1

Beispiel Künzelsau zeigt einmal mehr: zwischen Hohenlohe und online klaffen nach wie vor Welten

Online und Hohenlohe – das scheint in manchen Bereichen auch zum Ende dieses Corona-Jahres so unvereinbar zu sein wie das Wort Schimmel und die Farbe Schwarz. Man betrachte nur einmal die Stadtratsitzung in Künzelsau, als unlängst so viele Fraktionen die Online-Sitzung boykottierten und dadurch der Gemeinderat nicht beschlussfähig war (wir berichteten).

Die Vogel-Strauß-Methode bringt nichts

Als Reaktion auf den Boykott stellt die Stadtverwaltung den Gemeinderatssitzmitgliedern nun frei, ob sie online an den Gemeinderatssitzungen teilnehmen oder vor Ort im Rathaus sitzen möchten. Eigentlich müsste man denken, dass jeder Stadtrat begeistert hinsichtlich des relativ bequemen Angebots einer Online-Gemeinderatssitzung im Zuge der Coronapandemie sein müsste. Aber dem ist nicht so. Die einen fühlen sich übergangen vom Bürgermeister, andere wiederum scheinen mit der Technik nach wie vor nicht wirklich auf Kuschelkurs zu sein.

Die Online-Paste wird auch  nach Corona nicht zurück in die Tube gedrückt werden.

Doch dies müsste sich dringend ändern. Es reicht nicht aus, Vogel Strauss zu spielen und zu warten, bis die Pandemie im Zuge eines Impfstoffes endlich ein Ende findet. Denn Corona hat einen Trend, der vorher schon da war, einfach noch mehr beschleunigt: online first. Die Online-Paste wird auch  nach Corona nicht zurück in die Tube gedrückt werden.

Noch immer zu viele Funklöcher im Hohenlohekreis

Spätestens seit der ersten Pandemiewelle hätten (Lokal-)Politiker sich näher mit Online-Kommunikation befassen oder vielleicht auch ordentlich geschult werden müssen. Wie funktionieren Videokonferenzen? Welche Ausrüstung benötige ich zu Hause dafür? Habe ich überhaupt die nötige Datenübertragungsrate? Nun machen wir alle mal schön einen Probelauf. Sicher, wenn man in einem Funklochnest sitzt, hat man kaum Möglichkeiten. Bei Mulfingen, Ingelfingen und auch rund um Öhringen gibt es diese Niemandsländer immernoch reichlich.

Wenn Bürger keinen Empfang haben, können sie auch nicht von Zuhause adäquat arbeiten

Und auch hier sind in erster Linie Lokalpolitiker gefordert, diese noch viel zu großflächigen Funklöcher im Hohenlohekreis ein Ende zu bereiten. Denn: Wenn Bürger keinen Empfang haben, können Sie nicht nur nicht im Internet shoppen, sondern eben auch nicht online arbeiten geschweige denn homeschooling betreiben.

Schule online geht anders

Und da wären wir beim nächsten Punkt: Schule online. Seit März 2020 hatten die Schulen Zeit, Lehrer ins Online-Schulzeitalter zu hieven. Doch was ist bis dato egschehen? Sicher, es gibt Leuchtturmschulen auch im Hohenlohekreis, die mit Online-Plattformen und Verteilung von Tablets blitzschnell reagiert haben. Aber diese sind leider immernoch eher die Ausnahmen. Bei vielen Schulen quälte man sich durch die ein oder andere Videokonferenz, die eher die Erklärung der Technik und das Befinden der Schüler zum Thema hatte, als Lernstoff adäquat zu vermitteln. Aber das ist kein Unterricht. Ansonsten heißt der Plan B, wenn eine Klasse von heute auf morgen in Quarantäne geschickt wird, immer noch nicht selten: Schaut in euren E-Mail-Postfächern nach oder holt die Blätter, die man den Kindern in der Schule kopiert, ab. Schule online geht anders. Die Unis machen es vor. Denn die können mangels Präsenzunterricht nicht einfach nur  Blätter kopieren oder pdfs und youtube-Links verschicken. Hier werden Tutorials online abgehalten. Das wäre auch in den Schulen möglich. Dazu gehört: Jedes Kind müsste mit einem Tablet ausgestattet sein und mit diesem Tablet findet dann Online-Unterricht statt.

Auch staatliche Behörden glänzen nicht wirklich mit Online-Präsenz

Aber auch bei den Banken und den staatlichen Behörden im Hohenlohekreis sind noch einige Online-Löcher zu stopfen. Denn die meisten Formulare, um irgendwelche Anträge zu stellen, gibt es zwar schon online zum Abruf. Aber immer noch zählt die digitale Unterschrift eigentlich gar nicht. Ausdrucken lautet hier nach wie vor die Devise, unterschreiben, und mit der Post im Original wegschicken. Die Deutsche Post zählt immer noch mehr als eine E-Mail. Nur braucht sie Tage länger, bis sie Dokumente von A nach B transportiert. So fortschrittlich sind wir im 21. Jahrhundert.

Es könnte alles so einfach sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann