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Öhringer Krankenhaus: Erfolgreiche Zerfizierung zur Schlaganfalleinheit

„Prüfer loben die Versorgung von Schlaganfallpatienten am Krankenhaus Öhringen“, das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der BBT-Gruppe hervor. Die Schlaganfalleinheit am Krankenhausstandort in Öhringen sei nun erfolgreich zertifiziert worden, so die BBT-Gruppe. BBT  (Barmherzige Brüder Trier) ist Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses mit seinen beiden Standorten Künzelsau und Öhringen. Die Schlaganfalleinheit wurde Mitte 2017 von Künzelsau nach Öhringen verlegt, nachdem die Entscheidung des Kreistags für eine Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes gefallen war (wir berichteten, Artikel siehe unten).

2. Dr. Michael Ackermann, Leiter der Stroke Unit im Hohenloher Krankenhaus am Standort Öhringen. Quelle: BBT-Gruppe

Anbei veröffentlichen wir die Pressemitteilung der BBT-Gruppe zu der erfolgreichen Zertifizierung:

„Das Hohenloher Krankenhaus Öhringen ist jetzt für die gute Behandlung und Versorgung von Schlaganfallpatienten als „lokale Stroke Unit“ zertifiziert worden. Damit zeichnet die „Arbeitsgemeinschaft Schlaganfallstationen Baden-Württemberg e.V.“ nach einer intensiven Prüfung Kliniken aus, welche die strengen Qualitätskriterien der Fachgesellschaft erfüllen. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, denn damit wird die hohe Qualität der Schlaganfallbehandlung bei uns in Hohenlohe von den externen Fachprüfern bestätigt“, betont Dr. Michael Ackermann, Leiter der Stroke-Unit und Chefarzt der Inneren Medizin II im Hohenloher Krankenhaus.

“Auf der Stroke-Unit betreuen Ärzte, Therapeuten und speziell geschultes Pflegepersonal Patienten in der Akutphase des Schlaganfalls, letztes Jahr wurden mehr als 300 Schlaganfallpatienten behandelt“, erläutert der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie.

Durchblutungsstörungen im Gehirn sind Auslöser für Schlaganfälle

„Unser Vorteil im Krankenhaus Öhringen sind die kurzen Wege und die gute technische Ausstattung für Diagnostik und Therapie“, unterstreicht Dr. Ackermann. Die Patienten kommen von der Notaufnahme direkt in die angeschlossene Radiologie-Praxis im Haus. Hier sind rund um die Uhr Computertomographien und CT-Angiographien der Hirngefäße möglich, die über die weitere Behandlung entscheiden. Die Patienten werden danach unmittelbar auf die Stroke Unit gebracht. „Bei rund 80 % der Schlaganfälle sind Durchblutungsstörungen im Gehirn der Auslöser. Bei geeigneten Patienten beginnen wir so früh wie möglich mit einer „Lyse-Therapie“, so der Chefarzt. „Dabei werden Blutgerinnsel, die Gefäße im Gehirn verschließen, mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst und das Gehirn wird wieder durchblutet. Denn je schneller die Durchblutung wieder normalisiert ist, desto geringer ist der Schaden.“

Neben der modernen Medizintechnik und der ärztlichen Therapie sei der engagierte Einsatz des therapeutischen Teams entscheidend. „Schlaganfallbehandlung ist immer eine Teamleistung, bei der alle gemeinsam mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz dazu beitragen, die Folgen eines Schlaganfalls wie Lähmungen, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen zu reduzieren oder ganz zu verhindern. Unsere erfahrenen Krankengymnasten, Logopäden und Ergotherapeuten ebenso wie das speziell ausgebildete Pflegepersonal beginnen daher so früh wie möglich mit Rehabilitationsmaßnahmen. Mit gezielten Bewegungsübungen, Sprech- und Gedächtnistraining helfen sie den Patienten, ihre Alltagsfähigkeiten wiederzugewinnen.“ Außerdem informiert der Sozialdienst frühzeitig über die Anschlussheilbehandlung. „Je nach Allgemeinzustand können wir die Patienten direkt von der akutstationären Therapie in unsere Rehaklinik in Öhringen oder eine andere Rehaklinik weiterleiten.“

Das Team der Stroke Unit freut sich über die Zertifizierung (v.l.): Sarah Wanke, Murtez Avdija, Michael Hesswany, Dr. Michael Ackermann, Carolin Feinauer, Dr. Sabine Richter, Ergotherapeutin Patricia Schönwälder, Logopäde Bruce Rintschenk.
Quelle: BBT-Gruppe

Zusammenarbeit zwischen Schwäbisch Hall und Öhringen

Zum Team im Hohenloher Krankenhaus gehört auch die Neurologin Dr. Sabine Richter, die täglich aus dem DIAK in Schwäbisch Hall zur interdisziplinären Visite der neurologischen Patienten nach Öhringen kommt. Beide Krankenhäuser arbeiten bei der Schlaganfallversorgung eng zusammen, eine enge Kooperation besteht auch mit der Neurologie der Universitätsklinik Heidelberg, mit der das Krankenhaus Öhringen telemedizinisch verbunden ist. „Der Vorteil der Schlaganfallversorgung in Öhringen sind die kurzen Absprachewege zwischen den Ärzten, der Pflege und den Therapeuten und das kleine hoch engagierte Team. Man kennt sich und die Patienten werden hier individuell betreut. Gerade die oft älteren multimorbiden Patienten profitieren besonders von dem engen Austausch zwischen Neurologen und Internisten auf der Stroke Unit hier“,  beschreibt Dr. Richter das Besondere am Standort Öhringen.

Dieser positive Gesamteindruck wurde auch von den externen Prüfern im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Schlaganfallstationen Baden-Württemberg e.V.“ bei ihrem Audit in Öhringen bestätigt. Sie lobten in ihrem Abschlussbericht das „motivierte Team“ im Hohenloher Krankenhaus: „Im Bereich der Pflege findet sich eine hohe Anzahl an fachweitergebildeten Mitarbeitern. Die Infrastruktur zeigt sich auf hohem Niveau“, schreiben die beiden Auditoren in ihrem Abschlussbericht. Insgesamt ist „die Schlaganfallversorgung sehr gut organisiert und fachlich kompetent.“

Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall?

„Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall, der sofort behandelt werden muss“, betonen Dr. Ackermann und Dr. Richter. „Mit dem sogenannten FAST-Test lassen sich die meisten Schlaganfälle innerhalb weniger Minuten feststellen.“

FAST steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

Face: Bitten Sie die Person zu lächeln.

Ist das Gesicht einseitig verzogen? Hängt ein Mundwinkel herab? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.

Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.

Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

 

Quelle: Pressemitteilung der BBT-Gruppe vom 05. April 2019

Foto: BBT-Gruppe

 

Wer sind die Barmherzigen Brüder?

„Die BBT-Gruppe ist mit mehr als 80 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, über 11.000 Mitarbeitenden und zirka 900 Auszubildenden einer der großen christlichen Träger von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland“, heißt es auf der Internetseite der BBT-Gruppe.

 

 

 




Tod einer Krankenschwester

An einem Montagabend, den 05. März 2018, zwischen 20 und 20.30 Uhr, läuft eine Krankenschwester mit ihrer Arbeitskollegin und einem Praktikanten nach ihrem Spätdienst zu ihrem Auto, das auf einem Parkplatz auf dem Klinikgelände abgestellt war. Auf einmal kippt sie um, fällt mit dem Gesicht auf den asphaltierten Boden. Während die Kollegin bei ihr bleibt, gibt der Praktikant auf der Intensivstation im Krankenhaus Bescheid. Krankenhausmitarbeiter kommen mit einer Notfallausrüstung für die Erstversorgung auf den Parkplatz, parallel wird ein Notruf abgesetzt. Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes kommt und fährt die Krankenschwester ins Klinikum nach Bad Mergentheim. Alle Reanimationsmaßnahmen scheitern. Die Krankenschwester stirbt im Caritas-Klinikum in Bad Mergentheim. Diagnose: schwerer Herzinfarkt.

Ist Sie das erste Opfer der Krankenhaus-Sparpolitik?

Bürger rätseln seitdem, warum die Krankenschwester nicht gleich im Krankenhaus in Künzelsau behandelt wurde, anstatt wertvolle Zeit mit einem Abtransport nach Bad Mergentheim zu verlieren.

Der Standort Künzelsau sollte im Zuge des Neubaus des Ärztehauses und der Sanierung und Renovierung der Kranknenhausräume vor rund acht Jahren schließlich zum „Leuchtturm“ für kardiologische, sprich Herz-Erkankungen werden. Die teuren Geräte dazu, wie Kardio-MRT und Herzkatheterlabor, sind nach wie vor im Ärztehaus in Künzelsau.

sukzessiver Abbau in Künzelsau

Durch die Neuausrichtung des Hohenloher Krankenhauses sind nun diverse Schwerpunkte von Künzelsau nach Öhringen gewandert: Im vergangenen Jahr betraf dies unter anderem die Schlaganfalleinheit (wir berichten).

Auch der „Leuchtturm“ Kardiologie scheint ausgeleuchtet. Auch wenn die Geräte hierfür noch da sind, sei es nicht möglich, diese in einem solchen Notfall „mal schnell hochzufahren“, wie Krankenhaus-Mitarbeiter erklären. Allein für das Herzkatheterlabor bedarf es vier Kardiologen und Pflegepersonal, um dieses rund um die Uhr betreiben zu können.

Die damaligen Pläne, Künzelsau zum Schwerpunkt von Herzkrankheiten zu machen, seien ohnehin nur halbherzig umgesetzt worden, kritisiert die Bürgerinitiative pro Hohenloher Krankenhaus (BI) auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Eine 24-Stunden-Notfalleinheit im Bereich Herzerkrankungen sei nie umgesetzt worden.

Das Kardio-MRT, der Hybrid-OP und das Herzkatheter-Labor, welche im Ärztehaus bei Professor Dr. Christoph Karle im Einsatz sind, werden derzeit ausschließlich dort betrieben und nicht, wie einst im Unternehmenskonzept vorgesehen, als gemeinsamer kardiologischer Schwerpunkt mit dem Krankenhaus Künzelsau genutzt. Vor einigen Jahren gab es diese Zusammenarbeit im Rahmen der regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Das Angebot, das Herzkatheter-Labor zu nutzen, sei von Seiten des Krankenhauses jedoch nicht angenommen worden, heißt es.

Stattdessen wolle man nun Öhringen zum neuen Herz-Schwerpunktzentrum machen, so die aktuellen Pläne des neuen Mehrheitseigners, der BBT-Gruppe.

Je schneller ein Herzinfarkt korrekt behandelt wird, umso höher die Überlebenschancen und je minimaler die möglichen Schädigungen im Gehirn. Die Mitarbeiter des Krankenhauses trauern um eine „liebe Freundin und sehr gute Kollegin“.

 

Hintergrundinformation: Wechsel in der Führungsebene

Nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile an der Hohenloher Krankenhaus gGmbH übernommen hat, gibt es auch einen Wechsel in der Führungsspitze. Geschäftsführer Jürgen Schopf, der weniger als 1,5 Jahre die Geschäfte leitete, wird abgelöst von den vier neuen Geschäftsführern Dr. Albert-Peter Rethmann, Matthias Warmuth, Werner Hemmes und Andreas Latz, so eine Pressemitteilung der BBT-Gruppe. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass Betriebsleiter Helmut Munz kommissarisch die Aufgaben des kaufmännischen Direktors und des Pflegedirektors für die Krankenhäuser übernimmt, „bis zur Klärung der endgültigen Besetzung“. Herbert Trudel wird kaufmännischer Direktor für die Senioreneinrichtungen.