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„Nein zu Krieg und Gewalt“ – Friedensdemonstration in Künzelsau

Der SPD-Ortsverein Künzelsau-Ingelfingen als einer der  Veranstalter lädt mit dem folgenden Aufruf zur Friedensdemonstration ein:

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der russischen Regierung gegen die Ukraine erschüttert die Welt, insbesondere uns Menschen in Westeuropa. Seit über 80 Jahren leben wir in Frieden, in Wohlstand und in Freiheit. Viele Katastrophen und Kriege haben sich seither auf der Welt ereignet, doch nun, mit dem russischen Krieg in der Ukraine, vor den Toren der EU und in Europa, erleben wir unmittelbar seine grausamen Folgen.

„Menschenwürde und unsere europäischen Werte hochhalten“

Wir stellen uns dem Krieg entgegen, indem wir die Menschenwürde und unsere europäischen Werte hochhalten: Zusammenhalt, Demokratie, Freiheit und Freundschaft über Grenzen hinweg. Dafür gehen wir gemeinsam auf die Straße und sagen laut: „Nein zu Krieg und Gewalt.“ Gemeinsam treten wir ein gegen Hass und Gewalt, für Frieden und Gerechtigkeit.

Humanitäre Katastrophe: Millionen von Menschen, vor allem Frauen und Kinder sind auf der Flucht

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Millionen von Menschen, vor allem Frauen und Kinder sind auf der Flucht: Sie suchen Schutz im eigenen Land, in den direkten Nachbarländern wie Polen, Ungarn, der Slowakei und Rumänien, und in allen anderen europäischen Staaten. Auch hier, in Künzelsau, im Hohenlohekreis, sind bereits Schutzsuchende aus der Ukraine eingetroffen.

„Wir helfen denen, die als Schutzsuchende zu uns kommen“

Wir helfen denen, die als Schutzsuchende zu uns kommen, geben ihnen ein Zuhause, Wärme und Hoffnung. Wir helfen denen, die vor Ort bleiben mit Spenden. Wir zeigen uns solidarisch mit den Menschen in der Ukraine und jenen auf der Flucht. Dafür gehen wir gemeinsam auf die Straße und sagen laut: „Seid willkommen bei uns.“

Wir laden herzlich zu unserer angemeldeten Kundgebung auf den Wertwiesen in Künzelsau
am Freitag, 18. März 2022, um 16.30 Uhr ein. Mit Abstand, FFP2-Masken und kurzen Rede- sowie Musikbeiträgen wollen wir ein Zeichen setzen: für den Frieden, für die Solidarität, gegen Hass und Gewalt.

Pressemitteilung SPD Künzelsau-Ingelfingen




„Einerseits spricht die Regierung von den verheerenden Folgen eines Krieges, andererseits gibt sie 100 Milliarden Euro für neue Waffen frei“

Am Mittwoch, den 02. März 2022, ist der Öhringer Marktplatz bei einer Solidaritätsveranstaltung für die Ukraine in blaues und gelbes Licht gehüllt. Überall sind Schilder zu sehen, auf denen steht „Hate Putin“ oder „No war in Ukraine“. Versammlungsteilnehmer haben ihre Masken mit „Fuck Putin“ und ihre Kleidung mit „Stop killing people! You fucking twats!“ beschriftet. Während die ukrainische Nationalhymne, begleitet von tosendem Applaus, abgespielt wird, bildet sich eine lange Schlange vor einem Sparschwein, das in eine ukrainische Flagge gewickelt ist. Viele Menschen wollen spenden.

Viele Menschen wollen spenden

Grüne, CDU, SPD, FDP und deren Jugendorganisationen, sowie der Verein „Gegen Vergessen Für Demokratie“ und der „Arbeitskreis für Demokratie – gegen Faschismus“ haben zu der Veranstaltung aufgerufen. Nach Angaben der Polizei waren rund 600 Teilnehmer anwesend. Der Veranstalter hat nur rund 200 Menschen angemeldet – Die Veranstaltung hatte also weit mehr Zulauf, als erwartet.

„Wir wollen keinen Krieg in Europa“

Doch was treibt diese Menschen auf die Straße? Claudia Löhr, die die ukrainische Flagge, mit einer Friedenstaube darauf, um den Hals trägt, erklärt ihre Beweggründe: „Ich bin in den 80ern auf die Straße gegangen, dass die Pershings (Anm. Kurzstreckenrakete aus amerikanischer Produktion) in Deutschland nicht mehr sind. Wir waren mit unseren Kinderwägen in Heilbronn. Und jetzt komme ich mit meinen Enkeln, meiner Tochter und einer Nichte hierher, weil wir keinen Krieg in Europa wollen. Wir möchten auf der ganzen Welt keinen Krieg – daran haben wir geschafft. Aber wenn Europa nicht vereint in Frieden lebt und kein Vorbild ist, wie können wir dann erwarten, dass in Afrika, wo so viele Diktatoren sind, kein Krieg ist? […] Jetzt hat der Herr Putin halt so ein großes Zarendenken, dass er wieder die ganzen Länder zu sich nimmt, ohne an die Menschen zu denken. […] Die Ukrainer sind jetzt so stolz auf ihre Demokratie gewesen und jetzt macht der Mann alles kaputt. […] Da geht es ums Land und nicht um die Menschen. Wie kann man seine eigenen Brüder umbringen, nur wegen dem Land? Wir haben natürlich auch Angst wegen den Atomwaffen. Wir waren gegen Atomwaffen. Mein Mann und ich haben in den 80ern dagegen demonstriert und jetzt richten sie die Atomwaffen wieder gegen uns. […]“

Europa: Vorbild sein für den Frieden

„Die Menschen in der Ukraine berühren mich in diesem Konflikt besonders“, erzählt Verena Buck. „Was die alles durchmachen müssen. Die Kinder in den Zug setzen und einfach kämpfen für ihr Land.  Dass die Menschen für die Demokratie so einstehen müssen, dass sie gerade durchs Elend gehen. Das macht mich fassungslos und das trifft mich eigentlich am meisten. Natürlich auch, dass es in Europa passiert.“

„Das macht mich fassungslos“

Mohamed Katab trägt ein Schild, auf dem steht: „Er begann seine Verbrechen vor 6 Tagen in der Ukraine und vor 7 Jahren in Syrien. Es ist derselbe Mörder. Putin.“ Sein Bruder Nuor ist eingehüllt in eine syrische Flagge und sagt: „Ich stehe hier für die Ukraine und für Syrien. Vergesst Syrien nicht. Syrien wird von Putin seit 2011 bombardiert und keiner hat etwas gesagt. Freiheit für die Ukraine, Freiheit für Syrien!“

Nicht nur Putin, auch die NATO wird für das immer weitere Vorrücken an Russlands Grenzen vor dem Krieg kritisiert

Rainer Tüxen erläutert: „Ich stehe hier, weil mich interessiert, was hier die Argumente sind, was hier besprochen wird. Jetzt nach kurzer Zeit spüre ich einfach, dass da riesige Widersprüche in den Aussagen (Anm. der Redner) sind. Hier spricht man von Krieg und ob die Menschen sich nicht an die Vergangenheit zurückerinnern und gleichzeitig geben dann, übrigens auch die Grünen, die hier mit an der Regierung sind, 100 Milliarden Euro für neue Waffen frei [Anm. d. Red.: Bundeskanzler Olaf Scholz hat angekündigt, 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr zur Verfügung zu stellen. Wofür das Geld genau verwendet wird, steht aber noch nicht fest.] Ich habe natürlich überhaupt kein Problem damit, wenn es um die Menschen geht, denn es sind am Schluss eigentlich immer die ‚kleinen Menschen‘, die von diesen Kriegen betroffen sind, aber politisch ist das ein gigantischer Widerspruch.“ Dass, nach acht Jahren Krieg im Donbass, diesem Konflikt erst jetzt so ein großes öffentliches Interesse zuteil wird, erklärt sich Tüxen folgendermaßen: „Das hat damit zu tun, dass wir ein bisschen größer denken müssen. Wenn man sieht, wie die Ukraine geostrategisch liegt, und wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte beschäftigt, dann weiß man eigentlich, welche Bedeutung diese Region hat. Wenn man jetzt an die heutige Zeit denkt und sieht, was gerade geschieht: die Verknüpfung von China nach Europa auf dem Festland, diese Seidenstraße, die geplant ist, vielleicht eine neue Verknüpfung zwischen Russland und China. Die Europäer stehen jetzt irgendwo in diesen, ich sage mal, atlantischen Bündnissen und müssen als Befehlsempfänger der Amerikaner noch irgendwelche anderen Interessen vertreten. Sie vertreten, aus meiner Sicht, eben gerade nicht die europäischen Interessen. […] Genau das ist das Thema. Auch dieses immer weiter Vorrücken der Nato an die Grenzen Russlands und damit auch eine gewisse, aus meiner Sicht verständliche, militärische oder auch systemische Angst, die dazu geführt hat, dass jetzt irgendwo einmal, wie unser Bundeskanzler so gerne sagt, eine rote Linie für den russischen Präsidenten überschritten ist. Verständnis für Krieg kann man keines haben. Alles, was mit Waffen gelöst wird, ist der falsche Weg. Aber trotzdem muss ich sagen, politisch habe ich ein gewisses Verständnis für diese Situation.“ Tüxen sieht die Aufstockung des Militäretats der Bundesregierung mit Besorgnis: „Man erinnert sich an die Vor-Corona-Zeit, als die amerikanischen Präsidenten regelmäßig im Sechs-Wochen-Rhythmus diese zwei Prozent Militärausgaben in Deutschland gefordert haben. […] Ich meine, ich sage es mal ganz einfach: Zwei Prozent waren gefordert und jetzt haben sie die zwei Prozent. Das geht gerade mal so ohne eine politische Debatte im Bundestag. Das wird einfach mal am Sonntagmittag entschieden. Also diese 100 Milliarden sind vom Bundeskanzler Scholz einfach mal so entschieden. Selbst seine Parteikollegen waren nicht involviert. Zwei Wochen vorher war der Flug in die USA, wo man dann die Direktiven bekommt, was zu tun ist. […]“

Spenden, hoffen, beten

Fred Langner ist zufällig am Marktplatz vorbeigekommen und verharrt am Rande des Geschehens. „Ich finde es gut, dass so viele Leute da sind, die für Frieden in Europa und auf der Welt demonstrieren. Ich denke, das ist ein großes Anliegen für uns alle, dass wir so weiterleben können, wie wir es auch gewohnt sind.“ Zu einem friedlichen Miteinander beitragen könne man, so Langner, durch „Spenden, Sachspenden, Hoffnung und Gebet“.

Text, Fotos & Video: Priscilla Dekorsi

 

 

 

 




Humanitäre Katastrophe mitten in Europa

Über 100.000 vor allem Frauen und Kinder, sind derzeit laut der Tagesschau aktuell bereits auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine. Die 18- bis 60-Jährigen Männer müssen laut Anweisungen der Regierung dort bleiben, um gegen die Russen zu kämpfen und ihr Land zu verteidigen. Die Vereinten Nationen rechnen derzeit mit einem Flüchtlingsstrom von rund vier Millionen Menschen, der kommen wird. Das berichtet der Standard.

Flüchtlingsstrom

Die ukrainische Bevölkerung sowie die ukrainische Regierung, allen voran Präsident Wolodymyr Selenskyj, haben Europa dringlichst um Hilfe gebeten. Mittlerweile soll Deutschland, neben anderen Ländern, nun auch Waffen in die Ukraine liefern, damit die Ukrainer die Möglichkeit einer besseren Verteidigung gegenüber Russland hat.

Deutschland liefert nun doch Waffen und schiebt Swift einen Riegel vor

Auch bei Sanktionen gegenüber Russland war man zunächst vorsichtig, da, so die deutsche Aussenministerin Anna-Lena Baerbock, man immer schauen müsse, was dann als Boomerang Europa selbst wieder treffe. Unter anderem forderte Präsident Selenskyi, dass Russland aus dem internationelen Zahlungssystem fliegt. Anfangs dagegen, kippten die großen Länder Europas, darunter Deutschland, nun, und möchten Russlands große itnernationale Banken nun doch vom internationalen Zahlunsgverkehr kappen, damit der Krieg so nicht länger finanziert werden kann. Auch einzelne russische Olgarchen, die den Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren, sollen vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen werden.

Neue Gaslieferanten dringend benötigt

Für Deutschland bedeutet das zum einen, dass sich die Regierung schnell nach neuen Gaslieferanten umschauen muss, da es nun durchaus sein kann, dass Russland den Gashahn erstmal zudreht. Das Öl ist ebenfalls im Zuge des Krieges in die Höhe geschnellt. Auch die Weizenpreise und alles, was damit verbunden ist, wie Brot etwa, dürften in die Höhe schnellen, da Russland und die Ukraine die größten Weizenlieferanten für Deutschland darstellen.

Putin wird den Druck erhöhen, dass Kiew fällt

Derweil bezweifeln Expert:innen in der Ukraine vor Ort, dass Russland dadurch den Krieg gegen die Ukraine einstellt, sondern eher den Druck erhöht, dass die Hauptstadt Kiew fällt. Präsdient Selenskyi hat sich am Samstag, den 26. Februar 2022, nochmal mit einer Videobotschaft an sein Volk gewandt und appelliert an sie, zu bleiben und ihr Land zu verteidigen. Er selbst soll sich trotz des Angebot der USA, ihn ausfliegen zu lassen, noch in Kiew befinden. Auch Kiews Bürgermeister und ehemalige Boxer, Vitali Klitschko ruft die Bürger:innen auf, zu kämpfen. Es ist bislang nicht ausgeschlossen, dass Russland nach einer möglichen Machtübernahme Kiews und damit der gesamten Ukraine, weiter Richtung Moldau ziehen wird.

Zahlreiche weltweite Proteste

Die Ukraine und Moldawien waren früher Teil der ehemaligen Sowjetunion, ebenso wie die Länder Armenien, Aserbaidschan, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisien, Lettland, Litauen, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenien/Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Weißrussland/Belarus. Nach dem Kalten Krieg wurde sie 1991 aufgelöst. Die Staaten erlangten ihre Unabhängigkeit, Teile davon schlossen sich Europa an und entfernten sich damit von Russland.

Nach der starken Bombardierung Kiews gab es zahlreiche Proteste weltweit, unter anderem in Berlin, Tokio und den Kalifornien gegen die Krieg gegen die Ukraine. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin dürfte das nicht wirklich beeindrucken, er selbst soll nur von einem engen Mitarbeiterstab über die Geschehnnisse in der Welt informiert werden. Vielleicht weiß er von den Protesten nichts.

Unterdessen sind die ersten Flüchtlinge auch in Deutschland angekommen und werden derzeit erstvorsorgt und in Notunterkünfte gebracht.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

 




„Die russischen Frauen schmeißen den Laden“

„Michail Gorbatschow ist ein bescheidener Mann, sehr nett und umgänglich“, sagt Claus Brümmer. Der gebürtige Künzelsauer muss es wissen: Im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) war er von 1993 bis 2005 als Botschaftsrat zuerst in der Ukraine und später in Moskau tätig. „Die KfW wurde damals angefragt, ob sie bei der Transformation im Osten helfen könnte und hat dann Büros in den deutschen Botschaften eröffnet“, erinnert er sich. Er koordinierte unter anderem deutsch-ukrainische und deutsch-russische Projekte in der wirtschaftlich-technischen Zusammenarbeit.

„Russland verarmte unter Gorbatschow“

In der Zeit organisierte der heute 75-Jährige gemeinsam mit der Gorbatschow-Stiftung das Deutsch-Russische Wirtschaftsforum 2004, dessen Schirmherr der ehemalige sowjetische Staatspräsident war. Dabei war Brümmer mit dem in Deutschland immer noch beliebten Politiker auch Kaffeetrinken und Mittagessen. „Gorbatschow war in Deutschland beliebt, bei den Russen aber nicht“, sagt er. „Durch den Umbruch während seiner Präsidentschaft verarmte das Land.“ Der heutige Präsident Putin hätte das so nicht zugelassen. „Deutschland hat damals viele Milliarden Mark an Russland bezahlt“, erinnert sich Brümmer. „Das Geld wurde unter anderem für die Rückführung der Sowjettruppen verwendet.“ Damit seien beispielsweise Wohnanlagen für die Soldaten in Russland gebaut worden. „Das haben westeuropäische Baufirmen gemacht, denn es musste schnell gehen.“ 1994 bereits sei alles fertig gewesen.

Teilnahme an Regierungsverhandlungen

Zweimal war der gelernte Bankkaufmann bei Regierungsverhandlungen dabei. „Baltische und polnische Diplomaten sagten damals, dass ihre Staaten so schnell wie möglich in die EU und besser noch in die Nato müssen“, plaudert er aus dem Nähkästchen. „Die Balten hatten Angst, weil sie eine 30-prozentige russische Minderheit haben.“ Nach seiner Zeit in der Botschaft war der studierte Diplom-Kaufmann noch zwei Jahre selbstständiger Finanz- und Wirtschaftsberater für deutsch-russische Projekte in Moskau. Was er besonders bedauert: „Das deutsch-russische Verhältnis ist seit 2007 schlechter geworden.“

Auslandssemester in Südafrika

Claus Brümmer hat es früh hinaus in die Welt gezogen. Nach einer Bankenlehre in Heilbronn studierte er Betriebswirtschaft- und Bankwirtschaftslehre in Saarbrücken. Verbrachte schon in dieser Zeit je ein Auslandssemester in Südafrika und auf den Philippinen – eine Besonderheit in den 1970er-Jahren. Nach zweijähriger Tätigkeit in Berlin wechselte er 1977 zur KfW in Frankfurt, für die er schließlich von 1993 bis 1999 als Botschaftsrat ein Büro in der deutschen Botschaft in Kiew leitete. Er erinnert sich: „Als ich 1993 nach Kiew kam, war die Ukraine sozial runtergewirtschaftet und völlig verarmt.“

„Wir lernten auch die kyrillische Schrift“

Doch zunächst einmal musste Brümmer Russisch lernen. „Am Russicum in Bochum (heute: Landesspracheninstitut NRW) waren wir den ganzen Tag im Sprachlabor und lernten auch die kyrillische Schrift“, blickt der Mann zurück. Die sei übrigens gar nicht so unterschiedlich zur lateinischen Schrift, wie viele glauben. Trotzdem war zu Anfang noch ein Dolmetscher nötig. „Viele Menschen in der Ostukraine konnten gar kein Ukrainisch, denen war Russisch lieber“, erzählt Brümmer. Die Ostukraine sei stark russifiziert gewesen. „Aber in der Westukraine war das anders, die Menschen dort wollten kein Russisch sprechen.“ Ukrainisch habe er dann aber nicht auch noch gelernt.

„Das ist völkerrechtlich nicht in Ordnung“

Zur Besetzung der Krim durch Russland hat der pensionierte Botschaftsrat eine klare Meinung: „Das ist völkerrechtlich nicht in Ordnung.“ Das zeige sich auch daran, dass nur wenige Staaten – darunter Nordkorea, Kuba, Syrien und Nicaragua – die Annexion anerkannt haben. „Den Hafen Sewastopol haben sich Russland und die Ukraine geteilt, Teile der jeweiligen Flotte lagen dort nebeneinander.“ Claus Brümmer blickt gern auf seine Jahre in der Ukraine zurück: „Das war eine tolle, friedliche Zeit.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Jahrmarkt in Welyki Sorotschynzi, den er mit der Muswiese vergleicht: „Das war immer schön und toll“. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft seien in Kiew sehr angesehen gewesen. „Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg an der ersten Unabhängigkeit der Ukraine beteiligt“, sagt er. „Zu Lenins Zeiten hatten die Ukrainer eine große kulturelle Unabhängigkeit.“ Zu Sowjetzeiten hätte auch die Übertragung der Krim durch Chruschtschow 1954 keine große Rolle gespielt.

„Die Oligarchen bringen ihr Geld ins Ausland“

Natürlich war Brümmer während seiner Zeit in der Ukraine auch auf der Krim, hat in der Stadt Sudak einen Russischkurs besucht. „Die Krim ist ein Traum“, blickt er zurück. Allerdings möge er das russische System nicht, denn dadurch würden die Krimtataren unterdrückt. Die Ukrainer dagegen hätten diesen große Rechte eingeräumt. In Russland sei heute fast alles gleichgeschaltet. Das Land selbst hat nur Rohstoffe und wenige selbstständige Firmen. „Nennen Sie mir ein Produkt aus Russland, das auf dem Weltmarkt bestehen kann“, sagt Brümmer. „Die Großstädte dort sind noch ganz passabel, aber auf dem Land ist alles kaputt, da gibt es keine Infrastruktur.“ Die Oligarchen würden ihr Geld ins Ausland bringen, denn dort sei es sicherer. Außerdem sei die Korruption hoch, aber die jungen Leute würden nicht für Korrupte arbeiten wollen. „Deshalb emigrieren viele von ihnen.“ Die Russen seien ein langsames Volk, das schon viel ertragen habe. Hinzu komme, dass das Land weit sei und die Leute deshalb nichts erfahren. Manche würden auch einen starken Staat mögen, denn „da muss man nicht selbst denken, sondern kann sich gut einrichten.“

„Die russische Seele ist toll“

„Das ist zwar eine Macho-Gesellschaft, aber die russischen Frauen schmeißen den Laden“, sagt Brümmer. „Die Männer sind schlapp, haben oft Alkoholprobleme, lassen sich bedienen.“ Sie würden sich auf die Frauen verlassen, ihr Beitrag sei eher das Kümmern um die Banjas. Allerdings ist keine Frau in der Regierung oder Gouverneurin, außer vielleicht in St. Petersburg.“ Er selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es „ganz anders war, wenn eine Frau dabei war und nicht nur Großsprecher auf der anderen Seite.“ Auch das sei eine interkulturelle Erfahrung. „Aber die russische Seele ist toll“, erinnert er sich zurück an die tolle Gastfreundschaft.

Aktives Pensionärsleben

2009 zog Claus Brümmer in seine Heimatstadt Künzelsau zurück und lebt hier ein aktives Pensionärsleben. Er ist in mehreren Vereinen aktiv, beispielsweise im Verein Künzelsauer Seniorinnen und Senioren oder seit 2020 als stellvertretender Vorsitzender im Verein StadtGeschichte Künzelsau. Im Jahr 2015 hat er das sogenannte Gerst-Haus in der Künzelsauer Innenstadt und 2018 das Nachbarhaus gekauft. Die beiden will er im Lauf der nächsten fünf bis zehn Jahre sanieren lassen und dann dem Künzelsauer Stadtmuseum als Schenkung oder Stiftung zur Verfügung stellen. Hin und wieder hält er noch Vorträge über die Ukraine und Russland sowie zu anderen zeithistorischen Themen.

„Die Korruption hat mich schwer aufgeregt.“

In Zeiten von Corona wartet und hofft Brümmer nun auf die Impfung – denn er sei schon immer viel gereist. Allerdings wolle er da auf seinen Hausarzt warten – „nur wenn es ganz kritisch kommt, würde ich ins Impfzentrum gehen“. Vor Jahren hatte Brümmer eine Bypass-Operation. „Das war von dem ganzen Stress in Russland und der Ukraine“, meint er. „Die Korruption hat mich schwer aufgeregt.“ Man sollte mal eine andere als die deutsche Verwaltung kennenlernen. „Schlechte Verwaltung behindert die Wirtschaft, da geht nichts voran“, sagt er und nennt als Beispiele Abchasien, Transnistrien und Moldawien.

„Kritisieren ist einfach“

Zur derzeitigen Situation in Deutschland meint er: „Kritisieren ist einfach, ich möchte kein Politiker sein.“ Die Menschen wüssten doch manchmal gar nicht, wie gut es ihnen in Deutschland gehe. 2020 – kurz vor dem ersten Lockdown – hat Brümmer noch in Sydney Urlaub gemacht. Am 15. März kam er nach Deutschland zurück. „Beim Rückflug war noch alles ganz normal, aber am Flughafen Frankfurt saßen schon alle mit Masken hinter den Schaltern“, erinnert er sich. „Ich habe mich nur gewundert, was hier los ist.“ In Australien hatte er von der beginnenden Pandemie nur am Rande etwas mitbekommen. Und das Kupferzell in der Zeit zu einem Hotspot geworden war, habe er auch erst zu Hause erfahren.

Text: Sonja Bossert

 

Claus Brümmer (sitzend links) bei einer Vertragsunterzeichnung. Hinter ihm stehend: der damalige Bundeskanzler Schröder (2.v.l.) und der damalige ukrainische Präsident Leonid Kutschma (2.v.r.). Foto: privat

 




Er hatte von Russland ein ganz anderes Bild

Am 10. Juni 2018 machte sich Gerhard Sprügel gemeinsam mit drei weiteren Reiselustigen auf den Weg zur WM nach Russland. Doch er reiste nicht wie viele andere deutsche Fußball-Fans mit dem Flugzeug an. Stattdessen packte er seinen extra dafür angeschafften Wohnwagen. Mit an Bord: zwei seiner fünf Brüder und ein Bekannter. Zu viert machten sie sich auf den Weg zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Mit im Gepäck hatten sie nicht nur haufenweise Lebensmittel, sondern auch zahlreiche Deutschland-Fanartikel.

 

„Alles war extrem sauber“

 

Gut 2.500 Kilometer legte die Reisegruppe in fünf Tagen zurück. Über Polen, Litauen und Lettland ging es nach Moskau, Russlands Hauptstadt, wo am 17. Juni 2018 das erste Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko stattfand. Im Stadion erlebte Sprügel eine „bombastische Stimmung“. Unsicher oder gar bedroht fühlte er sich nie. Mit der Fan-ID um den Hals erreichte er ohne große Kontrollen alle notwendigen Bereiche. Ihm fiel auf: Alles war extrem sauber. Und auch Obdachlose oder Betrunkene waren Fehlanzeige. Ob das immer so ist?

 

Von den mexikanischen Fans schwärmt Sprügel noch heute, Wochen später: „Die haben das Doppelte an Stimmung gemacht.“ Und er fügt hinzu:  „Die mexikanischen Fans waren der Wahnsinn“  – und das im positiven Sinne. Auch noch nach dem Spiel erlebte er die mexikanischen Fans, die ihn mit seiner freundlichen Art beeindruckten. „Sie haben keine Sekunde ausgelassen, um mit uns deutschen Fans ein Foto zu machen“, erzählt er. Dieses positive Bild kann Sprügel auch auf die russische Bevölkerung übertragen. „Ich war total überrascht. Ich hatte von Russland ein ganz anderes Bild.“

Norbert Renner aus Hollenbach im Interview mit den russischen Medien.
Foto: privat

„Die mexikanischen Fans waren der Wahnsinn“

 

Seine Vorstellungen wurden während seiner Wohnwagen-Reise in den Ostblock widerlegt, denn die Russen, mit denen er zu tun hatte, waren allesamt sehr entgegenkommend. Vor allem die jungen, von denen die meisten Englisch sprachen, halfen, wo sie nur konnten. Nahm die kleine deutsche Reisegruppe einmal einen Stadtplan in die Hand, wurde sie sofort angesprochen und Hilfe angeboten. Die gleiche Situation wiederholte sich ständig: in U-Bahnen wie auch im Stadion. Bereits im Vorfeld nahm Gerhard Sprügel Kontakt mit zwei russischen Studentinnen auf, die in Moskau Deutsch studierten. Deren Kontaktdaten bekam er von einem befreundeten Geschäftspartner, der aufgrund einer russischen Niederlassung des Öfteren dort verkehrt. Die beiden Damen sprachen flüssig deutsch und zeigten der deutschen Gruppe im Rahmen einer großen Stadtführung per Bus die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Auch in punkto einkaufen, telefonieren und öffentliche Verkehrsmittel unterstützten die Deutsch-Studentinnen, was ein großer Pluspunkt war. Zur kleinen Wohnwagen-Gruppe gesellten sich weitere 14 Reisende aus der Hohenloher Gegend, das so genannte JAKO-Dream-Team. Gemeinsam flog die bunt gemischte Truppe zum zweiten Gruppenspiel der Deutschen nach Sotschi. Das Ergebnis lautete 2:1 für die deutsche Nationalmannschaft. Im letzten Gruppenspiel in Kasan aber mussten sich Neuer, Hummels, Boateng und Co. der Mannschaft aus Südkorea geschlagen geben. Diese bittere Niederlage bedeutete das Ausscheiden bei der diesjährigen Weltmeisterschaft. Der Traum, erneut Weltmeister zu werden, platzte wie eine Seifenblase.

Das JAKO-Dreamteam erkundet die prunkvollen Bauten und ist begeistert von der Willkommenskultur.
Foto: privat

 

Als das Aus für die Nationalelf kam, hatten sie zunächst kein Ziel mehr

 

Und auch die Reise von Sprügel und seinen Mitstreitern bekam zunächst einen Dämpfer. „Wir hatten kein Ziel mehr für das nächste Spiel“, so beschreibt er die bedrückende Situation. „Fußball war über Nacht zur kleinsten Nebensache der Welt geworden.“ Doch nicht lange war Trübsal blasen angesagt. Schnell packte die Fans die Abenteuerlust, so dass die Reise mit dem Wohnwagen fortgesetzt wurde. An Fußball war in den folgenden Tagen nicht mehr zu denken. Kaum ein Spiel wurde angeschaut – nur wenn es zufällig in einer Kneipe über den Bildschirm flimmerte. Nun ging es hinaus aus der Stadt, hinein in das Hinterland. Hier gab es keine Campingplätze, weshalb die Reisegruppe auf Parkplätzen von Motels nächtigte. Auf Parkplätzen, die eigentlich für Lkw ausgewiesen waren, durften die Deutschen ihren Wohnwagen samt VW Bus parken. „Immer wenn es ging, direkt am Kontrollhäuschen“, erklärt Sprügel. So fühlte sich die Gruppe am sichersten, war doch das Kontrollhaus rund um die Uhr mit Wachpersonal besetzt und die Plätze beleuchtet.

Im Wohnwagen wurde nicht nur gegessen, sondern auch rege diskutiert.
Foto: privat

Ging es in Restaurants, war Einfallsreichtum gefragt, denn die Speisekarte war meist nicht zu verstehen. Aus diesem Grund machte Sprügel in einem besonders guten Restaurant mit bebilderter Speisekarte Fotos, die fortan in jeder anderen Lokalität vorgezeigt wurden. Egal ob Fleisch oder Gemüse, ob Suppe oder Salat: Auf den Teller kam meist das, was geordert wurde. Und die Hungrigen konnten ihren Magen zu relativ günstigen Preisen füllen. Zur daheimgebliebenen Familie und zu Freunden bestand stets Kontakt. In fünf WhatsApp-Gruppen wurden Bilder ausgetauscht und Nachrichten verschickt, so dass auch die Lieben daheim ein wenig vom Russland-Flair abbekamen. War der Kontakt einmal für zwei Tage unterbrochen, kam sofort die besorgte Frage aus der Heimat: „Was ist los?“ Nach dreieinhalb Wochen bog der Wohnwagen schließlich wieder in Stachenhausen ein.

Doch Sprügel träumt schon heute von seiner nächsten Abenteuerreise – vielleicht zur EM 2020, die in zwölf europäischen Städten stattfinden soll? „Wenn jemand mitfährt, starten wir morgen“, sagt er.

Gerhard Sprügel (rechts) mit seinen Brüdern.
Foto: privat

 

Die Reiseroute

Von Stachenhausen ging es über Nürnberg nach Görlitz, dann über die Grenze nach Polen. Es folgten Städte wie Breslau, Lomza und Suwalki. Grenzübergang nach Litauen: über Kaunas und Zarasai nach Lettland. Von Zilupe aus war Moskau das große Reisziel, wo die Gruppe längere Zeit verweilte. Imposant war zudem St. Petersburg. Auf der Rückreise standen weitere sehenswerte Großstädte auf dem Programm: Tallinn, Riga und Warschau. Nach insgesamt 6.000 Kilometern Fahrt war das Abenteuer Russland zu Ende.

Mit diesem Wohnwagen ging es Richtung Osten.
Foto: privat




Danke, Russland

Wer hätte das noch vor einem Monat geglaubt, dass diese WM so ruhig, so reibungslos abläuft? Keiner. Wurde doch im Vorhinein lange lamentiert, ob Russland der political correctness wegen der richtige Austragungsort sei (Augen zu und durch, dass Katar den Zuschlag für 2022 bekommen hat). Die WM lief dafür erstaunlich skandalfrei ab, alles war gut organisiert und wenn man auf die Unparteiischen blickt, hatte man in Brasilien schon mehr das Gefühl, dass der ein oder andere etwas befangen gepfiffen hat.

Erstaunlich wenig Politiker bekam man auch der VIP-Bühne zu Gesicht. Auch Wladimir Putin drängte sich nicht ins Rampenlicht, sondern war selten zu sehen.

Schade, dass man die Gelegenheit nicht ein wenig mehr genutzt hat, Russland und die Menschen zu zeigen. Vor vier Jahren waren unsere öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ganz anders vor Ort in Brasilien. Zuschauer bekamen Einblicke in das Land, der Kultur und der Gastfreundlichkeit. Auch in Russland soll die Stimmung fantastisch gewesen sein, überall auf den Straßen feierten die Menschen, erzählte der Radioreporter vom SWR, nur gesehen hat man sie nicht – zumindest nicht im Rahmen der Spiele, davor oder danach. Man hat damit die Chance verpasst, dieses vielseitige Land, das so nah an uns grenzt, mal von einer anderen Seite zu zeigen.

Das Mindeste aber wäre gewesen, dass man, nach der ganzen Kritik und Angst im Vorhinein, hätte nach der WM darauf hinweisen können, wie gut organisiert Russland diesen Fußballakt bewältigt hat. Was wir hiermit tun. Danke, Russland für eine tolle WM.




Wir sind so gut im Russland-Bashing – Aber sind wir wirklich so viel besser?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Ein Russland-Kenner, der heute morgen in SWR 1 zu den Russland-Wahlen am kommenden Sonntag, den 18. März 2018, zu hören war, war sich sicher: Wladimir Putin gewinnt die Wahl, weil er sehr populär in Russland sei, obwohl er viele innenpolitische Baustellen habe. Als Beispiel nannte er die Gesundheitspolitik, die Bildungspolitik und die Infrastruktur. Da musste man als Zuhörer schon fast schmunzeln. Genauso gut könnte er von Deutschland gesprochen haben. Wir sind wirklich gut darin, unsere östlichen Nachbarn, allen voran Russland und Wladimir Putin zu kritisieren oder über die USA den Kopf zu schütteln, wie das Volk nur einen Donald Trump zum Präsidenten wählen konnte. Bei unserem eigenen innenpolitischen Scherbenhaufen zucken wir lediglich mit den Schultern oder – noch schlimmer – die Parallelen, etwa zu Russland, fallen uns gar nicht auf.

Ja, hätte denn ersthaft jemand am Sieg von Angela Merkel gezweifelt – obwohl es reihenweise Pleiten, Pech, Pannen und vor allem Stillstand bei innenpolitischen Problemen in den vergangenen Jahren gab? Es hat sich weniger als nichts getan in der Gesundheitspolitik, in der Bildungspolitik und der Infrastruktur. Viel versprochen, noch weniger gehalten, stattdessen wurde vieles heruntergekürzt. Lediglich die Diätenerhöhung war sicher. Und was sich jetzt frisch gedruckt auf dem Koalitionspapier lesen lässt, interessiert sowieso das Gros der Bevölkerung nicht mehr, weil die Umsetzung dieser ganzen Heilsversprechen ohnehin in den Sternen steht.

// Deutschlands Baustelle 1 //

Unsere Gesundheitspolitik hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen verschlechtert: zahlreiche Krankenhäuser wurden deutschlandweit geschlossen, in der Stadt und auf dem Land herrscht Ärztemangel, der in den kommenden Jahren noch größer werden wird, Rettungsdienste beklagen eine so dünne Personaldecke wie noch nie, die staatlichen Pflegeheime sind zwar teuer, aber Pflegekräfte bekommen trotzdem nur ein Azubigehalt oder häufen Überstunden ohne Ende an.

// Deutschlands Baustelle 2 //

Deutschland war mal Klassenprimus in der Bildungspolitik – Sie erinnern sich vielleicht noch, das war zu einer grauen Vorzeit. Das ehemalige Musterländle Baden-Württemberg hatte stets Platz 2 bei den Pisastudien sicher, nach Bayern. Nun dümpeln unsere Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen auf den hintersten Plätzen herum. Viele Schulen beklagen einen Mangel an Lehrern, so dass es zu immer mehr Unterrichtsausfällen kommt und die Klassen immer größer werden. Geld wurde vor allem an den Grundschulen jahrelang nicht investiert – dort, wo der Samen für Bildung gesetzt wird.

// Deutschlands Baustelle 3 //

Über Infrastur sprechen wir lieber erst gar nicht. So wurde manch ein fast nie benutztes landwirtschaftliches Sträßchen im Kocher– und Jagsttal wurde bestens asphaltiert. Die A6 aber – die Problemzone für alle Pendler – ist so stark belastet, dass es andauernd zu Unfällen kommt. Permanente Baustellen und Unfälle zusammen – ergibt was? Richtig. Staus. Wartezeiten. Stillstand. Frust. Wann kommt der Ausbau?

Wohin sind in den vergangenen Jahren die sprudelnden Steuereinnahmen geflossen, die der ehemalige Finanzminister Woflgang Schäuble postuliert hat? Das fragen sich viele Bürger zu Recht.

A propos Altlasten: Wo ist eigentlich der beinahe-Aussenminister Martin Schulz (SPD) abgeblieben?

Foto: adobe stock