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Pfedelbach: Schaf „in Gewahrsam“, bis sich sein rechtmäßiger Besitzer meldet

In der Baierbacher Straße in Pfedelbach wurde der Polizei, am Montag, den 03. Februar 2020, um 10:05 Uhr, ein umherlaufendes Schaf gemeldet. Da davon auszugehen war, dass das Schaf nicht mehr alleine nach Hause finden würde, wurde das ausgebüchste Tier von den Beamten der Polizei eingefangen und festgehalten. Da der wollige Vierbeiner keine Angaben zu seinem rechtmäßigen Eigentümer machen konnte, befindet er sich derzeit in der Obhut eines hilfsbereiten Passanten und wartet dort bis sich sein Besitzer beim Polizeirevier Öhringen meldet.




Wenn das Schaf zum Taxi wird

Die Beweidung mit Schafen und Ziegen ist ein wichtiges Element in der Landschaftspflege. Der Landschaftserhaltungsverband Hohenlohekreis e.V. schließt deshalb vielerorts Landschaftspflegeverträge mit Voll- und Nebenerwerbslandwirten ab. Ganz besonders bewährt hat sich dabei der Einsatz von Ziegen und Schafen, die den aufkommenden Bewuchs abweiden. Die kleinen Wiederkäuer stellen dabei nicht nur eine vergleichsweise ökonomisch sinnvolle Alternative zur Mahd dar, sondern dienen vielen Tier- und Pflanzenarten auch als „Taxi“: Samen bleiben im Fell und in den Klauen hängen oder werden erst durch die Magen-Darm-Passage keimfähig. Auch kleine Tiere wie Grillen und Heuschrecken werden von den tierischen Rasenmähern auf andere Flächen verfrachtet und können dort neue Populationen bilden. Auf den Kot der Schafe und Ziegen sind zahlreiche Käferarten angewiesen, welche wiederum die Nahrungsgrundlage vieler Vögel bilden.

Um eine gründliche Abweidung der Flächen zu erreichen, sind die Herden vergleichsweise groß. Nach ein bis zwei Tagen sind die Koppeln abgefressen und die Herde wird auf die nächste Weide gebracht. Um das Wohlergehen der Tiere sicherzustellen, werden alle Herden täglich, teilweise sogar mehrfach, kontrolliert. Dabei wird immer auch überprüft, ob noch genügend Wasser zur Verfügung steht und ob alle Tiere gesund und unverletzt sind.

Hintergrund

Die Steinriegelhänge im Kocher- und Jagsttal wurden bis weit ins 19. Jahrhundert noch größtenteils als Weinberge genutzt, bis in die 1960er Jahre folgte die Bewirtschaftung als Acker, Hackrain oder magere Wiese. Mit dem Brachfallen setzte die Verbuschung ein. Um das artenreiche Grünland der südexponierten Hanglagen zu erhalten, ist eine regelmäßige Nutzung der Hangflächen notwendig.
Ziegen und Schafe stammen ursprünglich aus trockenheißen Regionen wie Asien und Afrika. Die Meisten wildlebenden Vertreter sind Gebirgsbewohner, sie kommen aber auch in Steppen und Wüsten vor. An die klimatischen Bedingungen auf den Trockenhängen im Kochertal sind sie also bestens angepasst.

Für Fragen oder Informationen zur Landschaftspflege steht der Landschaftserhaltungsverband Hohenlohekreis e.V. entweder per E-Mail unter info@lev-hohenlohekreis.de oder telefonisch unter 07940 18-520 oder -557 gerne zur Verfügung.
Im Internet: www.lev-hohenlohekreis.de

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Des Schäfers Stündchen

Eine Aussterbende Rasse direkt unter uns: Schäfer Kurt Ebert aus Morsbach hütet 350 Tiere

Es gibt sie noch, die waschechten Schäfer. Doch sie sind selten geworden. Einer von ihnen wohnt am Ortsrand von Morsbach. Sein Name ist Kurt Ebert. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Daniela und den drei Kindern bewohnt er den landwirtschaftlichen Hof. In der Buchenmühle zwischen Morsbach und Kocherstetten war in Eberts Kindheit ein Schäfer ansässig. Diesen besuchte er regelmäßig. Als kleiner Junge durfte er Zwillingslämmer mit dem Schoppen aufziehen. Später hatte Ebert selbst ein paar Schafe. Schnell stand für den Heranwachsenden fest, dass er in der Landwirtschaft seine Erfüllung finden würde. Nach seiner Ausbildung als Landwirt arbeitete er von Beginn an hauptberuflich in diesem Bereich. Schafe, Kühe und Rinder nannte er sein Eigen, ehe er 1990 den Entschluss fasste, sich voll und ganz der Aufzucht von Schafen zu widmen.

Schäfer Kurt Ebert aus Morsbach mit seiner Herde.
Foto: GSCHWÄTZ/Timo Herrmann

Das Besondere: Ausschließlich Muslime kaufen bei Ebert ein.

Rund 350 Mutterschafe beherbergt der urige Schäfer derzeit. Zwischen 250 und 350 Lämmer werden in den nächsten Wochen dazukommen. Die Lämmer werden gemästet, anschließend geschlachtet. Mit dem Verkauf von Lammfleisch verdient Ebert sein tägliches Brot. Die mittlerweile große Stammkundschaft weiß die familiäre Atmosphäre und die sehr gute Fleischqualität zu schätzen. Er vermarktet sich selbst, lebt von der Weiterempfehlung seiner Kunden. „Es wird Jahr für Jahr mehr“, sagt er. Das Besondere: Ausschließlich Muslime kaufen bei Ebert ein. Diese nehmen weite Wege auf sich, kommen beispielsweise aus Heidenheim oder aus Stuttgart. Bis zu zehn Lämmer nehmen sie mit – für den 56-jährigen Schäfer ein lohnenswertes Geschäft.

„Es gibt immer mehr Auflagen und alles wird teurer“

Reich aber wird er mit seiner Lammzucht nicht. Die Auslagen sind gravierend, oft sind die Ausgaben sogar höher als die Einnahmen „Es gibt immer mehr Auflagen und alles wird teurer“, bedauert die Ehefrau. Aufgrund der strengen Vorgaben musste auch der Schlachtraum für mehrere tausend Euro modernisiert werden. Ebert darf in seiner nach EU-Norm gefertigten Räumlichkeit momentan acht bis zehn Schlachtungen pro Woche vornehmen. Eine Ausnahmeregelung gilt an drei Tagen im Jahr – und zwar am Opferfest, dem höchsten islamischen Fest. Hier dürfen so viele Bestellungen, wie gewünscht, umgesetzt werden. Gläubige Muslime opfern an diesem Hochfest ein Tier, meist ein Lamm, und verteilen es an Arme und Hungrige. Viele wollen bei der Schlachtung selbst Hand anlegen. Erlaubt ist dies, wenn zuvor ein Betäubungs- und Blutschnitt-Lehrgang absolviert wurde. Manchmal müssen Sprachbarrieren überwunden werden. Dies gelingt dem eingesessenen Morsbacher allerdings spielerisch.

Von einer Polizeieskorte geleitet

Spannend wird es auch, wenn die alljährliche Stall-Heimführung der Schafherden ansteht. Von der Weide in Scheurachshof führt der Weg über die Künzelsauer Innenstadt. Von einer Polizeieskorte geleitet, geht es knapp eine Viertelstunde mitten durch die Stadt – immer sonntags und früh morgens bei Sonnenaufgang. Positiv und zugleich ein bisschen wehmütig blickt Ebert in die Zukunft. „Wenn es gesundheitlich geht, will ich noch zehn Jahre weitermachen“, verrät er.

Rund 350 Mutterschafe beherbergt der urige Schäfer derzeit.
Foto: GSCHWÄTZ / Timo Herrmann