„Das ist einfach Irrsinn“
Getestet, geimpft oder genesen – Die drei heiligen Gs scheinen wie die neue Triade des Biergartenbesuchs. Wer keines dieser drei Privilegien vorweisen kann, für den gilt das, was Gruppen Heranwachsender vom Türsteher einer vollen Disco zu hören bekommen: „Du kommst hier nicht rein.“
„Jetzt trinken wir halt auf unserer Terrasse etwas“
Die Besucher des Ochsengartens in Forchtenberg gehen am Donnerstag, den 03. Juni 2021, relativ entspannt mit dieser Einschränkung um. „Wir wollten gerade in den Ochsengarten gehen, aber wir kommen nicht rein, weil wir weder getestet, noch vollständig geimpft sind“, erklärt Karin Appenzeller. Sie und ihr Mann Rainer sind gerade mit dem Rad unterwegs und nehmen die Abfuhr sportlich. „Jetzt radeln wir halt wieder heim und trinken auf unserer Terrasse etwas.“
„Wir machen das Beste daraus“
Auch Daniel Seegräber macht sich nichts daraus, dass ihm der Eintritt in den Biergarten verwehrt wird, weil er ungetestet ist. Er schnappt sich Freundin und Bier und macht es sich auf der anderen Straßenseite auf der Mauer vor dem Lokal bequem. „Wir sind zufällig vorbeigekommen und haben gesehen, dass man nur eintreten darf, wenn man getestet, geimpft oder genesen ist. Das sind wir alles nicht, also haben wir eben gesagt: ‚Dann machen wir to go und machen das Beste daraus.‘“
„Das ist einfach Irrsinn“
Arndt Schwarzmannseder, Betreiber des Ochsengartens, erklärt: „Immer wieder kommen Leute, regen sich auf und gehen wieder, wenn sie von den Anforderungen erfahren, den Biergarten zu besuchen. Sie sagen dann, es sei einfach Irrsinn, nicht zwischen verschiedenen Konzepten zu differenzieren. Wir stellen dann natürlich auch klar, dass das nicht unsere Idee ist, sondern, dass das von der Regierung diktiert wird.“
„Die Testerei bricht uns das Genick“
Der Start nach dem monatelangen Lockdown sei ein wenig chaotisch gewesen, wie Schwarzmannseder erzählt: „Wir hatten zwei Tage Zeit, um zu öffnen. Vor sechs Monaten haben alle unsere Mitarbeiter gekündigt, alle haben jetzt andere Jobs. Wir finden unser Personal nicht mehr und müssen jetzt alles „neu machen“. Jetzt haben wir offen und verdienen doch kein Geld, weil die Testerei uns das Genick bricht. Wie gesagt, viele Leute gehen wieder, wenn sie testen müssen.“
Testzentrum vor dem Ochsengarten
Vasile Barb und Dorin Vioicu gehören nicht dazu. Die beiden jungen Männer ziehen es durch und führen vor dem Ochsengarten einen Schnelltest durch. Jedoch stellt Barb klar: „Diese Testerei finde ich auf jeden Fall richtig blöd.“ Ganz anders eingestellt sind dazu Hermann und Sieglinde Schwab. Auch das Ehepaar führt einen Schnelltest durch, um den Biergarten zu besuchen. Hermann Schwab erklärt: „Es ist für uns üblich, dass wir uns testen – entweder Zuhause oder im Testzentrum. Inzwischen ist es Usus und kein Problem mehr und wir freuen uns jetzt echt darauf, mit unseren Freunden einen Kaffe zu trinken und ein schönes Geplauder zu haben.“ „Gschwätz!“, ergänzt seine Frau Sieglinde und Schwab berichtigt: „Gschwätz zu haben, natürlich, wir sind ja Schwaben!“ Für diejenigen, die keinen tagesaktuellen Test parat haben, gibt es übrigens vor dem Ochsengarten ein kleines „Testzentrum“, beziehungsweise die Möglichkeit, einen Selbsttest zu erwerben und ihn durchzuführen.
„Ich verstehe das Ganze einfach nicht“
Ginge es nach Schwarzmannseder, gäbe es bessere Möglichkeiten, den politischen Anforderungen gerecht zu werden. Der Gastronom ist enttäuscht. „Warum betrachten Politik und Stadt die einzelnen Fälle nicht individuell? Wir haben so einen großen Biergarten, ich könnte die Tische auch mit zehn Metern Abstand platzieren. Das wäre locker möglich. Ich verstehe das Ganze einfach nicht. Ich kann ohne Test in den Schuhladen – in einen geschlossenen Raum – gehen und hier im Biergarten, draußen unter freiem Himmel, wo eigentlich erwiesen ist, dass keine Ansteckungen möglich sind, ist es verboten. Das ist dramatisch. Wir fühlen uns einfach verlassen.“ „Verlassen und verarscht“, ergänzt seine Frau Sabrina.
Text: Priscilla Dekorsi
Moderation: GSCHWÄTZ-Praktikantin Cora-Lee Pusker

Keine leichte Zeit für Gastronomen: die Betreiber des Ochsengartens, Sabrina und Arndt Schwarzmannseder. Foto: GSCHWÄTZ

Der Ochsengarten in Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

Ziemlich bezeichnend – das Wahrzeichen des Ochsengartens trägt Mundschutz. Foto: GSCHWÄTZ

Neuerdings sind die Anforderungen für Gastronomiebesuche hoch: Man muss einen Nachweis über eines der drei „G“ – getestet, geimpft, oder genesen – erbringen. Foto: GSCHWÄTZ

Auch die Öffnungszeiten sind eingeschränkt. Foto: GSCHWÄTZ

Selbst fürs Mitnehmen von Speisen und Getränken macht die Politik strenge Vorschriften. Foto: GSCHWÄTZ

Auf alles vorbereitet: Wer keinen Test hat, kann im Ochsengarten einen erwerben. Foto: GSCHWÄTZ

Yana Rupp (links) und Valeria Lopez sind „das leckere Essen und die netten Leute“ den Test wert. Foto: GSCHWÄTZ

Matthias Eheim (links), Janine Köhler und Martines Meißner ertesten sich den Eintritt in den Ochsengarten. Foto: GSCHWÄTZ

Sieglinde und Hermann Schwab haben Verständnis für das Test-Prozedere. Foto: GSCHWÄTZ

Prost! Regina Wieland (links), Siegfried und Renate Janda haben dank Impfausweis ein schattiges Plätzchen im Biergarten gefunden. Foto: GSCHWÄTZ

Dorin Vioicu (links) und Vasile Barb haben die Nase voll von der Testerei. Foto: GSCHWÄTZ