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„Für wissenschaftliche Studien, die an einer öffentlichen Universität stattfinden, ist das höchst ungewöhnlich“

Greta Thunberg hat oft wiederholt und betont: „Glaubt den Wissenschaftlern.“ Doch so einfach ist es nicht immer. Denn auch Wissenschaftler machen Fehler, auch im wissenschaftlichen Feld gibt es unterschiedliche Meinungen, Auswertungen, Ergebnisse und Interpretationen. Am besten zeigt sich dies am Beispiel der Coronapandemie.

Ab Mitte März 2020 gab es, um die Pandemie einzudämmen, zahlreiche Einschränkungen und Beschränkungen, der so genannte „Lockdown“ war in aller Munde. Schulen und Einzelhandelsgeschäfte mussten schließen, es gab rigide Kontaktbeschränkungen.

Social-Media-Agentur Storymachine, mitbegründet von Ex-Bild-Chef Kai Diekmann, beteiligt

Nach der so genannten Heinsberg-Studie begann ein neuer Zeitabschnitt hinsichtlich der Coronapandemie: Die Beschränkungen werden seitdem Schritt für Schritt gelockert, Geschäfte geöffnet, Kontaktsperren aufgeweicht, Schulen schrittweise geöffnet. Doch die Heinsberg-Studie unter Federführung des mittlerweile deutschlandweit bekannten Virologen Hendrik Streeck hat einen Haken: Fachleute zweifeln an der Aussagekraft der Heinsberg-Studie. Sie gebe keinen Anlass, Kontaktsperren zu lockern, sagen Kritiker.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sagte beispielsweise im Rahmen eines Expertengespräches, das das deutsche Science Media Center (SMC) zu künftigen Teststrategien auf Sars-CoV-2 veranstaltete,er könne aus dem, was in Düsseldorf präsentiert wurde, nichts ableiten: „Da wird einfach so wenig erklärt, dass man nicht alles versteht. (…) Diese Labortests haben eine hohe Rate an falsch positiven Signalen, rein technisch“, sagte Drosten. Das bedeute etwa, dass Antikörpertests auch dann anschlagen können, wenn Menschen sich gar nicht mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben, sondern ihr Immunsystem Antikörper gegen eines der vier saisonalen Coronaviren gebildet hat.“ Das geht aus einem Artikel der Wochenzeitung Die Zeit hervor. https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/heinsberg-studie-coronavirus-hendrik-streeck-storymachine-kai-diekmann

Coronaviren gibt es schon lange. Mit Covid-19 betritt aber eine bislang wenig erforschte Coronavirus-Art den Raum. Seit dieser Woche möchte das Robert-Koch-Institut daher das Virus genauer erforschen und beginnt mit Kupferzell als Corona-Hotspot. 2.000 Kupferzeller sollen zur Ader gelassen und befragt werden, um am Ende mehr über das noch weitgehend unbekannte Coronavirus zu erfahren. Morgen ist eine erste Pressekonferenz dazu geplant zu den genauen Untersuchungsbedingungen.

Die großen der PR- und Medienbranche haben die Studie unterstützt

Während parallel dazu die Maschinerie der Beendigung der Corona-Maßnahmen in Bewegung geraten ist, berichtet die Wochenzeitung Die Zeit, wer den nunmehr deutschlandweit bekannten Virologen Streeck unterstützt hat, mit seiner Heinsberg-Studie in kürzester Zeit so bekannt zu werden: „Mittlerweile wurde zudem bekannt, dass das Forscherteam um Hendrik Streeck bei der Öffentlichkeitsarbeit von der Social-Media-Agentur Storymachine unterstützt wird, gegründet vom ehemaligen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, dem PR-Profi Michael Mronz – dem einstigen Lebenspartner des verstorbenen Außenministers und FDP-Politikers Guido Westerwelle – sowie dem ehemaligen stern-Chef Philipp Jessen. In sozialen Netzwerken begleitet die Agentur die Forschung des Bonner Teams mit einer Informationskampagne. Für wissenschaftliche Studien, die an einer öffentlichen Universität stattfinden, ist das höchst ungewöhnlich“, lautet das Fazit über diese PR-Werbetrommel in der Zeit.

„Die Studie von Prof. Dr. Hendrik Streeck zu Covid-19 ist von überragender Wichtigkeit und wissenschaftlicher Bedeutung für den weiteren politischen und gesellschaftlichen Umgang mit dieser Krankheit“, urteilte Storymachine-Geschäftsführer Philipp Jessen gegenüber dem Magazin Meedia. Das Ziel des „Heinsberg-Protokolls“ sei es, dieser wissenschaftlichen Arbeit größtmögliche Öffentlichkeit und Sichtbarkeit zu ermöglichen.

Die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Sarah Philipp von der SPD richtete indes eine kleine Anfrage an die Landesregierung. Darin geht es unter anderem um die Frage, wer Storymachine den Auftrag zur Erstellung der Dokumentation gegeben habe und wer diese finanziere. Die Agentur habe den Kontakt zu Streeck aufgenommen und sein Einverständnis für die Dokumentation eingeholt, heißt es in dem Interview mit Meedia. Die Agentur erhalte aber weder Geld von ihm noch von der Universität Bonn.

Coronavirus Symbolfoto. Quelle: adobe stock