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Schmutzige Wäsche

…über die man nicht sprechen darf, also psssst | Der neue Roman von Dr. Sandra Hartmann über toxische Strukturen in Familien und über den feurigen Weg aus der Hölle, denn: Der Teufel geht mit immer mit einem Heiligenschein aus dem Haus.

Eine idyllische Kleinstadt mit hübschen Fachwerkhäuschen im Süden Deutschlands

Eine idyllische Kleinstadt mit hübschen Fachwerkhäuschen in Süddeutschland. Hinter der Tür eines Hauses wohnt Nina. Mit ihrem Ehemann und ihren Kindern. Es ist alles perfekt in ihrer kleinen Familie. Fast alles.

Es ist Coronazeit. Und Nina ist bereits nach der ersten „Welle“ am Ende: Home schooling, Vollzeitjob, Kinder und Haushalt sind zu managen. Sie kann von Glück reden, dass sie Sebastian hat. Sebastian ist ein Traummann. Charismatisch, höflich, hilfsbereit. Freundlich zu jedem, der zu Besuch kommt. Manchmal, aber nur manchmal, ist er aber nicht ganz so nett.

„Ich habe diesen sehr aktuellen Gesellschaftsroman, wie man an den aktuellen Zahlen des BKA bezüglich dem starken Anstieg häuslicher Gewalt sieht, geschrieben, um zum einen den Mut bei Außenstehenden zu fördern, hinter die Kulissen zu schauen und zum anderen Betroffenen eine Stimme zu geben.“ Immer wieder spreche Dr. Sandra Hartmann in Interviews mit Betroffenen über ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, mit Sachverständigen, dem Weißen Ring, Gutachtern, Richtern und Anwälten und über hohe Hürden vor Gericht, über Täter-Opfer-Umkehr, Unkenntnis und ein noch immer stark ausgeprägtes narzisstisch-männliches Weltbild.

Dr. Sandra Hartmann.

So ist ein Gesellschaftsroman entstanden, der, nicht im Mittelalter spielt, sondern in Deutschland im 21. Jahrhundert. Es geht um eine Familie, um physische, aber auch um die viel subtilere Variante, um psychische Gewalt. Um emotionale Erpressung, finanzielle Abhängigkeit und Manipulation. Es ist keine Allerweltsgeschichte. Aber es ist eine Geschichte, die sich nach wie vor viel zu oft in Deutschland hinter den Kulissen abspielt. Basierend auf wahren Begebenheiten.

Nach „Bleib für eine kleine Ewigkeit mein“ und „Mamatschie – Trauerpferde mocht‘ ich nie“ ist das nun der dritte Roman von Dr. Sandra Hartmann.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle einmal monatlich ein Kapitel des Romans. Am 01. August 2023 erscheint das erste Kapitel.

Auch bestellbar per Mail: gschwaetz@gschwaetz.de

 




Kein „Hartz-4-Problem“

Erschreckend: Um fast 10 Prozent kletterte die offizielle Zahl bezüglich häuslicher Gewalt im Jahr 2022 nach oben, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in einer aktuellen Statistik verdeutlicht. Die Gründe sind vielfältig: Überforderung, Ängste, vermeintliche Handlungsfähigkeit, Kontrollverlust und finanzielle Sorgen werden genannt – eine Entschuldigung sind sie nicht.

Auch psychische Gewalt ist Gewalt

157.555. So viele Fälle häuslicher Gewalt wurden der Polizei im Jahr 2022 deutschlandweit gemeldet. Die Zahl nicht gemeldeter Fälle dürfte weitaus höher liegen. Denn, we Bundesinnenmisterin Nancy Fraeser richtig erkannt hat, zählen längst nicht mehr nur Schläge zu häuslicher Gewalt, sondern auch psychische Gewalt.

Es herrschen noch immer häufig männlich-narzistische Strukturen

Unter psychischer Gewalt fällt etwa Stalking, Mobbing, Abwertungen, Verleumdungen, Rufmord, Diskreditierungen und emotionale Erpressung. In einer Familie leidet darunter meist nicht nur der Partner, sondern auch die Kinder. Diverse Gerichtsverfahren, über die Redaktion GSCHWÄTZ in jüngster Vergangenheit berichtet hat, belegen, was Fraeser weiß: Die Opfer werden zu wenig geschützt. Im Gegenteil. Täter drehen vor Gericht nicht selten durch Verleumdung, falsche Behauptungen und Rufmord den Spieß um und machen sich zum Opfer. Was für ausstehende Expert:innen offensichtlich ist, ist bei Gerichtsverfahren nicht allen Sachverständigen geläufig. Somit unterliegt das eigentliche Opfer erneut – und zwar vor Gericht. Die staatliche Hand korrigiert oftmals nicht, sondern stärkt narzisstisch-dominierende Strukturen und belohnt derartige Verhaltensweisen. Hier bräuchte es wesentlich mehr Expertise in den Gerichten selbst, damit die Opfer zu ihrem Recht kommen, wenn sie sich oft nach einem jahrelangem Kampf aus einer Beziehung voller Gewalt lösen.

Noch immer herrscht in Deutschland häufig eine toxische Männlichkeit in Beziehungen sowie ein abgewertetes Frauenbild vor, in der häusliche Gewalt verübt wird. die zu Gewalt neigt.

Krisen, über Krisen, manche Menschen kanalisieren ihre Ängste in Form von Gewalt

Den dramatischen Anstieg an häuslicher Gewalt erklärt Expertin Janina Steinert im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland aber auch mit der krisenbehafteten Zeit, in der wir leben: Inflation, Corona-Pandemie und der Krieg in Europa machen vielen zu schaffen. Menschen betäuben ihre Ängste mit Alkohol, was auch nicht selten als Verstärker für häusliche Gewalt fungiere. Dadurch steige das Aggressionspotenzial. Dasselbe Phänomen habe man vor und 100 Jahren registriert. Die Folgen sind bekannt.

Eventuell komme hinzu, dass sich mehr Opfer unter anderem durch die #metoo-Debatte trauen, zur Polizei zu gehen.

Mit zunehmender Gleichberechtigung wächst der Hass auf Frauen: Die Autorin und Journalistin Susanne Kaiser beobachtet mit Sorge, wie männliche Gewalt gegen Frauen in der Öffentlichkeit, im Netz und auch in der Beziehung zunimmt. 

Frauen schweigen, weil sie nicht selten finanziell abhängig von ihrem Mann sind und die Kinder nicht in Armut aufwachsen lassen möchten

Hinzu kommt: Frauen schweigen oft, wenn sie Gewalt erfahren, weil sie finanziell abhängig von dem Mann sind und nicht möchten, dass ihre Kinder in Armut aufwachsen

Auch hier spielt die finanzielle Situation oft eine große Rolle: Wenn eine Frau finanziell von ihrem Partner abhängig ist, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer, dass sie eine gewalttätige Partnerschaft verlässt. Und wenn das Paar gemeinsame Kinder hat, ist ihre Situation noch komplizierter. Denn die meisten betroffenen Frauen wollen nicht, dass ihre Kinder Armut erfahren müssen, weil sie sich trennt. Viele Frauen haben Angst davor, finanziell ohne ihren Partner nicht klarzukommen – und folglich das Gefühl, dass alles noch schlimmer wird, wenn sie die Polizei rufen und den Partner verlassen. Diese Sorgen sind nicht unbegründet: Viele Partner haben auch  nach der Trennung noch viel Einfluss auf ihre ehemaligen Partnerinnen – zum Beispiel wegen gemeinsamer Kinder oder finanzieller Abhängigkeiten. Womöglich führt dann auch Eifersucht beim Ex-Partner dazu, dass er gewalttätig wird. Etwa, wenn die Ex-Partnerin einen neuen Partner hat.

Kein Hartz-4-Problem

Partnerschaftsgewalt ist ein Problem, das alle Teile der Gesellschaft betreffen kann. Im GSCHEÄTZ-Interview mit dem Weißen Ring Hohenlohe machten Mitarbeiter:innen darauf ganz bewusst aufmerksam.

Zurück zu den LÖW:INNEN.




„Ihre verbrannte Leiche ficken, um sicherzustellen, dass sie tot ist“

„In einer Reihe von Texten sagte Depp, dass er Heard „verbrennen“ wolle und dass er „ihre verbrannte Leiche ficken“ würde, um „sicherzustellen, dass sie tot ist“. Oder: „Hoffentlich verwest die Leiche dieser Fotze im verdammten Kofferraum von einem Honda Civic.“
Hingegen wurden die Bilder von Heards Verletzungen als „Photoshop“ bezeichnet und ihre Aussagen mit Kotz-Emojis versehen. Die bissigen Kommentare haben schon eine verstummende Wirkung. Einige User haben bereits zu viel Angst, sich gegen Depp auszusprechen, weil sie nicht wollen, dass „seine Horde“ sie angreift.“ So schreibt es das Nachrichtenmagazin Stern in einem Online-Artikel am 04. Juni 2022 und ist damit eines der wenigern Medien, die nicht Amber Haerd als vermeintliche Verleumdungstäterin sehen, die lediglich Johnny Depps Ruf ruinieren wollte und nun zu Recht fast 10 Millionen Euro wegen Rufschädigung an ihn bezahlen soll.
Depp verklagt Haerd wegen angeblicher Rufschädigung
Was ist geschehen? Johnny Depp hat nun ein Gerichtsverfahren gegen seine Exfrau Amber Haerd gewonnen. Nachdem Amber Haerd über häusliche Gewalt im Rahmen eines Interview gesprochen hat, hat Johnny Depp Klage eingereicht, weil er seinen Ruf bedroht gesehen hat. Zwar hat Haerd seinen Namen in dem Interview nicht erwähnt, aber anhand der zeitlichen Aussagen könne anscheinend nur er damit gewesen sein.
Es steht Aussage gegen Aussage – Jury glaubt Johnny Depp mehr, das heißt aber nicht, dass Amber Haerd gelogen hat
Dies habe angeblich seine Karriere gekostet. Er verklagte Heard daraufhin auf 50 Millionen Euro, was an sich schon lächerlich ist, weil sie nicht mal seinen Namen genannt hat in dem besagten Interview. An dieser Stelle hätte die Klage bereits abgewiesen werden soll. Aber das Gegenteil trat ein: Die Jury stimmte am Ende mehrheitlich dafür, dass Johnny Depp das Opfer ist und Geld von Amber Haerd bekommt. Das Thema Rufschädigung wurde höher gewichtet als die Frage: Wo beginnt häusliche Gewalt?
Die große Frage: Wo beginnt häusliche Gewalt?
Amber Heard sah sich während ihres Verleumdungsprozesses gegen Ex-Mann Johnny Depp einer Flut von Hasskommentaren im Netz ausgesetzt. Doch dieser Umgang könnte neben Heard auch einer ganzen jungen Generation schaden: Nicht nur die Schauspielerin wurde im Stich gelassen, schreibt nun der Stern:

„Amber Heard wurde im Prozess gegen Johnny Depp für schuldig befunden. Die Jury verurteilte sie, 8,35 Millionen Dollar an ihren Ex-Mann zu zahlen. Doch während der Verleumdungsfall zwischen den beiden Schauspielern vor einem Gericht in Virginia verhandelt wurde, fand im Internet ein weiterer Prozess statt, bei dem das Urteil stark in Richtung Depp als „wahres Opfer“ tendierte. Wochenlang überschwemmten Memes und Reels, die Heard als „Lügnerin“, „Psychopathin“ und „Manipulatorin“ bezeichnen, die sozialen Medien. Sie machten sich über ihre Haare, ihr Outfit und ihre Mimik lustig und wünschten ihr manchmal sogar den Tod.

In den Kommentaren zu den Livestreams des Prozesses wurden Depps gewalttätige Texte heruntergespielt („lol Johnny“) und seine Anschuldigungen gewürdigt.

„Ich denke nicht, dass wir nur Amber Heard im Stich gelassen haben. Ich denke, wir haben alle Frauen im Stich gelassen, die geschlechtsspezifische Gewalt erfahren haben“, sagte Mandi Gray, Expertin für Geschlechtergerechtigkeit und Forscherin an der Universität von Calgary, gegenüber „Vice News„. Diese Aussage kann auch Farrah Khan gegenüber „Vice News“ bestätigen, sie ist Anwältin für Geschlechtergerechtigkeit: „Man braucht ein ganzes Dorf. Es geht nicht nur um die Person, die Schaden anrichtet, sondern auch um die Menschen in ihrem Umfeld, die dies ermöglichen, unterstützen und fördern.“

Missbrauchstäter klagen oft gegen ihre Opfer, um sie öffentlich zu demütigen

Beide haben auch darauf hingewiesen, dass Verleumdungsklagen sehr oft von Missbrauchstätern benutzt werden, um Überlebende weiter zu kontrollieren und zu zwingen. Gray, die das Phänomen untersucht hat, sagte, solche Gerichtsverfahren seien eine „Möglichkeit, Menschen, vor allem Frauen, öffentlich zu demütigen und Kontrolle zu gewinnen“. Das liegt zum Teil daran, dass man bei einer Klage einen großen Teil seines Lebens preisgeben muss: Textnachrichten zwischen Freunden und Familien, E-Mails und mehr, die dann vor Gericht untersucht werden. „Es ist ein sehr invasiver Prozess“, sagte Gray und fügte hinzu, dass die Täter durch die Einleitung von Verleumdungsklagen auch versuchen können, „das Blatt zu wenden“. „Dieser Fall ist nicht die Ausnahme. Er ist die Regel.“

Täter versuchen, das Blatt zu wenden und sich selbst als Opfer zu inszenieren

„Es ist ein Thema, das wir ernst nehmen sollten, denn dies ist eine der größten öffentlichen Fehlinformationskampagnen, die wir je über häusliche Gewalt gesehen haben“, sagte Khan. „Dieser Fall prägt das Bild, das junge Menschen von häuslicher Gewalt haben.“

Johnny Depp: Das sind die skurrilsten Momente des Gerichtsverfahrens