Verunreinigte Charge
Erika Seebacher aus Stuttgart ist Logopädin. Seit 3 Jahren nun kämpft die 63-Jährige um Anerkennung für ihre Post-Covid-Erkrankung. Die Impfbefürwortin hat einen Ärztemarathon hinter sich – der sie auch physisch an ihre Grenzen bringt. Denn seit ihrer zweiten Corona-Impfung kann sie sich nur noch eingeschränkt bewegen und sprechen. Ärzte wiesen in ihrem Körper überall Entzündungsherde nach. Heute ist sie ein Pflegefall und übersteht den Tag oft nur mit starken Schmerzmitteln.
Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Reportage von Riff-Reporter Martin Rücker.
Bis die Diagnose Post-Covid steht, vergeht eine gewisse Zeit, denn auch sie selbst als Impfbefürworterin dachte zunächst an ein Sportverletzung, nachdem sie nach der zweiten Impfung starke Schmerzen in ihrem Bein verspürte und kaum mehr laufen konnte. Nach diversen Untersuchungen wurde das Ergebnis mittlerweile von mehreren Ärzten festgehalten: Post-Covid. Doch ihre Krankenkasse tut sich damit zunächst schwer damit, weiter ihre Medikamente zu bezahlen, die sie aufgrund ihres jetzigen Zustandes benötigt.
Nach der ersten Impfung mit AstraZeneca bekommt Erika Seebacher etwas zeitversetzt zwei Wochen nach der Impfung überall rote Pusteln am Körper. Zu diesem Zeitpunkt weiß man noch nicht, was später zufällig Untersuchungen der Uniklinik Ulm feststellen werden: Die Charge, die Seebacher gespritzt bekommt, ist verunreinigt. Ob diese Verunreinigungen wiederum zu derartigen Nebenwirkungen führen können, ist, wie vieles andere auf diesem Gebiet, noch nicht bewiesen.
Nach der zweiten Impfung bekommt sie zunächst starke Schmerzen in Fuß, dann auch in dem anderen, in den Beinen, Armen und in den Händen, Irgendwann ist ihr Gesicht gelähmt. Bei den Untersuchungen sieht man Muskelschäden und Nervenentzündungen im ganzen Körper. Einige Ärzte reagieren anfangs allergisch auf das im Raum stehende Post-Covid. Doch sie findet auch Ärzte, die ihr helfen. bis heute war sie bei über 60 Ärzten.
Erika Seebacher selbst formuliert ihre Erfahrungen so: „Ich hätte nie gedacht, dass man keine Hilfe bekommt und teilweise verleumdet wird. Da ist kein Sicherheitsnetz. Für Menschen mit einem Impfschaden war nichts vorbereitet – und das ist bis heute so.“
Während die Ämter ihr relativ problemlos den Pflegegrad drei bescheinigen und damit eine Behinderung von 80 Prozent, muss sie finanziell dennoch mit einer beträchtlichen Summe in Vorleistung gehen: Rund 50.000 Euro hat sie der behindertengerechte Umbau ihres Hauses gekostet, Medikamente und private Arzttermine. Das Versorgungsamt Böblingen prüft bereits seit geraumer Zeit ihren Fall, ob sie Ansprüche hat etwa auf Rentenzahlungen und Kosten für Hilfsmittel. Den Antrag hat sie im Oktober 2022 gestellt.
Weil für Post-Covid bislang Therapien fehlen, die Forschung diesbezüglich noch in den Kinderschuhen steckt, setzen Ärzte auch auf solche Medikamente und Verfahren, die nur für andere Krankheitsbilder zugelassen sind. Die Not der Patienten ist derart groß, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach diese Zweckentfremdung – „Off-Label-Use“ genannt – erleichtern möchte: Der SPD-Politiker lässt eine Liste mit Therapien erstellen, die die Krankenkassen künftig trotz fehlender Zulassung bezahlen sollen.
Sollte das Versorgungsamt ihren Impfschaden nicht anerkennen, möchte Seebacher vor Gericht gehen.