In Kupferzell steht seit kurzem auf dem Parkplatz der Carl-Julius-Weber-Halle ein Medibus des Robert-Koch-Institutes (RKI). In diesem und einem weiteren Bus, der in Eschental beim Hotel Günzburg steht, führt das RKI ab Mittwoch, den 20. Mai 2020, rund drei Wochen lang die Studie „Corona Monitoring lokal“ durch (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/05/16/robert-koch-insititut-will-2-000-kupferzeller-unter-die-lupe-nehmen/) Das RKI erhofft sich dadurch weitere Erkenntnisse rund um das Virus und seine Verbreitung. Also: Wieviele Menschen haben Antikörper gebildet. Und wieviele haben von einer Infektion überhaupt nichts bemerkt? Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Dunkelziffer ziehen. Außerdem wird untersucht, welche Maßnahmen vor Ort getroffen wurden und ob die zu einem günstigeren Verlauf des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Zur Vorstellung der Studie lud das Landratsamt Hohenlohekreis am Dienstag, den 19. Mai 2020, zu einer Pressekonferenz nach Kupferzell. Bürgermeister Christoph Spieles war danach die erste Person, die sich für einen Test zur Verfügung stellte und sich tapfer Blut als auch einen Rachenabstrich entnehmen ließ.
Freiwillige Teilnahme
Kupferzell ist die erste Gemeinde, die das RKI besucht. Über ein Zufallsverfahren beim Einwohnermeldeamt wurden 2000 Kupferzeller über 18 Jahren ausgewählt und von den Studienmachern angeschrieben. Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich dazu entschließt, muss sich online bei einem der beiden Studienzentren anmelden und bekommt einen Termin. Dr. Claudia Santos-Hövener, die Projektleiterin der Studie, bittet die Teilnehmer darum, nur zu kommen, wenn keine akuten Symptome vorliegen.
Rachenabstrich und Blutentnahme
Zum Termin muss die Testperson die Unterlagen, die das RKI zugeschickt hat, mitbringen und sich am Empfang melden. Dort findet die Aufklärung statt, man muss eine Einverständniserklärung unterschreiben und einen Fragebogen ausfüllen. Dann geht`s zum eigentlichen Testgeschehen mit Rachenabstrich und Blutentnahme. Während der Untersuchung werden die Schutz- und Hygienevorschriften eingehalten. Deshalb müssen die Testpersonen eine Schutzmaske tragen – entweder eine eigene oder eine vom RKI. Für angeschriebene Personen, die an der Studie teilnehmen möchten, aber nicht zum Medibus kommen können, gibt es mobile Teams, die Hausbesuche vornehmen.
Keine Zwischenergebnisse
Nach vier Wochen erhalten die Getesten eine Ergebnismitteilung per Post. „Bei einem positiven Befund erfolgt die Benachrichtigung sofort und telefonisch“, sagt Dr. Santos-Hövener. Vier bis sechs Wochen danach erfolgt außerdem eine Online-Nachbefragung. „Hier geht es nochmal um Details zum Gesundheitsverhalten, zum Infektionsschutz und um psychosoziale Einflussfaktoren“, so die Studienleiterin weiter. Zwischenergebnisse veröffentlicht das RKI nicht.
Zwei Testpersonen gleichzeitig
„Wir werden täglich von 7 bis 20.30 Uhr testen“, sagt Studienassistentin Beatrice Schlegel, eine von insgesamt rund 20 Studien-Mitarbeitern. Der Bus bietet Platz für zwei Testpersonen gleichzeitig. Weil es um die Mittagszeit zu Überschneidungen bei den Mitarbeiternteams kommt und um für einen eventuellen Mehrbedarf gewappnet zu sein, hat das THW Pfedelbach außerdem in der Carl-Julius-Weber-Halle ein Zelt und Pavillons aufgebaut, wo weitere Personen getestet werden können. „2000 Personen zu testen, ist ja auch viel Arbeit“, sind sich Beatrice Schlegel und ihre Kollegin Claudia Radek einig. Die beiden ausgebildeten Krankenschwestern sind sichtlich stolz auf den Medibus, der nagelneu ist, aber eigentlich für eine andere Studie vorgesehen war.
Faktoren, die das Virus vorantreiben oder hemmen
„Mit der Studie soll der Anteil der Bevölkerung ermittelt werden, der akut infiziert ist, und der Anteil der Personen, die die Krankheit bereits durchgemacht haben und bei denen wir davon ausgehen können, dass zumindest für einen gewissen Zeitraum eine Immunität gegen eine Neuinfektion besteht“, sagte PD Dr. Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemologie und Gesundheitsmonitoring am RKI, während der Pressekonfernz. So sollen die Faktoren ermittelt werden, die die Ausbreitung des Virus in Deutschland vorantreiben oder hemmen. Außerdem erhoffen sich die Wissenschaftlicher Aussagen über die Bevölkerungsgruppen, die besonders betroffen sind, wobei nicht nur nach Geschlecht und Alter unterschieden wird sondern beispielsweise auch nach der Haushaltszusammensetzung. Die Studien sollen dazu beitragen, die ergriffenen Maßnahmen beurteilen zu können im Hinblick auf die Aufrechterhaltung oder die Rücknahme.
„Zahlreiche Teilnahme wichtig für valide Ergebnisse“
Sowohl Landrat Dr. Matthias Neth als auch Bürgermeister Spieles erklärten, dass sie neugierig seien auf die Ergebnisse des RKI. „Wir sind sehr neugierig und wollen auch erfahren, wie sich die Infektion hier ausgebreitet hat und wie sie in der Bevölkerung aufgetreten ist“, so Neth. Er verwies auf die dramatische Situation mit Corona und bat die Bevölkerung, an der Studie teilzunehmen, denn die sei „ein wichtiger Bestandteil“. Auch Spieles hofft auf eine „zahlreiche Teilnahme“ und appellierte an die angeschriebenen Personen sich auch zu melden, wenn sie krank sind, denn dann könnten Nachmeldungen vorgenommen werden. „Diese Studie ist für uns alle äußerst wichtig“, sagte der Bürgermeister. Auch er sei gespannt auf die Ergebnisse. Dem Appell schloss sich auch Stefan Brockmann, Referatsleitung Gesundheitsschutz beim baden-württembergischen Landesgesundheitsamt, an. „Eine zahlreiche Teilnahme ist wichtig für valide Ergebnisse“, meinte er. Die Studie liefere einen wichtigen Beitrag für Erkenntnisse zu Corona.
„Wir gehen dorthin, wo der Bedarf am Größten ist“
Insgesamt will das RKI an vier verschiedenen Orten eine solche Untersuchung durchführen. Nach in Kupferzell geht`s weiter in den Landkreis Rosenheim. Gemeinde drei und vier werden erst danach ermittelt. „Wir gehen dorthin, wo der Bedarf am Größten ist“, so Dr. Lampert. Es sollen verschiedene Gemeinden betrachtet werden für ein umfassendes Bild. Gefragt nach dem Unterschied zwischen Kupferzell und dem nordrhein-westfälischen Gangelt sagte Dr. Santos-Hövener: „Die Altersstruktur ist unterschiedlich, es sind verschiedene Regionen und verschiedene Personenstrukturen“. das RKI wolle nun begreifen, welche Unterschiede es noch gab. Für eine repräsentative Studie und verlässliche Aussagen reichen außerdem die 2000 Testpersonen. „Das RKI will nicht mehr Personen testen als nötig“, sagte Dr. Lampert. Gefragt, warum das alles so lange dauere, antwortete er: „Eine Antikörper-Testung macht nur nach einer gewissen Zeit Sinn“. Man wäre zwar gerne schneller, aber so eine Studie nehme viel Zeit in Anspruch und benötige einen gewissen Vorlauf.
Text: Sonja Bossert

Referatsleiter Stefan Brockmann, Dr. Thomas Lampert vom RKI, Landrat Dr. Neth, Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener, Gesundheitsamtsleitern Antje Haack-Erdmann und Gunnar Kreidl vom THW Pfedelbach (v.l.n.r.). Foto: Gschwätz