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Öhringen: Auch Krankenhauspersonal infiziert – Landratsamt sucht medizinisches Fachpersonal – Kontaktpersonen dürfen weiterhin arbeiten

Auch Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen sind mit dem Coronavirus infiziert. Das bestätigte das Landratsamt des Hohenlohekreises aufgrund einer GSCHWÄTZ-Anfrage am Mittwoch, den 25. März 2020. Die betroffenen positiv getesteten Mitarbeiter arbeiten nicht weiter, sondern befänden sich in Quarantäne, erklärt Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamtes, und versichert: „Der Ausfall wird kompensiert“.

Landratsamt: „Pandemie wird noch länger andauern“

Am gestrigen Donnerstag, den 26. März 2020 startete das Landratsamt nun einen Aufruf, dass sie medizinisches Personal benötigen, da „die Pandemie noch länger andauern wird“.

Der Hohenlohekreis bittet die Bevölkerung in Zeiten der Corona-Krise erneut um Hilfe. Da die Pandemie noch länger andauern wird, sei es wahrscheinlich, dass die Fachkräfte, die jetzt bereits im Einsatz sind, Unterstützung brauchen werden. Deshalb ruft die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung medizinisches Personal dazu auf, sich zu melden, um bei Bedarf helfen zu können.

Vorerst gehe es darum, dass die Daten der Hilfeanbietenden gespeichert werden. Der Aufruf richtet sich an jeden, der über medizinische oder pflegerische Fachkenntnisse verfügt, aber derzeit nicht im Gesundheitssektor arbeitet. Besonders Ärzte, Pflegekräfte, pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTA) oder medizinisch-technische Assistentinnen (MTA) im Ruhestand, in Elternzeit, im Studium oder in Ausbildung sind gesucht. Auch wer zum Beispiel eine Rettungssanitäterausbildung hat oder anderweitig etwas beitragen will, sei herzlich willkommen, so das Landratsamt. „Wir freuen uns über alle Freiwilligenmeldungen von Personen mit medizinischer/pflegerischer Ausbildung. Gesucht wird breitgefächert, beispielsweise vom ehemaligem Zivildienstleistenden mit Rettungshelferausbildung bis zum Herzchirurgen im Ruhestand“, so Landrat Dr. Matthias Neth.

Wie funktioniert es?

Kontakt: Gesundheitsamt des Hohenlohekreises. E-Mail: cv-medhilfe@hohenlohekreis.de oder telefonisch unter 07940 18-385 (erreichbar montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr).

Robert-Koch-Institut rät laut dem Landratsamt zu dieser Vorgehensweise

Um den hohen Bedarf an Fachkräften für die Versorgung von Covid-19-Patienten zu gewährleisten, ist man auf die Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Die Empfehlung, das Personal im medizinischen Bereich aufzustocken, stammt vom Robert-Koch-Institut (RKI). Bei jeder freiwilligen Meldung, so betont es das Landratsamt, wird darauf geachtet, dass ältere Fachkräfte nicht einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesdetzt werden. Bei jedem Fall wird vorher geprüft, ob und wie die- oder derjenige eingesetzt werden kann.

Sonderregelungen für Kontaktpersonen aus bestimmten Berufsgruppen

In einer weiteren Pressemitteilung von Donnerstag, den 26. März 2020, erlässt der Hohenlohekreis nun Sonderregelungen für Kontaktpersonen in „systemrelevanten“ Berufen.

Die aktuellen Allgemeinverordnungen der Landkreisverwaltung regeln, dass infizierte Personen sowie deren direkte Kontaktpersonen in häusliche Absonderung, sprich Quarantäne, müssen. Das heißt jedoch nicht, dass jede Kontaktperson auch infiziert ist, sondern es handelt sich um eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, betont das Landratsamt in der Pressemitteilung.

Um die dringend benötigte Versorgungsinfrastruktur aufrechterhalten zu können, lockerte das Landratsamt diese Bestimmungen für bestimmte Berufe.

Konkret bedeutet das, dass Kontaktpersonen von diesen Berufsgruppen zur Arbeit erscheinen dürfen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie folgende Verhaltensregeln dringend beachten und einhalten:

– Kontinuierliches Arbeiten mit Mund-Nasen-Schutz.
– Tägliche Selbstbeobachtung und Dokumentation bis zu 14 Tage nach dem Kontakt mit der infizierten Person.
– Beim Auftreten von Symptomen wird die betroffene Person sofort getestet und muss bis zum Testergebnis in häusliche Absonderung. Eine Arbeitstätigkeit ist dann nicht mehr erlaubt.
– Wenn der Test positiv ausfällt, gelten die gleichen Regelungen wie bei allen Infizierten.

Diese Regelungen können jedoch nur funktionieren, wenn während der Arbeit der direkte Kontakt jeglicher Art auf ein Minimum reduziert wird, insbesondere bei Besprechungen.

„Um die Versorgung wichtiger Dienstleistungen aufrechterhalten zu können, ist es unumgänglich, Quarantäneanordnungen, die für die Allgemeinbevölkerung gelten, für Personengruppen bestimmter Berufe anzupassen, um Personalengpässe in kritischen Bereichen zu vermeiden“, erläutert die Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Antje Haack-Erdmann.

Dies gilt für folgende Bereiche:

– die in den §§ 2 bis 8 der BSI-Kritisverordnung (BSI-KritisV) bestimmten Sektoren Energie, Wasser, Ernährung, Informationstechnik und Telekommunikation, Gesundheit, Finanz- und Versicherungswesen, Transport und Verkehr,
– die gesamte Infrastruktur zur medizinischen und pflegerischen Versorgung einschließlich der zur Aufrechterhaltung dieser Versorgung notwendigen Unterstützungsbereiche, der Altenpflege und der ambulanten Pflegedienste, auch soweit sie über die Bestimmung des Sektors Gesundheit in § 6 BSI-KritisV hinausgeht,
– Regierung und Verwaltung, Parlament, Justizeinrichtungen, Justizvollzugs- und Abschiebungshaftvollzugseinrichtungen sowie notwendige Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge und Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern, soweit Beschäftigte von ihrem Dienstherrn unabkömmlich gestellt werden,
– Polizei und Feuerwehr (auch Freiwillige) sowie Notfall- /Rettungswesen einschließlich Katastrophenschutz,
– Rundfunk und Presse,
– Beschäftigte der Betreiber bzw. Unternehmen für den öffentlichen Nahverkehr und den Schienenpersonenverkehr sowie Beschäftigte der lokalen Busunternehmen, sofern sie im Linienverkehr eingesetzt werden und Taxifahrerinnen und Taxifahrer,
– die Straßenbetriebe und Straßenmeistereien sowie
– das Bestattungswesen

Quelle: Pressemitteilungen des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 26.03.2020




Bedingt einsatzbereit – Rettungsdienst nur eingeschränkt unterwegs

Allein im Dezember 2019 waren die Rettungsfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Hohenlohekreis viermal nicht voll einsatzbereit. Dies bestätigte DRK-Kreisgeschäftsführer Bernd Thierer gegenüber GSCHWÄTZ. Das wäre im Durchschnitt mindestens einmal wöchentlich. Aber was heißt überhaupt voll einsatzbereit?

Am 11., 15., 16. sowie 23. Dezember 2019 war der Rettungsdienst nur eingeschränkt unterwegs. Das heißt konkret: An allen genannten Tagen war das Notarzteinsatzfahrzeug in Westernhausen nicht besetzt. Der Notarzt musste auf dem Rettungswagen mitfahren. 

Angespannte Personalsituation

Thierer verweist auf die schwierige Personalsituation, die das DRK habe: „In Baden-Württemberg besteht im Bereich der Notfallrettung flächendeckend eine sehr angespannte Personalsituation. Die planerischen Herausforderungen bei der Besetzung der Rettungsmittel durch den Personalmangel können derzeit nahezu vollständig kompensiert werden durch die bestehende Bereitschaft zur Leistung von Überstunden durch unsere Mitarbeiter. Bei kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfällen von Mitarbeitern muss allerdings umgehend darauf reagiert und geeignete Maßnahmen für die Schicht ergriffen werden. Hierzu wurde an den betreffenden Tagen statt eines eigenständigen NEF (Notarzteinsatzfahrzeug), ein NAW (Notarztwagen im Kompaktsystem) an der Rettungswache am Standort Westernhausen betrieben.“

Rettungsdienstler bemängeln, dass dadurch der Notarzt nicht mehr unabhängig agieren könne und eventuell bereits früher zu der nächsten Unfallstelle aufbrechen müsse, sondern dadurch gebunden an den Notarztwagen sei, in dem er mitfahren müsse. Angesichts der angespannten Personalsituation, mit der das DRK bereits seit mehreren Jahren zu kämpfen hat (wir berichteten), stellt sich die Frage, mit welchem Personal die zusätzliche Rettungswache in Kirchensall (und möglicherweise in Stachenhausen), die angekündigt wurde (wir berichteten), betrieben werden soll.

Immer wieder war im Zuge der Krankenhausschließung im Gespräch, den Rettungsdienst finanziell und personell zu stärken. So wirklich stark wirkt er momentan allerdings nicht.

DRK sucht Rettungsdienstler

Das Deutsche Rote Kreuz Hohenlohe sucht Rettungsdienstler.
Anforderungen: abgeschlossene Ausbildung zum Rettungssanitäter, Führerschein Klasse B (langfristig C1), persönliches Engagement und soziale Kompetenz. Die Bewerber sollten die Bereitschaft zur Teilnahme am Schichtdienst und kontinuierlicher Weiterbildung mitbringen.

Mehr Informationen: http://www.drk-hohenlohe.de




DRK: „Vorwürfe des SWR treffen nicht zu“

Die große Berichterstattung des SWR in den vergangenen beiden Tagen über das Rettungswesen in Baden-Württemberg –  sowohl im Fernsehen, als auch im Radio und online – hat bereits vor der Veröffentlichung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) hohe Wellen geschlagen.

In einem internen Dokument an die Mitarbeiter, das GSCHWÄTZ vorliegt, bereiteten der DRK-Landesverband Baden-Württemberg e.V. und der DRK-Landesverband Badisches Kreuz e.V. bereits vor einer Woche ihre Mitarbeiter auf einen „zu erwartenden kritschen Ton der Berichterstattung“ vor. An anderer Stelle des dreiseitigen Informationsschreiben heißt es: „Wir rechnen daher mit einer insgesamt kritischen Berichterstattung des DRK in Baden-Württemberg.“

Das Dokument ist eine Woche vor der geplanten SWR-Berichterstattung (diese fand am 17. und 18. Januar 2018 statt) auf den 11. Januar 2017 datiert. Weiter heißt es: „Unsere Bitte an Sie: […] Die Vorwürfe, die der SWR gegen den Rettungsdienst und das DRK in Baden-Württemberg erheben wird, treffen in den meisten Rettungsdienstbereichen nicht zu und sind oftmals regional zu erklären.“

Die beiden DRK-Landesverbände sind sich laut dem Mitarbeiterschreiben bereits vor der Ausstrahlung der SWR-Beiträge sicher, dass es in der Berichterstattung des SWR zu „einer Pauschalisierung“ kommen könne oder mit „Fehleinschätzungen“ zu rechnen sei. „Das heißt: Analysen oder Beschreibungen des SWR zu einzelnen Themen können sich für Ihren Rettungsdienstbereich anders darstellen oder auch gar nicht zutreffen.“

Wenn Mitarbeiter Fragen „in Folge der Berichterstattung haben“, so der DRK, empfielt der DRK, sich an die DRK-Vorgesetzten und/oder Landesverbände zu wenden.

// Hintergrund

Ein Dreivierteljahr hat der SWR alle Rettungsdienste im Ländle analysiert und eine Unmenge an Daten ausgewertet. Dabei kam unter anderem heraus:

// Bei medizinischen Notfällen sind 900 Gemeinden unterversorgt

// In über 20 Prozent der Einsätze trifft der Rettungswagen später als 15 Minuten am Geschehen ein. Experten fordern laut dem SWR, dass der Rettungsdienst etwa bei schweren Unfällen, Bei Herzinfarkt oder Schlaganfall bereits nach zehn Minuten vor Ort sein müsste:

https://www.swr.de/swraktuell/bw-hilfe-im-notfall-notarzt-notfallrettung/-/id=396/did=20965982/nid=396/t0wo4p/index.html

Siehe auch GSCHWÄTZ-Berichterstattung zum Rettungsdienst und zur personellen Unterversorgung in diesem Bereich in Hohenlohe:




Maulkorb für Rettungsdienstmitarbeiter

Seit Freitag, den 27. Oktober 2017, gibt es unsere November-Ausgabe in gedruckter Form zu kaufen. Der Aufmascher: Rettungsdienst am Limit. Warum Fahrzeuge im Hohenlohekreis nicht oder nur bedingt einsatzbereit ausrücken können. Fast zur selben Zeit erhielten Rettungsdienstmitarbeiter des DRK (Deutschen Roten Kreuzes) Hohenlohekreis eine interne E-Mail von Ihrem neuen Chef, Kreisgeschäftsführer Bernd Thierer. Darin werden die Mitarbeiter explizit darauf hingewiesen, den Umgang mit der Presse zu meiden und auf ihre Schweigepflicht hingewiesen.

In unserer Analyse über den Rettungsdienst im Hohenlohekreis in unserer aktuellen gedruckten Ausgabe bemängen Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter unter anderem die dünne Personaldecke, die hohe Überstundenzahl und „signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien“. Besonders in der Kritik steht dabei Karl Heer, der bis vor kurzem Kreisgeschäftsführer des DRK war: „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer (…)  hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“, sagen Mitarbeiter.