzelsauer Schlossgymnasium hat sich mit fff-Demos ganz offiziell politisch positioniert

Der Hohenloher AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron wollte vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg unter anderem wissen, wie oft Fridays-for-future-Klimademos im Hohenlohekreis während der Schulzeit stattgefunden haben und ob Lehrer/Schulen hier Schüler politisch gelenkt haben könnten.

Baron: „Totalitäre Tendenzen an Hohenloher Schulen“

Das Ministerium verweist in seiner Antwort auf acht Demonstrationen in der Zeit von 15. März bis 29. November 2019, sechs davon waren in Künzelsau zwei in Öhringen. Die Klimademos wurden veranstaltet von „Fridays for future“ (fff) und „Parents4future“ und begannen frühestens um 12 Uhr. Detailiertere Namen der Veranstalter gehen aus der Antwort des Ministeriums nicht hervor. Bezüglich einer Veranstaltung am 19. Juli 2019 am Schlossgymnasium Künzelsau heißt es von Seiten des Ministeriums, dass diese Veranstaltung laut „Auskunft der zuständigen oberen Schulaufsichtsbehörde die zusammenfassende Abschlussveranstaltung eines schulischen Projekttages zum Thema „Klima“mit diversen Podiums-Redebeiträgen, insbesondere von Wissenschaftlern sowie zwei
Lehrkräften des Schlossgymnasiums, die am Projekt mitgewirkt haben, war. Für Baron ist das ein No-Go, da er in der Veranstaltung eine verkappte (politische) Demo sieht: „Der größte Skandal ist jedoch die Tatsache, dass ein ‚Klima‘-Projekttag des Künzelsauer Schlossgymnasiums mit einer Demonstration beendet wurde. Auch wenn eine Teilnahme an der Kundgebung für die Schüler nicht offiziell verpflichtend war, hat sich damit eine Schule ganz offiziell politisch positioniert. Schüler und Lehrer, die die ‚Klimaschutzpolitik‘ der Bundes- und Landesregierung als überzogen ansehen, wurden dadurch in eine Ecke gestellt. Dass solche totalitären Tendenzen an Hohenloher Schulen Einzug erhalten, verurteile ich als Demokrat ausdrücklich“, empört sich der Landtagsabgeordnete Anton Baron und fordert, „die poltische Beinflussung an Künzelsauer Schule zu beenden“.

Schulaufsichtsbehörde hat das Vorkomnis mit der Schulleitung besprochen

Das Ministerium sieht darin grundsätzlich keinen Verstoß der Schule, allerdings bemängelt sie, dass Das Infoblatt zu der Kundgebung mit dem Kopfbogen der Schule war nicht mit der Schulleitung abgestimmt gewesen sei. Zudem sei die „Veranstaltung von Seiten der Schule weder als „Fridays for Future“-Demonstration gedacht noch sollte sie Werbung für Greta Thunbergs Kampagne sein“. Die obere Schulaufsichtsbehörde hat das Vorkommnis mit der Schulleitung mittlerweile besprochen, so das Ministerium.

Auf Barons frage, ob Lehrer als Organisatoren dieser Demonstrationen tätig gewesen seien, verweist das Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann darauf, dass bei „der Anmeldung einer Versammlung die Anmelderin bzw. der Anmelder nicht verpflichtet ist,
Angaben zum Beruf zu machen. Diese Frage kann daher nicht abschließend beantwortet werden. In Bezug auf die in der Beantwortung von Frage 1 tabellarisch aufgeführten Versammlungen ist nach Mitteilung des Innenministeriums lediglich bekannt,
dass in mindestens zwei Fällen die Organisatorin bzw. der Organisator von Beruf Lehrerin beziehunsgweise Lehrer ist.“

Inwieweit liegt hier eine politische Einflussnahme von Lehrern vor?

Baron fragt weiterhin, ob „ein Anwerben von Schülern durch ihre Lehrer für politische Demonstrationen gegen den Beutelsbacher Konsens oder im Falle verbeamteter Lehrer sogar gegen das Mäßigungsgebot, zumal sich die Schüler, darunter auch viele Minderjährige, unter Druck gesetzt fühlen könnten? Der sogenannte Beutelsbacher Konsens beinhalte unter anderem das Verbot, so das Ministerium in seiner Antwort, „Schülerinnen und Schüler im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und letztlich zu indoktrinieren. Lehrkräfte, die im Unterricht Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme an bestimmten politischen Demonstrationen „anwerben“, also bei diesen denEntschluss für die Teilnahme an der Demonstration erst hervorrufen und undifferenziert
deren Teilnahme verlangen, verstoßen gegen den Beutelsbacher Konsens.Beamtinnen und Beamte haben bei politischer Betätigung diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu wahren, die sich aus ihrer Stellung gegenüber der Allgemeinheit und aus der Rücksicht auf die Pflichten ihres Amtes ergibt (vgl. § 33 Beamtenstatusgesetz). Zudem dürfen Lehrkräfte an öffentlichen Schulen in der Schule keine politischen, religiösen, weltanschaulichen oder ähnliche äußeren Bekundungen abgeben, die geeignetsind, die Neutralität des Landes gegenüber Schülern und Eltern oder den politischen, religiösen oder weltanschaulichen Schulfrieden zu gefährden oder zu stören (vgl. § 38 Schulgesetz für Baden-Württemberg [SchG]).“

Kultusministerin Eisenmann: „Umwelt und Klimawandel sind zentrale gesellschaftliche Themen“

Eisenmann betont aber auch, dass „insbesondere die Themen Umwelt und Klimawandel zentrale Themen der heutigen Gesellschaft sind, die im Unterricht behandelt werden müssen“. Der Hinweis, dass Klassenarbeiten nicht unbedingt auf den Freitag gelegt werden müssen, diente in der Zeit der Freitagsdemonstrationen als Beispiel für eine Möglichkeit, wie eine Konfliktverschärfung zwischen Schule und demonstrierenden Schülerinnen und Schülern vermieden werden konnte.“ Für Eisenmann ein akzeptables Zugeständnis an die Demonstranten. Für Baron  Die CDU-Kultusministerin Eisenmann hält solche Aussagen nun für akzeptabel und macht damit noch einmal klar, dass ihre Partei für Konservative unwählbar geworden ist.

Anton Baron. Foto: Landtagsbüro Anton Baron

Dr. Susanne Eisenmann, Kultusministerin in Baden-Württemberg

Dr. Susanne Eisenmann, Kultusministerin in Baden-Württemberg (2017). Screenshot: Kultusministerium Baden-Württemberg

Schlossygmnasium in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ




Corona: Auch am Schlossgymnasium heute kein Unterricht wegen Verdachtsfall

Aufgrund eines weiteren Verdachtsfalles am Schlossgynmasium Künzelsau findet dort – vorsorglich – am Freitag, den 13. März 202, kein Unterricht statt. Geschwister der Schüler können weiter in den Kindergarten oder in nicht geschlossene Schulen gehen, so Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann in einer Pressemitteilung am späten Abend des 12. März 2020.

„Wir können leider immer erst zu später Stunde informieren, da die Testergebnisse / Bewertungen erst abends vorliegen beziehungsweise erfolgen“, erklärt Neumann. „Wir bitten um Verständnis und informieren in den nächsten Tagen über das weitere Vorgehen – immer in Abstimmung mit dem Landrat und dem Gesundheitsamt.“

Kein Unterricht findet am Freitag, den 13. März 2020, zudem am Ganerben-Gymnasium, der Freien Schule Anne-Sophie und der Reinhold-Würth-Grundschule Gaisbach statt – ebenfalls vorsorglich wegen Verdachtsfällen.

 

 




Putzfrau überrascht Einbrecher im Schlossgymnasium

Während eines Einbruchs in die Turnhalle des Schlossgymnasiums in Künzelsau wurde der derzeit noch unbekannte Täter von einer eintreffenden Reinigungskraft gestört und flüchtete. Auf bislang unbekannte Art und Weise verschaffte sich ein circa 55 Jahre alter Mann, circa 160 Zentimeter groß, bekleidet mit schwarz-grauer Wollmütze und einer dunklen Jacke, am Montagabend, den 22. Oktober 2018, gegen 23.15 Uhr, Zutritt zur Turnhalle.

Im Inneren schlug der Mann mit einem mitgebrachten Geißfuß die Scheibe zur Cafeteria ein und betrat diese. Nachdem die Reinigungsdame eintraf flüchtete der Tatverdächtige durch eine Tür nach draußen. Der entstandene Sachschaden wird auf 1.000 Euro geschätzt. Entwendet wurde vermutlich nichts.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Die Schule hat begonnen und im Schlossgymnasium fehlt einer

Das feuerrote Schloss ist das Markenzeichen der Kreisstadt Künzelsau – wobei es den Einwohnern selbst gar nicht mehr richtig aufzufallen scheint. Es gehört einfach dazu. Und doch wissen die wenigsten, was sich hinter den roten Mauern so tut. Klar, ein Gymnasium befindet sich darin, indem Einheimische und Schüler von auswärts unterrichtet werden. Aber mehr wissen die wenigsten. Wir haben uns hinter die Schlossmauern gewagt – und eines der letzten Interviews mit Schulleiter Dieter Hummel geführt, der seit dem ersten August 2018 im Ruhestand ist.

„Die Schule ist sehr persönlich“

„Ich bin an diese Schule gekommen, weil ich an der Schule in Bayern ziemlich Probleme hatte. Ich war nicht so gut, hatte Leistungsprobleme“, berichtet Schüler Marc. Nun ist er am Schlossgymnasium in Künzelsau, kurz, Semi genannt. Er ist Internatsschüler. Das heißt, er schläft unter der Woche auch hier. Sein Vater war ebenso Internatsschüler – nicht in Baden-Württemberg, sondern in Bayern. Aber im Internet hat sich Marc schlau über das Semi gemacht und Gefallen an der Schule auf dem Land gefunden. „Vor allem das Sportliche hat mich interessiert“, erinnert er sich. Dann sei er zunächst für ein Probehalbjahr gekommen. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich hier geblieben bin.“ Was Marc besonders gut gefällt? „Die Schule ist sehr persönlich, das spiegelt sich auch im Unterricht wieder.“ Die Schule ist kleiner, jeder kennt sich untereinander und auch mit den Lehrern hat man privat mehr zu tun.“

Marc ist wegen mäßiger schulischer Leistungen von Bayern nach Baden-Württemberg gezogen. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Internatsschülerin Fanny hat sich hier eingelebt. „Die Schule und Klasse finde ich sehr gut“, sagt sie in unserem GSCHWÄTZ-Interview. Die Klassengemeinschaft sei super und alle seien sehr hilfsbereit, lobt Fanny: „Es sind alle sehr nett.“ Seit einem Jahr ist Fanny auf der Schule. Das sportlich ausgerichtete Gymnasium sei optimal für sie gewesen, da sie seit fünf Jahren fechtet: „Hier in Künzelsau ist ein sehr guter Fechtverein und da bin ich hingewechselt.“

Fanny ist wegen dem guten Fechtclub in Gaisbach nach Künzelsau gezogen. Foto: GSCHWÄTZ

„Das Besondere an unserer Schule ist, dass wir für Schüler ganz unterschiedlicher Schularten Chancen bieten. Schüler aus verschiedensten Schulen können zu uns kommen – aus der Realschule, aus der Gemeinschaftsschule, sogar von der Hauptschule und anderen Schularten“, sagt Dieter Hummel, der die Schule die vergangenen zwölf Jahre geleitet hat und nun, seit dem 01. August 2018, in Ruhestand ist.

Diese Schüler würden alle sehr erfolgreich am Semi das Abitur ablegen, so Hummel. Stolze 80 Prozent der Abiturienten kämen von der Realschule.

Dieter Hummel war bis 31. Juli 2018 Schulleiter des Gymnasisums. Foto: GSCHWÄTZ

Wo hat das Schlossgymnasisum Verbesserungspotenzial? Da muss Schüler Marc erstmal überlegen. „Vielleicht, dass man länger weggehen dürfte oder auch mal mit Freunden ausserorts etwas unternehmen dürfte, das wäre gut. Am Internat würde ich mir manchmal wünschen, dass man mehr Freiheiten hat, da man oft sehr eingeschränkt ist, wenn man manchmal erst später etwas unternehmen will. Aber diverse Einschränkungen kennt man ja auch von zu Hause.“

„Nicht so gut gefällt mir, dass man die Eltern nur am Wochenende sieht“, sagt Fanny. „Aber dafür verbringt man die Zeit dann umso besser miteinander.“ Aber am besten gefalle ihr, dass „hier alle wie Geschwister sind“.

Wie ist das Leben hinter den roten Internetsmauern? Foto: GSCHWÄTZ

Zahlen, Daten Fakten

Ab der siebten Klasse können Schüler aus der Hauptschule, Gemeinschaftsschule und anderen Gymnasien auf das Schlossgymnasium nach Künzelsau wechseln. In Stufe elf gibt es eine neue Klasse speziell für Realschüler, die das allgemeinbildende Abitur machen wollen. Das Gymnasium bietet die Profile „Musik“ und „Sport“ an, in welchen sich die Schüler spezialisieren können. Rund ein Viertel, zirka 360 Schüler, leben in dem schuleigenen Internat. Mehr Informationen: http://www. schlossgym.de




Der Druck auf alle steigt

 

// Oberschulamt Künzelsau bestätigt Lehrerengpass an den Schulen im Kocher- und Jagsttal
 
// Stundenausfall, Förderunterricht gestrichen, Krankheit: besonders Grundschulen haben zu kämpfen

Wenn Katrin* von der Grundschule nach Hause kommt, beeilt sich Mama Christina K. mit dem Kochen, damit die Viertklässlerin so früh wie möglich mit ihren Hausaufgaben beginnen kann. In der Regel sind es zwei Blätter in Deutsch und in Mathe. „Aber das ist leider nicht alles“, seufzt die Mutter. Hausaufgaben am Wochenende seien die Regel, Arbeitsblätter für die Ferien ebenso. Thomas M. stimmt zu. Der Vater einer Zweitklässlerin ergänzt: Hinzu kämen jeden Tag Schreibübungen, die die Kinder mit den Eltern gemeinsam erledigen müssten. Lesen üben sei ebenso tägliches Pflichtprogramm, ergänzt Mutter Maren die GSCHWÄTZ-Runde. Wir haben Eltern aus dem Hohenlohekreis gebeten, uns über den Schulalltag ihrer Kinder zu berichten. Alle scheinen sich zu fragen: „Was lernen unsere Kinder überhaupt noch in der Schule?“

 

Ein Lehrer an einer Grundschule im Hohenlohekreis berichtet von der Kehrseite der Medaille: „Ich arbeite mittlerweile manchmal 80 Stunden in der Woche“. Das Problem: „Wir haben eine Unterversorgung an Lehrern besonders in den Grundschulen“, sagt er und vermutet, dass das mit dem niedrigeren Gehalt zusammenhängt, das Grundschullehrer im Vergleich zu anderen Lehrern an weiterführenden Schulen bekommen.

 

Alois Schmitt vom staatlichen Schulamt Künzelsau bestätigt einen Engpass an Lehrern besonders an den Grundschulen. Er führt diesen Engpass zum einen auf die aktuelle Pensionierungswelle zurück. Viele Lehrer sind in den Ruhestand gegangen oder stehen kurz davor. Zum anderen unterrichten an Grundschulen überproportional viele Frauen. Derzeit seien viele von ihnen in Mutterschutz gegangen.

 

Das Schulamt ist nicht nur für den Hohenlohekreis zuständig, sondern auch für den Main-Tauber-Kreis sowie den Haller Kreis. „Wir können Schulen derzeit so versorgen, dass sie arbeitsfähig sind“, mehr aber auch nicht, so der Schulamtsdirektor. Sprich: Zusätzliche Angebote wie Förder- und Schwimmunterricht sowie AGs stehen auf der Kippe, wenn sie nicht bereits gestrichen wurden. Das nächste Problem: Wird ein Lehrer krank, muss der Unterricht des Öfteren ausfallen, weil es oft keine Vertretungslehrer gibt. „Wir haben keine Lehrerreserven mehr,
die wir eigentlich bräuchten, zum Beispiel, wenn ein Kollege krank wird.“

 

Eine für Schmitt akzeptable Notlösung sei hier aber Vertretungsunterricht, indem ein Lehrer zwei Klassen parallel unterrichtet. „Er muss dabei nicht ständig im Zimmer sein“, sagt Schmitt und betont: „Wir haben hier ein Luxusproblem.“ Sprich: Viele würden auf hohem Niveau jammern, weil man in der Vergangenheit sehr hohe Standards gewohnt war. Aber was sei schlimm daran, wenn nun wieder Grundschulklasssen ob des Lehrermangels zusammengelegt werden und statt 15 und 12 Schüler es eine große Klasse mit 27 Schülern gäbe?, fragt er. Das sei früher normal gewesen.

 

Eltern und Lehrer wiederum sehen genau in diesen immer größeren Klassen das Hauptproblem: Individueller Unterricht sei kaum möglich, berichtet eine Lehrerin. Nachdem das Land Mathe- und Deutschstunden gekürzt habe, sei es noch schwieriger, ausreichend Zeit zum Lesen, Rechnen und Schreiben zu finden. In der Regel komme jedes Kind einmal dran mit Lesen in der Deutschstunde. Das führt dazu, dass die Basics in der Schule gelernt werden, das vertiefende wiederholende Lernen, die Schreib- und Rechenübungen hierzu jedoch immer mehr nach Zuhause verlagert werden. Manche Eltern berichten von Hausaufgaben, die sich nicht selten bis in den Abend ziehen.

 

Für viele Eltern eine enorme Belastung, zumal in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten.

 

Aber auch „die Belastung der Lehrkräfte hat zugenommen“, sagt Alois Schmitt. Bei so genannten „verlässlichen Grundschulen“ müssten die Kinder in der eigentlichen Schulstundenzeit trotz Stundenausfall irgendwie betreut werden. Bei den Gemeinschaftsschulen hätten die Lehrer zusätzliche Aufgaben wie Coaching-Gespräche mit ihren Schützlingen zu führen.
Diverse Regelschulen bieten, wie von der Landesregierung Baden-Württemberg forciert, Inklusionsklassen für Kinder mit und ohne Behinderung an (wir berichteten), aber nicht immer
steht hierfür genügend Personal zur Verfügung.

 

Hans-Jürgen Saknus, der stellvertretende SPD-Kreisverbandsvorsitzende des Hohenlohekreises, kritisiert die Sparpolitik der derzeitigen baden-württembergischen Landesregierung. Er wünscht sich nicht nur mehr Lehrer, sondern auch mehr Sozialarbeiter an den Schulen vor Ort – was eigentlich auch einmal angestrebt gewesen sei – sowie eine Entlastung der Schulleiter im Verwaltungsmanagement – in Form von Assistenten. Das sei „aber alles wieder weggestrichen worden“.

Einst Musterländle auch in der Bildungspolitik dümpelt Baden-Württemberg bei diversen Studien – etwa bei der Grundschulvergleichsstudie IGLU oder beim IQB-Bildungstrend 2016 vom Institut zur Qualitätssicherung im Bildungswesen – teils auf den letzten Plätzen herum.

Mitte 2017 stellte Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann ein neues Qualitätskonzept vor, das 2018 an den Schulen umgesetzt werden soll. Die Maßnahmen laut einer Pressemitteilung des Kultusministeriums vom 02. Januar 2018 lauten unter anderem:

// Die Methode „Schreiben nach Gehör“ wird abgeschafft

// Die Grundschulen erhalten durch eine Erhöhung der Stundentafel und die Verschiebung des Fremdsprachenunterrichts mehr Lernzeit in Deutsch und Mathematik

// Das Kultusministerium entwickelt einen Rechtschreibrahmen für die Klassen eins bis 10. Dieser soll im Schuljahr 2018/19 an alle Schulen gehen und verbindliche Vorgaben für den Rechtschreibeunterricht enthalten

// Die Realschulen mit ihrer sehr heterogen zusammengesetzten Schülerschaft bekommen Poolstunden zur intensiveren Förderung leistungsstarker und leistungsschwacher Schüler

// Eine Reform der gymnasialen Oberstufe schafft zusätzliche Möglichkeiten der Profilbildung. Die Schüler sollen Schwerpunkte für vertieftes Wissen setzen können, was der Studierfähigkeit und der beruflichen Orientierung zugute kommt

// Schulleitungen sollen bei Verwaltungsaufgaben entlastet werden

 

Auch die Gemeinschaftsschulen kämen nicht zu kurz. In einer Pressemitteilung vom 14. Juli 2017 heißt es: Die Landesregierung habe für den Ausbau der Ganztagsschule und der Inklusion zusätzliche Stellen geschaffen.

 

Während sich ein Lehrermangel an den Grundschulen breitmacht, haben die Gymnasien einen Bewerberüberschuss. Hinzu kommen steigende Schülerzahlen an den Grundschulen sowie „ein erheblicher Mehrbedarf an Lehrkräften“ durch Zuwanderung und der Herausforderung der Integration“. Dem gestiegenen Bedarf stehe eine geringere Zahl von Neubewerbern gegenüber. Daher können nun auch Gymnasiallehrer an Grundschulen unterrichten. Sie werden jedoch wie ihre Grundschulkollegen bezahlt, betont Schulamtsdirektor Alois Schmitt auf Nachfrage.
Früher sei die Versorgung der Schulen mit Lehrern bei 120 Prozent gelegen, heute bei 100 Prozent, so Schmitt. Unter 100 Prozent werde es schwierig. Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW Baden-Württemberg, forderte die Landesregierung jüngst auf, mehr Geld für Bildung in die Hand zu nehmen.

 

// Angst vor Konsequenzen

Wir haben uns mit Eltern, Lehrern, Schülern und Schulleitern aus dem Hohenlohekreis über die Bildungspolitik im Ländle unterhalten. Allerdings befürchteten viele Eltern bei Nennung ihres Namens Nachteile für ihr Kind. Manche Lehrer und Schulleiter wiederum fürchten bei Nennung ihres Nachnamens ebenfalls mögliche Konsequenzen hinsichtlich ihres Arbeitsplatzes. Daher haben wir manche Personen anonymisiert. Schulen, die uns unter anderem offiziell Auskunft gegeben haben, waren das Schlossgymnasium Künzelsau (Engpass, wenn etwa Kollegen krank werden, in Elternzeit gehen oder Schulungen besuchen), die Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen (allmählich Lehrermangel an der privaten Gemeinschaftsschule) und die Geschwister-Scholl-Schule Forchtenberg (Schulleitung: „kleiner Engpass“).

 

// Wieviel verdienen Lehrer?
Die durchschnittliche Eingangsbesoldung als Grundschullehrer liegt bei 3.533,38 Euro (A12) in Baden-Württemberg. Ein Gymnasiallehrer steigt mit 4.136,91 Euro (A13) ein. Die Besoldungstabelle mit den Gehaltsstufen ist einsehbar auf www. https://lbv.landbw.de

 

// Versäumnisse vor allem bei den Grundschulen
Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann kritisierte in einer Pressemitteilung, dass die Vorgängerregierung es „versäumt“ habe, im Grundschulbereich vorausschauend zu planen und diese Schulen daher derzeit einen verstärkten Lehremangel hätten. Als Grund nannte sie, dass sich die Studienzeit des neuen Grundschullehramts ab dem Wintersemester 2011/12 verlängert und dazu geführt habe, dass im vergangenen Jahr 400 Neubewerber weniger auf den Arbeitsmarkt kamen als üblich. Weitere Gründe für den Engpass seien „die hohe Pensionierungswelle und den daraus resultieren Ersatzbedarf, der ebenfalls bereits vor einigen Jahren geplant hätten werden können und müssen.“

 

Text // Dr. Sandra Hartmann

Fotos // adobe stock