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Rektor der Georg-Wagner-Schule Künzelsau wechselt zum Schulamt

„Insgesamt stehen wir gut da“, sagt Florian Frank über die Georg-Wagner-Schule in Künzelsau. In kleiner Runde blickt er auf über zehn Jahre zuerst als stellvertretender Schulleiter und dann als Rektor zurück. Große Herausforderungen während seiner Amtszeit waren die Zusammenführung von zwei Künzelsauer Schulen zur Verbundschule Georg-Wagner-Schule und umfangreiche Baumaßnahmen auf den beiden Schularealen. Im Februar 2021 wechselt er an das staatliche Schulamt und wird dort das für die Personalversorgung zuständige Team verstärken. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Stadt verliert Florian Frank „ungern“

Bürgermeister Stefan Neumann, Hauptamtsleiterin Carmen Class und deren Stellvertreterin Julia Knobel haben sich in diesen Tagen von dem, wie sie sagen, engagierten Schulleiter verabschiedet. „Es war nicht einfach, zwei eigenständige Schulen und Lehrerkollegien zusammenzuführen“, beschreibt Bürgermeister Stefan Neumann den immensen Einsatz des Schulleiters, den die Stadt „ungern verliert“. Mit enormer Kraftanstrengung und großem Engagement hat es Florian Frank geschafft, die frühere Grund-, Haupt- und Werkrealschule und die damalige Georg-Wagner-Realschule zu einem Verbund, der Georg-Wagner-Schule, zu verschmelzen. Es war eine Zeit prallgefüllt mit Arbeit und quirligem Schulleben: Das Schulgebäude am Kocher hat ein neues großes Mensa-Gebäude und einen neuen Pausenhof mit vielen Bewegungsmöglichkeiten erhalten. Die Mammutprojekte, die Generalsanierung des Schulgebäudes am Berg und schließlich die Innensanierung der Sporthalle, waren im ersten Halbjahr 2020 auf der Zielgeraden, als die Corona-Pandemie den Schulalltag aus den Angeln gehoben hat. Insgesamt wurden in den zurückliegenden zehn Jahren laut der Stadtverwaltung Künzelsau rund 13,5 Millionen Euro in die beiden Schulstandorte investiert. „In den letzten Jahren hat sich viel getan und die Schule hat sich hervorragend entwickelt“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Herzlichen Dank für alles. Sie hinterlassen positive Fußabdrücke in Künzelsau und in und für die Georg-Wagner-Schule.“

Nachfolger noch offen

Für die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und die gewährten Freiräume, die ihn für die Schule handlungsfähig gemacht haben, bedankt sich auch Florian Frank. Die gelungene Sanierung der beiden Schulgebäude bezeichnet er als „Meilenstein“ und guten Zeitpunkt, sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen. „Weil ich denke, es ist alles im Reinen und gut aufgestellt, die Zusammenarbeit steht, größere Prozesse laufen weiter.“ Sein Blick wandert mit diesen Worten zu seinen Stellvertretern Antje Rother und Rainer Süßmann, die nun, bis ein neuer Rektor oder eine neue Rektorin gefunden ist, vermutlich mehr gefordert sein werden. Rainer Süßmann übernimmt bis dorthin offiziell die kommissarische Schulleitung.

Aktuell besuchen 760 Schülerinnen und Schüler die Georg-Wagner-Schule, die von 70 Lehrer:innen unterrichtet werden.

 




„Der aktuelle Fall zeigt, wie schnell die Quarantäne für viele Familien unverhofft zur Realität werden kann und schon mal einen Urlaub verhindert.

Bei einem Grundschulkind an der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau wurde am Wochenende ein positives Corona-Testergebnis gemeldet. Das Kind befindet sich in heimischer Quarantäne. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Neumann: Bitte halten Sie sich an die kommunizierten Abstandsregeln

Am Samstag, den 01. August 2020, und Sonntag, den 02. August 2020, haben die Fallermittler des Landratsamts die Kontaktpersonen des Kindes ermittelt und Kontakt zu den Betroffenen aufgenommen. Hierbei handelt es sich im schulischen Umfeld um insgesamt 23 Kinder und drei Erwachsene. Diese müssen nun ebenfalls eine Quarantäne einhalten. Zudem wurde allen Kontaktpersonen ein Corona Test beim Hausarzt oder einer Corona Schwerpunktpraxis empfohlen.

Neth: Corona nicht vorbei

„Der aktuelle Fall zeigt, wie schnell die Quarantäne für viele Familien unverhofft zur Realität werden kann und schon mal einen Urlaub verhindert. Bitte halten sie sich an die kommunizierten Regeln“, so Bürgermeister Stefan Neumann. Landrat Dr. Matthias Neth sagt dazu am Sonntag: „Dieser neue Fall und auch die anderen Fälle in ganz Baden-Württemberg der letzten Tage zeigen uns, dass die Coronalage keineswegs vorbei ist. Gerade auch in der Urlaubszeit kann es jederzeit vermehrt zu neuen Fällen kommen. Deshalb werden die Kontakte vom Landratsamt so schnell es geht, sieben Tage die Woche, ermittelt. Die betroffenen Personen müssen sich unverzüglich isolieren – auch wenn dies in der Urlaubszeit ganz besonders schwierig sein mag. Aber nur so können die Infektionsketten durchbrochen werden.“ Er erinnert nochmals an die AHA Regel (Abstandhalten, Hygiene, Alltagsmaske), deren Berücksichtigung eine massenhafte Ausbreitung des Corona Virus verhindern kann.

 

 

 




160.000 Euro für die nächsten Schritte in die digitale Ära

Die Realschule Krautheim Auf dem Weg in eine neue digitalte Schugeht das Thema Digitalisierung schon seit vielen Jahren engagiert an und versucht immer mit der Entwicklung Schritt zu halten. So waren schon vor rund sieben Jahren fest installierte Beamer, Lautsprecher und multimediale PC-Arbeitsplätze in den Klassenzimmern Standard.

Digitalpakt Schule

Nun macht sich die Realschule Krautheim auf den Weg den nächsten großen Schritt zu gehen, um die Digitalisierung des Unterrichts weiter voran zu bringen. Als eine der ersten Schulen im Hohenlohe-Kreis hat die Realschule Krautheim das Zertifikat für den Medienentwicklungsplan (MEP) erhalten und somit die Grundlage geschaffen die Zuschüsse aus dem „Digitalpakt Schule“ abzurufen. Für die Realschule stehen somit rund 160.000 Euro für die Modernisierung der digitalen Infrastruktur der Schule bereit.

Beamer werden ersetzt durch Bildschirme

Schwerpunkt hierbei ist bereits in diesem Schuljahr das Ersetzen der Beamer in jedem Klassen- und Fachraum durch Bildschirme, die ein unkompliziertes drahtloses Arbeiten mit Tablets verschiedenster Hersteller ermöglichen. Im nächsten Schuljahr soll dann das WLAN innerhalb der Schule modernisiert und ausgebaut werden, damit es in Zukunft noch mehr mobile Endgeräte sowohl für Schüler als auch für Lehrkräfte bewältigen kann. Somit sieht sich die Realschule für den im Herbst kommenden Glasfaserausbau in Krautheim gut vorbereitet und erwartet diesen mit freudiger Ungeduld.

„Sehr gute Rahmenbedingungen auch in den kommenden Schuljahren“

Schulleiter Thomas Weniger betonte, dass somit für alle Schüler und Lehrer in den kommenden Schuljahren auch im Bereich Multimedia und Digitalisierung sehr gute Rahmenbedingungen für fortschrittliches Arbeiten und Lernen geschaffen werden, um die Schüler der Realschule Krautheim getreu dem schuleigenen Motto „fit für die Zukunft“ zu machen.

Quelle: Pressemitteilung der Realschule Krautheim

Thomas Weniger ist Schulleiter der Realschule in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




„Für viele Familien ein Problem, wenn sie nicht für jedes Kind einen Rechner haben“

In Zeiten von Corona lernen die Schüler von Zuhause aus, Homeschooling ist das Schlagwort der Stunde. Dazu mussten die Schulen Strukturen aufbauen, um die Kinder und Jugendlichen mit den nötigen Lernmaterialien versorgen zu können.

„Seit zwei bis drei Jahren nutzen wir das für unsere Fünftklässler“

Die Realschule in Krautheim hatte bereits eine digitale Struktur. „Wir nutzen Office 365 von Microsoft“, sagt Schulleiter Thomas Weniger. Die Schule hat seit einigen Jahren eine Lizenzvereinbarung mit dem Software-Riesen. „Wir haben einen Pauschalvertrag über alle Rechner im Haus, der nach Anzahl der Lehrkräfte bezahlt wird“, so der Rektor. Der Vertrag beinhalte auch Heimnutzungsrechte für das Kollegium und die Schüler. „Seit zwei bis drei Jahren nutzen wir das besonders für unsere Fünftklässler“, so Weniger weiter. Als im März klargeworden sei, dass die Schulen schließen, mussten nur noch die E-Mail-Adressen der Eltern eingeholt werden, damit alle direkt erreichbar sind. Worüber sich Weniger besonders freut: Alle Eltern haben geantwortet. Am letzten Schultag hätten außerdem die Schüler einen Link oder Bar-Code bekommen, mit dem sie sich direkt in ihren digitalen Klassenordner mit Arbeitsaufträgen der Fächer einloggen konnten.

„Es läuft ganz gut bei uns“

„Der Online-Unterricht läuft bei uns ganz gut“, ist Weniger überzeugt. Sowohl Zugang als auch Struktur seien recht einfach. Unterrichtet werde nach Stundenplan, für den zuvor Wochenpläne erstellt worden seien. „Wir haben einen Musterwochenplan, anhand dem die Lehrer vorgehen“, sagt er. So könnten alle einheitlich und strukturiert arbeiten. Vorher hätte es kein digitales Lernen an der Realschule gegeben, lediglich einen Server mit Tauschordnern, auf die Schüler und Lehrer Zugriff hätten.

„Es ist auch eine Belastung für die Eltern“

„Es ist ja auch eine Belastung für die Eltern, wenn eine Schule verschiedene Möglichkeiten nutzt“, so Weniger. Die hätten oft genug Probleme, das Homeschooling zuhause zeitlich zu koordinieren. „Für viele Familien ist es zudem ein Problem, wenn sie nicht für jedes Kind einen Rechner haben.“ Auch die Rückmeldungen von Seiten der Schüler sei positiv. Wenn er bei seinen Schülern anrufe, geht es ihnen zwar ganz gut, vielen sei aber langweilig. Den Umfang der Aufgaben für Zuhause finden die meisten in Ordnung.

„Videokonferenzen sind lediglich für kleine Schülergruppen“

Nach den Osterferien wurden in Krautheim wie an vielen anderen Schulen Videokonferenzen eingeführt. Diesem Heimnutzungsrecht mussten die Eltern zuvor zustimmen, was 78 Prozent auch taten. „Die Videokonferenzen sind lediglich für kleine Schülergruppen“, sagt Weniger, der selbst Englisch unterrichtet. Sie seien nicht vergleichbar mit Präsenzunterricht. „Wenn eine gewisse Schülerzahl überschritten wird, wird es schwierig, was Sinn und Zweck anbelangt“, findet er. Der Lernstoff müsse also anders aufbereitet werden.

Den Rücklauf muss der Lehrer einfordern.

Nach drei bis vier Unterrichtsstunden würde er von seinen Schülern eine Rückmeldung verlangen. Das heißt, sie müssen ihre Hausaufgaben an den Lehrer schicken. Ansonsten kontrollieren sie ihre Aufgaben anhand von eingestellten Lösungen selbst. Schulleiter Weniger ist der Kontakt wichtig: „Wenn nichts kommt, schreibe ich eine E-Mail. Kommt dann immer noch keine Reaktion, rufe ich an“. Diesen Rücklauf müsse der Lehrer einfordern, Hausaufgaben auch mal ausdrucken und korrigieren. Und dann an die Schüler ein entsprechendes Feedback geben. Meistens klappe es aber auf Anhieb.

Aufgaben müssen bis 8 Uhr online sein

Manche Lehrer geben die Hausaufgaben wochenweise, andere täglich. Das werde unterschiedlich gehandhabt, allerdings müssen die Aufgaben bis spätestens 8 Uhr online sein. Das erleichtere es den Schülern, zuhause einen Rhythmus zu finden. Momentan hält Weniger dieses Vorgehen für alternativlos. Er komme mit dem Unterrichtsfortschritt voran, zwar langsamer, aber die Qualität sieht er bei ungefähr Dreiviertel der sonstigen.

„Es besteht die Gefahr, dass Schüler abgehängt werden“

Dennoch befürchtet der Schulleiter, dass die Schere zwischen guten und schlechten Schülern noch weiter auseinandergeht. „Es besteht durchaus die Gefahr, dass Schüler abgehängt werden“, sagt er. Deshalb können in Krautheim Schüler, die Unterstützung brauchen, in die Schule kommen. „Die Lehrer melden Problemfälle an die Schulsozialarbeit“, beschreibt Weniger. Die lade die Schüler ein. Zurzeit seien das zwei, es könnten aber auch vier bis fünf Schüler sein.

„Wir halten die Abstände ein“

Kinderreiche Familien, die nicht für alle Kinder einen PC zur Verfügung haben, könnten außerdem ein Leih-Tablet bekommen. Oder auch diese Kinder kommen in die Schule. In der dann betreuten Zeit müssen die online gestellten Aufgaben gemacht werden. Das könne an einem Vormittag sein, aber durchaus auch dreimal in der Woche. „Dabei halten wir die Abstände ein“, so Weniger. Bis zu zwölf Schüler könnten so untergebracht werden.

Abschlussprüfungen im Bürgersaal

Der Blick von Thomas Weniger richtet sich nun Richtung Abschlussprüfungen. In Krautheim kommen die 63 Prüflinge in den Bürgersaal, wo mehr als der vorgeschriebene 1,50 Meter-Abstand eingehalten werden kann und eine Lüftungsanlage für Frischluft sorgt. Auch die Regeln für die vier Kinder aus der Gruppe der Risikopatienten können problemlos beachtet werden.

Tablets oder Laptops für die Lehrer

Der nächste Schritt an der Krautheimer Realschule werden Tablets oder Laptops mit Pens sein, denn die würden das digitale Korrigieren für die Lehrer erleichtern. „Im Moment nutzen unsere Lehrkräfte ihr eigenes privates Equipment“, so Weniger. Er selbst sei als Schulleiter verpflichtet, jeden Werktag vormittags in der Schule zu sein. Doch die Vorbereitung des Unterrichts mache er dann oft auch Zuhause.

Text: Sonja Bossert

Thomas Weniger, Leiter der Realschule Krautheim (links) mit Josef Kraus. Foto: GSCHWÄTZ




Krautheim: Ehemaliger Lehrerverbandspräsident kritisiert Politik scharf: „Wer die Hauptschule abschafft, schafft den Hauptschüler nicht ab“

Bildungschaos, Kampfhubschraubereltern, Pisa-Hysterie: Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, legte am Donnerstag, den 30. Januar 2020, in Krautheim  den Finger in die Wunden des deutschen Bildungswesens.

„Stecken wir im Bildungschaos fest oder anders gesagt: Sind wir noch zu retten?“ – mit diesen provokanten Worten stellte Schulleiter Thomas Weniger den Redner des Abends vor und bezeichnete diesen als „Klarsprecher“. Viele Eltern aber auch Lehrer hatten sich im gut besuchten Eugen-Seitz-Bürgerhaus eingefunden. In seinem kurzweiligen Vortrag zum Thema „Bildungsnation oder Bildungschaos? Was Eltern jetzt wissen müssen“ zerpflückte der Autor mehrerer Bücher die Bildungspolitik, gab aber auch den Eltern einige Tipps mit auf den Weg.

„Wir haben den Mittelweg nicht gefunden“

Natürlich sei es ein provokantes Thema, bekannte der der 70-Jährige: „Ein Wissenschaftler dürfte nicht so reden.“ Aber er selbst sei Praktiker und ein „Mann des klaren Wortes“. Er scheue sich nicht davor anzuecken. Der Oberstudiendirektor a.D. und Diplom-Psychologe weiß, wovon er spricht. Als Leiter eines Gymnasiums in Bayern begleitete er laut eigenen Worten rund 2.000 Schüler bis zum Abitur. Außerdem war er von 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und begleitete so die Bildungspolitik in Deutschland. „Ich hatte viel von dieser Gesellschaft“, erklärt Kraus, der sich selbst als politischen Menschen sieht. „Deshalb will ich meine Erfahrungen zurückgeben“. Von 1993 bis 2014 war er zudem Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung des Verteidigungsministers und wäre 1995 beinahe hessischer Kultusminister geworden. Im vergangenen Jahr hat er gemeinsam mit dem Co-Autor Oberst a.D. Richard Drexl ein Buch über die Bundewehr veröffentlicht.

Geht mit der deutschen Bildungspolitik hart ins Gericht

An diesem Abend in Krautheim geht Kraus mit der deutschen Bildungspolitik hart ins Gericht. Deutschland habe eine große Bildungstradition – „weltweit beneidet“ – doch „wir sind dabei, Strukturen, Inhalte und Vorzüge über Bord zu schmeißen“. Das mache ihm Sorgen, „weil wir zurückfallen“. Immer mehr Ausbildungsbetriebe und Universitäten müssten Lift-Kurse besonders in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe anbieten, in denen bestimmte Inhalte des schulischen Unterrichts nochmal aufbereitet werden –„das ist im Prinzip Nachhilfe“.

Viele Studierberechtigte – die er unterscheidet von Studierbefähigten – brächten nicht mehr das mit, was für ein Studium nötig sei. Vor allem mache ihm Sorgen, dass „wir weltweit in einem globalen Wettbewerb stehen mit Nationen, wo das Leistungsprinzip in der Bildung noch nicht diskreditiert ist“, wo noch Neugier und Anstrengungsbereitschaft angesagt seien. Er vergleicht Deutschland mit den „Ostasiaten, die uns über kurz oder lang wahrscheinlich auch in diesem Bereich überrunden werden“. Er möchte kein Drillsystem wie in Korea, China oder Japan. Aber hier findet seiner Meinung nach das andere Extrem statt: „Wir haben den Mittelweg nicht gefunden.“

Josef Kraus in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

Er möchte kein Drillsystem wie in Korea

Von Bilanzen lässt sich Josef Kraus nach eigenen Worten nicht täuschen. Jedes Jahr steige die Abiturienten-Quote in Deutschland, die Noten werden immer besser, die Anzahl der Sitzenbleiber und Durchfaller dagegen falle. Doch hier werden, „Quote und Qualität verwechselt“. Zeugnisse würden zu „ungedeckten Schecks, mit denen man Eltern und junge Leute hinters Licht führt“. So sei eine Schieflage zwischen beruflicher und akademischer Bildung entstanden und das in einem Land, das immer sagte, „Bildung ist unser Exportschlager und der Garant dafür, dass wir die weltweit niedrigste Arbeitslosenquote bei Jugendlichen haben.“ Heutzutage würden in Deutschland mehr junge Leute ein Studium als eine Ausbildung beginnen. Was bei der mittelständischen Wirtschaft und teilweise in der Industrie spürbar werde – Stichwort Fachkräftemangel. Vor 2011 sei Baden-Württemberg bei allen innerdeutschen Vergleichen unter den vorderen vier Plätzen gewesen. Ein paar Jahre später sei es schließlich auf den hinteren Rängen gelandet. Kraus führt das auf eine „Reformitis ohne gleichen zurück, die meine, keinen Stein auf dem anderen lassen zu müssen“.

Reformen über Reformen über Reformen – Der Fachkräftemangel komme nicht von ungefähr

Der Niederbayer lehnt den Bildungszentralismus ab, weil „wir dann innerhalb einer Generation Pisa-Ergebnisse wie Bremen und Berlin haben“. Politik gebe sich gerne populistisch und „Erleichterungspädagogik und Gefälligkeitsbildungspolitik würden bei einem Teil der Beteiligten“ gut ankommen. Er wünscht sich einen „Wettbewerbsföderalismus“. Dieser sei aber weitestgehend außer Kraft gesetzt worden, bedauert Kraus und macht gleich den Schuldigen aus: „Ein falsches Verständnis von Föderalismus ist schuld, wenn es schief läuft in Deutschlands Schulen und Bildungseinrichtungen“. Die Schuld macht er nicht an Schülern, Eltern oder Lehrern fest – auch wenn unter Deutschlands 800.000 Lehrern nicht nur Helden und Heilige seien. Die Schuldfrage dagegen stellt er in Richtung Politik und Bildungswissenschaften, „die immer noch uralten Ideologien hinterherhecheln“.

Politiker „hecheln uralten Ideologien hinterher“

Der Träger des Deutschen Sprachpreises 2018 zeigt der deutschen Bildungspolitik sechs „ideologische Irrwege“ auf, die man immer wieder diskutieren müsse, „bevor man in reinem schul- und bildungspolitischem Pragmatismus ersäuft und immer neue Versprechungen draufsetzt, die alle in Richtung Gefälligkeitspädagogik gehen“. Zu der zählt er die Abschaffung der Hausaufgaben, des Sitzenbleibens, der Zeugnisse und Noten sowie der Rechtschreibung. Er geißelt die Rechtschreibreform als „Kniefall vor der zunehmenden Legasthenisierung der Gesellschaft“. Aber Rechtschreibung „hat auch mit sprachanalytischem Verständnis zu tun“ und sie biete eine „gewisse Chancengerechtigkeit, wenn alle sie beherrschen“.

Auch das Egalitätsprinzip gehört für ihn dazu, denn wenn alle Abitur haben würden, habe keiner mehr eins. Dann gebe es andere Selektionskriterien. Er selbst bezeichnet sich als großer Fan von Haupt- und Realschule und meint, „wer die Hauptschule abschafft, schafft den Hauptschüler nicht ab“. Erfreut stellte er fest, dass es in Krautheim eine Hauptschule gibt. „Ich habe gesehen, welch lebendige Schule das ist, auch übrigens in der Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft“, sagte er.

 Lob für die Haupt- und Realschule in Krautheim

Ein weiterer Irrweg sei der „Machbarkeitswahn“, bei dem man glaube, „mit Pädagogik könne man aus jedem Menschen alles machen“. Dazu zählt er auch die „Radikalinklusion“ und spielte auf den Fall von Henri an, dessen Mutter ihren Sohn, der das Down-Syndrom hat, unbedingt aufs Gymnasium schicken wollte. Bei allen Fragen der Beschulung stehe an oberster Stelle das Kindeswohl und dieser Fall hat laut Kraus nichts mit Kindeswohl zu tun. Für ihn sei das eher Kindesmisshandlung. Das bedeute aber nicht, dass behinderte Kinder nicht auch eine Regelschule besuchen könnten, sofern die technischen und personellen Voraussetzungen erfüllt seien.

Schluss mit dem Machbarkeitswahn: Aus jedem Menschen könne man eben nicht alles machen

Der „Glaube, Lernen müsse immer nur Spaß machen“ sei ein weiterer Irrweg. Seiner Meinung nach gebe es Lernen und Bildung nicht ohne Anstrengung. Doch in Deutschland sei das Leistungsprinzip über „Jahrzehnte diskreditiert worden“. Aber Leistung sei ein „wichtiges Vehikel zur Entwicklung der eigenen Identität“ und Basis des Sozialstaates. Spaß- und Gefälligkeitspädagogik lehnt er ab, denn nicht „alles, was den Kindern in der Schule leicht gemacht wird, macht ihnen den Einstieg ins Leben leicht“. Weitere Irrungen sind die Quotenfalle, „die planwirtschaftliche Vermessenheit“, dass alle studieren müssten sowie die „Pisa-Testerei“. Pisa sei kein Schulleistungstest, sondern messe nur rund zehn Prozent des schulischen Lerngeschehens. Sprachliches Ausdrucksvermögen käme darin genauso wenig vor wie „Bildung in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Geschichte“. Aber „die hohe Politik ist besoffen von Pisa-Rankingplätzen“ und verordne den Schulen Multiple-Choice-Tests und „Lücken-Zustöpsel-Tests“ im Fach Deutsch, obwohl hier die jungen Leute lernen sollten, ihre Gedanken auszuformulieren.
Auch die Beschleunigung bezeichnet Kraus als Falle. „G8 war ein katastrophaler Fehler“, sagt er. Und jetzt komme auch noch aus der Ecke der Wirtschaft der Ruf nach „Einschulung mit vier“. Er nennt das „Beschleunigungswahn ohne Rücksicht auf die Entwicklungspsychologie von Kindern“. Er erlaube sich als erfahrener Pädagoge, der als Schulleiter G9 und G8 erlebt hat, zu sagen, „dass die „G8-Absolventen weniger reif sind“.

Ein weiterer Irrweg: Lernen müsse eben nicht immer nur Spaß machen

Auch die Eltern bekamen an dem Abend ihr Fett weg. Kraus hielt ihnen den Spiegel vor, was diese amüsiert aufnahmen. Er wolle niemanden in Schubladen stecken, aber verhindern, dass sie genauso werden, erklärte er und gab ihnen zehn Anregungen für die Kindererziehung mit auf den Weg – „Impulse zur Selbstreflexion“ aber keine Patentrezepte, denn jede Familie und jedes Kind sei anders. Es gebe zwei extreme Elterntypen: Diejenigen, die sich um nichts kümmerten und jene, die sich um „alles und noch mehr kümmern“. Deren Anteil werde immer größer. Die meisten Eltern seien verantwortungsbewusst, weshalb er ein differenziertes Elternbild habe. Das Problem seien aber die Kinder aus den extremen Erziehungshaltungen.

Die Sache mit den „Schneepflugeltern“

Kraus beansprucht für sich, 2011 den US-amerikanischen Begriff Helikopter-Eltern in Deutschland eingeführt zu haben. Mittlerweile gebe es drei Ausprägungen, die die Zuhörer mit Gelächter zur Kenntnis nahmen: Kampfhubschrauber-Eltern, Rettungshubschrauber-Eltern sowie Transporthubschrauber-Eltern. Neu seien Begriffe wie Schneepflugeltern, Curling-Eltern oder auch Drohnen-Eltern. Er führte kuriose Beispiele der Elternliebe an wie Handys mit GPS, die Alarm geben, sobald die Kinder einen Aktionsradius von 200 Metern überschreiten. Diese Eltern würden dem Kind nichts zumuten und nie was versagen, aus Angst es zu traumatisieren – sie seien im „Verwöhnwahn“. Genauso schlimm sei aber auch der Förderwahn, bei dem die Mama einen VHS-Kurs in Latein macht, wenn das Kind aufs Gymnasium wechselt. Oder die unsäglichen WhatsApp-Gruppen, in denen die Eltern um die richtigen Lösungen für die Hausaufgaben streiten. Lachen unter den Eltern – der eine oder die andere schien solche Situationen zu kennen. Solche Kinder hätten Hilflosigkeit gepaart mit hohen Ansprüchen gelernt. Sie würden nie Verantwortung übernehmen und nie Unternehmergeist entwickeln.

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“

Kraus riet den Eltern, der „Bildungspolitik und ihren Versprechungen“ zu misstrauen – das seien nur Sprechblasen – ebenso wie dem „Gerede von überfrachteten Stoffplänen“. Was man gelernt habe, schaffe kognitive Strukturen. Die junge Generation brauche mehr konkretes Vorratswissen, wenn sie mitreden möchte. Er zitierte den Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach. „Wer nichts weiß, muss alles glauben“. Wissen habe schließlich auch mit Mündigkeit zu tun.

Eltern sollten den Kindern in punkto Neugier und Lesen ein Vorbild sein. Wer liest komme weiter und außerdem besagten Studien, dass „Vielleser ein 30-prozentiges höheres Einkommen“ hätten. „Ist das kein Argument?“, fragte Kraus. Dann erinnerte er die Eltern daran, dass ein Kind Liebe und Zuwendung auch ohne Abi verdient habe. Schließlich gebe es unendlich viele Abschlüsse und der Mensch beginne nicht erst beim Abi. Auch eine handwerkliche Ausbildung könne zufrieden machen.

Mut zur Autorität in der Erziehung

Eltern sollten Mut zur Autorität in der Erziehung und die Bereitschaft haben, die der Schulen anzuerkennen. Kinder seien überfordert, „wenn sie Partner auf einer Augenhöhe mit den Eltern sein sollen“. Sie bräuchten Orientierung. Wer keine Vorgabe mache, verweigere diese den Kindern. Außerdem sollten Kinder in Anspruch genommen werden. Die Eltern sollten dem „Gerede vom Schulstress misstrauen“. Den größten Stress, den Kinder heutzutage hätten, sei medialer Stress, sie kämen dadurch nicht mehr zur Ruhe.

Ebenso sollten sich Kinder an angemessenen Herausforderungen erproben und lernen, mit Niederlagen und Enttäuschungen umzugehen. Sie sollten auch mal scheitern dürfen. So lernten sie Frustrationstoleranz und Resilienz. Natürlich könne man mal hinfallen, aber das Dümmste sei, „liegen zu bleiben und nicht mehr aufzustehen“.

Auch mal scheitern dürfen

„Sofortismus“ sollte man ebenfalls nicht betreiben, Kinder also mal warten lassen und ihnen nicht jeden Wunsch von den Augen ablesen. Sie würden sonst dazu verführt, „nie die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen“. Glück könne man nur erleben, wenn man „Hirnschmalz, Zeit und Frustrationsüberwindung investiert hat und dann zum Erfolg kommt“.

Kinder sollten sich motorisch austoben und genügend schlafen. Zu wenig Bewegung habe direkte Auswirkungen auf die Motorik und „infolgedessen gibt es immer mehr adipöse Kinder“. Außerdem solle man seinen Kindern „lange Weilen“ gönnen. Sie bräuchten auch Faulheit – das „Durchhängen nach Aktivitäten“. Dafür solle man Entschleunigungsinseln schaffen. Zum Schluss stellte Kraus fest: „Erfolgreiches Erziehen geht nur mit einem Schuss Humor und Leichtigkeit“. Humor sei ein wichtiges pädagogisches Mittel, aber daran fehle es in Deutschland. „Kommen Sie weg vom immer nur Bierernsten“, empfahl er. Mit Humor könne der Mensch ein lebensbejahendes Leben führen, das „relativiert und entspannt Manches“. Echter Humor sei das beste Mittel, um den Unwägbarkeiten des Lebens zu begegnen.

Symbolfoto Schülerin. Quelle: adobe stock

 




Weihnachtsbasar voller Erfolg: Realschule Krautheim spendet 6.500 Euro an „Help! – Wir helfen!“ aus Schwäbisch Hall

Kinder helfen Kindern“ – so lautet schon seit 18 Jahren das Motto des jährlich stattfindenden Weihnachtsbasars der Realschule Krautheim. Der Bazar, der immer am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien durchgeführt wird, ist ein Höhepunkt des „Sozialen Lernens“ im Schulalltag der Schüler. Dieser ist im Schulprogramm eine von insgesamt sechs Säulen unter dem Motto „fit für die Zukunft“.

Mit Tschernobyl fing alles an

Die Idee mit einem Weihnachtsbasar Spendengelder zu sammeln, kam den Lehrern bereits in den 1980er Jahren nach dem Atomunglück von Tschernobyl. Seitdem unterstützt die Schule jedes Jahr eine andere Hilfsorganisation aus der Region, die sich im In- oder Ausland engagiert.

Für den diesjährigen Basar wurde der Verein „Help! – Wir helfen!“ aus Schwäbisch Hall-Michelfeld ausgewählt. Die Organisation hilft Kindern in aller Welt. Mit den Erlösen des Basars soll Kindern auf den Philippinen geholfen werden. Dort herrschen große soziale Unterschiede und die Kindersterblichkeit ist durch Unrat sowie mangelnder Hygiene in den Slums sehr hoch. Zudem ist Kinderarbeit stark verbreitet. „Help!“ zahlt Operationen, Prothesen, Impfstoffe, leistet finanzielle Hilfen für die Beschaffung medizinischer Geräte und bringt auch gebrauchte Gegenstände wie Betten und Rollstühle aus deutschen Krankenhäusern in Containern auf die Philippinen. Schwerpunkt der Tätigkeit von „Help! – Wir helfen!“ liegt in der medizinischen Hilfe, so wurden schon rund 2500 Lippen-Gaumen-Kieferspalten-OPs durchgeführt.

100.000-Euro-Marke geknackt

Dieses Jahr ist ein besonderes, denn mit einem Erlös von 6.500 Euro knackt die Realschule Krautheim – alle Bazare seit Beginn zusammengenommen – die 100.000- Euro-Marke. Um dieses großartige Ziel zu erreichen liefen wochenlang die Vorbereitungen für dieses große Ereignis. Es konnten in weihnachtlicher Atmosphäre eine Vielzahl von Speisen und Getränken, aber auch verschiedenste Bastelarbeiten zum Kauf angeboten werden.

Realschulrektor Thomas Weniger bedankte sich bei den Schülern, deren Eltern sowie dem Lehrerkollegium für das großartige Engagement, das seit vielen Jahren beachtliche Spendensummen ermöglicht.

Quelle: Pressemitteilung der Realschule Krautheim




Krautheim: Kritischer Vortrag über das heutige Bildungssystem

„Bildungsnation oder Bildungschaos? Was Eltern jetzt wissen sollten.“ Unter diesem Titel lädt der Verein der Freunde der Realschule Krautheim Eltern,  Lehrer, Erzieher und alle Interessierten am Donnerstag, den 30. Januar 2020, 19 Uhr, in das Eugen-Seitz-Bürgerhaus nach Krautheim ein. Der Diplom-Psychologe und Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hält einen Vortrag über Deutschland als Bildungsnation und spricht auch gravierende Fehler in der aktuellen Bildungspolitik an. Themen unter anderem: die Rolle der Eltern, die neue Pisa-Studie und ihre Folgen, Ganztagsschulen und die Grundschule.

Flyer zur Veranstaltung. Quelle: Verein der Freunde der Realschule e.V..