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„Milliardenhilfen fließen in die Wirtschaft, warum nicht in das Gesundheitssystem und die Schulen?“

Den Zeitpunkt seiner Ansteckung weiß er ganz sicher, sagt Ralf Lauber. Der freie Architekt aus Künzelsau-Ohrenbach ist im Frühjahr 2020, bei der ersten Coronawelle, positiv auf das Virus getestet worden. „Am 10. März 2020 hatte ich einen Termin mit einem Handwerker in Kupferzell. Das dauerte zirka 1,5 Stunden.“ Dieser Handwerker, der mit Erkältungssymptomen zu dem Termin erschienen sei, sei später positiv auf Corona getestet worden, sagt Lauber.

Zwei Tage später war das Ergebnis da

Eine Woche später habe Lauber mitbekommen, dass der Handwerker wegen Corona im Kankenhaus liege. „Daraufhin habe ich meinen Hausarzt angerufen. Am nächsten Tag hatte ich einen Termin in Belzhag [offizielle Drive-in-Abstrichstelle des Hohenlohekreises] zur Testung.“ Zwei Tage später sei schon das Ergebnis da gewesen. Sein Hausarzt habe ihn angerufen. Positiv. „Ich hatte damit gar nicht gerechnet, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Symptome“, erinnert sich der 57-Jährige. Ob er denn nach Mitteilung der Diagnose Angst gehabt habe? Der zweifache Familienvater erklärt: „Eigentlich nicht. Damals hast du über Corona noch nicht viel gewusst. Da hat man dann nur gedacht: Ok. Dann bleibe ich halt 14 Tage zu Hause.“ 14 Tage Quarantäne bedeutete das Testergebnis für ihn. Auch seine Frau Ute sei vorsorglich nicht zur Arbeit gegangen.

„Ok. Dann bleibe ich halt 14 Tage zu Hause“

„In der Quarantäne dann haben wir dann beide Symptome bekommen“, sagt Ralf Lauber. Kopfschmerzen, moderates Fieber (38,4 Grad), Geruchs- und Geschmacksverlust. „Zirka eine Woche lang hat bei mir alles salzig geschmeckt, egal, wie ich es gewürzt hatte.“

Alles salzig geschmeckt

Wie haben die Familie und der Freundeskreis auf die Diagnose reagiert? Ein Geheimnis um die Diagnose haben sie nicht gemacht, so Lauber: „Jeder von unserem Verwandten- und Freundeskreis hat es gewusst. Sie haben gefragt, was wir machen dürfen und was nicht.“ Aber alle seien sehr locker damit umgegangen.

Abschlusstest wurde nicht gemacht

Lauber hat auch zwei Söhne im Alter von 27 und 23 Jahre, aber diese seien schon ausgezogen aus dem Haus, so dass hier keine unmittelbare Ansteckungsgefahr drohte. Die Symptome hätten genau die zwei Quarantänewochen angehalten. Am letzten Quarantänetag sei der Familienvater aufgestanden und habe zu seiner Frau gesagt: „Corona ist weg.“ Und so sei es denn auch gewesen, zumindest was die Symptome anging. Ein Abschlusstest sei nicht gemacht worden. Der Hausarzt habe lediglich gefragt, ob Lauber noch Symptome zeige. Als dieser verneinte, sagte sein Arzt: „Sie können davon ausgehen, dass Sie genesen und immun sind.“ [Anm. d. Redaktion: Mittlerweile wird empfohlen, dass ein nochmaliger Text am Ende der Quarantänezeit gemacht wird. Diverse Wirtschaftsunternehmen üben diese Praxis aus, denn auch wenn jemand nach 14 Tagen symptomfrei ist, kann er trotzdem noch coronapositiv sein. Auch die Aussage mit der Immunität ist mittlerweile widerlegt. Es gab diverse Betroffene, die mehrfach erkrankt sind. Hier kommt es auf die Höhe und die Dauer der Antikörperkonzentration im Blut an. Diese kann sich jedoch ständig ändern. Mehr Infos: https://www.helios-gesundheit.de/magazin/corona/news/corona-immunitaet/]

„Keiner kann dir mit Sicherheit sagen, ob du immun bist oder nicht“

Ein Antikörpertest wurde bei den Laubers ebenfalls nicht gemacht. Der Architekt braucht diesen Test auch nicht, denn „das interessiert nicht. Wichtig ist: Uns geht es seitdem gut.“ Es macht keinen Unterschied, weil sowieso keiner mit Sicherheit sagen kann, ob du immun bist oder nicht.“

„Ich finde nicht alle Maßnahmen gut“

Was sagt er zu den derzeitigen Coronamaßnahmen? „Wir leben mit den Maßnahmen, aber ich finde nicht alle gut. Jetzt schränkt man nach den Novembermaßnahmen nochmal alles massiv ein. Mir kommt das so vor, dass man immer weiter einschränkt, ohne dass diese Beschränkungen erkennbar helfen, die Zahlen zu drücken.“ Er fände es etwa wichtig, auch die derzeitigen winterlichen Temperaturen mitzubedenken, was seiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet. Aber sicher müsse man diverse Maßnahmen ergreifen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Zu wenig Geld fließe in die Schulen und das Gesundheitssystem

Zu den Coronahilfen hat er eine klare Meinung: „Milliarden Hilfen fließen in die Wirtschaft, vor allem in die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren viel Geld verdient haben. Warum unterstützt man nicht viel mehr das Gesundheitssystem? Und warum muss mit der Gesundheitsversorgung Geld verdient sein? Auch die Schulen müssten mehr unterstützt werden, zum Beispiel mit Luftreinigern.“ Aber auch hier spare der Staat.

Auch bei der staatlichen Informationspolitik könne manches besser laufen: „Nichts wird richtig erklärt, man kann vieles nicht richtig nachvollziehen. Viele Bürger sind verunsichert.“ Hinzu komme eine Überwachspolitik der Bürger untereinander, etwa an der Supermarktkasse, wenn es um das Einhalten der Abstände gehe. Es sei in diesem Klima der Angst jeder etwas übersensibilisert, findet er.

Wird er sich impfen lassen? „Ich bin gegen die Impfpflicht, weil das mein Körper ist und die körperliche Unversehrtheit im Grundgesetz steht. Aber wenn die Impflicht kommt, wehre ich mich nicht dagegen. Impfen sollte nichtsdestotrotz freiwillig bleiben. Wenn die Pflicht dazu kommt, gehört dein Körper definitiv nicht mehr dir. Wo soll das hinführen?“

Text: Dr. Sandra Hartmann