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„Ob Schleifchen oder Schrammen – auf jeden Fall zusammen“

Mia, Philip und Sanja. Foto: GSCHWÄTZ

Am 21. Juli 2022 fand die Ausstellung „Achtung Mensch- die Würde des Menschen ist unantastbar“ auf dem Campus der Freien Schule Anne-Sophie statt. Die Aussteller? Die Teams, die Klassen, höchstpersönlich.

Im Zuge eines schulinternen Wettbewerbs hat jedes Team eine originelle Darstellung des jeweiligen Themas abgegeben. Vorbereitet ist für 800 Besucher, letztendlich besichtigen etwa 600 Leute die Kunstwerke, darunter auch GSCHWÄTZ-Praktikantin Anna-Lena Eißler.

„Was du nicht willst, was man dir tu“

Für die Stufen Vorschule bis 4. Klasse lautete die Aufgabe: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Mit selbstgemachten T-Shirts treten schon die Grundschüler aus der Primarstufe für die Menschenrechte ein: Jeder Lernpartner aus der Lerngruppe Wölfe hat ein T-Shirt zu diesem Thema bemalt. „Aber wir haben uns geholfen. Wenn jemand keine Idee hatte“, erklären Philip (10) aus Künzelsau und Sanja (9) aus Neuenstadt. „Warum haben wir dann zuerst gesagt, dass wir die T-Shirts alleine bemalt haben?“, fragt Mia (10) aus Gaisbach.

„Das geht auch mich etwas an?“

Die Sekundarstufe, die Mittelstufe, beschäftigen sich mit der Frage: „Das geht auch mich etwas an?“ Felix Gareis, David Sieman, Alessio Pisani und Niko Burnyan zeigen mit ihren Kunstwerken „Werbung für die Menschenrechte“, wie sehr sie dieses Thema angeht. Denn: Werbung bleibt im Kopf. Ihr Slogan ist ein großes, gelbes Schild mit dem Inhalt Menschenwürde statt Diskriminierung.

Alessio, David, Felix, Niko, Isabelle, Ivaya. Foto: GSCHWÄTZ

Dazugelernt haben die Teilnehmer nicht nur auf dem Gebiet der Rechtslage zu Diskriminierung und Mobbing, sondern vor allem, wie man letzteres vermeiden kann.

„Wir mussten zusammenarbeiten und mit Zeitverschätzung bei der Vorbereitung und Auseinandersetzungen fertig werden“, erklären Celina (16) aus Waldenburg und Lisa-Marie (16) aus Bieringen. So hat sich ihre Sicht auf Menschen und Vorurteile verändert, sensibilisiert. Genau das wollen die Lernpartner aus Team Gruninger auch den Besuchern vermitteln: andere zu respektieren.

Das Büffet ist eröffnet

Wer zwischendurch einen kleinen Imbiss braucht, kann sich zwischen asiatischen Nudeln, Pulled Turkey mit Coleslaw Salat und einer roten Wurst im Brötchen entscheiden. Die warmen Temperaturen bringen eine Trägheit mit sich, die zur lockeren Stimmung beiträgt, aber nicht auf den Magen schlägt.

Viel los auf dem Campus der FSAS. Foto: GSCHWÄTZ

Auf

Zudem gab es eine Kunstausstellung mit Kunstwerken aus allen Altersgruppen zu bewundern.

„Anspruch und Wirklichkeit“

Das College, oder auch Oberstufe, wandelt auf dem schmalen Grat zwischen „Anspruch und Wirklichkeit“, getragen von Videos, Gemälden und Poetry.
„Man konnte einen, drei oder fünf Punkte vergeben. Ich habe nie nur einen vergeben“, heißt es aus der Jury. „Hauteng“ war die Distanz zwischen den jeweiligen Platzierungen. Aber nicht nur die Jury, sondern auch die Eltern sind von den Darstellungsformen der Kinder und Jugendlichen begeistert.

„Alle waren gut vorbereitet und so ist es ziemlich entspannt“, sagt Jaqueline Goldbach, die mit ihrer Tochter Samantha (12) die Ausstellung besucht.
Dan Rus schaut sich das E-Book an, das seine Tochter Timea mit ihrem Team gestaltet hat. Er sieht es als tolle Abwechslung zum normalen Unterricht und den typischen Klassenarbeiten. Auch der Lehrkörper, die Lernbegleiter, begrüßen die offene Veranstaltung. Besonders, dass auch die Eltern endlich wieder die Lernumgebung ihrer Schützlinge erkunden und die Vielfalt der entstandenen Projekte bestaunen können.

Auch die Kleinsten machen mit

Und selbst die Kleinsten, die Vorschüler, haben mithilfe ihrer Lernbegleiter ein Reim-Trickfilm über Gemeinsamkeit gestaltet- mit ihnen in der Hauptrolle.
„Ob alt oder jung- auf jeden Fall mit Schwung“, sagen sie in die Kamera und: „Ob Schleifchen oder Schrammen- auf jeden Fall zusammen!“

Text: Anna-Lena Eissler




„Wir wollen, dass jeder alles sehen kann“

Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe, in dem beispielsweise die archäologischen Funde aus Klepsau liegen (GSCHWÄTZ berichtete), hat ein ganz besonderes Museumskonzept: „Wir wollen, dass jeder alles sehen kann“, sagt Dr. Alexander Wolny, der als Leitender Explainer insbesondere die Archäologie in Baden betreut, „das ist die Philosophie unseres Museums“. In vielen Museen liegen Funde und Exponate in einem Fundus oder einem Archiv und werden höchstens für eine spezielle Ausstellung hervorgeholt und ausgestellt, in Karlsruhe ist das anders.

Individuelle Präsentation von Ausstellungsstücken

Und so ist Wolny stolz darauf, dass die Museumsstücke inzwischen zum allergrößten Teil digitalisiert sind und im digitalen Katalog, der im Internet unter Digitaler Katalog – Badisches Landesmuseum zu finden ist, zur Verfügung stehen. Und wem die Aufnahmen im digitalen Katalog nicht ausreichen, der kann sich fast alle Stücke, die ihn interessieren, auch anschauen: Anmeldung und Terminvereinbarung genügt, dann werden die Stücke individuell von einem kenntnisreichen Museumsmitarbeiter, einem sogenannten Explainer, präsentiert.

Die Digitalisierung des Museums

Besonders stolz ist Wolny auf eine Art Museumsversuchslabor. „Ab 2025 wird das Gebäude renoviert, da wird uns viel Ausstellungsfläche fehlen“, sagt Wolny, der aus der Not eine Tugend macht und auf einen digitalen Museumsbesuch hinarbeitet. Das Museum forscht also nicht nur an den Museumsstücken, sondern auch am Museum der Zukunft. Das „Pilotprojekt für ein neues Museumserlebnis“ soll ein digitalbasiertes Museumserlebnis möglich machen. Drei Konzepte sind derzeit verwirklicht und warten auf das Feedback der Besucher:

Highlights

An 16 Säulen werden 650.000 Jahre badischer Menschheitsgeschichte, ausgehend vom homo heidelbergensis, anhand einiger charakteristischer Ausstellungsstücke schlaglichthaft dargestellt. Eine Erklärung gibt es an den Säulen nicht – man muß seine Eintrittskarte vorhalten, dann erst erscheinen die Erklärungen. Die Eintrittskarten sind codiert: Erwachsene und Kinder erhalten unterschiedliche Informationen. „Es ist damit auch einfach möglich, die Erklärungen fremdsprachig zu hinterlegen“, meint Wolny.

Expothek

Elektronischer Museumsführer. Foto: Screenshot www.landesmuseum.de

Ebenfalls ganz ohne klassische Erklärtafeln kommt die folgende Expothek aus: Die ausgestellten Stücke können mit einem bereitgestellten handyartigen Gerät gescannt werden, auf dem Bildschirm werden die Erläuterungen aus dem digitalen Katalog dargestellt. Hier bedienen sich die Gestalter allerdings eines kleinen Tricks, denn „genaugenommen werden nicht die Exponate gescannt, sondern der Hintergrund, der ein eindeutiges und maschinell erkennbares Muster aufweist“, grinst Wolny auf die Frage, ob die Software ähnliche Gegenstände so gut unterscheiden kann.

Blick in die Expothek. Foto: GSCHWÄTZ

Die Tische in der Mitte laden zum interaktiven Museumsbesuch ein: Spiele für Kinder, Erklärungen für Erwachsene, hier sind der Fantasie der Besucher nur die Grenzen der bisher implementierten Daten und Software gesetzt. „Die Besucher nehmen das an, nicht nur Kinder und junge Leute. Auch Großeltern sitzen da und sind kaum wegzukriegen“, hat Wolny mit diesem Konzept bisher gute Erfahrungen gemacht. Das Beste daran: die virtuellen Objekte können direkt in natura angesehen werden – die Vitrinen und Schubladen sind gut gefüllt.

ExpoLab

Nicht für alle geeignet ist der dritte Raum: Dort kann man mit 3D-Brillen virtuell in die Vergangenheit eintauchen. „Da kann es schon vorkommen, dass jemandem schwindlig wird“. Diesen Menschen stehen „klassische“ Bildschirme zur Verfügung, auf denen sie den Reisen in die Vergangenheit folgen können. „Das ist für Viele gewöhnungsbedürftig“, weiß Wolny, „aber Kinder und Jugendliche lieben den Umgang mit den 3D-Brillen. Die Älteren brauchen etwas Eingewöhnungszeit.“

„Es gibt ständig neue Entwicklungen“

Und was wird für die Umbauzeit realisiert? Das weiß Wolny noch nicht: „Es gibt ständig neue Entwicklungen“ – er will ja nicht 2025 ein Konzept präsentieren, das schon wieder veraltet ist. Außerdem will man das Feedback der Besucher:innen aufnehmen und in die Präsentation einarbeiten. Das Museum arbeitet bei der Entwicklung des digitalen Konzeptes mit Forschungsinstituten zusammen: Beispielsweise mit einem Fraunhofer-Institut, das einen 3D-Scanner entwickelt hat, um archäologische Funde in eine virtuelle 3D-Darstellung zu überführen, sowohl zur Präsentation als auch zur weiteren Forschung. Auch dieser Scanner ist im Publikumsbereich installiert, wer will, kann ein Stück seiner Wahl scannen lassen.
Und für manchen Besucher hat der Scanner sogar eine höhere Anziehungskraft als die archäologischen Funde.

Das Badische Landesmuseum ist aus Hohenlohe mit der S4 ab Öhringen-Cappel ohne Umsteigen erreichbar. Von der Haltestelle Kronenplatz sind es noch wenige Minuten Fussweg zum Schloss.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zu den verschiedenen Angeboten des Museums finden sich auf der Homepage www.landesmuseum.de.

Text: Matthias Lauterer