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P. Diddy kommt mit einer milden Strafe angesichts der unglaublichen Taten davon – Ohrfeige für jedes Opfer von häuslicher Gewalt

Nach einem vielbeachteten Prozess wurde Rapper Sean „Diddy“ Combs nur in den schwächsten Anklagepunkten schuldig gesprochen. Nun wird in den USA über die Bedeutung des Urteils für die MeToo-Bewegung diskutiert.

Eine Jury aus zwölf New Yorker Geschworenen sprach Combs vom Vorwurf des Menschenhandels und der Verschwörung zur organisierten Kriminalität frei . Diese Anklagepunkte hätten eine lebenslange Haftstrafe nach sich gezogen. Er wurde in zwei Fällen der Beförderung zum Zweck der Prostitution für schuldig befunden.

13 Stunden hatten die acht Männer und vier Frauen beraten. Als sie dann ihr Urteil verkündeten, reagierten Sean „Diddy“ Combs, seine Familie und seine Verteidiger geradezu euphorisch. Combs, dem eine lebenslange Haft drohte, faltete seine Hände wie zum Gebet und dankte den Geschworenen. Dann sank er vor seinem Stuhl auf die Knie.

Später, vor dem Gerichtsgebäude, feierte auch sein Verteidiger-Team um Star-Anwalt Marc Agnifilo den Freispruch für Combs in den wichtigsten Anklagepunkten. „Heute ist ein großartiger Tag!“, jubelte Combs‘ Verteidiger, „heute gab es einen Sieg, den größten aller Siege für Sean Combs und unser Team.“

Nicht nachvollziehbar

„Nicht schuldig“ im gravierendsten Anklagepunkt Organisierte Kriminalität. Die Geschworenen konnten offensichtlich nicht nachvollziehen, dass der Rapper – wie ein Mafia-Pate – Chef einer kriminellen Organisation gewesen sei.

Ebenfalls „nicht schuldig“ in den beiden Anklagepunkten bezüglich Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Auch hier sahen es die Geschworenen nicht als zweifelsfrei erwiesen an, dass Combs seine beiden Ex-Freundinnen zu tagelangen Sex-Orgien mit anderen Männern nötigte.

„Geschadet haben ihnen ihre Textnachrichten und Mails“, vermutet Rechtsexpertin Terry Austin im ARD-Interview. „Die klangen, als sei doch einiges einvernehmlich geschehen. Jedenfalls sahen die Geschworenen keine Nötigung zum Sex.“

Was passiert, wenn er wieder frei kommt, mit denen, die gegen ihn ausgesagt haben?

Schuldig gesprochen wurde Combs nur in weniger schwerwiegenden Anklagepunkten – wegen des „Transports von Prostituierten“, die er aus allen Landesteilen zu seinen Sex-Orgien einfliegen ließ, was in den USA strafbar ist.

Der Anwalt der Hauptzeugin der Anklage, Combs Ex-Freundin Cassie Ventura, hatte Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. Natürlich hätte sich die Anklage einen Schuldspruch in den schwerwiegenderen Anklagepunkten gewünscht, sagte Doug Wigdor. Aber: „Cassie hat diese Untersuchung ins Rollen gebracht. Und jetzt ist Sean Combs ein verurteilter Straftäter. Und ihm droht eine erhebliche Haftstrafe.“

Sean Combs
Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt

In einem Brief, aus dem US-Medien zitieren, fordert die Staatsanwaltschaft vier bis fünf Jahre Gefängnis. Die Verteidigung erwartet sogar weniger als zwei Jahre. Über das Strafmaß muss nun der Richter in den kommenden drei Monaten entscheiden.

Eine wichtige Entscheidung traf er aber noch am Abend, was die freudige Stimmung von Combs trübte: Seinen Antrag, bis zur Verkündung des Strafmaßes gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen, lehnte der Richter ab. Ausschlaggebend dafür war ein Brief von Ventura, die den Richter warnte, Combs sei eine Gefahr für sie und alle, die gegen ihn ausgesagt haben.

Was das Urteil für die MeToo-Bewegung bedeutet, wurde in den US-Medien kontrovers diskutiert. Viele sprachen von einem Rückschlag, so auch die frühere Staatsanwältin Annemarie McAvoy im ARD-Interview: „Als die MeToo-Bewegung sehr stark war, galt die Regel: Allen Frauen sollte geglaubt werden.“ Dieses Mal hätten die Geschworenen zumindest Zweifel gehabt. „Und wenn Zweifel bestehen, dann kann es keinen Schuldspruch geben.“

Dem widersprach die Rechtsanwältin Gloria Allred, eine der führenden Köpfe der MeToo-Bewegung im Sender CNN: „Manche meinen, die MeToo-Bewegung sei tot. Das finde ich überhaupt nicht.“ Der Erfolg von MeToo hänge nicht von Strafverfahren allein ab, sondern auch von Zivilprozessen und außergerichtlichen Einigungen. „Frauen wehren sich und verlangen Rechenschaft.“

Selbst wenn Combs diesen Strafprozess mit einer geringen Strafe überstehen sollte, drohen ihm noch Dutzende Zivilprozesse: Mehr als 120 Männer und Frauen haben den Rapper wegen mutmaßlicher Sexualstraftaten verklagt.

Das eigentliche Problem ist: Was passiert, wenn P. Diddy wieder auf freiem Fuß ist? Wird er sich rächen an allen, die gegen ihn ausgesagt haben? Viele Opfer von häuslicher Gewalt haben den Prozess mitverfolgt und sind schockiert über diese Entscheidung der Jury, denn das Urteil hat durch seine weltweite Beachtung auch weltweiten Vorbildcharakter. Wenn nun ein Man, in dessen Haus derart schlimme Dinge geschehen sind, nach nur 2 Jahren wieder aus dem Gefängnis frei käme, werden andere Gerichte ähnlich urteilen, die in den kommenden Jahren anstehen. Und damit wird auch deutlich: Gewaltschutz für Frauen gibt es de facto nicht.




P. Diddy und die Sache mit den jungen Mädchen und Jungs

Die Liste derer ist lang, die nun Vorwürfe gegen P. Diddy erheben. Der unter anderem wegen des Tatverdachts des Menschenhandels, Missbrauchs und Gewalt derzeit in U-Haft sitzende Sänger soll bei diversen Hollywood Partys, die er in den vergangenen Jahrzehnten veranstaltet hat, seine prominenten und nicht prominenten Opfer mit in Drinks gemischte Drogen betäubt und anschließend vergewaltigt haben. Die jüngsten Opfer sollen gerade mal 13 Jahre alt gewesen sein.

P. Diddy (links) und Justin Bieber (Mitte), als sie sich kennenlernten.

P. Diddy (links) mit Justin Bieber, als dieser schon älter war und vermutlich Drogenprobleme hatte.

Eines der prominentesten Opfer damals könnte der damals 15-jährige Justin Bieber gewesen sein. Bislang hat sich der Sänger nicht zu den Vorgängen geäußert. Es ist nur so viel bekannt, dass auch er zu den Partys eingeladen worden war und einmal 48 Stunden am Stück mit P. Diddy verbringen durfte.

Der merkwürdige Verhältnis zwischen Justin Bieber und P. Diddy

Vor laufenden Kameras versprach ihm P. Diddy damals „viel Spaß“. Auffällig ist, dass Bieber nach diesen 48 Stunden den Kontakt zu P. Diddy versuchte, abzubrechen. Als ihn P. Diddy vor laufender Kameras bei einer Begegnung auf einer öffentlichen Veranstaltung darauf ansprach, erkennt man Bieber fast nicht mehr wieder – im Vergleich dazu, wie er vor diesen 48 Stunden mit P. Diddy interagiert hat. Bieber wirkt sehr angespannt, distanziert, vermeidet den Blickkontakt und stammelt irgendeine Entschuldigung.

Was hat P. Diddy mit Justin Bieber gemacht? (youtube.com)

(2) Die jungen Opfer von P. Diddy ➤ Was verschweigt Justin Bieber? – YouTube

Derweil tauchen weitere Videos auf die zeigen, wen P. Diddy so alles einlud zu seinen „legendären“ Parties – unter anderem die damals 13-jährige Schauspielerin Daveigh Chase. Die heute XY-Jährige hat bislang kein öffentliches Statement dazu abgegeben.

Ashton Kutcher (links), P. Diddy und Daveigh Chase.

Ein weiteres mutmaßliches Opfer war damals ebenfalls 13 Jahre alt. Der Vorwurf: Combs habe das Mädchen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt.

Es geht um einen Fan, der am 7. September 2000 vergeblich versucht haben soll, eine Eintrittskarte für die MTV Video Music Awards zu bekommen. Daraufhin soll das Mädchen mehrere Limousinenfahrer gefragt haben, ob sie an einer Afterparty teilnehmen könne.

Zweimal vergewaltigt?

Einer von ihnen haben sie dann zu einer Party von Combs gefahren. Dort habe sie erst eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnete. Danach habe sie ein Getränk zu sich genommen. Davon sei ihr „schwindelig“ geworden.

Sie habe sich in ein leeres Schlafzimmer begeben und sich hingelegt. Kurz darauf soll Combs mit „einem männlichen und einem weiblichen Prominenten“ ins Zimmer gekommen sein.

Sie behauptet, sie sei von dem männlichen Prominenten vergewaltigt worden, während „eine weibliche Berühmtheit“ zusah. Danach sei sie dann von Combs vergewaltigt worden. Laut Klage lebt die Frau heute in Alabama und sei nach dem Übergriff „in eine tiefe Depression“ verfallen.

Combs hat alle Vorwürfe gegen ihn wiederholt zurückgewiesen. Seit fast einem Jahr sind er, Mitarbeiter und Geschäftsfrmen mindestens 18 Mal wegen sexuellen Fehlverhaltens verklagt worden.

Zu den bekanntesten Partygästen zählten damals unter anderem Leonardo DiCaprio, Jennifer Lopez und Ashton Kutcher.