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Rechtsextremisten treffen sich in Hohenlohe

Von Freitag, den 08. Oktober 2021, bis Sonntag, den 10. Oktober 2021, fand in Herboldshausen bei Kirchberg/Jagst ein Treffen von Neonazis statt, so berichtet es das Hohenloher Tagblatt vom Samstag, 16. Oktober 2021 sowie die Südwestpresse und die Internetseite belltower.news.

Polizeibekannt – private Veranstaltung

Laut Holger Bienert, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen, ist der Veranstaltungsort polizeibekannt, auch der Verein, dem das Haus gehört, sei bekannt. Die Stadt Kirchberg habe die Veranstaltung als ein „privates Treffen“ eingestuft, sodass keine polizeilichen Maßnahmen ergriffen wurden. „Störungen  sind nicht bekanntgeworden“, ein Eingreifen der Polizei sei nicht erforderlich gewesen. Eine Bewertung wollte Bienert nicht abgeben, auch über Teilnehmer der Veranstaltung konnte oder wollte er keine Angaben machen.

Laut den Angaben des Autors Timo Büchner, der schon oft über das Thema Rechtsextremismus veröffentlicht hat, sollen mehrere bekannte Rechtsextremisten sich dort zum Thema „Thing der Titanen. Rechte Lebensführung: Zwischen Hedonismus und Askese“ getroffen haben. Namhafte Personen mit rechter Vergangenheit hätten laut Büchners Recherche an diesem Wochenendseminar teilgenommen, unter anderem:

Hockarätige Rechtsextremisten vor Ort

Nicole Schneiders, eine Anwältin, die den NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben im NSU-Prozeß vertreten hat. Sie ist nicht nur Anwältin, sondern hat einen Hintergrund in der rechten Szene. Bekannt ist, dass der Verfassungsschutz sie als V-Frau anwerben wollte, was sie abgelehnt hat.

„konservativ und völkisch“

Malte Redeker ist ebenfalls szenebekannt. Er soll eine Schlüsselfigur der extrem rechten Organisation „Hammerskin Nation“ sein und gründete das Plattenlabel „Gjallarhorn Klangschmiede“, spezialisiert auf Rechtsrock.

Musikalisch bleibt es mit Frank Kraemer, er spielt bei den „Stahlgewitter“ und „Halgadom“, beides Bands mit rechtsgerichteten Texten. Klar und deutlich wird das im Song „Auftrag Deutsches Reich“, wo es unter anderem heißt: „Die BRD ist uns egal und völlig gleich | Denn unsere Heimat ist das Deutsche Reich“. In diesem Lied wird auch auf Ulrich von Hutten Bezug genommen, der als der Gründer eines deutschen Nationalmythos gilt.

Ebenso musikalisch ist Patrick Schröder, Organisator von Rechtsrock-Konzerten, bekanntgeworden ist die Veranstaltung in Themar (Thüringen). Er betreibt auch den einschlägigen Shop FSN, was wohl als Abkürzung von „Frei, Sozial, National“ interpretiert werden soll.

Bund für Gotterkenntnis

Das Haus, in dem das Treffen stattfand, gehört einem weltanschaulichen Verein „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ (BfG). Der Verein vertritt ein Christentum außerhalb der Kirchen, das man mit „konservativ und völkisch“ umschreiben könnte.

Gegründet mit Billigung Hitlers

Seine Wurzeln findet dieser Verein im nationalen Gedankengut zwischen den beiden Weltkriegen. gegründet wurde er im Jahre 1937 als nationalreligiöser Verein mit ausdrücklicher Genehmigung Hitlers, damals als „Bund für Deutsche Gotterkenntnis“. Die geistige Mutter des Vereins ist Mathilde Ludendorff, deren Lehre von Anton Maegerle in der Wochenzeitung KONTEXT als „eine krude Melange aus wirren antisemitischen und rassistischen Verschwörungstheorien, germanisch-heidnischen Glaubensansätzen mit ethnopluralistischen Vorstellungen und brauner Esoterik“ beschrieben wird. Sie habe sich, so Mägerle, vor ihrer Ehe mit Erich Ludendorff sogar Hitler als „Führerin“ angedient, habe aber zur Antwort bekommen „dass dafür in der NSDAP keine Verwendung“ bestünde.

„Vermeidung von Rassenmischungen“ sei essentiell

Screenshot der Webseite Bund für Gotterkenntnis.

Sophie Kron vom religionswissenschaftliche Institut der Universität Leipzig hat den Verein beleuchtet. Sie sagt: Der Verein „kann als völkisch-religiöse Weltanschauungsgemeinschaft in der neugermanischen Szene verortet werden“ und sieht auch einen religiös motivierten rassistischen Hintergrund: „So sei die Vermeidung von „Rassenmischungen“ essentiell, denn diese würden durch „Blutsvermischung“ nicht nur zum Verlust der Möglichkeit einer arteigenen Gotterkenntnis, sondern auch zum „Volkstod“ führen. Die Völker werden dabei in „Licht- und Schattenrassen“ unterteilt.“

Unterteilung in „Licht- und Schattenrassen“

Der Verfassungsschutz Brandenburg spricht 2008 von „rassebedingter Gotterkenntnis“ und nennt den Verein „antisemitisch“ – 2018 stellte der VS Brandenburg keine Aktivitäten des Vereins in Brandenburg mehr fest. Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg listet den Verein im aktuellen Bericht für das Jahr 2020 nicht.
Andere Quellen nennen den Verein schlicht eine Sekte.

Verein bestreitet Vorwürfe

All diese Vorwürfe bestreitet der Verein auf seiner Webseite, dort stellt er sich als Verein dar, dessen Vereinsleben größtenteils aus Volkstanz, Kinderreigen und Kasperletheater besteht.

Verein war zwischenzeitlich verboten

Der Verein wurde in den frühen Jahren der Bundesrepublik verboten, dieses Verbot wurde aufgrund formaler Mängel nach einigen Jahren wieder aufgehoben. Heute leitet den Verein Gudrun Klink aus Ingelfingen.

Für weitere Informationen hat GSCHWÄTZ beim Verein BfG und beim baden-württembergischen Verfassungsschutz nachgefragt, die Antworten stehen noch aus.

Text: Matthias Lauterer