Super-Gau Großveranstaltung Rebenglühen in Bretzfeld mit mehreren Infizierten – Rückverfolgung Kontaktpersonen schier unmöglich
Am so genannten Rebenglühen in Bretzfeld vom 06. bis 08. März 2020 gab es mehrere Coronainfizierte, die das Virus wiederum an andere Besucher weitergaben. Das Prekäre: Eine solche Veranstaltung kann eine Kettenreaktion auslösen. Mehrere tausend Personen könnten mit den Infizierten Kontakt gehabt haben und möglicherweise ebenfalls angesteckt worden sein. Für das Landratsamt des Hohenlohekreises ein Super-Gau, stellt es sie doch vor die laut eigenen Aussagen schier unmögliche Aufgabe, hier alle Kontaktpersonen ausfindig zu machen.
Über 1.300 Kontaktpersonen konnten hinsichtlich aller Infizierten (nicht nur die des Rebenglühens) ausfindig gemacht werden
Laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises seien rund 250 Mitarbeiter des Landratsamtes derzeit sieben Tage die Woche im Schichtdienst damit beschäftigt, die Coronalage im Hohenlohekreis zu bewältigen. Dabei sei insbesondere die Ermittlung von Kontaktpersonen mit COVID 19 erkrankten Personen die Hauptaufgabe, denn nur so können weitere Infektionsketten unterbrochen werden, so das Landratsamt in einer Pressemitteilung.
Dafür sei eine eigene Aufbauorganisation innerhalb des Landratsamtes geschaffen worden. „Wir haben eine komplett neue Struktur im Gesundheitsamt aufgebaut und die Büroarbeitsplätze in mehreren Verwaltungsgebäuden entsprechend umgerüstet“, so Annette Schmidt, kommissarische Amtsleitung des Personal- und Organisationsamtes. Aus allen Verwaltungsbereichen des Landratsamtes sei Personal abgezogen worden, um diese Mammutaufgabe erfüllen zu können.
Rund 1.350 Kontaktpersonen von COVID 19 infizierten Personen konnten so alleine in den letzten Wochen ermittelt werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle Kontaktpersonen zu erreichen – ob per Mail, telefonisch aber auch auf dem Postweg, um sie über die angeordnete Quarantäne zu informieren“, so Mike Weise, Verwaltungsleiter der Besonderen Aufbauorganisation im Gesundheitsamt. Besonders wichtig ist es, dass infizierte Personen den Mitarbeitern des Landratsamtes immer alle Kontaktpersonen im betroffenen Zeitraum vollständig angeben. Insbesondere bei größeren Veranstaltungen macht dies aber immer wieder Probleme – aber etwa auch bei Personen, die viel in Kundenkontakt sind, wie etwa Kassierer.
Die Hälfte keinerlei Symptome
Die Fallermittlungen haben nun ergeben, dass gleich mehrere infizierte Personen bei der Großveranstaltung Rebenglühen in Bretzfeld vor zwei Wochen gewesen waren. „Hier die Kontakte nachzuvollziehen ist objektiv kaum möglich“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Antje Haack-Erdmann. Insbesondere deshalb, da gut die Hälfte der Infizierten keinerlei Symptome aufweisen und gar nicht wüssten, dass sie infiziert sind. Diese Personen bemerkten auch oft gar nicht, dass sie überhaupt krank waren.
„Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse kann nicht ausgeschlossen werden, dass Besucher des Rebenglühens vor zwei Wochen in Kontakt mit infizierten Personen gekommen sind“, so Haack-Erdmann. „Daher sei es wichtig, dass Besucher des Rebenglühens, bei denen die typischen Symptome auftreten, telefonisch Kontakt zum jeweiligen Hausarzt aufnehmen“, so Bretzfelds Bürgermeister Martin Piott. Eine individuelle Nachverfolgung aller Kontakte ist aufgrund der hohen Besucheranzahl nicht möglich.
Besucher des Rebenglühens sollten bei Symptomen Hausarzt kontaktieren
Für alle Fragen zum Coronavirus ist das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises werktags von 8 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 07940 18-888 zu erreichen. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet.
Grundsätzlich gilt weiterhin der Appell zuhause zu bleiben. Neben den allgemeinen Hygienetipps, wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen, sollte vor allem Abstand zu anderen Personen gehalten werden.