Versammlung des TSV Ingelfingen: Harsche Kritik an Bürgermeister
Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Dach. So lautet ein bekanntes Sprichwort. Während Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer mit ein paar Gemeinderäten übers Wochenende Ingelfingens Partnergemeinde Saint-Héand in Südfrankreich besucht hat, traf sich der TSV Ingelfingen am Freitagabend, den 15. März 2019, im Christian-Bürkert-Saal im Schwarzen Hof zur Jahreshauptversammlung. Es war eine Versammlung, bei der das alles entscheidende Thema derjenige war, der an diesem Abend rund 770 Kilometer weit weg weilte: der Bürgermeister.

Michael Bauer. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Wer hat bei wem übernachtet?
„Es war die interessanteste Mitgliederversammlung aller Zeiten“, erzählte ein Vereinsmitglied gegenüber GSCHWÄTZ am nächsten Tag. Auch in Ingelfingens Nachbarstadt Künzelsau ist die Jahreshauptversammlung unter den Einwohnern am Wochenende Thema. Wortführer bei der TSV-Versammlung war TSV-Vereinsvorstand und gleichzeitiges Gemeinderatsmitglied Bernd Bauer. Sein Verhältnis zu seinem Namensvetter Michael Bauer ist seit geraumer Zeit angespannt (wir berichteten). An der Versammlung war unter anderem der Besuch in der französischen Partnergemeinde Saint-Héand Thema. Genauer: die Unterbringung der Reise-Entourage. Während die Ingelfinger Gemeinderäte bei anderen Gemeinderäten nächtigen, schlafe der Bürgermeister in einem Hotel etwas ausserhalb der Stadt, hieß es. Vorausgegangen war vor vielen Jahren ein Besuch der französischen Reisedelegation nach Ingelfingen, wo es ähnlich abgelaufen sein soll: Während die französischen Gemeinderäte bei den Ingelfinger Gemeinderäten übernachteten, sei der Bürgermeister von Saint-Héand im Hotel Niklass in Ingelfingen einquartiert worden. Manch ein Ingelfinger sagt, das sei damals ein Affront gegen den französischen Bürgermeister hinsichtlich deutsch-französischer Gastfreundschaft gewesen. Wie der französische Bürgermeister die Hotel-Unterbringung gesehen hat, ist nicht bekannt. Bernd Bauer sagt, er habe das Nicklass-Thema damals in einer Gemeinderatssitzung angesprochen. Seitdem sei sein Verhältnis zu Bürgermeister Michael Bauer nicht mehr das beste.
Fußballer fühlen sich heimatlos
Ein weiteres großes Thema der Mitgliederversammlung war die noch relativ neue Heinrich-Ehrmann-Halle in Ingelfingen und die Nutzung derer. Hierzu muss man wissen: Vor dem Neubau befand sich an dieser Stelle die alte Turnhalle mit dem Vereinsheim der Fußballer von Ingelfingen, des damaligen SC Ingelfingen (mittlerweile sind die Fußballer wieder ein Bestandteil des TSV, wir berichteten). Seit dem Neubau haben die Fußballer noch keinen wirklichen Ersatz für ihr verloren gegangenes Vereinsheim gefunden. Im ehemaligen Spazz in Criesbach, der nun wieder saniert und renoviert wird, fanden sie eine Zeitlang Unterschlupf. Nun ist auch das vorbei. Während des Trainings im Sommer stehen sie weitgehend ohne Räume da, damit sich etwa die Kinder umziehen können, da sie die Halle laut Anordnung der Stadt nur im Winter benutzen dürfen, so ein Fußballmitglied gegenüber GSCHWÄTZ. Aber selbst diese Nutzung gestalte sich schwierig (wir berichteten): „Wenn das so weitergeht, geht der Fußball in den nächsten Jahren kaputt.“ Es gäbe unterschiedliche Regelungen seitens der Stadt, was die Halle beträfe, moniert auch Bernd Bauer.
TSV-Vorstand Bernd Bauer. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Wer darf in die Halle und wer muss draußen bleiben
An der Mitgliederversammlung ein Beispiel zweier Jazztanzgruppen. Während eine Jazztanzgruppe die Halle in den Sommerferien zum Üben auf Wettkämpfe nutzen durfte, sei es der anderen Gruppe untersagt worden. Die Stadt verwies laut Bernd Bauer auf eine „häusliche Sonderregelung“. Hinter vorgehaltener Hand wird aber gemunkelt, dass der Grund für diese unterschiedliche Behandlung darin begründet liege, dass die Freundin des Sohnes von Michael Bauers Lebensgefährtin Monika Chef in der Jazztanzgruppe tanzt, die in die Halle gelassen wurde.
Vereinsnachrichten veröffentlichen koste Geld
Bernd Bauer moniert, dass die Stadt sich auch in anderer Hinsicht wenig vereinsfreundlich zeige. Seien im städtischen Amtsboten früher Vereinsanzeigen kostenlos erschienen, verlange die Stadt seit geraumer Zeit Geld dafür, wenn der Umfang der Veröffentlichung länger als eine halbe Seite sei, sagt Bauer. So zahle der Verein eine gewisse Summe an die Stadt, damit unter anderem die Stadt die Vereinserfolge in den städtischen Nachrichten veröffentliche.
In Ingelfingen wird darüber gesprochen, dass wohl einige Gemeinderäte nicht mehr als Gemeinderat kandidieren möchten. Inwieweit diese Gerüchte stimmen, ist GSCHWÄTZ nicht bekannt.
Wir haben Michael Bauer in einer Presseanfrage gefragt, inwieweit die in der Mitgliederversammlung genannten Themen die Stadt Ingelfingen betreffend der Richtigkeit entsprechen. Eine Antwort steht noch aus.


