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„Jetzt mache ich es öffentlich“

„Jetzt mache ich es öffentlich“, sagt Werner Hügel, Vorstand des SC Amrichshausen ins GSCHWÄTZ-Mikro beim diesjährigen Glockenfest in Ohrenbach und kündigt offiziell seinen Rücktritt vom aktiven Fußballer-Dasein beim nächsten Gerümpel- und 9-Meter-Turnier auf dem Ohrenbacher Glockenfest 2025 an. Auch die Fußballmannschaft „Naschkatzen“ geben beim diesjährigen Glockenfest Interna preis, etwa, wie ihr Name zustande kam: „Na, weil wir gerne essen.“

Besucherin Sylvia verrät am Abend bei Tanz und Musik, warum das Glockenfest für sie noch immer eine große Bedeutung hat: „Ein Tag vor unserer Hochzeit sind wir beim Glockenfest tierisch versumpft.“

Und die Ladies der einzigen weiblichen Fußballmannschaft beim 9-Meter-Turnier in diesem Jahr verraten, wie sie künftig den Siegerpokal abräumen möchten: „Unser Motto: Net verlorn is‘ gewonne gut.“

Das dreitätige Ohrenbacher Glockenfest am vergangenen Wochenende war gespickt mit Höhepunkten. In unserer Bildergalerie lassen wir noch einem die besten Momente Revue passieren. Das Video mit allen oben genannten Bekenntnissen könnt ihr hier noch einmal abrufen:

Da klingelt’s in den Ohren | 35. Ohrenbacher Glockenfest (youtube.com)

Als DJ Sam am Freitagabend auflegt, füllt sich das Festgelände rasant. Quelle: GSCHWÄTZ

Einfach mal wieder einen entspannten Mädelsabend genießen, darauf freuen sich diese jungen Damen hier. Foto: GSCHWÄTZ

Jonas Schönbauer ist Vorstand der Hüttenfreunde Ohrenbach. So schaut es Übrigens nach dem Fest aus, wenn alles (fast) wieder aufgeräumt ist. Foto: GSCHWÄTZ

Das Logo der Hüttenfreunde ist Kult. Foto: GSCHWÄTZ

Nach dem Fest ist vor dem Fest, denn…

Die Vorplanungen für 2025 laufen bereits. Ein musikalischer Main Act wird derzeit noch gesucht. Foto: GSCHWÄTZ

Helferessen beim Abbau. Foto: GSCHWÄTZ

Über 100 Helfer sind von Nöten, um das Drei-Tages-Event zu stemmen. Foto: GSCHWÄTZ

Zaisenhausener Fußballer nach dem erfolgreichen Gerümpelturnier. Sie belegten Platz 3. Foto: GSCHWÄTZ

Am Sonntagnachmittag gab es Auftritt von dem jüngeren Publikum auf der Showbühne. Sie erhielten viel Beifall. Foto: GSCHWÄTZ

Der Torpedo Dörrenzimmern wurde zweiter beim Gerümpelturnier. Foto: GSCHWÄTZ

Die Sieger des Gerümpelturniers: Werder Wachsen. Foto: GSCHWÄTZ

Zaisenhausen belegte Platz 3 auf dem Gerümptelturnier. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Die Auftritte verschiedener Gruppen am Sonntag waren sehr beliebt. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Viel Applaus gab es auch für die Spielestraße am Sonntag, unter anderem mit Baggerfahren und Ponyreiten. Foto: GSCHWÄTZ

Die Band Steel, Wine & Honey sorgte am Samstagabend für gute Laune. Foto: GSCHWÄTZ

Am Sonntagnachmittag gab es Auftritt von dem jüngeren Publikum auf der Showbühne. Sie erhielten viel Beifall. Foto: GSCHWÄTZ

 




Ein Tag vor der Hochzeit „tierisch versumpft“ auf dem Ohrenbacher Glockenfest

DJ Sam schaut auf die Menschenmenge unter ihm und ist zufrieden: „Es macht einfach Spaß, für so viele Menschen zu spielen.“ Er ist bereits das zweite Jahr beim Ohrenbacher Glockenfest dabei. Seine Musik scheint anzukommen bei dem relativ jungen Publikum. Der Freitagabend mit ihm an den musikalischen Turntables ist denn auch besuchertechnisch, laut die Jonas Schönbauer, Vorstand des Orga-Teams der Hüttenfreunde Ohrenbach, der erfolgreichste Abend – trotz oder vielleicht auch wegen tropischer Temperaturen.

Aber auch Steel, Wine & Honey-Frontsänger Moritz Winkler freut sich, am Glockenfest mit seiner Band aufzutreten. „Das hat schon Tradition. Auch mein Vater ist hier bereits aufgetreten.“

Zahlreiche Helfer:innen im Hintergrund machen das über das Kocher- und Jagsttal hinaus bekannte Fest jedes Jahr erst möglich, wie Jonas Schönbauer betont. In diesem Jahr schlägt die Glocke 35.

Zum 35. Mal feiern die Ohrenbacher ihren Glockenturm am Spielplatz, wo zu Beginn auch das noch relativ überschaubare Glockenfest anlässlich der neuen Glocke gefeiert wurde.

Ursprünglich als nur ein einmaliger Festtag gedacht, wird nun jährlich drei Tage nahezu durchgefeiert. An dem Jubiläums-Festwochenende vom 19. bis 21. Juli 2024 mit fünf musikalischen Akts scheint es auch am Sonntagabend mit dem „Lustigen Rolf“ kein Ende zu geben.

Erst zum zweiten Mal gibt es das bereits im zweiten Jahr überaus beliebte Neun-Meter-Turnier, an welchem 17 Mannschaften teilnehmen – unter anderem die „Naschkatzen“, „Rollator Groß-Asbach“ und die „Maulwurftreter“. Erster wurde BuLää Stammtisch, zweiter die Biberande Belsenberg, gefolgt von Eintracht Prügel. Beim Gerümpelturnier mit elf Mannschaften ging der erste Platz an Werder Wachsen, der zweite an den Torpedo Dörrenzimmern und der dritte Platz an Zaisenhausen.

 

 

 

 




„Weil es trotz seiner mittlerweile beachtlichen Größe den Freunde-unter-Freunden-Charme nie verloren hat“

Viel hat sich verändert über die vergangenen 35 Jahre – nur eines bleibt eigentlich fast immer konstant: die Einwohnerzahl von Ohrenbach, dem kleinen Teilort von Künzelsau, den manche Zugezogene auch schon mal ob der Größe als Weiler betitelt haben. Von Ohrenbach kommt Floryan, der ESC-Finalteilnehmer beim diesjährigen Vorrundenentscheid in Deutschland. Ein ganzes Dorf hat im Mai diesen Jahres mitgefiebert, so wie sich nun ganz Ohrenbach und die Teilorte wie Amrichshausen und Nitzenhausen auch vorbereiten auf das Fest der Feste.

Denn das Glockenfest ist im Hohenlohekreis berühmter als Ohrenbach selbst und erfreut sich auch über den Künzelsauer Tellerrand heraus allgemeiner Beliebtheit. Vielleicht weil es trotz der mittlerweile beachtlichen Größe diesen „Freunde-unter-Freunden-Charme hat“ nie verloren hat und unter anderem mit einer gemütlichen Weinlaube aufwartet, entspanntem Publikum, mit immer starkem Bühnenprogramm (neben dem Lustigen Rolf treten in diesem Jahr gleich drei weitere Bands auf: SAM am Freitag, Steel Money am Samstag, Iwwerzwerch am Sonntag) und einer XXL-Spielestraße für Kinder – in diesem Jahr sogar mit Ponyreiten und Mini-Baggerfahren.

Es gibt den Ohrenbächer zu essen – wenn er nicht mal wieder aufgrund seiner Beliebtheit ausverkauft ist. Und es findet das alljährliche Fußball-Gerümpelturnier mit so ziemlich allen namhaften Mannschaften in der Region auf der Wiese neben dem Feste-Spektakel statt. Seit einigen Jahren wurde dieses um das 9-Meter-Turnier erweitert, so dass es auch Samstags schon tagsüber etwas zu sehen und zu erleben gibt.

Am Sonntag tritt die Stadtkapelle Künzelsau auf.

Ursprünglich feierten die Ohrenbächer das Fest, um ihre neue Ortsglocke am Spielplatz einzuweihen. Die Einwohner entschieden, das Fest jährlich zu feiern. Und es lockte zahlreiche Besucher:innen vom Kocher- und Jagsttal an, so dass im Laufe der Jahre der Austragungsort hierfür an den Ortsrand bei der Hütte Ohrenbach verlegt wurde.




Von Hermuth auf die Bühne des Eurovision Song Contests

„Musik mache ich eigentlich schon, seitdem ich klein bin“, sagte uns Florian Rössler in einem GSCHWÄTZ-Videointerview vor sechs Jahren in Hermuthausen kurz vor dem seinem Auftritt mit seiner damaligen band Twilight Zone im Herimouth-Saal.

Der gebürtige Ohrenbacher lebt mittlerweile in Hamburg und ist einer von vier Kandidaten, die heute Abend im Endausscheid der Vorauswahl des Eurovision Song Contests stehen (ESC).

Sprung auf die große Bühne geschafft

Angefangen habe es mit sechs Jahren im Kinderchor in Amrichshausen, erinnert sich der heute 18-Jährige. In der sieben Klasse wechselte er auf das Schlossgymnasium in Künzelsau, wo er auch Gesangsunterricht hatte. Auch auf einigen Hochzeiten habe er schon gespielt, berichtete er – damals noch bartlos – in unserem Videointerview.

Nun hat er den Sprung auf die ganz große Bühne geschafft. Heute abend entscheiden die Zuschauer:innen, wer von den vier Finalisten der Vorauswahl mit dem Titel „Ich will zum ESC“ in die nächste Qualifikationsrunde kommt  und sich dann gegen professionelle Musiker durchsetzen muss.

Live-Finale

Das Live-Finale von „Ich will zum ESC!“ läuft am heutigen Donnerstag, 8. Februar, um 22.00 Uhr live in der ARD Mediathek und im NDR Fernsehen.

Das deutsche Finale 2024 ist dann am 16. Februar 2024 um 22.05 Uhr live in Berlin. Barbara Schöneberger moderiert. Hier entscheidet sich, wer Deutschland dann beim ESC im Mai in Schweden vertreten wird.

Zahlreiche Hohenloher drücken dabei Florian, der sich mittlerweile Floryan nennt, die Daumen.

Hier gibt es nochmal die Songs aller vier Kandidaten in voller Länge zu hören: Ich will zum ESC! – Videos der Sendung | ARD Mediathek

 




Hier geht wohl keinem mehr ein Licht auf

Grüner werden, das möchten derzeit viele Städte und Gemeinden. Auch Künzelsau ist in dieser Hinsicht sehr ambitioniert und möchte unter anderem mit einer neuen Straßenbeleuchtung Strom und Energie sparen (wir berichteten).

Zappenduster

In dem Künzelsauer Teilort Ohrenbach, das sich derzeit dadurch verdient macht, die wohl längste Dauerbaustelle in Künzelsaus Straßenbaugeschichte zu werden, hat es sich im Zuge eben dieser besagten Bauarbeiten zugetragen, dass Kabel versehentlich gekappt wurden, die für die Straßenbeleuchtung benötigt werden. Daher ging in einer Straße dort seit geraumer Zeit abends kein Licht mehr an.

Alternative Lampe

Nachdem Anwohner:innen sich beschwert hatten bei der Stadtverwaltung, baute diese ihnen kurzerhand eine alternative Lampe auf, genauso hoch, nur wesentlich schicker, in anthrazit gehalten, mit moderner Photovoltaiktechnik auf der Front, kabellos. Allein durch Sonneneinstrahlung soll sie scheinen – was sie auch tat, allerdings nur für eine, manchmal auch zwei Stunden. Dann waren wohl ihre Energievorräte aufgezehrt. So stehen die Anwohner:innen seitdem ab 19 oder 20 Uhr wieder im Dunkeln.

Bald geht hier keinem mehr ein Licht auf

Ebenfalls bemerkenswert an dieser Geschichte ist die Tatsache, dass lediglich der Anwohner eine Laterne vor sein Haus gestellt bekommen hat, der sich beschwert hat. Die anderen Anwohner:innen gingen bislang leer aus. Die Stadtverwaltung verwies bei dieser modernen Straßenlaterne darauf, dass es sich um eine Testlaterne einer Firma handelt, die sie noch vorrätig hatten, um schnell wieder für Licht in Ohrenbachs wohl derzeit dunkelster Straße zu sorgen.

Bleibt daher nur zu hoffen, dass die Stadtverwaltung diese Laternen nicht flächendeckend aufstellen lässt.

Ansonsten geht in Künzelsau bald keinem mehr ein Licht auf.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Organisatorische Hilflosigkeit

Bezeichnend offen und ehrlich war der Austausch zwischen Ohrenbächern, Vertreter:innen der Stadt Künzelsau sowie Vertreter:inen der Netze BW am Donnerstag, den 22. September 2022 im Dorfgemeinschaftshaus bezüglich der Dauerbaustelle in dem Künzelsauer Teilort. Diverse Sätze machten deutlich: Der Stadt als Bauherr:in scheinen teilweise die Hände gebunden zu sein gegenüber dreistem Verhalten von Mitarbeiter:innen sowie eklatanten Baumängeln der verantwortlichen Baufirma. Dabei leben doch Baufirmen auch von städtischen (Folge-)-Aufträgen – sollte man meinen. Aber auch in diesem Bereich bestimmt eben das Angebot die Nachfrage.

„Eventuell monatelanger Stillstand“ prognostizieren denn auch die Verantwortlichen auf die Frage, warum man nicht endlich mal durchgreife. Die Befürchtung von der Stadt und Netze BW: Man finde eventuell erst einmal keinen Ersatz. Die Einwohner:innen argumentieren: Bevor weiter so viel „Murks“ gemacht werde, bevorzugen sie lieber Stillstand.

So unsicher erlebt man städtische Vertreter:innen selten. Und auch so handlungsarm. Auf Schreiben, Mahnungen, Anweisungen, Androhungen anderer Maßnahmen würde die Baufirma beziehungsweise die Arbeiter:innen einfach nicht reagieren. „Leider sind die beratungsresistent“, sagt etwa Simone Mitsch von den KÜNWerken. „Ständige Mängelanzeigen“ hätten keine Änderung bewirkt. Es sei „schwer schwierig, hier durchzugreifen“.

Man will als Steuerzahler:in denn auch gar nicht wissen, wie viel Geld diese Baufirma für diese nun mittlerweile fast ein Jahr andauernde Baustelle erhält.

Und wie lange die Reklamations-Nacharbeiten dauern werden, wenn die Baustelle offiziell beendet wird. 5 Jahre haben die Anwohner:innen Zeit, ihre Mängelbescheide bei der Stadt einzureichen. Schon jetzt füllen die Beschwerden mehrere Seiten.

Man wünscht sich hier doch tatsächlich einen stärkere öffentliche Hand, die durchgreift und nicht hilflos danebensteht, während einfach weitergewurschtelt wird, wie wenn nichts wäre.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Du bist als Auftraggeber völlig hilflos“

Simone Mitsch redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Ich arbeite seit 22 Jahren im Tiefbau, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Simone Mitsch von der Stadt Künzelsau ist ebenfalls unzufrieden mit der Situation. Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Fast jeder ist betroffen

Das Dorfgemeinschaftshaus in dem Künzelsauer Teilort Ohrenbach ist am Donnerstag, den 22. September 2022, bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Einwohner:innen möchten hören, was Vertreter:innen der Stadtverwaltung Künzelsau und von Netze BW zu sagen haben. Es geht um die Dauerbaustelle in Ohrenbach, die eigentlich seit Juni 2022 abgeschlossen sein sollte, jedoch – wenn überhaupt – frühestens Ende der Jahres fertig ist. Betroffen ist fast jeder Haushalt von den neuen Wasser-, Glasfaser- und Stromleitungen, die derzeit verlegt werden. Seit einem dreiviertel Jahr befindet sich das Dorf in einem Ausnahmezustand zwischen Straßengräben, Schlaglöchern, Aufschüttungen, Zuschüttungen und nicht nachvollziehbaren Arbeitsweisen und -abläufen sowie teilweise qualitativ schlechter Arbeit (wir berichteten).

Markus Manz sieht auch die Stadt in der Bringschuld. Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Solche Probleme habe es noch nie gegeben

An diesem Abend nun soll es einen Austausch zwischen den Verantwortlichen und den Einwohner:innen geben. Gleich zu Beginn wird deutlich: Sowohl die Stadtverwaltung als auch Netze BW stimmen mit den Einwohner:innen über diverse Mängel und mangelhaftes Verhalten der Baufirma überein. Ein Vertreter der Baufirma Krieger aus Bruchsal selbst  ist nicht vor Ort.

Die Baufirma habe den Zuschlag im Rahmen einer Ausschreibung erhalten, erklärt Simone Bittner von der Stadtverwaltung. Sie ist technische Leiterin der KÜNWerke. Alexander Stickel von Netze BW erklärt: Wir haben schon oft mit dieser Firma zusammengearbeitet.“ Solche Probleme habe es noch nie gegeben.

Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Danach noch schlimmer als vorher

Man habe gehofft, dass es nach den „relativ langen Bauferien“, die sich die Arbeiter der Firma Krieger im Sommer genommen hatten, besser laufen würde, aber danach sei es noch schlimmer als vorher gewesen, resultiert Mitsch. So parken etwa Baufahrzeuge und Lkws freimütig auf privaten Rasenflächen von Anwohnern, wie etwa auf Helga Knittels Grundstück. Auch auf Aufforderung, wegzufahren, sei nichts passiert. Dieter Rudolph musste feststellen, dass seine Arbeitswerkzeuge wie Hammer, Schubkarre und Schaufel freimütig von den Arbeitern ohne ihn zu fragen, benutzt würden.

Projektbetreuer Bayer: „Völlig hilflos.“ Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

„Die zucken nur mit den Schultern und gehen weiter“

Auch Gespräche zwischen Stadt, Netze BW und Mitarbeitern der Baufirma hätten nicht viel bewirkt. „Die zucken nur mit den Schultern und gehen weiter.“

Herr Ackermann von der Netzentwicklung Nord erklärt: Auch mir ist so eine Maßnahme noch nie untergekommen. Ich war selbst überrascht, welche Qualität hier abgeliefert wird.“

Nun soll das Personal teilweise ausgetauscht werden, darauf habe man sich mit der Baufirma geeinigt. Zusätzlich sollen tägliche Kontrollen vor Ort gemacht werden.

Fortan tägliche Kontrollen und Austausch des Personals

Anwohner Markus Manz sieht aber nicht nur die Firma Krieger in der Bringschuld: „Es brodelt nun schon seit einem halben Jahr so.“ Mehrfach habe man die Stadt auf Mängel aufmerksam gemacht. Mehrfach hieß es, man sei dafür nicht zuständig. Fazit: „Es ist lange von der Stadt nichts unternommen worden.“ Ralf Lauber ergänzt: „Es hat keine Kommunikation stattgefunden“, etwa in Form eines Schreibens von der Stadt an die Anwohner:innen über die Bausituation und die nächsten Etappenschritte, etwa, wann und wie lange bestimmte Straßenabschnitte gesperrt seien. „Da sind genug Fachleute da, die sich darum kümmern können und müssen.“ Der freie Architekt bemängelt zudem massiv, dass die Baustellen teilweise nicht richtig abgesichert seien. Seine Frau sei dabei in einen ungesicherten Graben gefahren. Mehrmals habe er sich an Frau Deppner von der Stadt gewendet. Diese habe nur gemeint, dass ihr davon nichts bekannt sei.

Ackermann (links) und Alexander Stickel von Netze BW beim Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Kritik der Einwohner:innen an die Stadt: Zu lange nicht reagiert und nicht kommuniziert mit den Einwohner:innen

Projektbetreuer Bayer entgegnet, dass sehr wohl seitens der Stadt einige getan wurde: „Du schreibst, du mahnst. Aber es passiert einfach nichts. Du bist als Auftraggeber völlig hilflos.“ Mitsch fügt hinzu: „Es war auch nicht vorauszusehen, dass das so grauenhaft läuft.“ Ackermann sagt einen wichtigen Satz: „Tiefbaufirmen bekomme man halt derzeit auch nicht wie Sand am Meer.“

„Es war auch nicht vorauszusehen, dass das so grauenhaft läuft“

Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Dann hätte es im schlimmsten Fall erst einmal Stilstand in Ohrenbach gegeben. Besser Stillstand als weiter schlechte Arbeit, finden die Anwohner:innen.

Die Einwohner:innen zählen bei der Versammlung reihenweise Mängel an ihren Grundstücken und beim Straßenbau auf. Mitsch sagt, Mängel können bei ihr (per Mail an: simone.mitsch@kuenzelsau.de) oder bei Herrn Stickel von Netze BW angezeigt werden. 5 Jahre dauere die Gewährleistungspflicht der Firma Krieger. Nur: Wer behebt die ganzen Mängel? Alle Anwesenden scheinen zu zweifeln, die Arbeiter – gelernt oder ungelernt – überhaupt fähig dazu sind.

Bereits am nächsten Tag hat sich einiges getan im Ort, unter anderem eine von der Baufirma unzulässig Straßensperrung wurde entfernt. Die Stadt und Netze BW scheinen anzufangen, aufzuräumen.

Ortsvorsteher Felix Bittner. Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Schwierigkeiten in Ohrenbach so nicht vorhersehbar“

Nun hat auch die Stadtverwaltung Künzelsau öffentlich auf die Dauerbaustelle in Ohrenbach reagiert (wir berichteten) und folgendes Statement unserer Redaktion zukommen lassen: „Leider sind die Stadtverwaltung und hier auch die KünWerke tatsächlich mit der Bauausführung auf der von Ihnen angesprochenen Baustelle in Ohrenbach nicht zufrieden und haben sich deshalb auch bereits mit den am Bau Beteiligten in Verbindung gesetzt.“ Bauleiter Henecker von der Baufirma Krieger aus Bruchsal hatte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage vonr  Tagen gesagt, dass die Baustelle bis Ende des Jahres fertiggestellt sei. Die Stadtverwaltung sieht das allerdings etwas anders. So heißt es: „Die Fertigstellung ist derzeit leider nicht absehbar.“

„Im Verzug“

Weiter heißt es: „Die KünWerke haben sich an die Stromerdverkabelung der NetzeBW mit Leitungsverlegungen angeschlossen. Das heißt, die KünWerke haben die NetzeBW mit der Mitverlegung von Breitband und Straßenbeleuchtungskabel beauftragt – also die ausführende Baufirma nur indirekt beauftragt. Diese Arbeiten sind in Verzug. Dies wurde bereits speziell und nachdrücklich gegenüber der Baufirma angezeigt. Die KünWerke haben lediglich eine weitere Baufirma direkt mit der Erneuerung der Wasserleitung beauftragt, diese Baumaßnahme ist – allerdings auch mit Verzögerungen, unter anderem Corona-bedingt – fertiggestellt.“

Arbeitskolonne ausgetauscht, tägliche Kontrollen

Um die Ausführung der restlichen Arbeiten zu beschleunigen, wurde bei einem Ortstermin mit Vertretern der beteiligten Unternehmen, der Netze BW, der KünWerke und den Anwohnenden verabredet, dass nicht nur wie bisher Mitarbeitende der Netze BW, sondern auch der KünWerke die Baustelle täglich und engmaschig kontrollieren. Außerdem wird oder wurde diese Woche eine Arbeits-Kolonne ausgetauscht, weitere Konsequenzen werden derzeit geprüft.

„Bei der Auswahl des Bauunternehmens spielen natürlich die Kosten eine wichtige Rolle“

Die Netze BW ergänzt zur Auswahl des Bauunternehmens: „Grundsätzlich muss die Netze BW die Ausführung von Baumaßnahmen, wie die in Ohrenbach, ausschreiben. Bei der Auswahl des Bauunternehmens spielen natürlich die Kosten eine wichtige Rolle. Ebenso von Bedeutung sind dabei aber auch Qualitäts- und Sicherheitskriterien, die ein Unternehmen zu erfüllen hat. Darum finden auf den Baustellen regelmäßig Kontrollbesuche durch die Netze BW statt. Die Erfahrungen mit der ausführenden Firma waren bislang gut: Es gibt eine langjährige Zusammenarbeit zwischen der Netze BW und der Firma. Insofern waren die Schwierigkeiten in Ohrenbach so nicht vorhersehbar. An einer Verbesserung der Situation wird aber bereits in Absprache mit der Firma gearbeitet. Die Verzögerungen in dem Bauprojekt bedauert die Netze BW. Unter den gegebenen Umstände kann ein genauer Fertigstellungstermin momentan leider noch nicht genannt werden.

Die KünWerke bedauern, dass wegen des ungenügenden Einsatz einer Firma auch die anderen beteiligten Unternehmen schlecht weg kommen, obwohl sie kein Verschulden haben.“

 




„Wir versuchen es, nun besser zu machen“

Nach dem Einwohner:innen mittlerweile den Aufstand in dem 130-Seelendorf Künzelsau-Ohrenbach wegen ihrer monatelangen Dauerbaustelle proben (wir berichteten), sprach nun Bauleiter Thomas Henecker von der Firma Krieger aus Backnang, mit Dr. Sandra Hartmann darüber, warum es teilweise so drunter und drüber ging – und gelobt Besserung. Bis Dezember 2022 soll die Baustelle beendet sein.

Vier weitere Mitarbeiter vor Ort

GSCHWÄTZ: Gab es denn Ihrer Meinung nach größere Verzögerungen im Rahmen der mittlerweile schon dauerhaft anmutenden Baustelle in Ohrenbach und wenn ja, warum?

Henecker: Natürlich. Wir haben später angefangen, weil wir Material erst später bekommen haben. Hinzu kommt: Viele der ausländischen Mitarbeiter fahren im Sommer vier Wochen im Urlaub. Ab sofort haben wir vier Mitarbeiter mehr vor Ort. Die Mitarbeiter teile ich dann künftig in zwei Kollonnen ein.

Ohne Schaufel auf der Baustelle

GSCHWÄTZ: Anwohner:innen hatten moniert, dass die Bauarbeiter teilweise nicht mal die gängisten Sachen dabei hatten und diese wiederum von Einwohner:innen ausleihen mussten, wie etwa Schaufeln und dergleichen. Ich teile die auf in 2 Kollonnen. Insgesamt 4 Mitarbeiter mehr.

Henecker: Wir haben bei uns über 500 Schaufeln. Wenn die Mitarbeiter diese Dinge nicht mitnehmen, was soll ich dazu sagen? Das kann ich gar nicht glauben, weil man zum Beispiel eine Schaufel ja fast immer braucht.

GSCHWÄTZ: Eine Anwohnerin hat uns berichtet, dass ihr Vorgarten aufgegraben wurde, als sie im Urlaub war. Kein Mensch habe ihr das vorab gesagt.

„Es war alles anders geplant hier“

Henecker: Kommunikationsschwierigkeiten gab es mit Sicherheit an der ein oder anderen Stelle. Aber es war auch alles anders geplant hier. Mir ist eine Firma abgesprungen, deren Mitarbeiter:innen hätten hier in der Nähe übernachtet. Die Mitarbeiter:innen der jetzigen Firma möchten aber abends nach Hause zu ihren Familien. Das bedeutet, jeden Tag morgens und abends 140km Fahrt, dazu kommt eine Autobahn, wo es sich ständig staut. Für mich wäre das auch einfacher, wenn die Arbeiter hier in der Nähe eine Unterkunft hätten.

GSCHWÄTZ: Manche monierten, dass es teilweise sehr unkoordiniert aussah. Man fing bei A an, machte bei Z weiter, dann ging man zu M und dann machte man wieder bei A weiter.

Henecker: Wenn zwei Firmen parallel an einer Baustelle arbeiten, ist das schwierig. Die Firma Steinbrenner hat etwa den Hauptgraben aufgemacht, dann mussten wir warten, bis sie fertig sind. Die Firma konnte die Baustelle dann nicht mehr zu Ende machen. Netze BW und die Stadt Künzelsau kennen aber die ganzen Umstände.

GSCHWÄTZ: Aber offensichtlich wurden diese Hintergründe bislang nicht offen genug mit den Anwohner:innen besprochen.

Henecker: „Wir versuchen, es nun besser zu machen. Dieses Jahr noch soll die Baustelle abgeschlossen werden.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Wir sind von der Stadt Künzelsau im Stich gelassen worden“

Wenn Elfriede Hübel zu ihrem Esszimmerfenster hinausschaut, kann sie es noch immer nicht so recht glauben. Ihr Vorgarten schaut aus, wie wenn ein monströs großer Maulwurf sich durch den Garten in ihr Haus gegraben hätte. Die Rasenfläche wurde quasi in der Mitte umgepflügt, rechts und links liegen große Erdhügel, die ehedem blühende Hortensie fiel den Grabungsarbeiten zum Opfer. Was ist geschehen?

Seit Monaten sind die Ohrenbacher baustellengeplagt. Foto: GSCHWÄTZ

Seit Monaten halb aufgerissene Straßenzüge

Elfriede Hübels Haus ist Teil des großen Kabelverlegungsprojektes für neue Strom-, Wasserrohre und Glasfaser der Stadt Künzelsau im Teilort Ohrenbach. Seit Monaten nun schon werkeln Bauarbeiter in dem 130-Seelendorf herum, fangen mal hier an, machen mal dort weiter. Dann wieder tut sich tagelang nichts. Für den ein oder anderen Anwohner ist das Vorgehen nicht ganz nachvollziehbar. Hin zukommen seit Monaten halb aufgerissene Straßenzüge.

Quer durch den Vorgarten

Die Umgrabungsarbeiten kamen indes völlig überraschend für die 79-Jährige, war sie doch mit ihrem Mann in eben dieser Zeit im Urlaub. Angekündigt war die Verlegung zwar schon, allerdings sollte, so Elfriede Hübel, die Leitung unterirdisch ins Haus „geschossen“ werden. Das hat offensichtlich nicht geklappt. Die Wasserrohre werden nun quer durch ihren Vorgarten direkt ins Haus verlegt, der Strom indes über ihre Hofeinfahrt in ihre Garage. Zwei Mitarbeiter der zuständigen Baufirma sind derzeit damit beschäftigt, einen Teil der gepflasterten Hofeinfahrt hierfür freizulegen.

„Alle goschen grad“

Frau Hübel steht nun vor einem kleinen Burggraben. Lustig findet sie das nicht. Immerhin sei es nicht das einzige, was so alles die vergangenen Monate schief gelaufen sei bei den Bauarbeiten. Auch andere Einwohner:innen hätten die verrücktesten Dinge erlebt. „Alle goschen grad“, sagt sie.

Am Mittwoch, den 14. September 2022) habe es dann richtig geknallt, berichtet sie. Es habe ein Vort-Ort-Meeting mit Frau Mitsch von der Stadt Künzelsau, mit Vertretern der Baufirma Kaiser aus Bruchsal, mit einem Vertreter des Stromlieferanten Netze BW sowie mit Anwohner:innen gegeben. Ausschlaggebend hierfür waren vermutlich die kritischen Aussagen von Wolfgang Schmelzle im Gemeinderat am Vortag bezüglich der zuständigen Baufirma. Anscheinend sei diese so unorganisiert, dass sie sich ständige die simpelsten Arbeitsgeräte von den Anwohner:innen ausleihen müsse. Dies kann nicht nur Elfriede Hübel bestätigen, sondern auch ihr Nachbar Dieter Rudolph. In einem handgeschriebenen Brief erklärt er gegenüber der Redaktion GSCHWÄTZ: „Arbeitswerkzeug wir Schubkarre, Hammer, Säge teilweise nicht vorhanden.“ Er könne zudem nicht verstehen, dass die Arbeiter:innen jeden Tag nach Hause nach Bruchsal fahren, anstatt hier in der Nähe zu übernachten. Er selbst habe bei Grabungsarbeiten an seinem Haus zwei Wochen seine Hofeinfahrt nicht befahren können, bis die Bauarbeiter daran weitergearbeitet hätten. Immer habe es gehießen: „Wir kommen morgen. Aber es kam niemand.“ Beziehungsweise es kamen schon Arbeiter, diese hätten aber dann an einem anderen Haus im Ort weitergearbeitet.

Für diverse Anwohner:innen wirkte das Ganze wohl etwas unkoordiniert.

Mit Sand aufgefüllt. Reicht das als Verdichtung? Foto: GSCHWÄTZ

„Murks“

Auch handwerkliche Mängel beklagen die Anwohner:innen. Dieter Rudolph: „Am nächsten Tag wurden dann die Leerrohre verlegt und die Baugrube 1,50m tief wieder zugefüllt, ohne das Füllgut zu verdichten.“ Rudolph spricht hier von „Murks“. Elfriede Hübel wiederum zeigt bei der Besichtigung auf das Kanalrohr, das nun direkt von ihrem Vorgarten in ihr Haus verlegt wurde, die Grube um das Rohr herum sei hier lediglich mit Sand aufgefüllt worden, anstatt um das Loch herum etwas festeres Material wie Zement zu verwenden, um das neue Loch zu versiegeln. Die Rentnerin hat nun Sorge, dass bei Regen Wasser in ihr Haus dringen können. Beide sind sich einig: „Es kann nicht sein, dass man so eine Firma holen kann.“

„Es hat ja fast überall Ärger gegeben“

Die Stadt Künzelsau sei Auftraggeber und habe dafür zu sorgen, dass alles richtig gemacht werde. „Wir sind ja nichtder einzige Hauhalt, wo es Probleme gibt, es hat ja fast überall Ärger gegeben“, sagt Rudolph, ähnlich wie Hübel. Wer habe hier die Bauaufsicht? Die Baustellen der beiden befindet sich an einer Durchfahrtsstraße. „Da stehen keine Baustellenschilder. Kein Bauarbeiter hat eine Warnweste an.“ Da könne man nur noch darauf warten, bis einer überfahren werde“, so Rudolph in seinem Schreiben weiter. Sein Fazit: „Wir sind von der Stadt Künzelsau im Stich gelassen worden.“

 

Eine ähnliche Hortensie hat die Grabungsarbeiten in Elfriede Hübels Garten nicht überlebt. Foto: GSCHWÄTZ

„Wir sind von der Stadt Künzelsau im Stich gelassen worden

Frau Hübel glaubt zu wissen, wo das Problem liegt: „Es muss alles billig produziert werden. Es gehe nur noch um den Preis. Ergo: Die günstigste Baufirma bekäme den Zuschlag. Mit der Vorgängerfirma Steinbrenner sei alles glatt gelaufen, sagt sie, als sie auf ihren ungepflügten Garten blickt: „Das sieht so trostlos aus. Das ist alles kauppt. So kann es nicht weitergehen. Die müssen das richten.“

Am Donnerstag, den 22. September 2022, 19 Uhr, lädt Ortsvorsteher Felix Bittner alle Einwohner:innen zum Austausch mit der Stadt Künzelsau in das Dorfgemeinschaftshaus ein.

Text: Dr. Sandra Hartmann