„Und am Ende wird man gar nichts davon sehen“
Am Montag, den 06. September 2021 lud die Stadt Künzelsau zum feierlichen ersten Spatenstich für den Bau zweier Regenüberlaufbecken, der Aufweitung des Kanals in der Langenburger Strasse sowie der Erneuerung des Abwasserpumpwerks ein.

Alles vorbereitet für den Spatenstich. Foto: GSCHWÄTZ.

2,8 Millionen – „Und am Ende wird man gar nichts davon sehen“

Bürgermeister Stefan Neumann. Foto: GSCHWÄTZ.
Bürgermeister Stefan Neumann rechnet mit Kosten von 2,8 Millionen Euro für diese vier Baumaßnahmen. „Und am Ende wird man gar nichts davon sehen“, sagt er.
Beeindruckende Zahlen

Julia Haas und Dr.Ing. Alexander Krohs, CDM Smith. Foto: GSCHWÄTZ
Dr.-Ing Alexander Krohs, Bereichsleiter Wasser beim Planungsbüro CDM Smith, erläutert die Hintergründe der Baumaßnahme: 2016 habe man eine Überrechnung der Wassermengen durchgeführt und festgestellt, dass Maßnahmen zur Mengensteuerung des sogenannten Mischwassers notwendig sind. Mischwasser nennt man die Mischung aus Abwasser und Regenwasser. Bei Starkregen kann es vorkommen, dass zuviel Mischwasser in die Kläranlage geleitet wird. Dies will man durch den Bau zweier Überlaufbecken erreichen, in denen das Mischwasser gesammelt und kontrolliert abgeleitet werden kann. Das größere Rückhaltebecken wird 400 m3 fassen können. Es wird in Form einer 80 Meter langen Röhre mit einem Durchmesser von 2,6m gebaut werden. „Das ist eine interessante Maßnahme, sowohl technisch als auch durch die Lage am Kocher“, schließt Krohs.
Nicht tragfähiger Boden wird zum Problem
Seine Mitarbeiterin Julia Haas präsentiert einige weitere Daten: Das Becken wird nicht aus Beton, sondern aus GfK (glasfaserverstärkter Kunststoff) gefertigt und mit einem Schwebstoffrückhaltesystem ausgestattet. „GFK ist glatter als Beton und daher weniger reinigungsintensiv“, sagt sie. „Der Boden ist aufgefüllt und nicht tragfähig“, benennt Haas ein Problem, das auf die Baufirma zukommen wird. Ursprünglich war eine Pfahlgründung auf 6m tiefen Säulen geplant, die insgesamt 17m tief in der Erde stehen sollten.
„Flüssigboden“ als alternative Methode
Die beauftragte Baufirma Leonhard Weiss hat einen anderen Vorschlag: Uwe Breuninger, Gebietsleiter bei Leonhard Weiss erklärt das Verfahren, das er „Flüssigboden“ nennt: Erst wird die Grube ausgehoben und mit einem „schwachen Beton“ zur Verfestigung und zur Auftriebssicherung gefüllt. Dieser „schwache Beton“ wird aus dem vorhandenen mit Zement hergestellt und flüssig eingefüllt.
Dieses Material wird anschließend nochmals ausgehoben, um Platz für die 80m lange Röhre zu schaffen. „Mit diesem Verfahren erhalten wir Stabilität und es ist viel leiser für die Anwohner“, sagt er. Sein Vorschlag wird jetzt geprüft.
Anlieger haben Einwände

Diskussionsbedarf bei den Anliegern, rechts Uwe Breuninger von Leonhard Weiss. Foto: GSCHWÄTZ.



Der symbolische Spatenstich: (v.l.): Julia Haas, Verena Löhlein-Ehrler, Hans-Jürgen Saknus, m liks:
Nicht so zufrieden mit der Planung waren einige Anlieger, die sich im Vorfeld nicht gehört fühlten. Sie kritisierten unter anderem eine geplante LKW-Zufahrt über Weg, den sie als Privatweg kennen sowie Gefährdungen der Gebäude durch die Bauarbeiten und den Verkehr mit schweren LKW.
Link zum Lageplan:
120734-5-01-015 – Lageplan RÜB 14 und RÜB 12 – 10.05.2021
Text: Matthias Lauterer
