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„Die Pandemie hat den Kultur- und Veranstaltungsbereich verändert“

David König ist seit dem 01. Januar 2021 Leiter des Sachgebietes Kultur und Veranstaltungen der Stadt Öhringen. Damit trat er die Nachfolge von Ingrid Sterzer an, die in den Ruhestand verabschiedet wurde, teilt die Stadtverwaltung Öhringen mit. Der 36-jährige Bretzfelder war seit 2012 Tourismus- und Marketingleiter auf Schloss Langenburg. Seinen Bachelorabschluss in BWL und Kultur-, Freizeit- und Sportmanagement machte er 2012 bei der Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau. Zuvor hat er als ausgebildeter Veranstaltungskaufmann Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement gesammelt.

Organisation der wichtigsten kulturellen Aktivitäten

Nun verantwortet David König die KULTURa, Stadtbücherei, Volkshochschule, Jugendmusikschule und die städtischen Museen. Mit seinem zweiköpfigen Team organisiert er die wichtigsten kulturellen Aktivitäten der Großen Kreisstadt Öhringen – zum Beispiel das Hohenloher Weindorf, das Genießerdorf und den Öhringer Weihnachtsmarkt. Nun verantwortet er die KULTURa, Stadtbücherei, Volkshochschule, Jugendmusikschule und die städtischen Museen. Mit seinem zweiköpfigen Team organisiert er die wichtigsten kulturellen Aktivitäten der Großen Kreisstadt Öhringen, wie z. B. das Hohenloher Weindorf, das Genießerdorf und den Öhringer Weihnachtsmarkt. Im Sommerinterview zieht er Bilanz aus der ersten Jahreshälfte und gibt einen Ausblick auf die kommenden Projekte. Das Interview wurde uns von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt.

Hohenloher mit Leib und Seele

Stadtverwaltung Öhringen: Herr König, was gefällt Ihnen an Öhringen, was macht Öhringen aus?

David König: Ich bin Hohenloher mit Leib und Seele, hier bin ich zu Hause, Hohenlohe ist meine Heimat. Öhringen als ehemalige Residenzstadt bietet uns gewachsene Kultur. Die historische Innenstadt in Verbindung mit dem einmaligen und großzügigen Ambiente im Hofgarten sind wichtige Alleinstellungsmerkmale. Besonders schön ist die kreative Vielfalt, die sich in unseren Vereinen sowie Kunst- und Kulturschaffenden spiegelt. All diese positiven Aspekte bündeln wir in tollen Events.

Stadtverwaltung Öhringen: Wie war Ihr Einstieg in die Arbeit bei der Stadt? Wie sind Sie aufgenommen worden?

König: Corona hat erstmal alles überschattet. Ich musste die Lage sondieren, alle Einrichtungen und die Menschen dahinter kennenlernen. Es ist auch immer eine Umstellung, wenn man von der Privatwirtschaft in den öffentlichen Dienst wechselt. Vieles ist streng reguliert. Aber ich bin sehr schnell aufgenommen und in die Projektarbeit mit einbezogen worden. Zudem habe ich ein kleines aber sehr engagiertes Team, welches mich von Anfang an mit vollem Einsatz unterstützt hat.

„Die Interaktion ist das, was Kultur ausmacht“

Stadtverwaltung Öhringen: Welche Projekte konnten in der ersten Jahreshälfte angeschoben werden?

König: Wichtig war die Koordination in den jeweiligen Einrichtungen. Kann die Saison in der KULTURa vorausschauend geplant werden? Können Kurse in der Volkshochschule angeboten werden und wenn ja, welche? Unter welchen Bedingungen und wann kann das Weygang-Museum wiedereröffnen? Lesebrücke oder „Click & Meet“ in der Stadtbücherei? Wie läuft der Online-Unterricht in der Jugendmusikschule? Nicht alles ist online machbar und lassen Sie uns ehrlich sein: Orchesterproben oder Sprachkurse sind in einer Gemeinschaft, live und in Farbe, doch viel schöner! Die Interaktion ist das was Kultur und Bildung ausmacht. Besonders intensiv wurde an Veranstaltungskonzepten gearbeitet. Die Kernfrage war dabei immer: Ist es möglich, die Konzepte den Bedingungen anzupassen, oder muss verschoben werden.

„Absagen waren besonders schmerzhaft“

Stadtverwaltung: Und was war besonders herausfordernd? Wo liegen die Schwierigkeiten, auch ohne Corona?

König: Zuerst war es besonders schmerzvoll, solche Publikumslieblinge wie das Genießerdorf oder Hohenloher Weindorf absagen zu müssen. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht weniger kreative oder spannende Alternativen, die sich im Rahmen bewegen, überlegt hätten. So kam zum Beispiel die „Wein Freude Hohenlohe“ zustande – eine dezentrale Alternative für unser Weindorf. Dafür haben wir, gemeinsam mit der Weindorfgemeinschaft, ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Die Region in und um Öhringen hat die besten Voraussetzungen – ob auf den Weingütern oder in den Weinbergen, der Hohenloher Wein schmeckt einfach. In einem Flyer sammelten wir die kreativen Ideen und die Weindorfgemeinschaft lud so zum Erkunden der (Wein-) Kulturlandschaft Hohenlohe ein, zeigte ihren Unternehmergeist und die Leidenschaft für ihre Arbeit und unsere Heimat. Die Besucher haben es uns gedankt und die Aktion war durchweg ein voller Erfolg. Natürlich wollen wir im kommenden Jahr das 25. Jubiläum des Hohenloher Weindorfes wieder gemeinsam in Öhringen feiern.

Mit einem neuen Projekt Künstlern eine Plattform bieten

Stadtverwaltung: Was haben Sie in den ersten sechs Monaten bereits erreichen können erreicht? Worauf sind Sie besonders stolz?

König: Besonders stolz bin ich auf das neue Projekt „Kultur passiert“. Dabei wird ab dem 07. August bis Mitte September Öhringen alle zwei Wochen an den Wochenenden zu einer Pop-up-Bühne. Was genau passiert, wird nicht verraten, denn der Überraschungseffekt spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein kleines Video auf dem städtischen YouTube-Kanal erläutert die Aktion. Mit dem Projekt bieten wir Künstlern, Kreativen und Kulturschaffenden aus der Region eine Plattform. Sie hatten in den letzten Monaten sehr viele Einbußen zu verkraften. Das Projekt soll zudem die Attraktivität der Öhringer-Kulisse für Besucher aus nah und fern erlebbar machen und natürlich auch einen Imageeffekt für die Stadt bewirken. Ich bin mir sicher: Auch kleine Aktionen und Events können in dieser schwierigen Zeit zu einem Leuchtturmsymbol werden.

„Öhringens ländliche Lage ist ein enormer Vorteil“

Stadtverwaltung: Wie hat Corona den Kulturbereich verändert?

König: Es ist klar, dass die Pandemie den Kultur- und Veranstaltungsbereich verändert hat. Das Wichtigste, das Live-Publikum, blieb ja weg. Dass die Kultur, teilweise kostenlos und mithilfe von Livestreams, in die Wohnzimmer gekommen ist, war ein großer Schritt. Der Zugang zu Kultur und sonst schwer zugänglichen ausländischen Formaten, wurde durch das niederschwellige digitale Angebot einfacher. Dennoch waren die finanziellen Einbußen gravierend. Und Bühnendarstellende brauchen den direkten Draht zum Publikum. Die Interaktion, das gegenseitige Spüren, und natürlich auch das Ambiente, sind für ein gelungenes Programm oder Veranstaltungen wichtig. Die ländliche Lage von Öhringen ist für die Outdoor-Veranstaltungsplanung ein enormer Vorteil. Das durch die LAGA 2016 erschlossene Gelände bietet einen idyllischen Rahmen für das Kunstwerk Kultur. Diese Vorteile müssen jetzt genutzt und in die Planung mit einbezogen werden. Mobile Konzepte, bei denen sich das Publikum mit den Künstlern mitbewegt, Guerilla-Aktionen oder aber auch eine Ausweitung des Areals bei Veranstaltungen mit hohem Publikumsverkehr, werden vermehrt im Vordergrund stehen. Indoor sieht es da natürlich wieder anders aus. Abstands- und Hygieneregeln müssen ja weiterhin beachtet werden. Das bedeutet eine enorme Einschränkung und Aufwand für die Veranstaltungen und Einrichtungen. Wir merken allerdings schon, dass die Rahmenbedingungen in diesem Bereich immer klarer sind, und wir in diesem Rahmen gut agieren können. So kann sich Kreativität wieder frei entfalten.

Wichtige Rolle im Leitbild der Stadt

Stadtverwaltung: Wie unterstützt die Stadt Öhringen den Kulturbereich?

König: Öhringen ist sehr offen für neue Ideen und ist sich der Identitätsfunktion von kulturellen Ereignissen oder der Kultur im Allgemeinen bewusst. Auch die Förderung und die Vermittlung der Kultur spielt eine wichtige Rolle im Leitbild der Stadt. Jugendmusikschule, Volkshochschule, Stadtbücherei tragen dazu bei, ein Angebot für alle Altersschichten zu bieten. Im Verbund werden Aktionen und Veranstaltungen geplant. Auch die Umwegrentabilität durch kulturelle Events und Kulturarbeit zeigt, dass es sich lohnt, in eine abwechslungsreiche Kultur zu investieren. So sind Stadtentwicklung, Wirtschaft und der Kulturbereich nahe beieinander.

„Die Öhringer sind offen und kreativ“

Stadtverwaltung: Was macht die Öhringer Kulturszene besonders aus?

König: Es gibt unzählige Vereine, Künstler und Kreative in Öhringen. Man kennt sich, schätzt sich und ist stolz auf seine Kultur. Natürlich spielt nicht nur die Hohenloher Kultur, sondern auch die interkulturelle Gemeinschaft eine Rolle. Es ist schön zu sehen, wie sich die Kulturszene gegenseitig unterstützt und Hoffnung macht. Und es freut mich, wenn wir dazu beitragen können, den Austausch zu fördern. Der kommunikative Aspekt in der Kulturarbeit macht mir besonders Spaß und man spürt, dass die Öhringer offen und kreativ sind und das Netzwerk funktioniert. Natürlich steht die Unterstützung der Kunst- und Kulturbranche für mich an vorderster Stelle.

„Es sollte wieder möglich sein, dass alle Altersgruppen ohne Einschränkungen Kunst und Kultur genießen können“

Stadtverwaltung: Wo sehen Sie die Öhringer Kultur in einem Jahr?

König: In einem Jahr sind die Konzepte so weit entwickelt, dass auch wieder gesellige Veranstaltungen möglich sind. Auch die politischen Rahmenbedingungen sind gelegt. Es sollte wieder möglich sein, dass alle Altersgruppen ohne Einschränkungen Kunst und Kultur genießen können – und das nicht nur online.

Stadtverwaltung: Was sind Ihre persönlichen Ziele?

König: Die Diversität der Öhringer Kunst- und Kulturszene aufrechtzuerhalten, mitzugestalten und das Bewusstsein für Kunst und Kultur zu stärken. Kurzfristig gesehen bin ich glücklich, wenn die ersten größeren Veranstaltungen erfolgreich umgesetzt wurden und wir Perspektiven bieten können. Ich bin mir sicher, dass die Zukunft eine bunte Veranstaltungspalette bereithält. Ideen und kreative Köpfe gibt es genügend.

Interview: Stadtverwaltung Öhringen