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„Aus Gründen, die von der Stadtverwaltung nicht nachvollziehbar sind“

Quartiere in Innenstädten zu entwickeln ist meist ein langwieriger und schwieriger Prozess. Dafür ist es unerlässlich, Areale frei von Gebäuden und Altlasten zu schaffen, um sie für eine weitere, für die Innenstadt positive, attraktive Nutzung zur Verfügung stellen zu können, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau.

Aushub ist mit Schadstoffen belastet

Im Quartier An der Stadtmauer in Künzelsau wird endlich gebaut. Es sollen in dem neuen Gebäudekomplex attraktive Flächen für Einzelhandel und Wohnungen entstehen. Bis das Quartier baureif war und ein Kaufvertrag mit dem Investor ACTIV-Group geschlossen werden konnte, verging einige Zeit. In den Jahren 2007 bis 2009 hat die Stadtverwaltung die bebauten Flächen von verschiedenen Eigentümern erworben. 2015 wurden die Gebäude abgebrochen und der Abraum teilweise zum Auffüllen des Areals verwendet. Im April 2021 wurde durch Untersuchungen festgestellt, dass der Aushub der Baugrube, der zum Teil aus Abbruchmaterial besteht, mit Schadstoffen belastet ist.

Einwandfreies Vorgehen wurde bestätigt

Das beim Baustart 2021 ausgehobene Material wurde nach einem mit dem Landratsamt Hohenlohekreis abgestimmten Untersuchungskonzept für die abfalltechnische Einstufung des Baugrubenaushubs behandelt. Die Aushubarbeiten wurden von der BFI Zeiser GmbH, einem für Altlastenerkundung qualifizierten Büro für Ingenieurgeologie aus Ellwangen, überwacht, damit eine fachkundige Entsorgung sichergestellt werden konnte. Das Aushubmaterial wurde nach einem Rasterschema beprobt. Ein zweites, von der Stadtverwaltung beauftragtes, qualifiziertes Fachingenieurbüro, CDM Smith GmbH aus Crailsheim, hat die Aushubbegleitung, das Material und die Entsorgung in der Zwischenzeit nochmals begutachtet und ein einwandfreies Vorgehen bestätigt.

Wie ist das belastete Material da hingekommen?

Aus Gründen, die von der Stadtverwaltung Künzelsau bisher nicht nachvollziehbar sind, wurde im Jahr 2015, trotz der Beteiligung von Fachinstituten, beim Abbruch der auf dem Areal stehenden Gebäude belastetes Material verfüllt. Damals konnte nicht damit gerechnet werden, dass es weitere fünf Jahre bis zu einem Baubeginn einer Neubebauung dauert. Die Stadtverwaltung steht mit den damals Beteiligten in Kontakt, um zu klären, wie das belastete Material in die Baugrube gekommen ist.

Keine Belastungen für die Umwelt

„Auch der interne Ablauf steht auf dem Prüfstand“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Wenn Fehler gemacht worden sind, müssen diese aufgearbeitet werden. Wichtig ist jetzt aber auch der Blick nach vorne: Es gab keine belastenden Auswirkungen auf die Umwelt. Und Künzelsau erhält an zentraler Stelle ein attraktives Areal mit einem Drogeriemarkt, Büro- und Wohneinheiten. Trotz der Altlasten-Entsorgung konnte die ACTIV-Group zügig weiter bauen.“

Später gibt es weitere Informationen

Beim jetzigen Verfahrensstand können keine Namen der Beteiligten genannt werden, um eine Vorverurteilung zu vermeiden. Sobald die Untersuchung des Sachverhalts abgeschlossen ist, wird die Stadtverwaltung die Öffentlichkeit weiter unterrichten.

Aufwändige Beprobungen durchgeführt

In Vorbereitung auf einen Baubeginn der ACTIV-Group wurden Ende 2020 mittels Bohrungen orientierende Beprobungen (In-situ-Beprobung) durchgeführt und zunächst erhöhte Werte von belastetem Material festgestellt. Um ein teures Zwischenlagern und ein Verzögern des Bauablaufs zu vermeiden, wurde vor Beginn des Aushubs im Frühjahr 2021 eine weitere aufwändigere Beprobung mittels Baggerschürfungen vorgenommen. Dafür wurde die Baufläche in 15 Rasterfelder aufgeteilt. In jedem Rasterfeld fanden mehrere Baggerschürfe statt. Das Aushubmaterial wurde getrennt nach Auffüllungen und anstehenden (gewachsenen) Böden aufgeschüttet und dann repräsentativ beprobt.

Natürlich im Boden enthalten

Diese weiteren Untersuchungen des Abbruchmaterials, das 2015 zum Auffüllen der Kellerräume der abgebrochenen Gebäude und Einebnen des Areals verwendet wurde, ergaben erhöhte Werte für PCB (Polychlorierte Biphenyle), PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), Schwermetalle und Sulfat. Die anstehenden (gewachsenen) Böden waren im Wesentlichen unbelastet, bis auf einige Proben mit erhöhtem Arsengehalt. Dieser Stoff ist allerdings auch natürlicherweise im Boden enthalten.

Entsorgungskonzept für die abfalltechnische Einstufung

Mit den vorliegenden Ergebnissen war es möglich, nun mit dem Deponiebetreiber und den Bauherren, Maßnahmen der Wiederverwertung und die weiteren Wege des Aushubmaterials abzustimmen. Mit dem Landratsamt Hohenlohekreis wurde ein fortgeschriebenes „Untersuchungskonzept für die abfalltechnische Einstufung des Baugrubenaushubs mittels Baggerschürfe und Haufwerksbeprobungen“ abgestimmt. Ein darüber hinaus von der Stadtverwaltung beauftragtes qualifiziertes Fachbüro, CDM Smith, hat das Konzept überprüft und es für korrekt befunden. Das Landratsamt Hohenlohekreis bestätigt dieses Vorgehen: „Das Untersuchungskonzept vom 25. Februar 2021 wurde mit der Fachbehörde im Landratsamt Hohenlohekreis abgestimmt. In diesem enthalten ist auch die weitere Vorgehensweise. Die ordnungsgemäße Umsetzung des Konzepts wurde von der Stadt Künzelsau vor Ort überprüft.“

Unterschiedlich stark belastet

Die rund 15.000 Kubikmeter Aushub, die größtenteils aus dem Auffüllmaterial stammten, waren unterschiedlich stark belastet. Gering belastete Teile davon hätten unter bestimmten hydrogeologischen Bedingungen auch wiederverwendet werden können, beispielsweise im Erdbau zur Auffüllung von Dämmen und Wällen oder unter Straßen. Allerdings haben zeitgleich und innerhalb eines wirtschaftlich akzeptablen Radius keine entsprechenden Maßnahmen stattgefunden.

Material wurde ordnungsgemäß entsorgt

Deshalb wurde das Material komplett über die qualifizierten und zertifizierten Entsorgungsfachbetriebe „Bodenaufbereitungsanlage 2.0 BVÖ“ (BVÖ), Firma Schneider aus Öhringen und Baustoff- und Bodenbehandlung Hohenlohe GmbH & Co. KG (BBH) aus Rüblingen entsorgt. Deponiert ist das Material auf Deponien in Heilbronn (Deponie Vogelsang), in Rüblingen (Deponie der Baustoff- und Bodenbehandlung Hohenlohe GmbH & Co. KG – BBH) und in Öhringen (Bodenaufbereitungsanlage 2.0 BVÖ“, Firma Schneider). Sämtliche Maßnahmen wurden also nachvollziehbar von einem qualifizierten Fachingenieurbüro begleitet, das zudem nochmals durch ein weiteres Fachbüro überprüft wurde.

Prognostizierte Gesamtkosten: zwei Millionen Euro

Dafür wurde der Stadtverwaltung von der ACTIV-Group Ende März 2021 ein Angebot und eine Kostenberechnung für die anfallenden Kosten der Entsorgung des kompletten belasteten Materials überlassen. Grundlage hierfür waren zwei Angebote von zwei Subunternehmern. Zur Übernahme dieser Kosten hat sich die Stadtverwaltung mit dem im Mai 2018 abgeschlossenen Kaufvertrag verpflichtet und hat dies im April 2021 auch nach Beratungen im Gemeinderat zugesichert. So hat der Gemeinderat Künzelsau der Zahlung der Entsorgungskosten des kontaminierten Aushubmaterials in Höhe von bisher einer Million Euro zugestimmt. Insgesamt werden rund zwei Millionen Euro prognostiziert. Ob sich nun am Ende für die Stadtverwaltung ein wirtschaftlicher Schaden ergibt, wird aufgearbeitet. Eventuell ist ein solcher entstanden, da die Entsorgungspreise in den letzten Jahren stark gestiegen sind.

Auswirkungen auf die Umwelt?

In der Zeit vom Auffüllen der Kellerräume im Jahr 2015 bis zum Ausheben der Baugrube 2021 ist der Grund und Boden nicht irreversibel geschädigt worden. Durchgeführte Grundwasserproben bestätigten das. Solange die Schadstoffe im Boden gebunden sind, gibt es keine schädlichen Auswirkungen. So stellt auch das Büro für Ingenieurgeologie BFI Zeiser aus Ellwangen in seinem Untersuchungskonzept für die abfalltechnische Einstufung des Baugrubenaushubs im Februar 2021 fest: „Am anstehenden Boden wurden bislang keine Untersuchungen durchgeführt. Da es sich um Talablagerungen beziehungsweise Verwitterungsschichten des unteren Muschelkalks handelt, sind hier erfahrungsgemäß keine Schadstoffbelastungen zu erwarten.“ Auch die beauftragten Fachinstitute haben somit keine Hinweise gefunden, die auf belastende Auswirkungen auf die Umwelt hinweisen. Da die Entsorgung durch eine Fachfirma erfolgte, gab es auch während der Aushubarbeiten keine schädlichen Auswirkungen. Mittlerweile ist das Material abgefahren.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

 

 




Auf Verjährung kann hier keiner hoffen: „Unerlaubter Umgang mit Abfällen“ ist ein Dauerdelikt .

Die Staatsanwaltschaft und Polizei Heilbronn ermitteln zwischenzeitlich zum Thema „PEKA-Areal“ (GSCHWÄTZ berichtete) wegen eines Umweltdeliktes. Offenbar hat die Stadt Künzelsau nicht selbst Strafanzeige erstattet, laut Polizeisprecher Gerhard Olma wurden die Ermittlungen von Amts wegen aufgrund von „Kenntnisnahme“ aus der Presse aufgenommen. Staatsanwalt Harald Lustig von der Staatsanwaltschaft in Schwäbisch-Hall drückt es so aus, dass die Pressemeldungen die Staatsanwaltschaft „bösgläubig gemacht“ hätten und deshalb Vorermittlungen aufgenommen worden seien.

Unerlaubter Umgang mit Abfällen

Er betont, dass man sich noch im Stadium der Vorermittlungen befinde, insbesondere werde überprüft, ob überhaupt eine strafbare Handlung vorliegt und wer gegebenenfalls für die giftige Müllablagerung verantwortlich sein könnte – was vermutlich auch nicht so einfach zu klären ist. Er nennt den §326 StGB unerlaubter Umgang mit Abfällen als möglicherweise einschlägigen Paragraphen:

Wer unbefugt Abfälle, die
(…)
2. für den Menschen krebserzeugend, fortpflanzungsgefährdend oder erbgutverändernd sind,
(..)
4. nach Art, Beschaffenheit oder Menge geeignet sind,
a) nachhaltig ein Gewässer, die Luft oder den Boden zu verunreinigen oder sonst nachteilig zu verändern oder
b) einen Bestand von Tieren oder Pflanzen zu gefährden,

außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage oder unter wesentlicher Abweichung von einem vorgeschriebenen oder zugelassenen Verfahren sammelt, befördert, behandelt, verwertet, lagert, ablagert, ablässt, beseitigt, handelt, makelt oder sonst bewirtschaftet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Weitere Tatbestände kännten sich möglicherweise aus speziellen Umweltgesetzen ergeben.

Hoher Strafrahmen

Das Strafmaß von „Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren“ zeigt, dass der Gesetzgeber derartige Straftaten als sehr schwerwiegend einschätzt, dasselbe Strafmaß steht zum Beispiel auf Körperverletzung.

Verjährung bereits eingetreten?

Der Abriss des PEKA-Kaufhauses und danach die Verbringung des kontaminierten Materials in die Erde hat ab dem Jahr 2015 stattgefunden – erst im Jahre 2021 wurde das Material wieder ausgegraben. Es könnte also sein, dass zwischen Verbringung und Entdeckung bereits mehr als fünf Jahre vergangen sind. Verjährung muss aber dennoch nicht eingetreten, sein, denn, so sagt es Lustig: „Der §326 ist ein Dauerdelikt“, die Verjährungsfrist würde – würde sich eine Strafbarkeit nach diesem Paragraphen ergeben – also erst seit dem Ende der Lagerung „außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage“ im Jahre 2021 laufen.

Text: Matthias Lauterer




Gemeinderat Künzelsau: zusätzliche Entsorgungskosten PEKA-Areal auf 1,8 Millionen Euro geschätzt

Am heutigen Dienstag, den 27. Juli 2021, wird ab 18 Uhr der Künzelsauer Gemeinderat über die Finanzierung der außerplanmäßigen Entsorgungskosten für das kontaminierte Material aus dem PEKA-Areal entscheiden. Das Geld soll aus den Haushaltspositionen Gestaltung Platz Bergstation Taläcker und Energetische Sanierung der Straßenbeleuchtung entnommen werden.

Siebenstelliger Betrag steht im Raum

Die Beschlussvorlage spricht von prognostizierten Entsorgungskosten von 1,8 Millionen Euro. Sollte der Gemeinderat der Zahlung einer ersten Summe von 700.000 Euro nicht zustimmen, wird das – so steht es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung – „zu einem Widerspruch durch Bürgermeister Neumann führen.“

Die Gespräche mit den ehemaligen Eigentümern haben bisher, auch das ist aus der Beschlussvorlage zu entnehmen, noch zu keinem Ergebnis geführt.

Text: Matthias Lauterer

#Künzelsau #PekaAreal




PEKA-Areal – jetzt ermittelt die Polizei

Die Vorgänge rund um die Einbringung kontaminierter Baustoffe in das PEKA-Areal (GSCHWÄTZ berichtete) ziehen Kreise – „aufgrund der Berichterstattung und somit Kenntniserlangung über den Sachverhalt hat die Polizei die Ermittlungen eingeleitet“, teilt Gerhard Olma, Pressesprecher der Polizei Heilbronn, die auch für den Hohenlohekreis zuständig ist, mit.

Mögliche Umweltstraftat

Olma betonte in einem Telefongespräch, dass es sich um „Vorermittlungen“ handle, mit der die Polizei von der Staatsanwaltschaft beauftragt wurde. Es werde hinsichtlich einer Umweltstraftat ermittelt. Da die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden, könne er noch keinen konkreten Straftatbestand nennen.

Text: Matthias Lauterer




„Beim jetzigen Verfahrensstand können keine Namen der Beteiligten genannt werden, um eine Vorverurteilung zu vermeiden“

Ein großes Geheimnis macht die Stadt Künzelsau um das kontaminierte Material am PEKA-Areal. Schon in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 13. Juli 2021, wollte Bürgermeister Stefan Neumann keine Details nennen.

Konkrete Fragen

Auf eine konkrete GSCHWÄTZ-Anfrage nach den gefundenen Schadstoffen, deren Herkunft und nach der Menge des kontaminierten Erdreichs

    • Welcher Art ist die festgestellte Kontamination? Welche Schadstoffe wurden festgestellt?
    • Welche Materialien enthalten diese Schadstoffe (beispielsweise Betonreste, Verkleidungen, Mineraldämmungen etc)?
    • Wieviel Schutt (m³ oder Tonnen) wurden als kontaminiert festgestellt?
    • Von welchen Mehrkosten für die Entsorgung geht man derzeit aus?

Keine konkrete Antwort

antwortete die Stadt Künzelsau mit unkonkreten Antworten auf völlig andere Fragen und noch weniger Details, als sie Neumann schon genannt hatte:

Das beim Baustart ausgehobene Material wurde nach einem mit dem Landratsamt Hohenlohekreis abgestimmten Aushub- und Entsorgungskonzept behandelt. Die Aushubarbeiten wurden von einem Fachbüro überwacht und das Material nach einem Rasterschema beprobt. Ein zweites, ebenfalls von der Stadtverwaltung beauftragtes Fachingenieurbüro hat die Aushubbegleitung, das Material und die Entsorgung in der Zwischenzeit nochmals begutachtet und dort ein einwandfreies Vorgehen bestätigt.

Jetzt steht die Stadtverwaltung Künzelsau mit den damals Beteiligten in Kontakt, um zu klären, wie das belastete Material in die Baugrube gekommen ist. Beim jetzigen Verfahrensstand können keine Namen der Beteiligten genannt werden, um eine Vorverurteilung zu vermeiden. Sobald die Untersuchung des Sachverhalts abgeschlossen ist, wird die Stadt die Öffentlichkeit weiter unterrichten.

Das ist noch weniger als die Mitteilung, die Bürgermeister Stefan Neumann bei der Gemeinderatssitzung vom 13. Juli 2021 verlesen hat.

Übliche Schadstoffe

Nach GSCHWÄTZ-Informationen eines Insiders handelt es sich bei den gefundenen Schadstoffen unter anderem um Chrom(VI)verbindungen (Chromate) aus dem Beton und  Klebstoffe, mit denen zum Beispiel Fußböden geklebt wurden. Beide genannten Stoffe sind bei einem Betongebäude aus den 60er Jahren zu erwarten, denn damals waren diese Stoffe gang und gebe, sie entsprachen der damals üblichen Praxis. Bei der Verfüllung von Betonresten ohne Vorbehandlung, wie sie zum Beispiel ein spezialisierter Entsorgungsfachbetrieb vornehmen kann, ist es nicht möglich, die schädlichen Chromverbindungen aus dem Beton zu entfernen. Oftmals finden sich auch Holzschutzmittel (beispielsweise Lindan) in Wand- oder Deckenverkleidungen oder Mineralfasern (Asbest) aus Dämmstoffen. Mit genau diesen Stoffen ist beim Abriss eines Betongebäudes aus den 60ern regelmäßig zu rechnen, bestätigt ein Baufachmann, den GSCHWÄTZ hierzu befragt hat.

Maurerkrätze

Chrom(VI)-Verbindungen, auch unter dem Namen Chromate bekannt, führen unter anderem bei Hautkontakt zu Zementekzemen, im Volksmund als „Maurerkrätze“ bezeichnet, einer häufigen Berufskrankheit im Baugewerbe. Heutzutage werden die Chrom(VI)-Verbindungen, die bei der Zementherstellung entstehen, größtenteils bereits vorab zu weniger schädlichen Chrom(III)-Verbindungen umgewandelt.

Krebserregende Stoffe

In den Klebern können sich PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) befinden, die sich im Grundwasser lösen können. Diese Stoffe sind krebserregend. Auch Reste von PCB (Polychlorierte Biphenyle) können sich noch in den Klebern befinden. Diese reichern sich in der Nahrungskette an und werden bei Säugetieren und beim Menschen beispielsweise für Fruchtbarkeitsstörungen verantwortlich gemacht. Außerdem steht PCB ebenfalls im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Gefährlichkeit von PCB wurde bereits früh erkannt. Die Produktion in Deutschland wurde 1983 eingestellt, weltweit wurde die Verwendung 2001 komplett untersagt.

Zwischen den Zeilen lesen

In der Erklärung Neumanns aus der Gemeinderatssitzung war noch die Rede davon, dass es eine Vereinbarung mit den Alteigentümern des Geländes gebe, die besagt, dass die Grube mit Abbruchmaterial verfüllt werden darf, dieses aber nicht kontaminiert sein darf. Zu diesem Thema sagt die Antwort der Stadtverwaltung nichts. Wenn man dem Baufachmann Glauben schenkt, muss man davon ausgehen, dass beispielsweise Beton aus dieser Zeit so gut wie immer mit Chromat belastet ist, warum sollte das PEKA-Kaufhaus eine Ausnahme darstellen? Warum die Stadt bei der Verfüllung das kontaminierte Material nicht verprobt und analysiert hat, ist eine weitere offene Frage. Stattdessen will man jetzt mit den Alteigentümern „klären, wie das belastete Material in die Baugrube gekommen ist“.

„So geht’s auf dem Bau“

Der Baufachmann, der wie die Alteigentümer anonym bleiben möchte, plauderte gegenüber GSCHWÄTZ dennoch ein wenig aus dem Nähkästchen. Er habe in seinem Berufsleben schon vieles erlebt, bis hin zu“kriminellen Unternehmern, die sich um die vertraglich vereinbarte Entsorgung des Aushubs drücken wollten“. Sie hätten, so berichtet er, dafür gesorgt, dass auf der Deponie kontaminiertes Material entdeckt werde – für dessen Entsorgung dann üblicherweise der Eigentümer oder Verkäufer haftet – im Fall Peka wäre das die Stadt. „So geht’s auf dem Bau“, sagt er lakonisch – und das meint er ganz und gar nicht scherzhaft. Er will klarmachen, dass es seiner Erfahrung nach unumgänglich ist, bei derartigen Vorhaben eine neutrale Überwachung der getroffenen Vereinbarungen zu installieren.

Offene Fragen

Wie die Stadt Künzelsau mitteilt, wurde beim Neubau ein Aushub- und Entsorgungskonzept befolgt. Das mit dem Landratsamt abgestimmte Konzept ist offenbar wirksam, denn man hat die Kontaminationen entdeckt. Ein ähnliches Konzept bei der Verfüllung der PEKA-Grube wäre sicherlich ebenfalls in dem Sinne erfolgreich gewesen, dass man auf die Verschmutzung bereits damals, 2015, aufmerksam geworden wäre. Warum das Material damals nicht verprobt wurde, ist eine wichtige offene Frage.

Mögliche juristische Konsequenzen

Genau diese Frage könnte nämlich juristisch relevant werden. Zwar haften kommunale Mandatsträger und Beamte gemäß Artikel 34 des Grundgesetzes zivilrechtlich generell nicht persönlich für Schäden, für diese Schäden kommt die öffentliche Hand auf. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen von dieser Regel: Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit bleibt der Rückgriff vorbehalten. Sollte der Stadt Künzelsau also ein Schaden entstehen (Entsorgungskosten), dann wird geprüft werden müssen, ob jemand persönlich haftbar gemacht werden kann.

Möglicherweise kann der Verzicht auf eine Prüfung beim Verfüllen des Baumaterials 2015 aus den 60ern eine Fahrlässigkeit sein. Ob es auch eine „grobe“ Fahrlässigkeit sein kann, darüber können Juristen gut und lange streiten.

Auch der Bürgermeister könnte Schwierigkeiten bekommen

Fälle, in denen auf das Privatvermögen durchgegriffen wird, kommen vor. Das baden-württembergische Innenministerium antwortete am 14. September 2018 auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Dr.Erik Schweickert:

„Fälle, in denen kommunale Mandatsträger für Entscheidungen im Rahmen des Mandats erfolgreich haftbar gemacht wurden werden, sind selten. Eine Abfrage bei den Rechtsaufsichtsbehörden (Regierungspräsidien und Landratsämter) und beim Städte- und Gemeindetag hat ergeben, dass in den letzten fünf Jahren ein Bürgermeister in Anspruch genommen worden ist, dessen Gemeinde aufgrund Forderungsverjährungen ein finanzieller Schaden entstanden war. Zwei Bürgermeister wurden wegen Vermögens- bzw. Urkundendelikten strafrechtlich verurteilt, wobei in einem Fall die Schadensersatzforderungen der Gemeinde beglichen wurden. Gegen einen weiteren Bürgermeister wurde eine Disziplinarmaßnahme ausgesprochen.“

Text: Matthias Lauterer




Ein kurzes Statement ist hier zu wenig

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser – Dieser Satz wird dem Anführer der russischen Oktoberrevolution, Lenin, zugeschrieben. Man muss Lenin wirklich nicht mögen, um festzustellen, dass sich dieser Satz immer wieder bewahrheitet. In der Politik kommt er einem regelmäßig dann in den Sinn, wenn es um Ergebnisse von „Selbstverpflichtungen“ oder „Appellen an die Selbstverantwortung“ geht.

Zu viel vertraut?

Diese Erfahrung muss jetzt auch die Stadt Künzelsau machen, hat sie sich doch offenbar auch auf Versprechungen verlassen, ohne diese zu kontrollieren. In einem kurz angebundenen Statement berichtete Bürgermeister Stefan Neumann im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom Dienstag, 13. Juli 2021, davon, dass beim Bau des Quartiers an der Stadtmauer belastetes Abbruchmaterial festgestellt wurde.

Vorher standen dort Gebäude aus Beton

Auf dem Gelände, das, so Neumann, die Stadt Künzelsau in den Jahren 2007 bis 2009 erworben hatte, standen das PEKA-Kaufhaus und das Gebäude mit der Gaststätte Hopfenlocher – beides Betongebäude im Stil der 60er Jahre. Diese Gebäude wurden im Jahre 2015 abgerissen. Das Gelände wurde teilweise mit dem Abbruchschutt aufgefüllt.

Bekannt, dass in Altbauten oftmals Schadstoffe sind

Es ist bekannt, dass in Beton aus dieser Zeit oft Schadstoffe zu finden sind. Über die Schädlichkeit einiger damals gebräuchlicher Zusatzstoffe war noch wenig bekannt, heute ist die Verwendung einiger dieser Zusatzstoffe stark reglementiert. Auch soll die Zementherstellung manchmal der Schadstoffbeseitigung gedient haben. Weitere Schadstoffe, die bei Gebäuden aus dieser Zeit immer wieder gefunden werden, sind zum Beispiel mineralfaserhaltige Materialien oder Holzverkleidungen, die noch immer hochgiftige Insektizide (Lindan) enthalten.
Vorsicht beim Abriss oder der Sanierung solcher Gebäude ist also immer angebracht.

Entsprechende Vereinbarung nicht eingehalten?

Neumann legt Wert darauf, dass mit den vorherigen Eigentümern vereinbart war, dass nach dem Abbruch ausschliesslich unbelastetes Material verfüllt werden darf. Dies wurde, so Neumann, von den Eigentümern so zugesichert. Neumann fragt sich deshalb: „Wie ist das Material in die Grube gekommen?“
Die offensichtlichere Frage „Warum hat man das beim Verfüllen 2015 nicht geprüft und warum ist das niemandem aufgefallen?“ wurde im Gemeinderat nicht angerissen, zumindest nicht öffentlich. Oder will Neumann damit sagen, dass jemand nachts mit dem LKW kontaminierten Schutt in die Grube geschüttet haben könnte?

Situation undurchsichtig

Mit den vorherigen Eigentümern der Gebäude sei die Stadt Künzelsau in Kontakt, so Neumann. Wer die damaligen Eigentümer waren, will er nicht sagen. Er will eine Vorverurteilung vermeiden.

Wer trägt die Kosten für die teure Entsorgung der Schadstoffe

Auf jeden Fall werden für die Entsorgung des Materials höhere Kosten entstehen als ursprünglich geplant, wie hoch diese Kosten sein können, ist noch nicht bekannt.
Das Gelände war schon mehr als 10 Jahre im Eigentum der Stadt. Ob diese Kosten nach so langer Zeit noch auf die Alteigentümer umgelegt werden können, ist offen. Möglicherweise kann diese Frage nur gerichtlich geklärt werden.
Auch könnten mögliche strafbare Handlungen nach 10 Jahren ebenfalls bereits verjährt sein.

Womöglich bleibt die Stadt Künzelsau, genauer: die Bürger:innen der Stadt, letztlich auf diesen Kosten sitzen.

Mehr Transparenz wäre in diesem Falle angebracht

Die Bebauung der Innenstadt und die damit verbundenen Themen interessieren die Bürger:innen. Vor allem dann, wenn es Außergewöhnliches zu berichten gibt oder wenn es um Geld geht. Im Sinne der Transparenz wäre es erforderlich, dass ein solches Thema in öffentlicher Sitzung ausgiebig diskutiert und die ganz offensichtlichen Fragen gestellt und beantwortet werden.
Offenbar war auch die Mehrheit des Gemeinderats in der letzten Sitzung dieser Meinung, denn der Antrag, das Thema in öffentlicher Sitzung zu behandeln wurde vom Rat mit 11:9 Stimmen angenommen, jedoch vom Bürgermeister so nicht umgesetzt.
Ein knappes Statement, das mehr Fragen aufkommen lässt als es beantwortet, kann bei einem solch wichtigen Thema sicher nicht genügen.

Text: Matthias Lauterer

 




„Ich habe nie die Sorge gehabt, dass wir das nicht hinkriegen“

Die Bauarbeiten für das Quartier an der Stadtmauer auf dem PEKA-Areal gehen sichtbar voran. Eine große Grube ist entstanden, in der einmal die Parkgarage Platz finden soll. Vor allem im Feierabendverkehr ist die Baustelle auch erlebbar: An der Engstelle mit Ampelregelung auf Höhe des Sparkassengebäudes entsteht an manchen Tagen ein richtiggehender Stau, für Künzelsau ein ganz ungewohntes Bild.
Dazu kommt derzeit die Belastung durch LKWs, die den Erdaushub auf die Deponie bringen sowie durch die Straßenreinigung.

Herbst 2022 soll alles dertig sein

Christian Neudeck, der das Objekt für die activ-Group aus Schemmerhofen entwickelt, stand GSCHWÄTZ für ein Telefoninterview zur Verfügung: Der Aushub sei zu 70 Prozent fertiggestellt, sagt er über den Stand der Arbeiten und ergänzt, „dass die Aushubarbeiten planmäßig in zirka14 Tagen abgeschlossen sind. Dann wird die LKW-Frequenz deutlich nachlassen, wobei bei der Größe der Baustelle natürlich weiterhin „reges Treiben“ herrschen wird. Aber die mit Abstand größte Belastung ist zum Leidwesen der Anwohner während den Aushubarbeiten zu verzeichnen.“

Fertigstellung des Projekts Herbst 2022 geplant

Mit dem Baufortschritt ist er zufrieden, er geht weiterhin von einer Fertigstellung des Projekts im Herbst 2022 aus, auch wenn es in der Anfangsphase Komplikationen gegeben habe. „Katasterpläne mit den Leitungen sind oft nicht genau“, spricht er aus Erfahrung – und so mußte er auch in Künzelsau feststellen, dass die Leitungen nicht so lagen wie verzeichnet. Ein wichtiges Thema, da auch Leitungsrechte der angrenzenden Grundstücke, wie der Villa Schwab und des ehemaligen Amtsgerichts, betroffen waren. Solche Themen seien aber für ihn Routine geworden, er habe „nie die Sorge gehabt, dass wirs nicht hinkriegen“.

Überregionales Bauunternehmen

Auf die Frage, warum kein regionales Bauunternehmen zum Zuge gekommen sei, plaudert Neudeck ein wenig aus dem Nähkästchen: Grund seien die Angebotspreise. Da die activ-Group den Kunden Festpreise garantiere, habe „die ganz regionale Schiene nicht funktioniert.“ Obwohl man die lokalen Unternehmen gezielt angesprochen habe, habe es  praktisch keine Angebote aus der Region gegeben: Ein Unternehmer, „der das gut kann“, habe angeboten – sein Preis sei aber um einen siebenstelligen Betrag höher gewesen als das Angebot der Schweinfurter Firma Glöckle. Man habe sich, auch „in einer konzertierten Aktion mit der Verwaltung“  sehr um die lokalen Unternehmer bemüht, trotzdem konnten keine Ergebnisse mit örtlichen Firmen erzielt werden. Neudeck wirbt weiter um lokale Firmen: Insbesondere beim Ausbau seien noch Gewerke auszuschreiben, für die örtliche Unternehmen noch Angebote abgeben können. Er nennt auch ein weiteres Projekt, in Welzheim im Rems-Murr-Kreis, wo „die Teilnahme der örtlichen Unternehmen relativ wenig“ war. Trotzdem ist Neudeck zuversichtlich, dass auch lokale Unternehmen zum Zuge kommen können: Zum Ausschreibungszeitraum waren die Bauunternehmen stark ausgelastet, diese Konstellation sei inzwischen – auch wegen Corona – vorüber, jetzt hätten die Unternehmer wieder Luft: „Die Baufirmen haben wieder mit einem geredet“.

Das Herz eines Projektentwicklers

Im April 2018 hat die activ-Group letztendlich den Zuschlag erhalten, erst im November 2020 konnte der Spatenstich stattfinden, seit dem Frühjahr 2021 rollen die Bagger. Was geht im Herzen eines Projektentwicklers vor, wenn ein solches Grundstück zweieinhalb Jahre im Wortsinne brach liegt? Zweieinhalb Jahre – das will Neudeck so nicht stehenlassen: Es seien „gefühlt 10 Jahre“, denn die erste Auslobung sei schon „vor gefühlt 10 Jahren“ erfolgt, als zum erstenmal ein Wettbewerb für das Gelände ausgeschrieben worden sei – und seitdem war die activ-Group immer wieder mit dem PEKA-Areal beschäftigt gewesen. Nachdem man mit der Projektentwicklung bereits begonnen habe, sei ein Wettbewerber aufgetreten, worauf die Stadt Künzelsau einen erneuten Wettbewerb ausgeschrieben habe, in dem die activ-Group den zweiten Platz belegt habe. Diese Entscheidung erging im Jahr 2011, es waren also sogar mehr als 10 Jahre.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte über das PEKA-Gelände und die Hintergründe der gescheiterten Bauprojekte ist noch nicht vollständig geschrieben, es könnte eine hochinteressante Geschichte mit allerlei Irrungen und Wirrungen und möglicherweise einigen Ränkespielen sein. Erste Aktivitäten sind noch unter Altbürgermeister Lenz zu verzeichnen. Ende Dezember 2012 stellten Bürgermeister Neumann und  die Verwaltung dem Gemeinderat und der Bevölkerung das Projekt des Investors Ten Brinke vor, im Dezember 2013 wurde die Meldung lanciert, dass bereits Mieter für das Projekt gefunden seien und im Jahr darauf wird das Gelände endgültig an den Investor Ten Brinke verkauft. Gebaut wurde allerdings nicht und so fiel das Grundstück an die Stadt Künzelsau zurück, die eine weitere Ausschreibungsrunde startete. Zum Zuge kam diesmal ein lokales Unternehmen, die Firma Stauch aus Kupferzell, die das Projekt aber ebenfalls nicht realisierte – Anfang 2017 wurde bekannt, dass auch Stauch das Gelände nicht bebauen würde.

„Da machen wir nicht mit“

An dieser weiteren Ausschreibung, so Neudeck, habe die activ-Group nicht teilgenommen: „Da machen wir nicht mit“, sagt er und es ist aus damaliger Sicht aus diesen Worten ein wenig Verbitterung herauszulesen, auch bei der Aussage, es habe „sich angefühlt, als hätte man uns das Projekt nehmen wollen.“ Im April 2018 konnte sich Neudeck letztendlich doch noch über den Zuschlag freuen. Er führt das darauf zurück, dass man immer bei der Stange geblieben sei und spricht schmunzelnd von einer „Liebe auf den zweiten Blick“.

„Kein Einzelfall“

Eine Laufzeit von ein paar Jahren zwischen Zuschlag, Baubeginn und Eröffnung sei allerdings „kein Einzelfall“, viele derartige Projekte zögen sich über einen solchen Zeitraum. Eine Planung, die eine Tiefgarage,  Einzelhandelsgeschäfte, Büros und Wohnungen vereine, müsse schließlich „so abgestimmt werden, dass das Zusammenleben später funktioniert“, zeigt sich Neudeck gelassen.

„Der Zuschlag heißt: Wir dürfen jetzt“

Das Entwicklerherz freut sich jedenfalls: „Der Zuschlag heißt: Wir dürfen jetzt. Man hat jetzt das Projekt vor sich.“

Text: Matthias Lauterer

 

Baustelle PEKA-Areal, 03. Juni 2021. Foto: GSCHWÄTZ

Baustelle PEKA-Areal, 03. Juni 2021. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Ein faires Preis-Leistungsverhältnis liegt im Auge des Betrachters“

Quartier an der Stadtmauer – so heißt das ehemalige Peka-Areal in Künzelsau nun. Nach einer gefühlten Ewigkeit erfolgte am Dienstag, den 10. November 2020, der symbolische erste Spatenstich. Bald soll die Lücke im Herzen der Kreisstadt des Hohenlohekreises geschlossen werden. Eine mehrjährige Geschichte findet zu einem hoffentlich guten Ende, denn die activ-Group aus Schemmerhofen bei Ulm will auf dem Areal ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus bauen.

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus war beim Spatenstich dabei, in seinem Fokus standen vor allem Künzelsaus Bürgermeister Stefan  Neumann und Christian Neudeck, zuständiger Projektentwickler bei der activ-Group.

„Gar nicht unsere Baustelle“

In seiner Begrüßung verwies Bürgermeister Neumann darauf, dass das Gelände jetzt „gar nicht unsere Baustelle ist, sondern die der activ-Group“. Nur noch wenig sei von der Stadt vorbereitend zu leisten. Die Stadt Künzelsau habe in den letzten Wochen noch Erschließungsarbeiten durchgeführt, zum Beispiel einen großen Abwassersammler errichtet. „Jetzt geht es noch um ein paar andere Leitungen, zum Beispiel Gas, aber auch das wird man noch hinbekommen, bevor die Bagger in die Tiefe gehen“, sagte Neumann.

Zwei Jahre seit dem Verkauf vergangen

Im Mai 2018, kurz vor der Bürgermeisterwahl, haben Neumann und Neudeck den Verkauf des Geländes an die activ-Group festgezurrt, jetzt erst ist Baubeginn. Neumann verwies auf die Schwierigkeiten der activ-Group, einen Generalunternehmer zu finden: „Man sieht, dass von der Baugenehmigung bis hin zur Auswahl eines Generalunternehmers schon Tage, Wochen, Monate und teilweise auch Jahre vergehen. Das war kein einfacher Prozess, weil wir uns eigentlich immer noch in einer Phase bewegen, wo in Baden-Württemberg und in Künzelsau noch immer gebaut wird. Das heißt, es war nicht einfach, jemanden zu finden, der die Kapazität hat und wo auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.“ (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/activ-group-hat-nun-endlich-einen-generalunternehmer-gefunden/). „Wobei ich dazu sagen muss, dass das nicht auf unsere Rechnung geht, sondern auf die der activ-Group und so freuen wir uns heute mit der activ-Group, dass das geklappt hat.“ Jetzt, so Neumann, sei das einer der wenigen Fälle, wo er sich entspannt zurücklehnen kann.

Eröffnung voraussichtlich im Sommer 2020

Im Frühling 2022 sollten die Geschäftsräume eröffnen können. Christian Neudeck von der activ-Group weist darauf hin, dass er diesen Termin wohl nicht halten kann:  „Wie vorhin beim Spatenstich schon angesprochen, wird aus Frühjahr realistisch der Sommer 2020, das aber wird funktionieren.“ Es sei „grundbuchtechnisch noch nicht möglich“ gewesen, mit dem Verkauf der Wohnungen zu beginnen, sagte Neudeck. „Wir werden in den nächsten Wochen mit dem Verkauf der Wohnungen starten, mit gleichen Chancen für alle.“ Wirklich für alle? GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hakte nach und fragte nach den Preisen: „Das ist natürlich abhängig von der Größe einer Wohnung, wir gehen davon aus, dass eine Wohnung etwa 4.000 Euro pro Quadratmeter kosten wird. 75 bis 80 Quadratmeter dürfte der Durchschnitt sein, wir haben natürlich Zwei-Zimmer-Wohnungen und auch Vier-Zimmer-Wohnungen mit über 100 Quadratmetern.“

„Wichtig ist, dass wir hier barrierefreies Wohnen haben“

Bürgermeister Stefan Neumann betonte: „Wichtig für die Stadt Künzelsau ist immer der Wohnungsmix.“ Und verwies darauf, dass die Käufer die Wohnungen auch vermieten könnten. „Was ein faires Preis-Leistungsverhältnis ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters“. Künzelsau habe aktuell andere Objekte, die Richtung preisgünstiges und soziales Wohnen gehen. Wichtig sei ihm, „dass wir hier barrierefreies Wohnen haben, dass man mit dem Aufzug nach oben kommt. Das ist ein Thema, das – wenn wir ans Alter denken –  für die Innenstadt und innerstädtisches Wohnen ein guter Punkt ist.“

Belebung oder Verarmung der Innenstadt?

Neumann sieht das neue Zentrum als Frequenzbringer und Magnet für den Einzelhandel der Innenstadt, obwohl der belebte Drogeriemarkt Müller die Innenstadt in Richtung PEKA-Areal verlassen wird: „Das PEKA-Areal liegt direkt an der Hauptstraße und was richtig gut ist: Dass wir einen Eingang und einen Kassenbereich haben Richtung Hauptstraße und nicht nur Richtung Konsul-Uebele-Straße.“ Auch die innenstadtnahen Parkplätze seinen ein wichtiger Punkt für Filialisten und Einzelhändler der Stadt.

Projekt „Verwirkliche Deinen Traum“

400 Quadratmeter „in bester A-Lage“ seien für das Projekt „Verwirkliche Deinen Traum in Künzelsau“ reserviert, die bekäme man auch in Künzelsau gut an den Mann oder die Frau. Die Stadt Künzelsau sei ein guter Partner und begleite ein solches Projekt „von der ersten Idee bis zum Businessplan“. Jeder könne ihn persönlich ansprechen – seine Telefonnummer nennt er im Video.

Interview: Dr. Felix Kribus

Transkript: Matthias Lauterer

GSCHWÄTZ berichtete bereits unter:

https://www.gschwaetz.de/2018/11/14/und-taeglich-gruesst-die-baustelle/

https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/activ-group-hat-nun-endlich-einen-generalunternehmer-gefunden/

Endlich geht es los: Spatenstich am PEKA-Areal. Foto: GSCHWÄTZ

Christian Neudeck von der activ-Group will in den nächsten Wochen mit dem Verkauf der Wohnungen starten. Foto: GSCHWÄTZ

 




ACTIV-Group hat nun endlich einen Generalunternehmer gefunden

Nur wenige Tage vor seiner Wiederwahl im Mai 2018 konnte Bürgermeister Neumann noch den Verkauf des seit langem brachliegenden PEKA-Geländes vermelden. Ein modernes Stück innenstädtische Architektur sollte entstehen, mit Handelsflächen und Wohnraum mitten in der Stadt. Sogar der größte Mieter wurde schon genannt: Der MÜLLER-Markt will aus der Hauptstraße in moderne Räumlichkeiten umziehen und im neuen Gebäude eine Fläche von 1.700 Quadratmeter anmieten. Und der erste Spatenstich war für den Herbst 2018 avisiert worden.

Verkauf des Geländes im Mai 2018

Am 13. November 2018 wurde das Projekt im Gemeinderat nochmals behandelt, ein Baugesuch war bis dahin nicht eingereicht. Einige Änderungen sollten noch eingearbeitet werden. Außerdem orakelte Christian Neudeck, Prokurist bei der Activ-Group, die das Projekt entwickelt, dass sich das Prozedere im Projektgeschäft geändert habe, betonte aber, „ich verspreche, das Projekt wird kommen“.

Plakat am Bauzaun

Bereits am Abend dieser Gemeinderatssitzung hatten Bürger ein satirisches und weitsichtiges Plakat am Bauzaun des PEKA-Geländes angebracht. Denn fast zwei Jahre später ist von einer Bautätigkeit immer noch nichts zu sehen.

Man sollte doch davon ausgehen, dass ein Projektentwickler möglichst rasch Rendite erzielen möchte und ihm daher an einem schnellen Baubeginn und schnellen Miet- und Verkaufseinnahmen gelegen ist. Daher ist es schon verwunderlich, dass sich mehr als zwei Jahre nach dem verkündeten Verkauf auf der Baustelle noch nichts tut.

Alle notwendigen Genehmigungen sind erteilt

Laut Auskunft der Stadtverwaltung Künzelsau steht einem Baubeginn nichts mehr im Wege: „Im Juli hat die Stadtverwaltung Künzelsau umfangreiche Erschließungsarbeiten für einen Baustart im Quartier An der Stadtmauer durchgeführt. Die Baugenehmigung ist erteilt.“ Der Ball liegt jetzt also in der Hälfte des Projektpartners, der Activ-Group aus Schemmerhofen bei Ulm, die mehrere ähnliche Projekte betreut, oftmals übrigens mit dem Ankermieter MÜLLER. Allerdings verlaufen nicht alle diese Projekte der Activ-Group reibungslos:

ACTIV-Group: Nicht nur reibungslose Projekte

In Oberndorf am Neckar hat die Activ-Group erklärt, dass sie ihren Verpflichtungen in der Alten Brauerei, wo ein Pflegezentrum und Wohnungen geplant waren, nicht nachkommen könne. Als Grund wurde angegeben, dass man keine Angebote von Bauunternehmen bekommen habe, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Objekts ermöglicht hätten.

In Rottweil ist das Projekt „Am Nägelesgraben“ seit Jahren geplant, aber nicht gebaut, sodass die örtliche CDU im April 2019 den Verantwortlichen der ACTIV-Group einen Spaten für den ersten Spatenstich übergeben hat. Auch hier ist davon die Rede, dass die Angebotspreise der Generalunternehmer zu hoch gewesen seien. Inzwischen ist der Baubeginn erfolgt.

Das Projekt „Eyach-Arkaden“ in Balingen wurde gänzlich gestoppt: Ein Rechtsstreit mit einem Anwohner, der zwar für die Activ-Group prinzipiell positiv ausging, hatte sich so lange hingezogen, dass geplante Ankermieter abgesprungen sind.

Spatenstich in Künzelsau noch dieses Jahr

Man wundert sich doch sehr, dass ein erfahrener Projektentwickler gleich mehrfach über die Marktpreise im Baugewerbe stolpert und deswegen Projekte in Gefahr geraten oder gänzlich gestoppt werden. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage teilt die ACTIV-Group mit, dass diese Gefahr in Künzelsau nicht bestehe: Inzwischen sei der Generalunternehmer ausgewählt worden und der Spatenstich soll noch in diesem Jahr stattfinden. Der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest.

Text: Matthias Lauterer

 

 

Das PEKA-Kaufhaus kurz vor dem Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Manch ein Anwohner wünscht sich offenbar einen Stadtpark auf das alte PEKA-Areal. Foto: GSCHWÄTZ/Lauterer

 

 




Und täglich grüßt die Baustelle

Die gute Nachricht: Der XXL-Müller soll weiterhin auf dem ehemaligen PEKA-Areal mitten im Herzen Künzelsaus  gebaut werden. Das versicherte Herr Neudeck von der Activ-Group, die das Gelände von der Stadt erworben hat auf der Gemeinderatssitzung am 13. November 2018: „Wir machen das Projekt und wir freuen uns darauf.“ Die schlechte Nachricht: Das eigentlich für September 2018 geplante Baugesuch wurde noch nicht eingereicht. Gründe laut Neudeck:

  • Abstimmung des eigentlich fertiggeplanten Projekts mit dem Gestaltungsbeirat der Stadt Künzelsau
  • Umplanungen für den Ankermieter, den Drogeriemarkt Mieter Müller – jetzt 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das sei nun soweit abgeschlossen, Zufahrten und Eingänge geklärt, so daß Neudeck die Unterschrift unter den Mietvertrag in den nächsten zwei Wochen erwartet
  • Umplanung der Fläche für die „Gesundheitskasse“ (deren Namen man aber nicht nennen darf) – unter anderem weil hier die Fläche des geplanten Notariats hinzugekommen ist. Der Notar ist ausgestiegen aus dem Projekt, da er für seine Büroräume eine Villa unweit des PEKA-Geländes erworben hat
  • Procedere für das Projektgeschäft habe sich geändert – da die Auftragnehmer immer viel Sicherheit kalkulieren würden, müsse man selbst viele Vorleistungen erbringen, so Neudeck

Ich verspreche, das Projekt wird kommen

Angesichts der nun schon jahrelangen Hängepartie bezüglich des PEKA-Areals versicherte Neudeck abermals: „Ich verspreche, das Projekt wird kommen.“

Auch die Einigung mit WÜRTH wegen der Tiefgaragenstellplätze sei so gut wie abgeschlossen.

Frau Beckmann vom Architekturbüro Plan7 berichtet, dass es nun in der geplanten Tiefgarage 98 Parkplätze gäbe, inklusive der Würth-Parkplätze, dazu Fahrradstellplätze. Oberirdisch seien 30 Stellplätze vorgesehen. Über der Gesundheitskasse seien 20 Wohneinheiten geplant, von Ein-Zimmer-Appartements bis zu Vier-Zimmer-Wohnungen. Alle Einheiten mit „Loggia“, also kleinem Balkon.

Nach wie vor soll die Villa Schwab, die direkt an das alte PEKA-Areal angrenzt, gastronomisch genutzt werden. Es gibt jedoch noch keine konkreten Pläne hierfür.

Text: Matthias Lauterer