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Stefan Raabs Penis-Parade zur RTL-Primetime – Was kommt als nächstes? S/M-Spiele vor laufender Kamera?

Wer vergangene Woche den Fernseher um 20.15 Uhr bei RTL eingeschaltet hat, könnte leicht geschockt gewesen sein. Man könnte nicht hinschauen, aber auch nicht wirklich wegschauen. Und glauben konnten man es schon gar nicht, was man da sah. Wie verzweifelt kann ein Sender und Stefan Raab sein? Anscheinend tut man derzeit wirklich alles, um wieder Zuschauer zum Zuschauen zu bewegen.

Wie verzweifelt kann ein Sender sein?

Was ist geschehen? Nachdem das groß inszenierte Comeback von Stefan Raab ein totaler Flopp war, da aufgewärmter Humor von vorgestern serviert wird, wollte man sich die Blamage nicht gänzlich geben, Raab komplett wieder aus dem Programm zu nehmen. Also nun der X. Versuch, doch noch irgendein Format zu finden, in welchem man den einst großen Entertainer (und gelernten Metzger) „verwursten“ kann.

Nackte Zuschauer:innen in den ersten beiden Reihen

Nun versucht man es zunächst mit einer 15-minütigen Sendung in der Primetime bei RTL, die dann auf eine Stunde ausgeweitet werden soll. Der Inhalt … nun ja, bestach vergangene Woche aus nackten (!) Zuschauer:innen, die bei Raab im Publikum saßen. Zwei Reihen voller komplett nackter Menschen. Man fragt sich instinktiv: Machen die das umsonst oder gab es viel Geld dafür?

Ein Mann formt einen Hamburger aus seinem Penis

Aber es wurde noch besser. Im Mittelpunkt des 15-minütigen Shows stand ein Mann, der mit seinem Penis diverse Dinge formen konnte, eine Kanonenkugel für Miley Cyrus etwa oder ein Hamburger. Das Ganze wurde unverpixelt zur besten Sendezeit übertragen.

Welche Zielgruppe wollte RTL damit erreichen?

Man kann sich als Zuschauer:in nicht erinnern, wann RTL dermaßen peinlich unterwegs war, um Quoten zu genieren. Selbst in den Tief-/Höhepunkten mit Shows wie Tutti Frutti war man meilenweit von diesen Bildern entfernt. Googelt man sich jedoch ein bisschen durch, findet man auf Youtube eben diese Penis-Akrobaten, die vor neun Jahren schon bei Stefan Raabs damaliger Show TV Total auf ProSieben aufgetreten sind. Also auch dieser Auftritt ist eigentlich nur kalter Kaffee. Nur dieses Mal eben in der Primetime.

Kunststücke mit dem Penis – TV total

Welche Zielgruppe sollte damit erreicht werden? Die Unfall-Gaffer auf der Autobahn? Die Frivolen, die eigentlich andere Filmchen auf anderen Plattformen schauen? Wollte man schlicht Aufmerksamkeit für die kommenden Sendungen erregen? „König Lustig rettet Deinen Mittwoch“, so vollmundig kündigt RTL die Show an. Aha.

Peinlich ist vor allem die deutlich spürbare Verzweiflung von RTL und Raab ob der niedrigen Einschaltquoten

Das Peinlichste bei diesen Bildern war die deutlich spürbare Verzweiflung des Senders und Raab angesichts der niedrigen Einschaltquoten und dass man anscheinend wirklich alles versucht, um diese wieder aus dem Keller zu holen. Tatsächlich ist der Marktanteil verschwindend gering auch dieses Mal gewesen. Etwas mehr als eine Million Zuschauer sahen das ganze Spektakel. Wenn man vergleicht, welche Reichweite einzelne Reels in social media generieren, ist es ein Witz, wo RTL mittlerweile liegt – und wie RTL seine Zuschauer:innen einschätzt.

Relikt aus vergangenen Zeiten

Raab hat damals, als er sich aus der Öffentlichkeit verabschiedet hat, ein Vermächtnis hinterlassen. Er war auf dem Höhepunkt seiner TV- und Produktionskarriere. Sein Comeback war ein Fehler, nicht weil er zurückgekommen ist, sondern weil er es bislang nicht geschafft hat, sich in einer neuen Welt auch neu zu erfinden – und so eher wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirkt – ähnlich wie Thomas Gottschalk.

 

 




Die Unersättlichkeit der Gier

Mäuse in Filialen deutschlandweit, erschreckende Hygienestandards, teilweise eine Reinigungskraft für einen Supermarkt: Die Wallraff-Undercover-Reportage auf RTL über Kaufland verrät viel über die nach wie vor herrschende Geiz-ist-geil-Mentalität der Deutschen und des ewig profithungrigen Unternehmers.

Team Wallraff begibt sich auf Spurensuche

Reporter vom Team Wallraff arbeiteten undercover als Aushilfen in einer zweistelligen Zahl an Kaufland-Supermärkten und stellten dabei erschreckende Standards fest.

Das Unternehmen wiegelt nun ab mit Aussagen wie: Wir kümmern uns darum. Das darf natürlich nicht sein. Auch wir klären nun auf. Und an ihre Mitarbeitenden gewandt: Das kann nicht sein. Das muss sich ändern. Die Kund:innen müssen sich wohl fühlen können bei uns.

Nun beginnen die Aufräumarbeiten

Was wird nun in den kommenden Wochen und Monaten geschehen? Vermutlich werden nun alle Kaufland-Filialen strikt angehalten, alles blitzblank zu putzen – vermutlich mit aber eben diesem niedrigen Personalschlüssel. Und genau da liegt das Problem. es liegt hier eben kein punktuelles Fehlversagen vor, sondern ein systemisch zu geringer Personalschlüssel, um die Märke möglichst gewinnbringend zu fahren.

Wie soll eine einzige Reinigungskraft einen ganze Supermarkt blitzblank halten? Wenn eine Filialleitung nur einen dementsprechenden Personalschlüssel und gar nicht die Möglichkeit hat, mehr Personal diesbezüglich einzustellen, kann sie auch künftig nichts ändern.

Kündigungen sind nun völlig fehl am Platz

Kündigungen von Filialeitern, nur um zu zeigen, wir räumen nun im wahrsten Sinne bei uns auf, sind somit völlig fehl im Platz. Die schwäbische Einspar-Mentalität vom obersten Management muss sich ändern. Dann gib es eben nicht mehr Maximal-Profit, sondern ein Unternehmen, dass vielleicht ein paar Millionen weniger erwirtschaftet, aber dafür gesündere, Mitarbeiter hat, die länger im Unternehmen bleiben, besser geführte Märkte mit einem stressfreieren Klima. Auch der Ruf sollte eine Unternehmen wichtig sein.

Zu Kaufland gehört Lidl

Hinter Kaufland steht Dieter Schwarz. Die Schwarz-Familie gilt als reichste Familie Deutschlands. Zu dem Konzern gehört auch Lidl. Lidl steht als Discounter schlechthin. The cheaper the better, lautete die Devise Damit scheffelt er Konzern Milliarden. Die Reportage gibt nun einen kleinen Einblick, wie Kapitalismus funktioniert. Die Gewinnmarge des Schwarz-Konzerns ist außerordentlich hoch, vor allem in Krisenzeiten wie die aktuell hohe Inflation lässt Billigheimer-Produkte florieren. Aber selbst in diesem wirtschaftlich gewunden Unternehmen grassiert der Rotstift. Es wird ständig geschaut, wie profitabel jeder Markt ist und wie man hier und da noch etwas optimieren kann. Denn: Es ist nie genug. Es könnte immer noch mehr Gewinn erwirtschaftet werden.

The cheaper the better

Natürlich darf man dabei die Kund:innen nicht aus der Verantwortung nehmen. Auch sie schauen nach den Preisen von Butter, Milch und Fleisch und wählen nicht immer den Supermarkt ihres Vertrauens, sondern den, wo sie sich es leisten können, einzukaufen. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt auch genug Kund:innen, die das Geld hätten, genauer hizuschauen, und einen anderen Markt zu wählen, der ordentlicher geführt ist. Aber sie machen es nicht, weil auch für sie die Geiz-ist-geil-Mentalität noch immer ganz oben steht. Da wird beim Brot eingespart, aber dafür bei den Zigaretten und Bier zugegriffen (und nicht nach dem Preis geschaut). Oder aber es herrschte bislang Ahnungslosigkeit über die Zustände von Kaufland hinter den Kulissen.

Auch von den Verbraucher:innen müsste daher Druck ausgeübt werden auf das Management, dass hier mehr Geld in Personal in die einzelnen Märkte fließen muss, zur Entlastung eben dieses Personals.

Es wird sich nun in den kommenden Wochen anhand der Verkaufszahlen zeigen, ob die Verbraucher:innen ein Zeichen setzen und erst einmal woanders einkaufen, bis die Schwarz-Familie  über ihre Stiftung nicht mehr nur in prestigeträchtige soziale (und auch wichtige) Projekte wie die Experimenta oder den Bildungscampus in Heilbronn investiert, sondern auch in den sozialen Arbeitsalltag der Mitarbeitenden von Kaufland, die im Wesentlichen dazu beitragen, dass es solche prestigeträchtigen Bildungsprojekte überhaupt gibt. Zwei der gezeigten Märkte (in Bad Tölz und Homburg) wurden nun erstmal von Kaufland geschlossen.

Ein Kommentar vom GSCHWÄTZ Redaktionsteam